Personeneinträge (Gesamt A-Z)

Abbt, Thomas geboren am: 25-11-1738 in: Ulm gestorben am: 03-11-1766 in: Bückeburg Verhältnis zu Lessing: Bekannter Beschreibung: Der Sohn einer Pfarrerstochter und Perückenmachers sowie späteren Waffenhändlers studierte Philosophie und Mathematik in Halle. 1760 wurde er außerordentlicher Professor in Frankfurt/O. Ein Jahr später erhielt er einen Ruf für Philosophie und Mathematik an die Alma Ernestina nach Rinteln. Während eines Berlinaufenthaltes 1761 schloss er Bekanntschaft mit ⭢Nicolai und ⭢Mendelssohn, die Abbt als Nachfolger Lessings für die Mitarbeit an den ›Briefen, die neueste Litteratur betreffend‹ gewannen. Unter der Sigle *B* verfasste er zahlreiche Texte für das Rezensionsorgan und besuchte auch Nicolais ›Berliner Mittwochsgesellschaft‹. Die bis vor ⭢Friedrich ausgetragene und zum kurzfristigen Publikationsverbot führende Kontroverse zwischen ⭢Justi und Nicolai als dem Herausgeber der ›Literaturbriefe‹ geht auf einen Beitrag Abbts zurück. Graf Wilhelm zu Schaumburg-Lippe ernannte ihn 1765 zum Regierungs- und Consistorialrat in Bückeburg, dafür schlug Abbt, der akademischen Welt ohnehin eher ablehnend gegenüberstehend, Rufe nach Marburg und Halle aus. Bereits im Jahr darauf starb er im Alter von nur 27 Jahren an einem Hämorrhoidalleiden. Aus einem Brief Mendelssohns an Abbt vom 22. Juli 1766 geht hervor, dass dieser mindestens einmal, vielleicht auch mehrfach mit Lessing zusammentraf. Beide thematisierten um 1760 den Siebenjährigen Krieg, Lessing 1759 in ›Philotas‹, Abbt 1761 in ›Vom Tode für das Vaterland‹. Obwohl Abbts Schrift zwei Jahre später entstand, ist sie für den ›Philotas‹ aufschlussreich: In seinem erfolgreichen Werk fanden zeitgenössische Anschauungen zum Siebenjährigen Krieg Eingang, deren patriotische und Friedrich-getreue Tendenz die populäre Gegenposition zu Lessings Einakter darstellt. Gleichwohl war Lessing das schriftstellerische Idol des früh Verstorbenen: »Ihm und wenigen seines Gleichen gefallen zu haben«, bekennt Abbt, »gibt die wahre Beruhigung des Schriftstellers«. GND ADB/NDB-Link Wikipedia Bibl. Angabe Porträt
Abrahamson, Werner Hans Frederik geboren am: 10-04-1744 in: Schleswig gestorben am: 22-09-1812 in: Kopenhagen Verhältnis zu Lessing: Bibliotheksbenutzer Beschreibung: Im Brotberuf dänischer Offizier, war Abrahamson auch als Pädagoge, Sprachlehrer, Schriftsteller, Herausgeber und Übersetzer tätig. Nach zum Teil autodidaktischer Ausbildung besuchte er die Landkadettenakademie in Kopenhagen und wurde 1771 Lehrer für Sprachen, Stilkunde, Geographie und Geschichte an der dortigen Artillerieschule. Abrahamsons Interessen waren vielfältig, er war Schriftsteller, Herausgeber und Übersetzer, forschte über Runen, mittelalterliche Literatur, Militärgeschichte und andere Themen, schrieb umfangreiche Kritiken und Publikationen. Früh engagierte er sich für den Denkmalschutz, außerdem nahm er hohe Ämter bei den Freimaurern wahr und publizierte zur Freimaurerei. Als aufklärerischer Geist suchte er ebenso die allgemeine Volksbildung zu verbessern wie die besonderen Beziehungen zwischen Deutschen und Dänen; als Liebhaber der dänischen Literatur schrieb er deutsche und dänische Sprachlehren und Wörterbücher. In einem 1780 erschienenen Reisebericht berichtet Abrahamson ausführlich von seinem etwa sechswöchigen Aufenthalt im Sommer 1778 in Wolfenbüttel und seine Gespräche mit Lessing, die vor allem Zustand und Probleme der Herzoglichen Bibliothek betreffen. GND Wikipedia Porträt
Abt Jerusalem ⭢Jerusalem, Johann Friedrich Wilhelm, geboren am: 30-11-1649 in: unbekannt gestorben am: 30-11-1649 in: unbekannt
Ackermann, Caroline Dorothea Elisabeth geboren am: 12-02-1752 in: Danzig gestorben am: 26-10-1821 in: Hamburg Beschreibung: Als Kind schon stand die älteste Tochter des Schauspielerpaares ⭢Konrad Ernst und ⭢Sophie Charlotte Ackermann in Danzig auf der Bühne – als Annabella in ›Miss Sara Sampson‹. 1764 ging sie mit dem elterlichen Ensemble nach Hamburg. Mit ihrer Schwester Charlotte war sie dort ausgesprochen erfolgreich, besonders nachdem ihr Stiefbruder ⭢Friedrich Ulrich Ludwig Schröder gemeinsam mit ihrer Mutter die Leitung der Hamburger Bühne übernommen hatte. Ihre größte Zeit hatte sie von 1769 – 1778. Am Hamburger Klatsch über die ›rasende Verliebtheit‹ des Wolfenbütteler Kammerherrn ⭢von Kuntzsch in Dorothea beteiligt sich Lessing spöttisch, aber nicht ohne Interesse. Obwohl äußerst diszipliniert und ehrgeizig, nicht nur im Schauspiel, sondern auch in Gesang und Tanz, gab die Ackermann das Bühnenleben nach ihrer Heirat mit ⭢Johann Christoph Unzer 1778 auf. Die Ehe mit dem gut situierten, auch poetisch aktiven Altonaer Arzt sowie ihr bedeutender Ruhm verliehen ihr eine angesehene Stellung im großbürgerlichen Milieu der Hansestadt. Knapp zwei Jahrzehnte später kam es zu einem komplizierten Scheidungsverfahren, an dessen Ende ihr Stiefbruder die Prozessakten aufkaufte, um sie anschließend zu vernichten. Bei ihm, der inzwischen einen Landsitz in Rellingen bei Hamburg erworben hatte, lebte Caroline Dorothea Elisabeth bis zu ihrem Tod. Sie gehörte wie die schauspielerisch engagierte Familie Ackermann insgesamt, besonders aber in den Jahren der ›Hamburgischen Entreprise‹ 1767 – 69 in Lessings Umfeld als Theaterautor und Dramaturg. GND Wikipedia Bibl. Angabe Porträt
Ackermann, Konrad Ernst geboren am: 01-02-1712 in: Schwerin gestorben am: 13-11-1771 in: Hamburg Beschreibung: Schauspieler und Prinzipal. Vater von ⭢Caroline Dorothea Elisabeth Ackermann und ⭢Magdalene Marie Charlotte Ackermann, Stiefvater von ⭢Friedrich Ulrich Ludwig Schröder. Ackermann hat eine höhere Schulbildung genossen, später vermutlich Medizin studiert und war als kaiserlich-russischer Leutnant in militärischen Diensten. 1739 debütierte er als Schauspieler und schloss sich der Truppe von ⭢Johann Friedrich Schönemann an. 1742 wechselte er zur Kompanie von ⭢Sophie Charlotte Schröder, die er 1749 in Moskau heiratete. Von 1753 an war Ackermann, mit Ausnahme des Zeitraums der ›Hamburgischen Entreprise‹, Prinzipal. In Berlin konnte er nicht reüssieren, sein erstes Theater eröffnete er 1755 in Königsberg, floh 1757, ein Jahr vor Besetzung der Stadt durch russische Truppen, zunächst nach Leipzig und später in die Schweiz, wo er mit seinem Ensemble bis 1760 auftrat. 1761 kehrte er nach Norddeutschland zurück, 1765 errichtete er ein eigenes Schauspielhaus am Hamburger Gänsemarkt. Obwohl seine Gesellschaft, programmatisch auf Hanswurstiaden verzichtend, als eine der besten Schauspieltruppen ihrer Zeit galt, gelang ihr der Durchbruch auch im eigenen Theaterhaus nicht, Ackermann verpachtete es als Spielstätte für die ›Hamburgische Entreprise‹ an ⭢Friedrich Löwen, der die meisten Ensemblemitglieder übernahm. Aber auch das Nationaltheaterprojekt mit Lessing als Dramaturgen scheiterte, 1769 erhielt Ackermann die Theaterleitung zurück, zog aber schon nach kurzer Zeit mit dem Ensemble erneut von Ort zu Ort. Nach seinem Tod 1771 übernahmen ⭢seine Frau und sein Stiefsohn die Leitung der Truppe. Neben ⭢Voltaire, ⭢Weiße, Destouches, Molière und J.E. Schlegel hatten Lessings Stücke, namentlich »Miß Sara Sampson« den größten Anteil am Repertoire. Lessing hat Ackermann spätestens 1755 bei einem Gastspiel in Berlin kennengelernt. Im gleichen Jahr wurde ›Miß Sara Sampson‹ auf Betreiben Lessings unter Ackermanns (und nicht unter ⭢Schuchs) Regie in Frankfurt/O. uraufgeführt. Der Bühnenerfolg der ›Sara‹ verdankt sich der Ackermannschen Truppe wie keiner anderen, sie führte das Stück über die Jahre in vierzehn Städten auf, auch in der Schweiz. Wie auch bei anderen Kompanien war Lessing meist gut über deren Aktivitäten orientiert. 1767-69 waren beide – Ackermann als Schauspieler und Lessing als Dramaturg – Säulen der ›Hamburgischen Entreprise‹. Lobend erwähnt Lessing den Schauspieler in der Aufführung von Destouches' »Der verheiratete Philosoph« im 12. Stück der »Hamburgischen Dramaturgie«. Uneingeschränkt allerdings gilt Lessings Lob der Schauspielkunst Ackermanns nicht: »Die besten Acteurs gehen alle ab« schreibt er am 28. Sept. 1768 an ⭢Nicolai, »denn Ackermann übernimmt es wieder. Damit wäre es also auch vorbei«. Und als Ackermanns Gesellschaft in Lessings erstem Wolfenbütteler Jahr 1770 in Braunschweig und Hildesheim spielt und im Wolfenbütteler Schlosstheater von Juli bis September 1770 mehrere Vorstellungen gibt, klingt in Lessings Äußerung: »der Teufel hat sein Spiel, daß mir die Komödie immer auf den Hacken bleibt« (Brief an ⭢Eva König, 10. Juni 1770), nur wenig Begeisterung mit. Der Teufel war es wohl auch, der Lessing Monate vor der Zeit dem Gerücht von Ackermanns Tod aufsitzen ließ. GND Wikipedia Bibl. Angabe sonst. Link Porträt
Ackermann, Magdalene Marie Charlotte geboren am: 23-08-1757 in: Straßburg gestorben am: 10-05-1775 in: Hamburg Beschreibung: Tochter von ⭢Konrad Ernst Ackermann und ⭢Sophie Charlotte Ackermann und wie die Eltern Schauspielerin. Bereits als Vierjährige stand sie im Oktober 1761 in Karlsruhe zum ersten Mal auf der Bühne. Seit 1765 war sie im Ensemble Ackermanns am Hamburger Gänsemarkt und ging nach dem Ende des Hamburger Engagements mit dem Ensemble auf die Wanderschaft. 1772 spielte sie die Titelrolle bei der Uraufführung der »Emilia Galotti«, ebenso gab sie später die Franziska in »Minna von Barnhelm« und avancierte rasch zu einem Publikumsliebling des Hamburger Theaters. Der frühe Tod Charlotte Ackermanns »führte zu einer bis dahin unbekannten Welle der Trauer. Die Börse wurde ausgesetzt, das Theater in Hamburg wurde für mehrere Tage schwarz behangen und das Publikum erschien in Trauerkleidung zu den Aufführungen.« (Wikipedia, aufgerufen 13/IV/21) Eine kurzfristig kultische Verehrung bezeugen auch zahlreiche Gedichte und Prosastücke auf den frühen Tod der Aktrice sowie der gelegentlich ausgesprochene, aber schiefe Vergleich mit dem Schicksal Emilia Galottis. Vom Publikum gefeiert, aber oft im Streit mit ihrem Stiefbruder ⭢F.L. Schröder, lebte sie zur Zeit der ›Hamburgischen Entreprise‹ in Lessings beruflichem Umfeld. GND Wikipedia Bibl. Angabe Porträt
Ackermann, geb. Bier(r)eichel, verw. Schröder, Sophie Charlotte geboren am: 10-05-1714 in: Berlin gestorben am: 13-10-1792 in: Hamburg Beschreibung: Von 1734 – 1738 verheiratet mit Johann Dietrich Schröder. Ab 1749 in zweiter Ehe verheiratet mit ⭢Konrad Ernst Ackermann. Die Tochter eines Goldstickers heiratete 1734 den Organisten Johann Dietrich Schröder. Schon nach wenigen Jahren kam es zur Trennung, wenn auch ohne offizielle Scheidung. Sophie Charlotte suchte das Bühnenleben und ging 1740 zur ⭢Schönemannschen Truppe, bei der sie ⭢Konrad Ernst Ackermann kennenlernte. Nach internen Streitigkeiten verließen beide 1742 das Ensemble und gründeten eine eigene Kompanie, deren Leitung Sophie Charlotte innehatte. Ohne viel Erfolg, zwei Jahre später löste sie das Ensemble auf und schloss sich der Hilverdingschen Gesellschaft an, mit der sie nach Danzig, Königsberg, Sankt Petersburg und Moskau reiste. Trotz anhaltender Trennung von Schröder kam 1744 der gemeinsame Sohn ⭢Friedrich Ludwig Schröder zur Welt, im gleichen Jahr starb Schröder. 1749 heiratete Sophie Charlotte den Freund und Gefährten Ackermann in Moskau, 1751 gründete Ackermann ein eigenes Ensemble in Königsberg, das sich erfolgreich einen Namen als Vertreter einer neueren deutschen Schauspielkunst machte. 1765 wurde am Hamburger Gänsemarkt ein eigenes Schauspielhaus eröffnet, das in den Jahren 1767 – 69 der ›Hamburgischen Entreprise‹ als Spielstätte diente. Nach Ackermanns Tod 1771 übernahmen seine Frau und sein Stiefsohn die Leitung bis 1780. Sie galt als kluge und energische Prinzipalin in der Nachfolge der ⭢Neuberin, als ebenso reflektierte wie gefühlsstarke Schauspielerin mit besonders ausdrucksvoller Gestik. Nach 1780 trat sie nicht mehr selbst auf, engagierte sich aber in der Ausbildung junger Schauspielerinnen. 1755 kam es bei einem Gastspiel in Berlin zur ersten Begegnung mit Lessing, im gleichen Jahr wurde unter der Regie von Ackermann ›Miss Sara Sampson‹ in Frankfurt uraufgeführt, mit Sophie Charlotte in der Rolle der Marwood. Von 1767 – 69 war sie mit Lessing am Projekt des Hamburger Nationaltheaters beteiligt. Das Schicksal ihrer Kompanie verfolgte Lessing, wie etwa die Korrespondenz mit ⭢Eva König zeigt, auch aus Wolfenbüttel noch. GND Wikipedia Bibl. Angabe Porträt
Adelung, Johann Christoph geboren am: 08-08-1732 in: Spantekow gestorben am: 10-09-1806 in: Dresden Verhältnis zu Lessing: Bekannter Beschreibung: Der Pfarrerssohn aus Pommern studierte, nach Schulbesuchen in Anklam sowie (gemeinsam mit ⭢Wieland) am alt- und neusprachlichen Gymnasium Klosterbergen, von 1752 bis 1758 evangelische Theologie in Halle, u.a. als Schüler Siegmund Jakob Baumgartens. 1756 war er Mitbegründer der Freimaurerloge ›Philadelphia zu den drei goldenen Armen‹. Nach dem Studium als Lehrer am Evangelischen Ratsgymnasium in Erfurt beschäftigt, ging Adelung 1765 nach Leipzig, wo er als Privatdozent, ungemein fleißiger Übersetzer, auch als Korrektor und Redakteur bei Leipziger Zeitungen, der »Jenaer Allgemeinen Literaturzeitung« und der ADB arbeitete. 1787 zum Oberbibliothekar der Kurfürstlichen Bibliothek ernannt, kümmerte er sich seit 1793 auch um die Privatbibliothek des Kurfürsten Friedrich August III. Adelung verfasste eine Vielzahl vorwiegend grammatischer und lexikographischer Schriften, deren bedeutendste und wirkungsmächtigste das ›Grammatisch-kritische Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart‹ war, eine lexikalische Pionierleistung. Lessing hat dieses Werk anerkannt und in seinen eigenen Wörterbuch-Projekten berücksichtigt, er führt Adelung im Streit mit Goeze an (»Nehmt also Eure Brille zur Hand und schlagt den ›Adelung‹ nach«, 10. »Anti-Goeze« ), beurteilt es im Detail, etwa bei Adelungs Ablehnung von Provinzialismen und umgangssprachlichen Wendungen, aber durchaus kritisch. Jahre nach Lessings Tod schreibt Adelung dem Leipziger Verleger und Typographen J.G.I. Breitkopf in einem Brief vom 1. Sept. 1789: »Lessing hatte allerdings viele Wörter zu einem Wörterbuche gesammelt, weil er selbst einmahl eines hatte schreiben wollen. Als der erste Band des meinigen erschien, bestimmte er seine Sammlungen mir, und wollte sie auf seiner letzten Reise durch Leipzig mitbringen. Allein zum Unglücke hatte er sie in die Kiste gepackt, welche nachmahls mit anderen ähnlichen Handschriften in Leipzig verloren ging. Nach dem, was er mir in Leipzig selbst davon sagte, ist der Verlust nicht groß, weil es bloß solche Composita aus dem Buchstaben a waren, welche im Frisch fehlen«. (D, S. 348) Briefe zwischen beiden sind ebenso wenig überliefert wie Zeugnisse persönlicher Begegnungen, aber sowohl der schriftliche wie mündliche Austausch ist anzunehmen. GND Wikipedia Bibl. Angabe Porträt
Agricola, Johann Friedrich geboren am: 04-01-1720 in: Dobitschen gestorben am: 02-12-1774 in: Berlin Verhältnis zu Lessing: Bekannter Beschreibung: Der Musiker und Musikschriftsteller wuchs in einem musikalischen Elternhaus auf – sein Vater Johann Christoph Agricola, ein »Fürstlich Altenburgischer und Freiherrlicher Bachofenischer Kammeragent und Gerichtsdirektor«, musizierte in seiner Freizeit, die Mutter Maria Magdalena war eine nahe Verwandte Händels. Agricola erwarb schon als Knabe musikalische Grundlagen beim Dobitschener Schulmeister Johann Paul Martini. 1738 begann er ein Jurastudium in Leipzig, nahm gleichzeitig bis 1741 Klavier-, Orgel- und Kompositionsunterricht bei ⭢J. S. Bach und spielte in dessen »Collegio musico« Cembalo. In Berlin, wohin Agricola nach dem Studium wechselte, hatte er Verbindungen zu ⭢J. J. Quantz und ⭢Carl Philipp Emanuel Bach, die beide in Königlichen Diensten standen. Im Mai 1751 wurde er Kammermusiker und Hofkomponist bei ⭢Friedrich II., war für die Komposition neuer Stücke und Privatkonzerte zuständig und betätigte sich als Dirigent, Sänger, Gutachter, Übersetzer, Rezensent, Musikschriftsteller und Musiklehrer. 1751 heiratete er die an der »Italienischen Oper« wirkende Sängerin Benedetta Emilia Molteni (1722 – 1780). Nach dem Tod ⭢K. H. Grauns 1759 ernannte Friedrich II. Agricola zum preußischen Hofkapellmeister; diese Stelle hatte er bis zu seinem Tod inne. In seinen Kompositionen, hauptsächlich Vokalwerken wie Oratorien, Kantaten, Lieder und Opern, zeigen sich Einflüsse vor allem von ⭢Hasse und Graun. Seine Lieder, in denen anakreontische Themen vorherrschen, weisen Agricola als Vertreter der sogenannten Ersten Berliner Liederschule aus. Größeren Bekanntheitsgrad erlangte er als Organist und Musiktheoretiker. Sein theoretisches Hauptwerk ist die mit Erläuterungen und Kommentar ergänzte Bearbeitung von Pier Francesco Tosis »Opinioni de’ cantori antichi, e moderni o sieno osservazioni sopra il canto figurato« (»Anleitung zur Singkunst«, Berlin 1757). Im 1749 vom Schweizer Theologen Schultheiß gegründeten Berliner »Montagsclub« traf Agricola mit Lessing zusammen, Gleim spricht 1758 von täglichen Zusammenkünften. Dem Club gehörten u.a. ⭢Meil,⭢Nicolai, ⭢Quantz, ⭢Ramler ⭢Sulzer und ⭢Voß an. Agricola vertonte mehrere Gedichte Lessings, darunter »Scherzlied« (d.i. »Trinklied«), »Das aufgehobene Gebot«, »Das Erdbeben«. GND Wikipedia Bibl. Angabe Porträt
Algarotti, Francesco geboren am: 11-12-1712 in: Venedig gestorben am: 03-05-1764 in: Pisa Verhältnis zu Lessing: sonstiges Beschreibung: Italienischer Naturwissenschaftler, Philosoph, Kunstkritiker und -händler, Zeichner und Radierer. Algarotti popularisierte Wissenschaft und Kunst beim großen Publikum der Aufklärung. Nach sechsjährigem Studium in Bologna bereiste er Europa und lernte in der Champagne ⭢Voltaire kennen, der ihm von Beginn an wohlwollend gegenüberstand und der vermutlich auch den Briefwechsel mit Kronprinz Friedrich von Preußen initiierte. Bereits in Bologna hatte Algarotti Experimente Newtons nachvollzogen und dokumentiert, was zu seiner Aufnahme in die Royal Society von London führte. Berühmtheit erlangte er durch sein 1737 erschienenes und in mehrere Sprachen übersetztes populärwissenschaftliches Werk »Newtonianismo per le dame« (»Newtons Lehre für die Damenwelt«), das erheblich zur Verbreitung von Newtons Physik beitrug. Nach dem Tod Friedrich Wilhelm I. im Mai 1740 berief ⭢Friedrich II. Algarotti an den preußischen Hof. Er begleitete den König auf mehreren Reisen, wurde in den Grafenstand erhoben und arbeitete für Friedrich in diplomatischer Mission. 1742 kam er an den sächsischen Hof und wurde dank seiner Denkschrift über die Ergänzung und Vollendung der königlichen Kunstsammlungen (»Progetto per ridurre a compimento il Regio Museo di Dresda«) Berater und Kunsthändler Augusts III. Die auf mehreren Italienreisen (1743 – 1746) erworbenen Werke bilden noch heute einen wichtigen Bestandteil der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Intrigen und Konflikte v.a. mit dem Premier Heinrich von Brühl und dessen Sekretär ⭢Carl Heinrich von Heineken führten zu einem verbitterten Abschied aus Dresden. 1747 nach Berlin zurückgekehrt, wurde Algarotti von Friedrich zum II. Kammerherrn ernannt, überdies der eigentlich für militärische Verdienste vorgesehene Orden »Pour le Mérite« verliehen. Bis 1753 blieb er als Mitglied der Tafelrunde in Berlin und beriet Friedrich II. in Fragen der Kunst und Philosophie, der Umgestaltung Potsdams zur repräsentativen Residenzstadt und zu Plänen, Berlin als Zentrum der Künste zu etablieren. Seit 1747 war er auswärtiges Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften. Aus gesundheitlichen Gründen reiste Algarotti 1753 nach Italien, er korrespondierte weiter mit Friedrich II. und versorgte ihn außer mit italienischer Literatur auch mit kulinarischen Dingen. Friedrich seinerseits sorgte für eine Übersetzung des Gesamtwerkes des 1764 an Tuberkulose verstorbenen Gelehrten. Das Grabmal auf dem Camposanto in Pisa, durch Friedrich veranlasst, trägt die Inschrift: »Algarotto Ovidii Aemulo / Newtoni Discipulo / Fridericus Magnus« (Algarotti, dem Nachfolger Ovids, dem Schüler Newtons. Friedrich der Große). Auch wenn keine persönliche Begegnung mit Lessing dokumentiert ist, kannten sich beide Autoren, v.a. durch den Kontext der Algarotti-Übersetzung von ⭢Rudoph Erich Raspe: »Versuche über die Architectur, Mahlerey und musicalische Opera, aus dem Italiänischen« (Kassel 1769) mit Bezügen zu Lessings »Laokoon« sowie den »Antiquarischen Briefen«. GND ADB/NDB-Link Wikipedia Bibl. Angabe sonst. Link Porträt
Angott, Johann Hermann geboren am: 30-11-1720 in: unbekannt gestorben am: 30-11-1799 in: unbekannt Verhältnis zu Lessing: Bekannter Beschreibung: Der Weinhändler und Besitzer des Gasthofes »Neue Schenke« in Braunschweig am Ägidienmarkt, war nicht nur Lessings Braunschweiger Vermieter, vielmehr befand sich in dem vom Hofbaumeister Georg Christoph Sturm erbauten Haus auch eine Apotheke sowie im Nebenhaus das Braunschweiger Lottokontor. In der Gastschänke war Lessing gelegentlich mit Freunden und Bekannten essen. Im zweiten Stock des Hauses hatte er spätestens nach dem Tod von ⭢Eva König, evtl. auch früher schon, zwei Zimmer gemietet, dort verstarb er im Februar 1781. Der Braunschweiger Chronist Carl Philipp Ribbentrop beschreibt das Haus 1796 so: »Das Gebäude Neuen Schenke stehet von drei Seiten her frei, ist 13 Fenster breit, hat auf einem Souterrain 2 Geschosse von Holz [= Fachwerk] gebauet, mit einem Mansarddache. Der mittelste Theil steht in gerader Linie gegen den Marktplatz, hat eine doppelte Freitreppe, auf deren Podest ein gewölbter Vorbau, worauf ein Altan mit eisernem Brustgeländer befindlich, von welchem man in den Saal des zweiten Geschosses gehet. Die beiden Flgel. jeder 4 Fenster breit ziehen sich an den Ecken etwas zurück, welches dem Gebäude viel Zierde giebt. Der jetzige Besitzer, Weinhändler Angott, hat es an verschiednenen Stellen verschönert, und vermalen lassen.« Das von starken Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg beschädigte Haus ist heute nicht mehr erhalten, 1976 wurde an seine Stelle das Sterbehaus von ⭢Leisewitz gesetzt, das ursprünglich in der Wallstraße in Braunschweig gestanden hatte. Der Braunschweiger Sammler und Forscher Carl Schiller (1807-1874) nennt Angott einen Lessing »befreundeten, reichen Weinhändler«; authentische Zeugnisse über eine freundschaftliche Verbindung sind allerdings nicht überliefert.
Anna Amalia von Sachsen•Weimar•Eisenach, geb. Prinzessin von Braunschweig und Lüneburg Herzogin geboren am: 24-10-1739 in: Wolfenbüttel gestorben am: 10-04-1807 in: Weimar Verhältnis zu Lessing: Bekannte Beschreibung: Anna Amalia wurde im Schloss Wolfenbüttel geboren, als fünftes der 13 Kinder von ⭢Carl I., Herzog von Braunschweig-Wolfenbüttel und ⭢Philippine Charlotte. Sie ist die Schwester des Erbprinzen ⭢Carl Wilhelm Ferdinand. Am Wolfenbütteler Hof (und seit dessen Umzug 1753/54 in Braunschweig) erhielt sie eine gründliche und vielseitige Erziehung, in erster Linie durch den ⭢Abt Jerusalem, sie lernte Naturwissenschaften und Sprachen, Geschichte, Geographie und Religion. Außerdem erhielt sie Musik-, Zeichen- und Tanzunterricht und erfuhr durch das reiche kulturelle Leben am Hof zahlreiche später genutzte Anregungen. Seit 1756 wurde sie in einer Standeshochzeit mit Herzog Ernst August II. Constantin von Sachsen-Weimar verheiratet, »so, wie man gewöhnlich Fürstinnen vermählt«, schrieb sie dazu. Nach dessen frühem Tod 1758 übernahm sie 1759, inzwischen zweifache Mutter, die Weimarer Regierungsgeschäfte, die sie bis zur Volljährigkeit des älteren Sohns Carl August führen sollte, stets unter schwierigen finanziellen und politischen Bedingungen, vor allem in Folge des Siebenjährigen Krieges und der voraufgegangenen Misswirtschaft. Auch deshalb blieben ihre Reformbestrebungen in Justiz, Sozialpolitik und Bildungswesen unvollständig, doch zum Ende ihrer Regentschaft war Sachsen-Weimar-Eisenach finanziell und administrativ zu guten Teilen saniert. Als aufklärerisch gesinnte und kunstliebende Herrscherin belebte Anna Amalia den höfischen Alltag durch die Anwesenheit von Gelehrten, Künstlern und Schriftstellern; 1772 verpflichtete sie ⭢Wieland als Erzieher Carl Augusts. Sie erweiterte die höfische Bibliothek, ließ ein fürstliches Wohnhaus zum Bibliotheksgebäude umwidmen und öffnete es dem Publikum. Förderung erhielt auch die Universität in Jena. Mit dem Regierungsantritt Carl Augusts 1775 konnte Anna Amalia sich stärker ihren musischen Interessen widmen, Wieland, ⭢Goethe, ⭢Herder und andere Geistesgrößen im Wittumspalais begrüßen, im Saal des Hauses fanden Aufführungen des Liebhabertheaters statt. 1788 unternahm sie, auch für eine Fürstin keineswegs üblich, eine zweijährige Italienreise, der sich Herder in Rom anschloss. Anna Amalia verfasste kleinere Abhandlungen, komponierte, zeichnete und unterhielt mit ihren Tafelrunden das kulturelle Leben, im Sommer auf dem Sommersitz Schloss Tiefurt. Die letzten Lebensjahre wurden von den napoleonischen Kriegen überschattet. 1771 war sie wahrscheinlich zum letzten Mal in Wolfenbüttel, um die Herzogliche Bibliothek zu besichtigen. Für sie begibt Lessing sich überdies nach Braunschweig, auch »um bei der Herzogin von Weimar meine Cour zu machen«, wie er am 23. Mai 1771 an Eva König schreibt. GND Wikipedia Bibl. Angabe Porträt
Arletius, Johann Caspar geboren am: 01-10-1707 in: Breslau gestorben am: 25-01-1784 in: Breslau Verhältnis zu Lessing: Bekannter Beschreibung: Der Name Arletius latinisiert aus Arlet oder Arlt. Philologe, Pädagoge, Gelehrter. Arletius wurde mit sieben Jahren in das Elisabet-Gymnasium aufgenommen, wo sein Vater unterrichtete. 1728 studierte er Theologie in Leipzig, ab 1729 in Jena, wo er sich auch neueren Sprachen zuwandte. 1732 zurück in Breslau, legte er dort 1733 das theologische Examen ab. Nur mäßig zur Theologie hingezogen, nahm Arlet 1734 eine Stelle als Hauslehrer beim Landesältesten Maximilian Ferdinand von Fürst und Kupferberg in Albrechtsdorf an; einer seiner Zöglinge war dessen gleichnamiger Sohn und spätere königliche Großkanzler Maximilian. Die wertvolle Albrechtsdorfer Bibliothek bot Arletius die Möglichkeit intensiver Studien, etwa des Hebräischen und Arabischen. 1743 wurde er Lehrer, 1755 Rektor am Breslauer Maria-Magdalenen-Gymnasium, 1761 als Rektor des Elisabet-Gymnasiums zugleich für die ruhmreiche Rehdigersche Büchersammlung verantwortlich, der späteren Breslauer Stadtbibliothek. Mit Friedrich II. führte Arlet 1778/79 Gespräche über Fragen der Pädagogik und der Reformen des Schulwesens, die partiell durch den neu verfassten »Unterrichtungs-Plan« des Schulministers Karl Abraham von Zedlitz umgesetzt wurden. Arletius blieb bis an sein Lebensende Rektor des Elisabet-Gymnasiums, starb unverheiratet am 25. Januar 1784 in Breslau und stiftete sein Vermögen den Lehrern bzw. deren Hinterbliebenen sowie bedürftigen Schülern seines Gymnasiums. Arletius verfasste zahlreiche wissenschaftliche Werke in Deutsch und Latein und gilt als einer der profundesten klassisch gelehrten spätbarocken Polyhistoren. Er war Kenner der Schlesischen Literaturgeschichte von Opitz bis Günter und besaß eine Sammlung der Werke Simon Dachs. In der Rehdigerschen Bibliothek arbeitet Lessing häufig, dort entstehen zahlreiche Notizen zu antiken Schriftstellern sowie etliche Entwürfe zu philosophischen und theologischen Schriften. ⭢Klose, neben Arlet wohl der wichtigste Gesprächspartner Lessings in Breslau, berichtet, dass ausgerechnet der hochgebildete, einschlägig bewanderte und regional interessierte Arletius den schlesischen Barockdichter Andreas Scultetus nicht kannte, dessen Gedichte herauszugeben Lessing schon in Breslau plante und Jahre später, 1771 in Braunschweig auch verwirklichte. Arlet jedenfalls, geschildert als vergleichsweise trockener Charakter und Hagestolz, soll noch im hohen Alter seine helle Freude bekundet haben, sobald die Rede von Lessing war. GND ADB/NDB-Link Wikipedia Porträt
Aschersleben, Friedrich Carl Leopold geboren am: 30-11-1649 in: unbekannt gestorben am: 30-11-1649 in: unbekannt Verhältnis zu Lessing: Bekannter Beschreibung: Die Lebensdaten des Rittmeisters am Braunschweiger Hof sind nicht ermittelt. Er war 1759 für nur drei Monate mit Caroline Fredersdorff, der Großmutter Achim von Brentanos, verheiratet. Um 1780 avancierte er zum Hofmarschall in Braunschweig, war aber offenbar chronisch verschuldet und floh der Schulden wegen 1786 mit unbekanntem Ziel. Mit Lessing traf er vermutlich mehrfach zusammen, dokumentiert ist aber nur eine Begegnung im November 1780 im »Großen Club« im Hôtel d'Angleterre.
Augusta (Friederike Luise), von Hannover geboren am: 11-08-1737 in: London gestorben am: 23-03-1813 in: London Verhältnis zu Lessing: Bekannte Beschreibung: Prinzessin von Großbritannien, 1764 durch die aus dynastischen Interessen geschlossene Ehe mit ⭢Carl Wilhelm Ferdinand Herzogin zu Braunschweig-Lüneburg sowie von 1780 bis 1806 regierende Fürstin von Braunschweig-Wolfenbüttel. Dem Braunschweiger Hof gleichgültig, wenn nicht ablehnend gegenüberstehend, nutze sie als bevorzugte Residenz das im Süden Braunschweigs eigens für sie erbaute Schloss Richmond. Aus der Ehe stammten sieben Kinder, von denen die vier Söhne, bis auf den letzten, Friedrich Wilhelm, den sog. »Schwarzen Herzog« von Braunschweig, körperliche und geistige Abnormitäten aufwiesen, während sich die Töchter guter Gesundheit erfreuten. Nach dem Tod des Herzogs und der Besetzung Braunschweigs durch französische Truppen flüchtete sie Ende 1806 nach England und verbrachte ihre letzten Lebensjahre in London, in der Nähe ihrer jüngsten, auf Schloss Richmond geborenen Tochter Caroline Amalie Elisabeth von Braunschweig-Wolfenbüttel (seit 1795 verheiratet mit Georg IV.). Lessing erhielt bei seinen Besuchen in Braunschweig des Öfteren Einladungen bei Hofe, denen er nur widerstrebend folgte und an denen gelegentlich auch Herzogin Augusta teilnahm; ein letztes Essen fand noch vier Tage vor seinem Tod statt. GND Wikipedia Porträt
Auguste Caroline Friederike, von Württemberg Prinzessin geboren am: 03-12-1764 in: Braunschweig gestorben am: 27-09-1788 in: Koluvere [Estland] Verhältnis zu Lessing: Bekannte Beschreibung: Als geborene Prinzessin von Braunschweig und Lüneburg wurde die älteste Tochter ⭢Carl Wilhelm Ferdinands bereits im Alter von 16 Jahren aus dynastischen Gründen dem zehn Jahre älteren Friedrich Wilhelm Carl Prinz von Württemberg vermählt, der ihr nicht nur intellektuell überlegen war, sondern ihr auch selbstherrlich und abweisend gegenüber trat. Bis 1785 brachte sie vier Kinder zur Welt. Die Familie musste einer Anstellung Friedrichs wegen als Generalgouverneur nach Russisch-Finnland ziehen, wo Auguste mit der Kaiserin Katharina der Großen bekannt wurde. Als sie der Kaiserin in einer dramatischen Szene ihr ganzes Unglück vortrug, verwies Katharina Friedrich 1786 aus Russland; Auguste kam in die Obhut eines Hofjägermeisters, der Gerüchten zufolge das ihm gegebene Vertrauen indes schändlich missbrauchte. 1788 starb die Prinzessin aufgrund einer Fehlgeburt, die, um jene Gerüchte nicht zu erhärten, ohne jegliche ärztliche Hilfe stattfand. Als Tochter Carl Wilhelm Ferdinands war sie vermutlich mit Lessing persönlich bekannt. Wie Lessing selbst empfahl sie ⭢Ernst Theodor Langer als Lessings Nachfolger für die Bibliothekarsstelle in Wolfenbüttel. GND Wikipedia Porträt
Baumann, (Daten unermittelt) geboren am: 30-11-1649 in: unbekannt gestorben am: 30-11-1649 in: unbekannt Verhältnis zu Lessing: Bekannter Beschreibung: Gastwirt in Berlin. Bei seinem dritten Berliner Aufenthalt von Mai 1758 bis Nov. 1760 soll Lessing in der sog. »Baumannshöhle«, einem Weinkeller in der Brüdernstraße, häufiger verkehrt haben, zumeist wohl mit ⭢Nicolai und ⭢Ramler. Ramler schreibt am 11. April 1759 an ⭢Gleim: »Ich kann mich hier mit Herrn Lessing abrufen oder wenigstens absehen, wenn ich mit ihm Ihre Gesundheit bei Wittens trinken will. Wir hängen alsdann einen roten Band aus, das ist das Signal zur Ausflucht in die Baumannshöhle; denn Sie müssen wissen, der Küper [auch Quartiersmann, ein Fachmann für Waren aller Art] heißt Baumann! […] Alles was Trinklieder darunter sind, sollen allda gesungen werden«. Friedrich Dennert bemerkt dazu: »In der Brüderstraße 27 stand damals ein kleines einstöckiges Haus von vier Fenstern Breite. Hier hatte Johann Franz Schüler 1742 eine Weinstube begründet, in der zu Ramlers und Lessings Zeiten der Küfer Baumann tätig war«. Den Namen »Baumannnshöhle« hat Ramler vergeben, offenbar nach Besuchen bei Gleim in Halberstadt und dem nahe gelegenen Harz mit seiner bekannten gleichnamigen Naturhöhle. Quelle: Berlinische Blätter für Geschichte und Heimatkunde, Jg. 1, Nr. 16 (30. Nov. 1934), Hg.: Felix Hasselberg
Bause, Johann Friedrich geboren am: 03-01-1738 in: Halle/S. gestorben am: 05-01-1814 in: Weimar Beschreibung: Bause, früh verwaist, erwarb die Fertigkeit des Kupferstechens weitgehend als Autodidakt. Nur 1759 ging er nach Augsburg zu Johann Jakob Haid, wo er sich mit ⭢Anton Graff anfreundete, dem er lebenslang verbunden blieb und der Bause 1807 porträtierte. Er sah dort erstmals Stiche Pariser Künstler, namentlich des Kupferstechers Johann Georg Wille, der sein Vorbild wurde und mit dem er über viele Jahre korrespondierte. 1763 heiratete Bause; er wurde Vater zweier Töchter, ging 1766 nach Leipzig, um, vermittelt durch Adam Oeser, die Professur für Kupferstichkunst wahrzunehmen. Er wurde Ehrenmitglied der Preußischen Akademie der Künste (1786) sowie der Stockholmer Akademie (1796). 1813 verließ er wegen der französischen Besatzung mit seiner Frau und seiner verwitweten Tochter die Stadt und übersiedelte nach Weimar. Bauses Kunst ist reproduktiv, die handwerklich untadeligen und technisch mannigfaltigen Arbeiten sind ohne Originalität, neben Porträts reproduzierte er vor allem ältere sowie zeitgenössische Gemälde und Zeichnungen. Er arbeitete im Auftrag von Verlegern und Privatkunden; sein wohl bekanntestes Werk, eine lose »Folge der Gelehrten« (worunter hauptsächlich Künstler zu verstehen sind), erschien im Selbstverlag. Zu seinen Porträtmotiven zählt auch ein Leibniz-Porträt, dessen Original sich in der Wolfenbütteler Herzoglichen Bibliothek befand. Sein Kupferstich von Lessing, nach dem Porträt von Graff, entstand 1772. Über die Ähnlichkeit mit dem Porträtierten gibt es unterschiedliche Urteile (etwa von ⭢Reiske oder ⭢Johann Martin Miller), Lessing selbst schreibt an ⭢Eva König: »Sie wissen ja, daß ich voriges Jahr in Berlin mich von Grafen mußte malen lassen. Dieses Portrait ist itzt von Bausen in Leipzig gestochen, sehr schön gestochen; ob aber auch ähnlich, und so äußerst ähnlich, als mich die Leute bereden wollen, das werde ich am besten von Ihnen, meine Liebe, erfahren können.« (29. Juli 1772). Ein Exemplar von Bauses als Einzelblatt erhältlichem Stich schickt er der Verlobten am 8. Jan. 1773. Eine persönliche Begegnung mit Lessing ist nicht dokumentiert. GND ADB/NDB-Link Wikipedia Bibl. Angabe sonst. Link Porträt
Benzler, Johann Lorenz geboren am: 21-02-1747 in: Lemgo gestorben am: 03-04-1817 in: Wernigerode Beschreibung: 1767 begann Benzler in Leipzig das Studium der Rechte, musste es aber aufgrund einer schwachen körperlichen Konstitution, vor allem früh auftretender Schwerhörigkeit, aufgeben. Seinen Lebensunterhalt verdiente er, bei der Mutter lebend, mühsam durch Schreib- und Korrekturarbeiten. Er machte früh die Bekanntschaft von ⭢Gleim, der ihn lebenslang förderte. Von 1773 – 1783 war er leitender Redakteur der ›Lippischen Intelligenzblätter‹; die 1779 erfolgte Anstellung als hessischer Postmeister milderte seine finanzielle Lage, entsprach aber weder seinen Fähigkeiten noch Neigungen. 1783 verbesserte sich seine berufliche Situation durch das Amt des Bibliothekars beim Grafen Christian Friedrich zu Stolberg. Stolberg ernannte Benzler später zu seinem Sekretär und 1794 auch zum Rat. Seit 1775 war der ungemein fleißige, integre, aber vom Glück nicht gesegnete Autor dreimal verheiratet, wobei alle Ehen durch den frühen Tod der Frauen getrübt waren. Aus seinen Ehen gingen sieben Kinder hervor, von denen nur drei das Kindesalter überlebten. Benzler übersetzte eine beträchtliche Anzahl von Werken aus dem Griechischen, Englischen, Italienischen und Französischen, nicht selten in Erstübertragungen. Zu den prominenten Autoren zählten Petrarca, Shaftesbury, Swift oder Sterne. Daneben war er als Herausgeber, Publizist und Rezensent ein bedeutender Vermittler zeitgenössischer Literatur. Er zählte zum engeren Freundeskreis Gleims und stand u.a. mit ⭢Wieland, ⭢Herder, ⭢Voß und ⭢Jacobi wie auch mit Lessing in brieflichem Kontakt. In engere Verbindung traten beide im Kontext von Lessings Arbeiten zu Logau. Benzler hatte nach einem Hinweis von Gleim Lessing die Erstausgabe von Logaus Sinngedichten zukommen lassen (»100 Teutscher Reimen-Sprüche Salomons von Golaw«, 1638), worauf Lessing über Gleim einen Sonderdruck seiner Ausgabe der »Gedichte« von Andreas Scultetus an Benzler schicken ließ. Auch wenn Lessing im Juni 1771 an Gleim schreibt, »Versichern Sie ihn meines verbindlichsten Danks, den ich ihm selbst abzustatten nicht ermangeln würde, wenn ich wüßte, wo er wäre. Aber er bezieht sich auf Sie, und ich erwarte, daß Sie mich ihn kennen lehren«, ist eine persönliche Begegnung zwischen beiden Autoren nicht bezeugt. GND Wikipedia Bibl. Angabe sonst. Link Porträt
Bergmann, Liborius von geboren am: 03-09-1754 in: Ādaži [Neuermühlen] gestorben am: 14-07-1823 in: Riga Verhältnis zu Lessing: Bibliotheksbenutzer Beschreibung: Der in einem lettischen Pfarrhaus geborene v. Bergmann wuchs in Riga auf, wird als Schüler ⭢Herders erwähnt und nahm 1774 das Studium der Theologie und Philosophie in Leipzig auf, wo er u.a. bei ⭢Ernesti hörte und in den Familien des Künstlers Johann Michael Stock und des Verlegers Bernhard Christoph Breitkopf verkehrte. Der kunstinteressierte junge Mann lernte auf verschiedenen Reisen um 1779 u.a. ⭢Klopstock, ⭢Lavater und ⭢Bodmer kennen, schloss als führendes Mitglied der Freimaurer auch Bekanntschaft mit Lessings Dienstherrn ⭢Carl Wilhelm Ferdinand und kehrte nach Aufenthalten in der Schweiz, Frankreich und England wohl 1780 nach Livland zurück, um die theologische Laufbahn einzuschlagen. In seiner Vaterstadt wurde Bergmann Oberpastor und Privatgelehrter, mit einem weiten, literarischen kulturellen und gemeinnützigen Tätigkeitsfeld. Er gilt als vorzüglicher Kenner sowohl der Kirchen- wie der Landesgeschichte, bedeutender Sammler von Handschriften, Kunstwerken und Münzen, hielt naturwissenschaftliche Vorlesungen etwa zu Phänomenen des Magnetismus, der Elektrizität oder Wetterkunde, erfreute sich aber auch als Prediger großer Beliebtheit und gründete u.a. das sog. Nikolai-Armen- und Arbeiterhaus (1794), die Armendirektion (1808), aber auch das Livländische Kunstmuseum mit Schenkungen aus eigenem Besitz (1816). Lessing traf er im März 1778 als Besucher der Herzoglichen Bibliothek, ins Stammbuch des damaligen Studenten schrieb Lessing den mehrfach für Stammbücher verwendeten Satz: »Tempora tempore tempera.« (Die Zeitumstände mildern sich mit der Zeit) am 4. März 1778. GND ADB/NDB-Link sonst. Link
Bernigeroth, Johann Martin geboren am: 07-11-1713 in: Leipzig gestorben am: 22-02-1767 in: Leipzig Beschreibung: Bernigeroth war Mitglied einer Leipziger Kupferstecherfamilie, er erlernte die Kunst bei seinem Vater (was die Zuschreibung einzelner Stiche erschwert), übernahm mit seinem Bruder die väterliche Werkstatt und wurde Hofkupferstecher. Während des Siebenjährigen Krieges stach er Schlachtenpläne (1763 als »Neues Kriegs-Theater« veröffentlicht). Von seinem Kupferstichporträt ⭢Ewald von Kleists unterrichtet Lessing ⭢Nicolai im Frühjahr 1757 mehrfach. Kleist verweigerte seine Zustimmung dazu, das Porträt als Titelkupfer für Bd. 1 von Nicolais »Bibliothek der schönen Wissenschaften und der freyen Künste« zu verwenden. Bernigeroths ⭢Klopstock-Porträt am Beginn des ersten Stückes von Bd. 2 der »Bibliothek der schönen Wissenschaften und freien Künste« (1757) stieß nicht nur in Nicolais Bekanntenkreis auf Ablehnung. Lessing konnte Bernigeroths Werk auch auf anderen Wegen begegnen, ⭢Gottscheds »Critische Dichtkunst« zierten Titelblatt und Frontispiz von Bernigeroth, zu seinen zahlreichen Porträts zählen ferner ein Bildnis des von Lessing übersetzten Samuel Richardson sowie mehrerer Mitglieder der Braunschweiger Regentenfamilie wie der Herzogin ⭢Philippine Charlotte. Die persönliche Bekanntschaft mit Lessing ist wahrscheinlich, aber nicht dokumentiert. GND Wikipedia Bibl. Angabe
Beyer, Johann August von geboren am: 03-02-1730 in: Halberstadt gestorben am: 14-09-1814 in: Berlin Verhältnis zu Lessing: Bekannter Beschreibung: Der Beamte und Lyriker war zunächst als Kriegs- und Domänenrat in Halberstadt tätig und ging 1766 als Geheimer Oberfinanz-, Kriegs- und Domänenrat nach Berlin. Er war außerdem Präsident des Oberrevisionskollegiums. Im Oktober 1786 wurde er gemeinsam mit seinen Brüdern geadelt. Zusammen mit ⭢Ramler und ⭢Johann Jakob Engel wurde Beyer auch in die Direktion der königlichen Schauspiele berufen; dieses Amt hatte er bis 1797 inne. 1756 gab Beyer anonym zwei anakreontische Gedichtsammlungen heraus »Vermischte Poesien« und »Kleine Lieder«, beendete damit aber auch schon seine poetische Karriere. In Halberstadt war er zeitweilig mit ⭢Gleim befreundet; nur eine Begegnung mit Lessing, 1758 in Leipzig, ist dokumentiert. GND Wikipedia Porträt
Bindseil, Christian Heinrich geboren am: 30-11-1755 in: Wolfenbüttel gestorben am: 30-11-1834 in: Wolfenbüttel Beschreibung: Wolfenbütteler Verleger. Der Sohn von ⭢Johann Wilhelm Bindseil übernahm 1777 die Druckerei seines Vaters und führte sie bis zu seinem Tode 1835 weiter. Nicht eigentlich an der Nachfolge des elterlichen Geschäfts interessiert, für das der jüngere Bruder vorgesehen war, begann Bindseil das Studium der Theologie in Helmstedt. Nach nur einem halben Studienjahr sollte er 1777 nach de»m plötzlichen Tod des Bruders nach Wolfenbüttel zurückkehren. Um die nötigen Kenntnisse zu erwerben, ging Bindseil allerdings zunächst zu ⭢Johann Gottlieb Emanuel Breitkopf nach Leipzig. Seine Erfahrungen vertiefte er durch den Kontakt mit Druckern wie Ernst Wilhelm Gottlieb Kircher und Friedrich Hermann Nestler. Die Arbeiten für die Schulbuchhandlung, den Verlag »Ludolph Schröders Erben« in Braunschweig sowie die Fleckeisensche Buchhandlung in Helmstedt sorgten zunächst für eine stabile Auftragslage. Vor allem nach Gründung der Schulbuch-Druckerei in Braunschweig verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage des Druckhauses indes und konnte auch durch den Druck der vom Braunschweiger Pastor Herrmann Bräß (1738-97) mit Billigung ⭢Carl Wilhelm Ferdinands herausgegebenen »Zeitung für Städte, Flecken und Dörfer, insonderheit für die lieben Landleute alt und jung« nicht entscheidend verbessert werden. Bei Bindseil wurden mehrere Ausgaben von Lessings Bibliothekszeitschrift »Zur Geschichte und Litteratur« gedruckt; engere Kontakte mit Lessing sind nicht überliefert. sonst. Link
Bindseil, Johann Wilhelm geboren am: 30-11-1719 in: Wernigerode gestorben am: 30-11-1771 in: Wolfenbüttel Verhältnis zu Lessing: Dienstverhältnis Beschreibung: Bindseil, in Wernigerode geboren, übernahm 1751 die Wolfenbütteler Druckerei als Ehemann von ⭢Sophia Catharina Bartsch, deren verstorbener Mann sie wiederum »im 17. Jahrhundert von der Familie Bißmarck übernommen hatte.« (Raabe, Spaziergänge: 47f.) Bindseil druckte u.a. für den Verlag Ludolph Schröders Erben, darunter Predigten des ⭢Abts Jerusalem, Gedichte ⭢Zachariäs oder ⭢Eberts Übersetzung der Night-Thoughts von Edward Young (Nachtgedanken, 1768) sowie ⭢Franz Anton Knittels Entdeckung eines Fragments der gotischen Bibel-Übersetzung des Ulfilas (bzw. Wulfilas). 1772, nach seinem Tod, bezeichnet Lessing ihn in einem Brief an seinen Bruder Karl vom 5. Dez. ganz familiär als »mein Buchdrucker«. sonst. Link
Bindseil, geb. Bartsch, Sophia Catharina geboren am: 30-11-1649 in: unbekannt gestorben am: 30-11-1649 in: unbekannt Beschreibung: Sophia Catharina Bindseil, Tochter des Hof- und Kanzleibuchdruckers Christian Bartsch und Frau von ⭢Johann Wilhelm Bindseil, übernahm die »Fürstliche Hof- und Kanzleidruckerei« ab 1770, führte die Druckerei nach dem Tod ihres Mannes 1772 weiter und übergab sie ihrem Sohn Christian Heinrich im Jahr 1777. Das Handwerk der schwarzen Kunst beherrschte Sophia Catharina Bindseil auch selbst, notgedrungen musste sie den Geschäftsbetrieb über Jahre führen; 1780 beklagt sich Lessing in einem Brief an den »⭢Faktor Gebler« über die lange Zeit der Drucklegung des sechsten Beitrag von »Zur Geschichte und Litteratur« (1781), im Kontext seiner Studien zu »Des Theophilus Presbyter Schrift über verschiedene Kunstfertigkeiten (Diversarum Artium Schedula)«. sonst. Link
Blarer, Melchior geboren am: 28-09-1729 in: Schmerikon [CH] gestorben am: 30-11-1807 in: Berlin Verhältnis zu Lessing: Bekannter Beschreibung: Geboren in Schmerikon, einem Dorf der gleichnamigen Gemeinde im Schweizer Kanton St. Gallen, studierte Blarer im Colmarer Jesuitenkollegium sowie im ebenfalls jesuitisch geprägten Mailänder Collegium Helveticum. Nach Tätigkeiten in verschiedenen Jesuitenkollegien erhielt Blarer 1754 die Priesterweihe in Konstanz. Von 1772 bis 1777 war er Kaplan der Kaiserl.-Königl. Gesandtschaft Österreichs in Berlin, 1781 wurde er von ⭢Franz Joseph II. nach Wien berufen. Aufgrund seiner jansenistischen Lehrmeinung – der Jansenismus galt als Häresie – wurde er 1783 auf Veranlassung Kardinals Migazzi aus dem kaiserlichen Dienst entlassen. Blarer führte ein unstetes Wanderleben, wurde 1785, wegen vermeintlichem Fanatismus und Aufwiegelei, gefangengenommen, trat aber 1786 als Priester der Utrechter Kirche in Leiden und Den Helder (Niederlande) erneut in kirchliche Dienste, bevor er sich 1793 in Berlin ganz ins Privatleben zurückzog. Mit Lessing ist Blarer vor dessen Italienreise in Wien zusammengetroffen. In einem Brief an seinen Bruder Karl Gotthelf bittet Lessing darum, Blarer wie auch dem österreichischen Gesandten in Berlin ⭢Gerard van Swieten Dank für Hilfe und Unterstützung während des Wien-Aufenthalt auszurichten. GND sonst. Link
Böhm, Petrus geboren am: 20-03-1747 in: unbekannt gestorben am: 12-02-1822 in: unbekannt Verhältnis zu Lessing: Bibliotheksbenutzer Beschreibung: Benediktinerpater in Fulda, Theologe und Bibliothekar. Böhm studierte am Jesuiten-Gymnasium seiner Heimatstadt, wurde 1772 Priester und kurz darauf außerordentlicher Professor der Physik an der Universität Fulda, seit 1773 ordentlicher Professor. Da Böhm bereits 1770 einen Katalog über die Kloster- und Hofbibliothek zu Fulda verfasst hatte, übertrug ihm der Fürstbischof und Abt von Fulda Heinrich VIII. von Bibra im Jahr 1777 das Amt des ersten Bibliothekars. Über den Gründungsvorgang berichtet der Bibliothekar in seinen Nachrichten von der Ordentlichen Bibliothek zu Fulda (1811). Er wurde 1779 Professor der Dogmatik, 1780 der Kirchengeschichte, lehrte zeitweilig aber auch Patrologie und Literaturgeschichte. Zur Förderung seiner wissenschaftlichen Ausbildung und Weltkenntnis konnte Böhm in den Jahren 1776 und 1778 drei größere Reisen antreten, die ihn mit der Gelehrtenwelt in Verbindung brachten. Anfang Oktober 1776 besuchte er Wolfenbüttel und die Herzogliche Bibliothek, wo er mit Lessing als auch mit dem Bibliotheksdiener und apostasierten Franziskaner ⭢Cichin zusammentraf. Quelle: Anton Pustet: Studien und Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens und seiner Zweige (Bd. 24-25, 1903). Gregor Richter: Die bürgerlichen Benediktiner der Abtei Fulda von 1627 bis 1802. Fulda 1911, S. 152f.
Branconi, geb. von Elsener , Maria Antonia von geboren am: 27-10-1746 in: Genua gestorben am: 07-07-1793 in: Abano Verhältnis zu Lessing: Bekannte Beschreibung: Die Tochter deutsch-italienischer Eltern wurde als Zwölfjährige mit Francesco Pessina de Branconi, einem Beamten der königlich neapolitanischen Generalpachtungen, verheiratet. Als ihr Ehemann 1766 verstarb, hatte sie bereits einen Sohn und eine Tochter geboren. Einen Monat später lernte sie den Braunschweiger Erbprinzen ⭢Carl Wilhelm Ferdinand kennen, der nach seiner Heirat mit ⭢Augusta von Hannover eine ausgedehnte europäische Kavalierstour durch Europa unternahm. Mit ihm ging sie als offizielle Mätresse nach Braunschweig und brachte am 29. Dez. 1767 den gemeinsamen Sohn Karl Anton Ferdinand zur Welt. Da ⭢Herzog Carl I. sich dafür einsetzte, das Kind in den Reichsadelsstand zu erheben, wurde die Branconi mit beiden Kindern aus erster Ehe durch Kaiser ⭢Joseph II. geadelt. 1777 kam es zum Bruch mit Carl Wilhelm Ferdinand, der mit ⭢Luise von Hertefeld eine neue Mätresse wählte. In der Folgezeit lebte die Branconi, deren Schönheit legendär war, verschiedentlich in Langenstein und Paris und unternahm Reisen in die Schweiz und nach Frankreich. 1793 starb sie während einer Kur in Abano. Sie hatte Verbindung zu vielen geistigen Größen ihrer Zeit, z.B. zu ⭢Eschenburg, ⭢Ebert, ⭢Gleim, ⭢Sophie von La Roche, ⭢Lavater oder ⭢Goethe. Es ist sehr wahrscheinlich, dass sie während ihrer Braunschweiger Zeit auch Lessing begegnet ist, wofür etwa eine Notiz des Arztes ⭢Johann Georg Zimmermann spricht. Für die These, dass sie als Vorbild der Gräfin Orsina in »Emilia Galotti« gedient haben soll, fehlen indes verbindliche Zeugnisse. GND Wikipedia Porträt
Brandenstein, Ludwig Heinrich von geboren am: 31-10-1718 in: Oettingen gestorben am: 14-04-1789 in: Wolfenbüttel Verhältnis zu Lessing: befreundet Beschreibung: 1718 wird Brandenstein als Sohn eines Hofmeisters im bayrischen Oettingen geboren. 1731, zu Beginn der Herrschaft Herzog Ludwig Rudolfs (1671-1735) nach Wolfenbüttel gelangt, verdankt Brandenstein seine höfische Karriere auch der Frau Rudolfs, Christine Luise, deren Familie ebenfalls aus Oettingen stammt. Als Rittmeister, Generalmajor und Stadtkommandant trug er die Verantwortung für die Angelegenheiten der Stadt, nicht zuletzt als die Herzogsresidenz 1753/54 nach Braunschweig verlegt wird. Zweimal heiratete Brandenstein eine Tochter der Freiherrn von Lassperg, ebenfalls mit Wurzeln in Oettingen; von den sechs Kindern der ersten Ehe überlebten ihn nur zwei, die zweite Ehe blieb kinderlos. Auf dem Wolfenbütteler Schloßfriedhof, zwischen Friedrich-Wilhelm-Straße und Grünem Platz, haben ihm seine Kinder ein Denkmal in Form einer Pyramide gesetzt. Da die Bevölkerung nach dem Umzug des Hofes in Wolfenbüttel verarmte, führte auch Brandenstein bis zu seinem Tod 1789 ein Leben »einfach und ohne Prunk«. Als Nutzer der Herzoglichen Bibliothek lieh er vor allem Reiseberichte und Fachliteratur aus. Das Wohnhaus der Brandensteins lag dem von Lessing und seiner Familie 1776-77 bewohnten Meißnerhaus direkt gegenüber. Malchen, Lessings Stieftochter Amalie und die Tochter des Stadtkommandanten Christine Charlotte Friederike, beide etwa im selben Alter, tauschten täglich Briefe aus. Es habe Lessing ein »herzliches Vergnügen« bereitet, so berichtet Guhrauer, »durch allerhand Kriegslist die Briefe aufzufangen, welche seine Tochter Amalie mit ihrer Herzensfreundin, einem Fräulein von Brandenstein, oft mehrmals des Tages wechselte, so daß eigends ein kleiner Junge als Postillon d’amour gewonnen ward, der zwischen den beiden, sich gegenüber wohnenden Freundinnen mit zärtlichen Briefen hin und her gehetzt wurde. – Das war dann stets ein gewaltiges Lamentiren, wenn sie das Briefgeheimniß von Lessing verletzt sahen, weil sie vor so einem firmen Stilisten gewaltigen Respect hatten. Allein gerade der sich in diesen Briefen oft über die grammatische Form hinwegsetzende Geist ergötzte ihn, und er erklärte unumwunden, daß er einem geist- und gemüthvollen Frauenzimmer nichts bereitwilliger erlasse, als die Orthographie.« Literatur: Danzel/Guhrauer, Bd. 2, S. 325
Brandes, Charlotte Wilhelmine Franziska geboren am: 21-05-1765 in: Breslau gestorben am: 13-06-1788 in: Hamburg Verhältnis zu Lessing: befreundet Beschreibung: Lessing war Taufpate der ihm zu Ehren meist »Minna« genannten Schauspielerin und Musikerin. Die Tochter des bekannten Schauspielerpaares ⭢Johann Christian und ⭢Est(h)er Charlotte Brandes erhielt eine gründliche, langjährige Ausbildung als Schauspielerin, Sängerin, Pianistin und Komponistin. Als Schauspielerkind stand sie früh auf der Bühne (ein erster Bühnenauftritt wird für Januar 1768 in Leipzig behauptet, bei der Koch’schen Gesellschaft im Lustspiel ihres Vaters: Der Schein trügt) und bereiste mit ihren Eltern Europa. Stets in elterlicher Obhut gab sie ab 1771 unter ⭢Abel Seyler in Weimar, Gotha, Altenburg, Leipzig und Dresden die Kinderrollen; bereits 1772 in Weimar soll ein erster Opern-Gesangsauftritt erfolgt sein. In Weimar erfuhr sie die Ausbildung als Klavierschülerin bei Friedrich Hönicke, zusätzlich durch Ernst Wilhelm Wolf und Anton Schweitzer. Von 1777-79 mit den Eltern bei der Schauspieltruppe von Pasquale Bondini in Dresden und Leipzig nahm sie Klavierstunden beim Bachschüler Christoph Transchel sowie Gesangsunterricht bei Antonio Mariottini und Gertrud Elisabeth Mara (1779 fortgesetzt in Berlin). Von 1779 bis April 1781 wirkte die Schauspielfamilie am Hoftheater Mannheim. Auch als Komponistin besaß Minna einen guten Ruf und schrieb verschiedene Klavier- sowie italienische und deutsche Singstücke. Bei einem mehrmonatigen Aufenthalt in Berlin 1782 nahm Minna nochmals Gesangsunterricht beim Kastraten Giovanni Carlo Concialini, bevor die Familie, über Schwedt, Stettin, Danzig, Königsberg, Tilsit und Mitau (dort mit etlichen Konzertauftritten) fahrend, von Herbst 1782 bis Frühjahr 1784 ein neues Engagement in Riga wahrnahm. Auch dort nahm Minna weitere Musiklektionen, beim Organisten Julius August Fehre und beim Musikdirektor Friedrich August Baumbach. 1784 kehrte sie nach Stationen in Mitau, Tilsit, Königsberg, Danzig, Stettin, Anklam, Greifswald, Stralsund (dort jeweils Konzert- bzw. Theaterauftritte) nach Hamburg zurück. Sie bekam eine Festanstellung am Hamburger Theater von März 1785 bis März 1786 (in dieser Zeit war ihr Vater einer der Direktoren) sowie anschließend und bis März 1788 unter der Direktion von Friedrich Ludwig Schröder. Brandes galt als gefeierte Darstellerin, ihr letzter Auftritt erfolgte laut Theaterzettel am 3. März 1788 als Leonore in [*** Verweis? ⭢] Dittersdorfs »Doktor und Apotheker«. Früh, im Alter von 23 Jahren, starb Minna Brandes in Hamburg am 13. Juni 1788. Postum wurden ihre Lieder und Klavierstücke durch Friedrich Hönicke als »Musikalischer Nachlass« herausgegeben. Spätere Begegnungen mit Lessing sind nicht dokumentiert. *** ADB/NDB-Link
Brandes, Johann Christian geboren am: 15-11-1735 in: Stettin gestorben am: 10-11-1799 in: Berlin Verhältnis zu Lessing: befreundet Beschreibung: Schauspieler, Theaterunternehmer und Dramatiker, verheiratet mit ⭢Esther Charlotte Brandes. Der Sohn eines Kaufmanns musste die vorgesehene Gelehrtenlaufbahn durch den Bankrott seines Vaters aufgeben und sollte Kaufmann werden. Die Ablehnung dieses Plans sowie Reise- und Abenteuerlust ließen den Achtzehnjährigen nach Polen fliehen, wo er in prekären Verhältnissen lebte. Nach erneuter Flucht trat er in Hamburg in adlige Dienste, trat später aber in Lübeck in die Schauspieltruppe [*** ⭢] Schönemanns ein, die ihn 1757 erneut nach Hamburg führte. Spätere Engagements bei der ⭢Schuchschen Gesellschaft führten in Breslau zur Bekanntschaft mit Lessing, dem er 1768 auch nach Hamburg folgte. Zahlreiche weitere Engagements führten Brandes, stets mit Frau und Tochter nach Berlin, Hamburg, München, Braunschweig, Weimar, Gotha, Dresden, Mannheim, Riga, Mitau und Königsberg. In Dresden scheiterte Ende der 70er Jahre sein Versuch, ein kurfürstlich-sächsisches Hoftheater zu etablieren, 1779 wechselte er zur Kompanie von ⭢Abel Seyler ans Hoftheater Mannheim, an Lessings alter Wirkungsstätte in Hamburg wirkte er als Theaterleiter von 1785-86. 1788 verließ er die Bühne, allerdings schreibt ⭢Nicolai, er habe Brandes noch im Mai 1793 an der Seite von ⭢Conrad Ekhoff (als Odoardo) in der Rolle des Kammerherrn Marinelli in einer Berliner Inszenierung der »Emilia Galotti« gesehen. Schauspielerisch offenbar von minderer Begabung – »ein kalter, mittelmäßiger Schauspieler« schreibt August Förster (ADB), erlangte Brandes größere Aufmerksamkeit als Dramenautor, ein Schritt, zu dem ihm Lessing geraten haben soll: »Er gab sich viele Mühe, mich, durch seinen Unterricht zu einem beifallswürdigen Schauspieler zu bilden; weil er aber zu diesem Fache mehr guten Willen, als wahres Talent, bei mir bemerkte, so lenkte er mich zugleich auf die meinen Fähigkeiten mehr angemessene Laufbahn eines dramatischen Dichters, und gab mir dazu die richtigen Fingerzeige.« (*** S.) Zu Brandes Bekanntenkreis zählten neben Lessing Autoren wie ⭢Ramler und ⭢J. J. Engel; seine 1823 von Louis Benoit Picard auch ins Französische übersetzte Lebensbeschreibung gibt viele Aufschlüsse zur Geschichte des deutschen Theaters und des Schauspielerstands im 18. Jahrhundert. Die 1774 geschriebene »Ariadne auf Naxos« gilt als einer der frühesten Versuche des Melodramas in Deutschland. Nach dem Rückzug von der Bühne lebte Brandes seinen schriftstellerischen Arbeiten in Hamburg, Stettin, Schwerinsburg und Berlin. GND Bibl. Angabe Porträt
Brandes, geb. Koch, Esther Charlotte, geboren am: 30-11-1741 in: Rósinsk Wielky [Preußisch-Litauen] gestorben am: 13-05-1786 in: Hamburg Verhältnis zu Lessing: befreundet Beschreibung: Die Tochter eines preußischen Beamten, Frau von ⭢Johann Christian Brandes und Mutter dreier Kinder, erfreute sich als Schauspielerin und Sängerin größerer Bekanntheit im deutschen Sprachraum, sie stand u.a. als Medea, Orsina und Minna von Barnhelm auf der Bühne und wurde besonders für ihre Rolle der Ariadne in dem für sie geschriebenen Melodram »Ariadne auf Naxos« gerühmt (nach ⭢H. W. v. Gerstenberg, mit Musik von Georg Benda). Brandes trug für diese Rolle ein historisches Kostüm, was eine Neuerung für die Bühne ihrer Zeit war. Ein Bildnis der Schauspielerin in diesem Kostüm stammt von ⭢Anton Graff. Sie führte das typische, unstete Wanderleben der Schauspieler im 18. Jahrhundert (vgl. zu den vielen Lebensstationen den Eintrag zu ihrem Mann). Lessing muss in der Breslauer Zeit enger mit den Brandes befreundet gewesen sein, wie mehrfache Erwähnungen in Brandes’ »Lebensgeschichte« (1799-1800) bekunden; durchaus ungewöhnlich ist es, dass der Gouvernementssekretär im Mai 1764 Gast bei der Hochzeit des Schauspielerpaars war und im Mai des folgenden Jahres auch Taufpate der Tochter wurde, ⭢Charlotte Wilhelmine Franziska Brandes, die Lessing zu Ehren später oft »Minna« genannt wurde. Lessing soll die Schauspielkunst der Brandes befördert und vermittelnd auch in einem Eifersuchtsstreit mit der Schauspielkollegin ⭢Therese Meinzner gewirkt haben. Nach dem Ende seiner Zeit als Hamburger Dramaturg empfahl er sie erfolgreich an die dortige Bühne. Mit ihrem Mann war sie von 1764-68 Mitglied der Schuchschen Gesellschaft und 1768-69 bei Lessing in Hamburg, nach dem Scheitern des Nationaltheaterprojekts wirkten beide 1769 bei ⭢Seyler, der in Hannover eine neue Gesellschaft zusammenstellte. 1779 spielten beide erneut bei Seyler in Mannheim am neu errichteten Hoftheater. Die auch zuvor schon häufigen Spannungen Esther Charlottes mit der Frau des Prinzipals, ⭢Friederike Sophie Seyler, trieben das Ehepaar ein weiteres Mal nach Hamburg. »Wir haben uns übrigens«, so August Förster 1876, »die Darstellungsweise der Frau B. französisch-manierirt und outrirt vorzustellen.« GND Porträt
Brawe, Joachim Wilhelm von von geboren am: 04-02-1738 in: Weißenfels gestorben am: 07-04-1758 in: Dresden Beschreibung: Brawe, Spross eines alten Adelsgeschlechts, besuchte nach dem frühen Tod seiner Mutter von 1750 – 55 die Landesschule in Pforta. In Leipzig studierte er bis 1758 Rechtswissenschaften, hörte u.a. Vorlesungen des von ihm verehrten ⭢Gellert sowie von Christian August Crusius, »las zwischendurch angeblich siebzehnmal hintereinander den kompletten Homer« (Frank Fischer), verkehrte im Freundeskreis von Lessing, ⭢Ewald von Kleist, ⭢K.W. Müller und ⭢C.F. Weiße und begann unter diesem Einfluss selbst Dramen zu schreiben. Sein erstes Schauspiel war das an »Miss Sara Sampson« und dem englischen Theater orientierte bürgerliche Trauerspiel »Der Freygeist«, das er 1757 im Rahmen eines von ⭢Nicolai veranstalteten Preisausschreibens für die »Bibliothek der schönen Wissenschaften« einreichte. Auch wenn Lessing sich für Brawe aussprach, – »ein junger Herr […], den ich wegen vieler guter Eigenschaften ungemein hoch schätze« (19. Febr., an ⭢Nicolai) – , erhielt doch ⭢J.F. Cronegk den Preis. Inspiriert von Lessings »Kleonis«-Fragment schrieb Brawe 1757 das historische Drama »Brutus«, das er zwei Monate vor seinem Tod vollendete und dessen fünfhebiger Jambus ihn zu einem Vorreiter des deutschen Dramenverses macht. Viel zu früh wurde die vielversprechende dichterische Entwicklung Brawes durch seinen Tod beendet. Kurz zuvor noch zum Regierungsrat in Merseburg ernannt, erlag Brawe, ohne die neue Stelle angetreten zu haben, einem fiebrigen Infekt mit eben 20 Jahren. Eine durch Weiße und ⭢K.G. Lessing verbreitete Anekdote berichtet von Gesprächen des oben genannten Freundeskreises in Leipzig, bei denen es auch um die Philosophie des Leipziger Theologen und Leibniz-Gegners Johann Christian Crusius ging, die Brawe so lange aussichtslos gegenüber dem ihm argumentativ überlegenen Lessing vertrat, bis die Freunde ihn erlösten. GND ADB/NDB-Link Wikipedia Bibl. Angabe sonst. Link
Breitenbauch, Georg August von geboren am: 28-08-1731 in: Wilsdruff gestorben am: 15-09-1817 in: Bucha Verhältnis zu Lessing: befreundet Beschreibung: Der Gutsbesitzer und vielseitige Autor erhielt als Knabe Privatunterricht; er studierte zwischen 1749 und 1753 Jura in Jena, dabei zeigte er bereits Interesse an Poesie und Kunst. Nach einer längeren Reise durch Frankreich 1753 schloss er im Jahr darauf in Berlin Bekanntschaft u.a. mit Lessing, ⭢Mendelssohn, ⭢Ramler und ⭢Sulzer, auch später lernte er allerlei literarische Prominenz wie ⭢Goethe und ⭢Herder kennen und korrespondierte u.a. mit Goethes Dienstherrn Carl August, der ihn spät zum Kammerherrn ernannte. Nach dem Tod der Eltern übernahm Breitenbauch 1753 die Bewirtschaftung und Verwaltung des väterlichen Landguts, zugleich brachte er mit bemerkenswerter Produktivität geschichts-wissenschaftliche, geographische und literarische Werke hervor. Nur die Anfänge seines Schreibens galten der Schäferpoesie, er trieb Forschungen etwa zur orientalischen Poesie und Geschichte, Studien zum Mittelalter oder zur Geschichte Afrikas und Asiens; 1794 schrieb er die erste deutschsprachige Topographie Athens, eine Grundlage zahlreicher späterer Werke. Breitenbauch gehörte zum weiten Freundeskreis Lessings in Berlin und stand bis mindestens 1764 mit ihm in brieflichem Austausch, Lessing unterrichtet ihn z.B. genau über die Pläne zu seinem Faust-Drama. Ein 1763 von Breitenbauch auf Lessing verfasstes Gedicht feiert diesen als Vorreiter einer deutschen Nationalliteratur, womit Breitenbauch vielen ähnlichen Versuchen vorausgeht. GND ADB/NDB-Link Wikipedia Bibl. Angabe Porträt
Bruck, Johann Anton geboren am: 30-11-1710 in: Deutschböhmen gestorben am: 30-11-1764 in: Leipzig Beschreibung: Genaue Lebensdaten und Auskünfte über die Jugend des Schauspielers sind nicht zu ermitteln. Bruck debütierte vermutlich 1733 unter Joseph Ferdinand Müller; später gehörte er der ⭢Neuberschen sowie der ⭢Kochschen Schauspieltruppe an und spielte vor allem komische Rollen. »Er hat noch extemporirt und doch auch die ersten Schritte der deutschen Bühne zum veredelten regelmäßigen Schauspiele mitgemacht. […] Er wird in den Rollen niedrig komischer Bedienten und altkomischer Charaktere als ein unnachahmlicher Schauspieler gerühmt und soll namentlich eine große Stärke im stummen Spiel besessen haben«, so August Förster in der ADB. Lessing erwähnt ihn, neben anderen Leipziger Schauspielern, in seiner Plautus-Abhandlung. Die Erwähnung bestätigt das Urteil seines Bruders ⭢Karl Gotthelf über Lessings frühe und prägende Leipziger Theatererfahrung, die Anregungen durch die Truppe der Neuberin mit Bruck als Ensemblemitglied enthielten: »Er hielt es nicht für klein, von ihnen zu lernen, was man aus keinem Buche lernt, und doch wissen muß, wenn man von der Aufführung eines Stücks richtig urtheilen will«. GND ADB/NDB-Link Quelle: Albrecht, Gespräche, S. 39
Brückmann, Urban Friedrich Benedikt geboren am: 23-04-1728 in: Wolfenbüttel gestorben am: 20-06-1812 in: Braunschweig Verhältnis zu Lessing: befreundet Beschreibung: 1728 als Sohn des Gelehrten Franz Ernst Brückmann in Wolfenbüttel geboren, promovierte Brückmann nach seinem Medizinstudium am Helmstedter Juleum. 1750/51 zog er nach Braunschweig, wurde 1755 zum Professor für Anatomie ernannt und trug den mit der Stelle des herzoglichen »Leibmedicus« verbundenen Titel eines Hofrats. Als sein Leibarzt gehörte er zu Lessings Braunschweiger Freunden und begleitete ihn auch in seinen letzten Stunden. Der enzyklopädisch orientierte Brückmann beschäftigte sich außer mit medizinischen Fragen vor allem mit mineralogischen Studien und besaß eine ebenso bedeutende mineralogische Sammlung wie eine Sammlung von Edelsteinen. Auf seine »Abhandlung von Edelsteinen« berief sich Lessing in den »Briefen antiquitarischen Inhalts« sowie in den »Collectaneen«. Noch in den späteren Schriften wie »Über den Sarder, Onyx und Sardonyx« (1801, Nachtrag 1804) verteidigte Brückmann Lessing gegen Angriffe auf einzelne antiquarische Briefe. GND ADB/NDB-Link Wikipedia Bibl. Angabe
Brückner, Johann Gottfried geboren am: 30-11-1729 in: Ilmersdorf gestorben am: 18-10-1786 in: Berlin Verhältnis zu Lessing: Bekannter Beschreibung: Nach dem Besuch des Gymnasiums in Luckau ging Brückner um 1750 nach Berlin, um Buchhändler zu werden. Er arbeitete als Kommis, also Kontorist oder Handlungsgehilfe in der Vossischen Buchhandlung, entschied sich jedoch spätestens 1752 für den Schauspielberuf. Seine Laufbahn begann er in Dresden, zunächst noch unter falschem Namen, kurze Zeit später feierte er unter richtigem Namen in Leipzig bereits Erfolge. Brückner wechselte von der ⭢Koch’schen Gesellschaft 1757 mit ⭢Ekhof zu ⭢Schuch nach Danzig, kehrte aber wieder zu Koch zurück, dessen Kompanie nach Kochs Tod 1775 unter ⭢Döbbelins Leitung kam und fest in Berlin blieb. Neben Ekhof spielte er zunächst und zumeist Kavaliers- und komische Rollen, später auch Väter- und Charakterrollen. Seine Frau, ⭢Katharina Magdalena, geborene Kleefelder, war seit 1741 im Ensemble der Neuberin, deren Pflegetochter sie wurde. Mit Brückner in zweiter Ehe seit 1756 verheiratet, zählten beide zu den Stützen der Koch'schen bzw. Döbbelin'schen Gesellschaft. Während seiner Zeit in der Vossischen Buchhandlung verkehrte er mit Lessing, der Brückners Interesse für die Bühne beflügelte, mit ihm verschiedene Rollen durchsprach und probte, »ihm sogar die schwersten Stellen selbst vordeklamirt« habe, wie ⭢Karl Gotthelf Lessing berichtet, in dessen Biographie es auch heißt, Brückner sei von Lessings »Richtigkeit und Eindringlichkeit in die Rolle anschaulich überführt worden; nur den Anstand hätte er an Lessingen zuweilen dabey vermißt.« (Daunicht, S. 100). 1756 spielt er in Kochs Kompanie die Rolle des Mellefont in »Miß Sara Sampson«; in einem Brief an seinen Bruder vom 9. Juni 1768 stellt Lessing Brückners Darstellung des Tellheim bei einer Leipziger Inszenierung der »Minna von Barnhelm« sogar über die Interpretation ⭢Ekhofs. (D, S. 248). Breiten Raum, oft der Fabulierkunst des Autors zu verdanken, nimmt Brückner in Hermann Klenckes Lessing-Roman von 1850 ein. GND ADB/NDB-Link Bibl. Angabe Porträt
Brühl, Hans Moritz Graf von geboren am: 20-12-1736 in: Wiederau gestorben am: 09-06-1806 in: London Beschreibung: Hans Moritz von Brühl war Neffe des sächsischen Ministers Heinrich von Brühl, gelegentlich wird er mit gleichnamigen Angehörigen verwechselt. Von 1750-55 studierte er in Leipzig, wo er sich v.a. mit dem von ihm bewunderten ⭢Gellert und ⭢J. F. Cronegk anfreundete. Brühl ging als Diplomat nach Paris und 1759 nach Warschau, später wurde er Kammerherr und Landeshauptmann von Thüringen und zog 1764 als sächsischer Gesandter nach London. Von einer Reise in die Heimat abgesehen, verbrachte er den Rest seines Lebens in England, 1767 heiratete er in London Alicia Maria Carpenter. Brühl, vielseitig interessiert und tätig, war Diplomat und Staatsökonom, aber auch leidenschaftlicher Astronom und ruhmreicher Schachspieler, zudem Förderer von Kunst und Wissenschaft. Er wurde Mitglied der Royal Society, der Göttinger sowie Russischen Akademie der Wissenschaften, publizierte auf den heterogenen Wissensfeldern von Nationalökonomie und Naturwissenschaften, ferner arbeitete er an der Entwicklung von Chronometern zur Bestimmung der Längengrade und empfahl seinen Mitarbeiter Franz Xaver von Zach als Astronom für die Sternwarte Gotha. Offensichtlich lernt Lessing den Grafen 1755 bei Gellert kennen, Brühl ist auf dem Weg nach Paris und es belustigt Lessing, dass der etablierte Dichter den jungen Bewunderer bittet, ihn dort ggf. gegen abfällige Urteile zu verteidigen. 1756 legt Lessing einem Brief an ⭢Nicolai ein Schreiben Brühls an Gellert bei, das letzte Zeugnis der persönlichen Bekanntschaft, danach haben sich ihre Lebenswege nicht mehr gekreuzt. GND Wikipedia Porträt
Bülow, Heinrich Wilhelm von geboren am: 30-11-1747 in: Brunsrode gestorben am: 10-09-1810 in: Hamburg Verhältnis zu Lessing: Bekannter Beschreibung: In Brunsrode im Braunschweigischer Land geboren, wurde Bülow Fürstlicher Braunschweigischer Kammerjunker und war als Hofrat und Hofgerichtsassessor in Wolfenbüttel tätig. Später hielt er sich mehrere Jahre in Bayern auf (1790-1795 Privatier in Regensburg), wo er als Herausgeber zahlreicher Schriften, vor allem historischer und juristischer bzw. rechtsgeschichtlicher Art, wirkte. Sein Lebensweg führt über die Schweiz und Basel nach Paris, wo von Bülow offenkundig im Februar 1798, auf Befehl des Direktoriums, verhaftet wurde. Äußerungen zu Bülows vita sind rar und entsprechend schlecht gesichert. Er soll eine Zeit in Nordamerika gelebt haben und in Hamburg gestorben sein. Die Bekanntschaft mit Lessing ist durch eine Notiz von ⭢Leisewitz überliefert, der Lessing und Bülow mit anderen Gästen im Oktober 1780 im »Großen Club« des Hotels d’ Angleterre in Braunschweig antraf. #Andere Lebensdaten (1750 – 1810) aufgeführt in »Wolfenbütteler Studien zur Aufklärung«, Band 2, 1975, Günther Schulz: »Familienstreit«, Seite: 231 Zeile: 12 GND
Büsching, Anton Friedrich geboren am: 27-09-1724 in: Stadthagen gestorben am: 28-05-1793 in: Berlin Verhältnis zu Lessing: sonstiges Beschreibung: Der Protestantische Theologe, Pädagoge, Geograph und Publizist studierte von 1744 bis 1747 in Halle Theologie und schlug eine vielseitige, abwechslungsreiche Berufslaufbahn ein. Trotz der frühen Lehrerlaubnis für alttestamentliche Exegese nahm er eine Hauslehrerstelle beim Sohn des dänischen Geheimrats von Lynar in Köstritz an. Seit 1754 hatte Büsching eine Professur für Philosophie in Göttingen inne; folgte 1761 aber einem Ruf als Pfarrer der lutherischen Gemeinde in Petersburg. 1766 wurde er schließlich Direktor des ersten Berliner Gymnasiums »Zum Grauen Kloster« sowie der berlinischen und köllnischen Stadtschulen und avancierte zum Oberkonsistorialrat. Er verfasste zahlreiche theologische, pädagogische und historisch-geographische Werke, vor allem die »Neue Erdbeschreibung«, ein grundlegender Versuch zur wissenschaftlichen Darlegung der Geographie, hat Rang und Ruf Büschings begründet. Lessing interessiert Büschings Herausgabe der Schriften von Johann Ihre zur (nur fragmentarisch überlieferten) gotischen Bibel-Übersetzung des Wulfila (auch: Ulfilas) aus dem vierten Jahrhundert. Ferner enthält Lessings Büchernachlass Büschings Schrift »Geschichte der jüdischen Religion, oder des Gesetzes, ein Grundriß«. Eine Begegnung ist nicht dokumentiert, in ihren Briefen an Büsching berichten Johann Albrecht Freiherr von Korff und Friedrich Wilhelm Taube von Lessing. GND ADB/NDB-Link Wikipedia Bibl. Angabe Porträt
Bulmerincq, Michael geboren am: 30-11-1749 in: Riga gestorben am: 02-10-1786 in: Riga Verhältnis zu Lessing: Bibliotheksbenutzer Beschreibung: Der Spross eines deutsch-baltischen Adelsgeschlechts studierte Jura (in der Zeit von 1771 – 1772 in Leipzig), wurde später Kaufmann und war Gründungsmitglied der Freimaurerloge »Appollo« in Riga. Durch einen Unglücksfall ertrank Bulmerincq im Alter von 36 Jahren in der Düna. Am 5. Mai 1772 besuchte er die Herzogliche Bibliothek in Wolfenbüttel; von seiner Begegnung mit Lessing zeugt der Stammbucheintrag »Omnus Aristippum decuit color et status et res« (Horaz; etwa: »Dem Aristipp stand jede Farbe, jedes Glück wohl an«), den Lessing mehrfach gebrauchte.
Burckhardt, Johann Gottlieb geboren am: 29-02-1756 in: Eisleben gestorben am: 29-08-1800 in: Hotwells (Bristol) Beschreibung: Frühzeitig vaterlos, besuchte Burckhardt zunächst die Armenschule des Lutherhauses in Wittenberg. Mehrere Gönner ermöglichten ihm den Gymnasialbesuch und ebneten so den Weg zum Theologiestudium in Leipzig. 1780 wurde Burckhardt dort Professor, ohne sich jedoch in der Universität durchsetzen zu können. Im darauffolgenden Jahr ging er als Prediger an die deutschsprachige lutherische Gemeinde der Kirche Savoy Chapel nach London. Zwischen dem Festhalten an Luthers Botschaft und einer aufklärerischen Toleranzposition stehend, pflegte er Kontakt zu heterogenen zeitgenössischen Richtungen wie den Berliner Aufklärern um ⭢F. Nicolai, pietistischen Gruppierungen oder mystisch-schwärmerisch-theosophischen Auffassungen wie sie etwa ⭢Lavater oder Jung-Stilling vertraten. 1779 ließ sich Burckhardt von Lessing durch die Wolfenbütteler Bibliothek führen. In Burckhardts Stammbuch entwarf Lessing auf einer freien Seite gegenüber einem Eintrag von ⭢Basedow spontan eine Kontrafaktur: Aus Basedows Gedicht: »Der Geist der Wahrheit bessre bald / Die Kirchen jedes Ortes;/ Ohn alle zwingende Gewalt / Durch Kraft des wahren Wortes!« machte Lessing: »Des Geists der Wahrheit rühmt sich bald/ Die Kirche jedes Ortes;/ Und alles zwingende Gewalt/ Wird Kraft des wahren Wortes.« GND Wikipedia Bibl. Angabe Porträt Quelle: Vossische Zeitung, Berlin 1905, 9. Dezember.
Cacault, François geboren am: 30-11-1741 in: Nantes (F) gestorben am: 10-10-1805 in: Clisson (F) Verhältnis zu Lessing: Diskurspartner Beschreibung: Französischer Mathematiker, Diplomat und Übersetzer. Cacault erhielt eine Ausbildung an der Pari-ser École militaire und übernahm dort ab 1764 auch eine Lehrtätigkeit. Als Folge einer Beteiligung an einem Duell musste er 1769 seinen Dienst niederlegen und war gezwungen ins Exil zu gehen. In den Folgejahren bereiste er Europa und war zu Gast in vielen bedeutenden literarischen und künstlerischen Kreisen. 1775 trat er eine Stelle als Sekretär beim Governeur von Britannien, Marschall d’Auberterre, an und ging mit ihm 1785 nach Italien. Es folgte eine Karriere als Diplomat. Im gleichen Jahr wurde er Gesandtschaftssekretär unter Charles-Maurice de Talleyrand-Périgord, dann Botschafter des Königreichs Neapel. 1788 und 1791 wurde er zum Geschäftsträger ernannt, wurde aber aufgrund seiner Treffen mit anti-revolutionären Emigranten zurück nach Frankreich gerufen. 1793 wurde er als französischer Botschafter nach Rom entsendet, musste dort aufgrund der Unruhen in diesem Jahr alle Ländereien, die in französischem Besitz standen verkaufen und war zudem gezwungen, die »Académie de France« zu schließen. 1796 wurde er französischer Minister in Rom und war 1797 als Geschäftsträger Frankreichs zweiter französischer Unterzeichner des Vertrags von Tolentino. 1798 wurde er als Stellvertreter für das Département Loire-Atlantique in den Rat der Fünfhundert gewählt. Nach dem Staatsstreich des 18. Brumaire wurde er Abgeordneter in Napoleons Corps législatif und war am Konkordat von 1801 beteiligt. Von 1802 bis 1804 war er Gesandter in Rom. Neben seiner diplomatischen Tätigkeit war Cacault äußerst kunst – und literaturinteressiert und übersetzte viele deutsche Werke ins Französische, so auch ⭢Ramlers »Oden« und Lessings »Hamburgische Dramaturgie«. Er kaufte zahlreiche bedeutende Kunstwerke und gründete gemeinsam mit seinem Bruder ein Museum, dessen Sammlung 1801 von der Stadt Nantes aufgekauft wurde und zur Gründung des »Musée des Beaux-Arts de Nantes« führte. Um 1773 hielt er sich im Zuge seiner Europareise auch in Deutschland auf und lernte in Wolfenbüttel Lessing kennen, der für ihn ein wichtiger Gesprächspartner in literarischen Fragen war. Noch während seines Aufenthaltes in Wolfenbüttel begann er mit der Übersetzung der »Hamburgischen Dramaturgie«. Die französische Ausgabe erschien jedoch nach Lessings Tod im Jahr 1785. GND Porträt
Calau, Benjamin geboren am: 30-11-1723 in: Friedrichsstadt gestorben am: 30-11-1784 in: Berlin Verhältnis zu Lessing: Bekannter Beschreibung: Calau wurde 1724 im nordfriesischen Friedrichstadt geboren. Sein Vater, der Maler Christoph Callau (auch: Kallau), hat seine drei Söhne früh im Zeichnen unterrichtet. 1743 in St. Petersburg, 1746 in Riga, lebte Calau von 1749 bis 1771 in Leipzig und stieg 1755 zum kursächsischen Hofmaler auf; in seinem Wirkungskreis lagen auch Dresden und das Halberstadt ⭢Gleims. Er unternahm zahlreiche Experimente im Bereich der Wachs- bzw. »enkaustischen Malerei« (gr.: enkauston, eingebrannt), einer seit der Antike bekannten, aber lange in Vergessenheit geratenen Maltechnik, die Calau wiederbelebte und 1769 in der Schrift »Ausführliche Versuche, wie das Punische oder Eleodorische Wachs aufzulösen« darlegte. 1771 wechselte er nach Berlin, wurde Hofmaler ⭢Friedrichs II. und Mitglied der Akademie der Künste; 1772 erhielt er das preußische Privileg für den Vertrieb seiner Wachsfarben. In der ihm eigenen Technik schuf Calau 1770 mehrere Porträts für Gleims Halberstädter »Freundschaftstempel«. Im Juli des gleichen Jahres schuf er bei einem gemeinsamen Aufenthalt mit Gleim in Braunschweig Portraitstudien von Lessing und dessen späterer Frau ⭢Eva König. Zu dem im September beendeten Bild schreibt Lessing eher skeptisch an Eva: »Herr C. hat sein Bestes getan. Ich bin so ziemlich mit ihm zufrieden […] Bei Lichte zwar […] mögte ich das Bild freylich nicht untersuchen lassen.« Calaus Bedeutung sah er unter einem anderen Aspekt: »Der Maler Calau« (so am 25. Jan. an den Bruder Karl), »den ich ganz wohl kenne, ist freylich kein großer Hexenmeister; auch seine Art zu malen mag jetziger Zeit sehr entbehrlich seyn: aber so viel muß ich ihm zum Ruhme nachsagen, daß ich aus seinen Urtheilen und Meinungen, die Art der Alten zu malen betreffend, verschiedene Stellen im ältern Plinius habe verstehen lernen, die mir unerklärlich gewesen sind, und über die alle Ausleger nichts als ungereimtes Zeug schwatzen.« In späteren Jahren bemalte Calau mit seinen Wachsfarben auch Porzellan und Fayencen und wurde ein wohlhabender Tapetenfabrikant. Ein Portrait Calaus ist nicht überliefert. Das Lessing-Bildnis vom August 1770 befindet sich heute im Besitz der Stiftung Weimarer Klassik. GND Wikipedia sonst. Link Porträt Quelle: https://www.shz.de/3557381 ©2018. Birka Siwczyk: Doch wer ihn kennt, erkennt ihn im Bilde. Lessing im Porträt. Kamenz 2012, S. 32f.
Campe, Joachim Heinrich geboren am: 29-06-1746 in: Deensen b. Holzminden gestorben am: 22-10-1818 in: Braunschweig Verhältnis zu Lessing: Bekannter Beschreibung: Der Sohn eines Kaufmanns sowie Land- u. Gastwirts besuchte ab 1760 die Amelungsbornsche Klosterschule zu Holzminden und erhielt Privatunterricht. 1765 nahm er ein Theologiestudium in Helmstedt auf, wo ⭢Wilhelm Abraham Teller sein wichtigster Lehrer wurde. Campe wechselte 1768 nach Halle, 1769 wurde er Lehrer und Erzieher im Haus der Humboldts in Berlin und traf in dieser Zeit bedeutende Vertreter der Aufklärung. Er wirkte zwischenzeitlich als Feldprediger, zeigte jedoch wachsendes Interesse an pädagogischen Fragen und kehrte 1775 als Lehrer der Söhne Wilhelm und Alexander ins Humboldtsche Haus zurück. 1776 wurde er »Edukationsrat« am Dessauer Philanthropinum und übernahm später faktisch dessen Leitung. Nach Streitigkeiten mit ⭢Basedow floh er 1777 nach Hamburg, wo er als Erzieher der Kinder angesehener Kaufleute wie ⭢Schuback wirkte, und sich als Autor vor allem des ungemein erfolgreichen Jugendbuches »Robinson der Jüngere« hervortat. 1786 wurde er von ⭢Carl Wilhelm Ferdinand als Hochfürstlicher Schulrath nach Wolfenbüttel berufen und begründete im gleichen Jahr die Braunschweigische Schulbuchhandlung. Während seiner Hamburger Zeit verstärkte er die Kontakte zu den Berliner und Hamburger Aufklärern wie ⭢Klopstock, ⭢Claudius und Lessing. Er verkehrte regelmäßig in den Häusern der Familien Reimarus und Sieveking. Durch seinen Robinson-Roman und »Die Entdeckung von Amerika« zum Begründer des Genres der Kinder- und Jugendliteratur geworden, gab Campe in seinen letzten Lebensjahren das »Wörterbuch der deutschen Sprache« heraus, veröffentlichte darüber hinaus aber zahlreiche kleinere Schriften zur Pädagogik sowie zur deutschen Sprache. Im September 1778 trafen in Hamburg Campe und seine Frau ⭢Anna Dorothea Maria erstmals mit Lessing zusammen, zuletzt dort 1780, wenige Wochen vor Lessings Tod. Lessing, so berichtet ⭢Elise Reimarus, schien in Campe den »festen, unschwärmerischen Mann« zu schätzen und zumindest sein Urteil über dessen 1773 erschienen »Philosophische Gespräche« fällt ausgesprochen wohlwollend aus. Großes Interesse bekundete Campe an »Ernst und Falk« , wie die einschlägige Korrespondenz bezeugt. Gleiches Interesse bewies Campe für »Nathan der Weise« , dessen Subskription er unterstützte und zu dem er sich brieflich mit dem Autor austauschte. Nicht zuletzt hatten die Korrespondenten im Hamburger Hauptpastor ⭢Goeze eine Art gemeinsamen Gegner. Campes Schulbuchhandlung übernahm auch die Braunschweiger Waisenhaus-Buchhandlung und Druckerei, in der mehrere Schriften Lessings erschienen waren. GND ADB/NDB-Link Wikipedia Bibl. Angabe Porträt
Campe, geb. Hiller, Anna Dorothea Maria geboren am: 05-10-1741 in: unbekannt gestorben am: 29-01-1827 in: unbekannt Verhältnis zu Lessing: Bekannte Beschreibung: Seit 1773 Frau von ⭢Joachim Heinrich Campe. Bei Lessings Besuch in Hamburg im Herbst 1778 lernte sie gemeinsam mit ihrem Mann Lessing kennen, der ihre Schwärmerei für die Herrnhuter ironisch konterkarierte. Kopitzsch spricht von »der beiderseitigen Achtung Lessings und Dorothea Maria Campes«. Porträt Quelle: Franklin Kopitzsch: Joachim Heinrich Campe und Gotthold Ephraim Lessing. In: Biegel: Lessing in Braunschweig u. Wolfenbüttel, S. 96.
Camper, Peter, [auch Pieter] geboren am: 11-05-1722 in: Leiden gestorben am: 07-04-1789 in: Den Haag Verhältnis zu Lessing: sonstiges Beschreibung: Vater des Mathematikers und Physikers Adrian Gilles Camper; er beschäftigte sich mit Sprachen und Mathematik, bevor er ab 1734 in Leiden ein Medizinstudium begann. 1748 bereiste er London, 1749 Paris, 1750 wurde er Professor für Anatomie und Chirurgie in Franeker, 1755 für Chirurgie in Amsterdam, 1763 für Botanik in Groningen. 1779 wurde Camper zum auswärtigen Mitglied der »Göttinger Akademie der Wissenschaften« gewählt. Nach ihm wurde eine Bezugsebene am menschlichen Schädel benannt (Campersche Ebene). Am 9. Juni 1780 besuchte er mit seinem oben erwähnten Sohn die Wolfenbütteler Bibliothek, wie das Besucherbuch bezeugt. Über den Empfang durch Lessing beklagte er sich später bei ⭢Elise Reimarus, da Lessing sich offenbar beiden Gästen nicht persönlich widmete, sondern sie mit einem Mitarbeiter oder, wie Richard Daunicht mutmaßt, dem Freund ⭢J.A. Ebert vorlieb nehmen ließ, während Camper nur Lessing sprechen wollte (»je n’ ai voulu voir ni entendre que lui seul«). GND Wikipedia Porträt
Carl I., von Braunschweig-Wolfenbüttel Herzog geboren am: 01-08-1713 in: Braunschweig gestorben am: 26-03-1780 in: Braunschweig Verhältnis zu Lessing: Dienstverhältnis Beschreibung: Der Sohn von Herzog Ferdinand Albrecht II. und Antoinette Amalie von Braunschweig-Wolfenbüttel war dem Preußenkönig Friedrich Wilhelm I. eng verbunden und heiratete 1733 dessen Schwester ⭢Philippine Charlotte. Carl I. verfolgte eine militärische Karriere, wurde aber nach dem unerwarteten Tod seines Vaters 1735 Fürst von Braunschweig-Wolfenbüttel. 1753 verlegte er die Residenz von Wolfenbüttel nach Braunschweig, beließ aber die Herzogliche Bibliothek in Wolfenbüttel und ernannte Lessing 1770 zum Bibliothekar. Lessings Verhältnis zu Carl war weit entspannter als zu dessen Sohn ⭢Carl Wilhelm Ferdinand, der seine Anstellung in Wolfenbüttel betrieben hatte. Carl war aufklärerisch gesinnt. Außenpolitisch eng an Preußen orientiert, setzte er dringend notwendige innenpolitische Reformen auf den Feldern der Verwaltung sowie des Finanz-, Sozial- und Unterrichtswesens in Gang; um die marode Wirtschaft zu befördern gründete er Betriebe zur Erzgewinnung und Glasherstellung und die Porzellanmanufaktur Fürstenberg. Auch die fortschrittliche Bildungsanstalt des Collegiums Carolinum, das Kunst- und Naturalienkabinett, Grundstock des heutigen Anton Ulrich-Museums, sowie die Einrichtung einer Brandkasse als frühe Form der Versicherung oder des Herzöglichen Leyhauses als Vorform eines Bankinstituts oder einer Witwen- und Waisenkasse gehen auf Carl zurück. Die beträchtliche Schuldenlast, die er übernommen hatte, hohe Militärausgaben sowie großzügige Ausgaben für Kultur und Hofhaltung verschärften das Problem, die Finanzen des Fürstentums in den Griff zu bekommen; 1773 übergab Carl als regierender Herzog die Staatsgeschäfte an seinen ältesten Sohn Carl Wilhelm Ferdinand, seine letzte Ruhestätte fand er in der Krypta des Braunschweiger Doms. GND ADB/NDB-Link Wikipedia Bibl. Angabe Porträt
Carl Wilhelm Ferdinand, von Braunschweig-Wolfenbüttel Herzog geboren am: 09-10-1735 in: Wolfenbüttel gestorben am: 10-11-1806 in: Ottensen bei Hamburg Verhältnis zu Lessing: Dienstverhältnis Beschreibung: Der Sohn von ⭢Carl I. und ⭢Philippine Charlotte von Preußen, seit 1764 verheiratet mit ⭢Augusta von Hannover, trat offiziell 1780 als Fürst von Braunschweig-Wolfenbüttel die Nachfolge seines Vaters an. Tatsächlich hatte er als Erbprinz auch zuvor schon einen wesentlichen Teil der Amtsgeschäfte übernommen; noch während der Regierungszeit des Vaters gab er etwa den Anstoß zu Lessings Anstellung als Herzoglicher Bibliothekar. Erzogen von ⭢Friedrich Wilhelm Jerusalem und ⭢Joachim Heinrich Campe förderte der aufgeklärte Herrscher Kunst und Literatur. Unter seiner Regierung kam es zu zahlreichen, gerade anfangs oft erfolgreichen Reformen im Fürstentum Braunschweig. Karriere machte »CWF« als Militär, er wurde 1787 zum preußischen Feldmarschall ernannt und agierte, wenig glücklich, im ersten Koalitionskrieg als Befehlshaber über die preußischen und österreichischen Truppen gegen Frankreichs Revolutionsarmee. 1794 legte er den Oberbefehl nieder, erhielt aber 1806 im Zug des vierten Koalitionskrieges dank einer fragwürdigen Entscheidung erneut den Oberbefehl über die preußische Hauptarmee. In der Schlacht bei Auerstedt schwer verwundet, floh Carl Wilhelm Ferdinand nach Altona auf neutrales dänisches Gebiet und starb dort im November 1806 im Alter von 71 Jahren. Das Verhältnis zu Lessing, der alles andere als ein gewöhnlicher Untertan war, gestaltete sich komplex und schwierig. Eine dem Bibliothekar zugesagte, mit der Erhöhung des Gehalts verbundene Anstellung als Historiograph blieb lange uneingelöst und sorgte beim empfindlichen Lessing für eine über Jahre anhaltende Missstimmung. Ohne das Stück im mindesten zu erschöpfen, ist die oft behauptete biographische Nähe des Erbprinzen zum Prinzen Hettore Gonzaga in »Emilia Galotti« wohl nicht ganz von der Hand zu weisen. Im sog. Fragmentenstreit der Jahr Ende 1780 sorgte der Erbprinz zwar für die Aufhebung von Lessings Zensurfreiheit, bot aber auch Unterstützung an, als das Corpus evangelicorum den Bibliothekar seiner Herausgebertätigkeit wegen zur Rechenschaft ziehen wollte. Ein Angebot, das Lessing zwar mit »mürrischer Gleichgültigkeit« ablehnte, sein oft harsches Urteil über Carl Wilhelm Ferdinand wich am Ende dennoch einer versöhnlicheren Einschätzung. GND ADB/NDB-Link Wikipedia Bibl. Angabe Porträt
Chodowiecki, Daniel Nikolaus geboren am: 16-10-1726 in: Danzig gestorben am: 07-02-1801 in: Berlin Verhältnis zu Lessing: Bekannter Beschreibung: Chodowiecki zählt als Kupferstecher, Graphiker und Illustrator zu den bekanntesten und produktivsten bildenden Künstlern des 18. Jahrhunderts in Deutschland. Sein Vater war polnischer, seine Mutter hugenottischer Herkunft. 1740 begann er in Danzig eine kaufmännische Ausbildung, arbeitete aber seit 1743 im Kurzwarenladen seines Onkels Antoine Ayrer in Berlin, wo er vor allem Entwürfe für Modeschmuck zeichnete. Der Onkel förderte die künstlerische Ausbildung des Neffen, unter anderem bei Christian Bernhard Rode. Chodowiecki war Mitglied der Berliner französischen Gemeinde. Mit seinem als Miniaturmaler tätigen Bruder machte er sich um 1754 in der Emailmalerei selbstständig. Erste Erfolge als Illustrator hatte er in Kalendern und Almanachen der Zeit erzielt, nachhaltige internationale Berühmtheit erlangte er aber durch seine Kupferstiche. Er illustrierte eine Vielzahl literarischer Werke, nicht zuletzt von Lessing, aber auch von ⭢Goethe und Schiller, ⭢Christian Felix Weiße (»Der Kinderfreund«) und anderen, sowie wissenschaftlicher Schriften, etwa von ⭢Basedow oder Johann Timotheus Hermes. Die wachsende Berühmtheit verschaffte Chodowiecki eine Vielzahl von Aufträgen, die er in einem Werkstattbetrieb mit Hilfe verschiedener qualifizierter Kupferstecher, Radierer und Miniaturmaler zu bewältigen wusste. Die Königlich-Preußische Akademie der Künste, deren Mitglied Chodowiecki seit 1764 war, leitete er ab 1797 als Direktor. 1769 schuf er zwölf Kupferstiche zu »Minna von Barnhelm«, 1779 folgten zwölf Bilder zu Lessings Fabeln und Erzählungen. Eine persönliche Begegnung zwischen Chodowiecki und Lessing, obwohl wahrscheinlich, ist nicht dokumentiert. GND ADB/NDB-Link Wikipedia Bibl. Angabe Porträt
Christ, Johann Friedrich geboren am: 26-04-1701 in: Coburg gestorben am: 03-09-1756 in: Leipzig Beschreibung: Der spätere Leipziger Lehrer Lessings erhielt eine vielseitige philologische und künstlerische Erziehung, die vor allem den Literaturen Frankreichs, Italiens und Deutschlands sowie der bildenden Kunst galt. Früh zeigte er zudem Interesse an der lateinischen Sprache und wurde einer der bedeutendsten zeitgenössischen Latinisten. 1720 studierte er in Jena Philosophie, Geschichte und Jurisprudenz, er verkehrte in aristokratischen Kreisen, war als Kabinettsekretär in Meiningen tätig und setzte 1726 sein Studium in Halle fort. Hier wie in Jena begleitete er das Studium von Söhnen des Ministers Johann Christoph von Wolzogen (1666-1734). In Halle hielt er noch vor Erreichung eines akademischen Grades Vorlesungen. 1729 wechselte Christ auf eine Hofmeisterstelle nach Leipzig, 1731 ebendort Professor für Geschichte. In den folgenden Jahren bereiste er mit seinen Zöglingen England, Frankreich und Italien. 1739 erhielt er in Leipzig die Professur für Poesie. Christ war Polyhistor, interdisziplinär »avant la lettre« und las über verschiedene Gebiete, besonders aber über lateinische Dichtung und antike Kunstdenkmäler, die Archäologie machte er als einer der ersten deutschen Universitätslehrer salonfähig. Christs Vortrag war unkonventionell, improvisatorisch und für seine Hörer offenbar nicht immer leicht zu verfolgen, er schweifte mit Exkursen gern vom Thema ab, was Lessings weitgespannten Interessen natürlich entgegenkam. Christ veröffentlichte nur wenig, doch sollen nach seinem Tod Mitschriften seiner Vorlesungen von anderen Gelehrten, nicht zuletzt von ⭢Ernesti, wohl auch von ⭢Klotz, auch ohne Nennung des Autors, verwendet worden sein. Christ sammelte Antiquitäten, seltene Bücher und Manuskripte, er pflegte freie Diskussionen, gefiel sich in der Verteidigung unpopulärer Behauptungen und auch, nach dem Vorbild der »Rettungen«, zu Unrecht geächteter Personen (darunter Cardano), er lehnte die Zensur ab und war überdies im Streit mit ⭢Gottsched. Kein Wunder also, dass viele seiner Interessen und Verhaltensweisen vorzüglich zu Lessing passten, auf den Christ entsprechenden Eindruck machte; neben ⭢Kästner war er sicher dessen wichtigster Leipziger Lehrer. Christs Einfluss, in vielen Schriften Lessings sichtbar, wird erstmals für »Der junge Gelehrte«, 1748 in Leipzig uraufgeführt, reklamiert. Lessing besprach in seiner Zeit als Rezensent verschiedene Schriften seines Lehrers, der zweifellos auch seine Vorliebe für den kurzen, antiquarisch gelehrten Essay prägte. Christ brachte ihm das Genre der »Rettungen« nahe, wies namentlich auf Horaz und Cardano hin und weckte durch seine Studien zu Äsop und Phädrus Lessings Interesse an der antiken Fabel, das sich noch in seiner Zeit als Wolfenbütteler Bibliothekar (»Romulus und Rimicius«; »Über den Anonymus des Nevelet«) äußerte. Auch die 1768 im Kontext des Gemmen-Streits mit ⭢Klotz erschienenen »Briefe, antiquarischen Inhalts« nehmen auf Christ Bezug, ebenso wie die Abhandlung »Ueber die Ahnenbilder der Römer« von 1769. Lessing besuchte Christ bei seinen Leipziger Aufenthalten und hat 1756 offenkundig auch die geplante Europareise mit ⭢Winckler gemeinsam mit dem geschätzten, noch im selben Jahr verstorbenen Lehrer konzipiert. Schon früh würdigt er ihn als einen jener Männer, »die mit einer ausnehmenden Gelehrsamkeit den feinsten Geschmack verbinden. […] Nur solche Männer können uns die Alten nach Würden rühmen und solche großen Muster ohne Verwegenheit nachahmen.« GND ADB/NDB-Link Wikipedia Bibl. Angabe Porträt Quelle: LM IV, S. 27.
Cichin, Carl Johann Anton von geboren am: 30-11-1722 in: München gestorben am: 15-03-1793 in: Wolfenbüttel Beschreibung: Neben dem Pedell oder Bibliotheksdiener ⭢Johann Christian Helms, mit dem er meist im Streit lag, war Cichin als Bibliothekssekretär – auch »Subbibliothekar« oder »Famulus« – der einzige feste Mitarbeiter des Bibliothekars Lessing. Über Herkunft und Geburtsjahr, Datum des Dienstantritts in Wolfenbüttel oder seinen vermeintlichen Adelstitel gibt es widersprüchliche Angaben. Erich Schmidt spricht von einem »entlaufenen bayrischen Mönch von zweideutiger Herkunft und Haltung, der sich als Konvertit an den gutmütigen Herzog [Carl I.] geheftet hatte, fortan ihn […] mit großsprecherischen Bettelbriefen überschüttete, sogar unverschämt auf eine geheime Adaption pochend, und gleich im ersten Winter Lessings Bürgschaft in Anspruch nahm«. Nach Paul Raabe war Cichin ein »undurchsichtiger Mann, von dem gemunkelt wurde, dass er ein natürlicher Sohn des Kaisers Karl VI. sei, der mit einer Wolfenbütteler Prinzessin verheiratet war, und dass er – ein entlaufener Dominikaner oder Kapuziner – zum protestantischen Glauben übergetreten sei. Seit 1759/60 in Wolfenbüttel tätig, gebildet, intrigant, fleißig, begegnete er Lessing mit Bewunderung und Verachtung zugleich [...], verzeichnete nach seinem Tod die Bücher, die man in der Wohnung fand, und versah seine Aufzeichnungen mit sarkastischen Bemerkungen«. Nach Stipendiatenjahren am Helmstedter Juleum 1756-58 arbeitete Cichin bereits mehr als ein Jahrzehnt in der Wolfenbütteler Bibliothek, als er am 7. Mai 1770 der Amtseinweisung Lessings durch ⭢Praun beiwohnt. Das Verhältnis zu Lessing, der der Bibliothek oft längere Zeit fernbleibt, blieb über die Jahre schwierig. Vor allem Lessings Italien-Aufenthalt 1775/76 verstärkte Cichins Eigenmächtigkeiten. Seine Aufzeichnungen und Dokumente geben indes wertvolle Auskünfte über die Ärgernisse und Schwierigkeiten des bibliothekarischen Alltags, etwa zu den Fragen der Aufstellung (»Rangierung«) der Bücher, des Umgangs mit Doubletten, der Ausleihpraxis oder zu den Fragen der Öffnungszeiten, Signaturenvergabe, Katalogisierung usw. Lessings Größe hat der »Secretarius« gesehen und in einer Aktennotiz festgehalten: »Pro memoria.. Den 15.ten dieses Monaths hat Fürstl. Bibliothec durch den in Braunschweig erfolgten Tode des Herrn Hofrath Lessing ihren Bibliothecarium, und Teutschland seinen großen und durch seine Schriften berühmten Gelehrten verlohren. Cui Requiem«. Gewohnt hat Carl Johann Anton Cichin unweit der Bibliothek in der Mühlenstraße 3; das Wohnhaus, in dem er im Jahr 1793 verstarb, ist heute durch einen Neubau ersetzt. Quelle: Otto von Heinemann: ›Lessings Amtsgenosse in Wolfenbüttel‹, 1890. »Mit Lessing unterwegs« : ›Wolfenbütteler Zeitgenossen‹. Hg. von Kulturstadt Wolfenbüttel e.V., Lessing-Akademie e.V. und Stadtmarketinggesellschaft Wolfenbüttel; Wolfenbüttel
Clodius, Christian August Pseudonym: Klöde geboren am: 05-01-1737 in: Annaberg gestorben am: 30-11-1784 in: Leipzig Beschreibung: Clodius’ Vater war Rektor der Lateinschule in Annaberg und lenkte den Sohn früh auf die antiken Schriftsteller. 1756 begann Clodius das Studium der Philosophie in Leipzig, wo er 1758 ⭢Ewald Christian von Kleist und vielleicht auch Lessing kennenlernte, auch wenn keine Zeugnisse einer persönlichen Bekanntschaft überliefert sind. Kleist regte ihn zum Schreiben an, sicher auch die im Jahr darauf geschlossene Bekanntschaft mit ⭢Gellert. 1759 wurde Clodius Magister, 1764 ordentlicher Professor der Philosophie, später auch Professor der Logik (1778) sowie 1782 der Dichtkunst. Er war ein fleißiger, auf Deutsch und Latein publizierender Autor, wenn auch Dichter der zweiten Reihe. Einen Namen machte sich Clodius durch die 1767 erschienenen »Versuche über die Litteratur und Moral«. 1771 heirate er die ebenfalls schriftstellerisch sowie als Übersetzerin tätige Julie Stölzel, die nach Clodius‘ Tod zusammen mit dem sechsten und letzten Teil seiner Schriften eine Biographie ihres Mannes herausgab. Lessing erwähnt sein Schauspiel »Medon, oder die Rache des Weisen« (1764) gegenüber ⭢Heinrich Christian Boie (wie dieser wiederum 1767 gegen ⭢Gleim äußert), scheint indessen keine allzu hohe Meinung davon vertreten zu haben. ⭢Eva König spricht ebenfalls von diesem Schauspiel, das auch ⭢Goethe, verärgert über eine harsche Kritik seiner Gedichte durch Clodius, parodiert hatte. Bei ihrem Salzburg-Aufenthalt 1770 stand das Stück im Theaterprogramm: »Hätte man sie [»Minna von Barnhelm«] diese Woche aufgeführt, so wäre ich nicht von hier gereist, ohne die Komödie zu sehen, so aber war ich nicht neugierig, den Freigeist von Brave, und den Medon von Clodius zu sehen. Die Anzeige von der Letzteren sollen Sie haben; sie wird Sie zu lachen machen.« GND ADB/NDB-Link Wikipedia Bibl. Angabe Porträt
Cramer, Johann Andreas geboren am: 27-01-1723 in: Jöhstadt gestorben am: 12-06-1788 in: Kiel Verhältnis zu Lessing: Diskurspartner Beschreibung: Theologe und Schriftsteller. Der im Erzgebirge nahe dem heutigen Tschechien geborene Theologe und Autor, ein Freund ⭢Gellerts und ⭢Klopstocks, studierte 1742 in Leipzig und hielt dort ab 1745 als Magister Vorlesungen. 1750 kam er als Oberhofprediger und Konsistorialrat nach Quedlinburg, wurde auf ⭢Klopstocks Initiative hin 1754 als Oberhofprediger nach Kopenhagen berufen und dort 1765 Professor für Theologie. König Christian VII. verwies ihn 1771, unter Einfluss seines Leibarztes und Kabinettsministers Johann Friedrich Struensee, des Landes. Cramer ging im gleichen Jahr als Superintendent nach Leipzig, wurde aber später nach der Hinrichtung Struensees wieder zurückberufen und erhielt 1774 eine Professur in Kiel sowie das Kanzleramt der Universität. Seine Predigten wurden in mehr als 20 Bänden veröffentlicht. Er redigierte Gesangbücher im Sinne der Aufklärung und verfasste selbst Kirchenlieder. 1785 schrieb er einen neuen Katechismus, der der Aufklärungstheologie gerecht werden und Luthers »Kleinen Katechismus« ersetzen sollte. Als Herausgeber war Cramer Mitbegründer der ›Bremer Beiträge‹ sowie (mit Klopstock) der Moralischen Wochenschrift »Der nordische Aufseher«. Cramers Programm einer religiösen Kindererziehung sollte Lessing in den »Literaturbriefen« ebenso polemisch kritisieren, wie Cramers – für Lessing sozinianische – Neigung, die Rechtschaffenheit des Einzelnen allein religiös zu begründen. 1778 könnte bei Cramers Besuch in Braunschweig auch eine persönliche Begegnung mit Lessing stattgefunden haben. GND ADB/NDB-Link Wikipedia Bibl. Angabe Porträt
Cronegk, Johann Friedrich von geboren am: 02-09-1731 in: Ansbach gestorben am: 01-01-1758 in: Nürnberg Beschreibung: Der Sohn eines Generalfeldmarschalls erhielt, geschwisterlos aufwachsend, eine sorgfältige Erziehung. 1749 trat er in Halle das Studium der Rechte an, hörte aber auch in anderen Disziplinen. 1750 wechselte er nach Leipzig, traf mit ⭢Rabener, ⭢ A. G. Kästner und ⭢Chr. F. Weiße zusammen, machte die Bekanntschaft ⭢Gellerts und war häufig Gast bei Theateraufführungen der ⭢Kochschen Kompanie. Nach Abschluss des Studiums unternahm er 1752/53 eine Reise durch Italien und Frankreich; dort begegnete Cronegk u.a. Goldoni und vertiefte sein Interesse am französischen Theater. Als Hof- und Justizrat 1754 zurück in Ansbach befreundete er sich mit dem ebenfalls dort lebenden ⭢Johann Peter Uz, mit dem er die Moralische Wochenschrift »Der Freund« herausgab. Uz war es auch, der nach Cronegks frühem Tod eine Ausgabe seiner Werke herausbrachte und mit einer »legendenbildenden Vorrede« (Alfred Anger) versah. Cronegks Werk ist schmal, zwei Trauerspiele, davon eines unvollendet, das Lustspiel »Der Mißtrauische«, empfindsame Verse, wenige Fragmente und Entwürfe. Sein Trauerspiel »Codrus« gewann in dem von ⭢F. Nicolai 1757 veranstalteten Preisausschreiben für das beste unveröffentlichte Trauerspiel den ersten Preis (bei nur drei Einsendungen), Cronegk selbst hat es nicht mehr erfahren. Lessing indes hätte ⭢Brawes »Freigeist« vorgezogen, das er ebenfalls keineswegs frei von Mängeln fand, sein Bild von einem ›Wettlauf der Hinkenden‹ ist überdeutlich. Im ersten Stück der »Hamburgischen Dramaturgie« wird es dann heißen: »Cronegk starb allerdings für unsere Bühne zu früh; aber eigentlich gründet sich sein Ruhm mehr auf das, was er, nach dem Urteile seiner Freunde, für dieselbe noch hätte leisten können, als was er wirklich geleistet hat.« Immerhin wurden Einflüsse des »Codrus« auch für Lessings Dramenentwurf »Kleonnis« geltend gemacht, ja, für einen Moment erwog er ernsthaft, eine bessere Ausführung des Stoffes zu geben. Auch das Hamburgische Nationaltheater-Unternehmen begann mit Cronegks (von fremder Hand vollendeter) Tragödie »Olint und Sophronia«, wobei Lessings »Hamburgische Dramaturgie« die schneidende Kritik der Märtyrertragödie gleich mitlieferte. Im siebten Stück der »Dramaturgie« relativiert Lessing seine Kritik: »Ich habe nicht die Absicht gehabt, ihnen die Lesung eines Dichters zu verleiden, den ungekünstelter Witz, viel feine Empfindung und die lauterste Moral empfehlen.« Eine persönliche Begegnung mit Cronegk ist nicht dokumentiert. GND ADB/NDB-Link Wikipedia Bibl. Angabe Porträt Quelle: Deutsche Schriftsteller im Porträt, Bd. 2: Das Zeitalter der Aufklärung, hg. von Jürgen Stenzel, München 1980, S. 43.
Crusius, Christian August geboren am: 10-06-1715 in: Leuna gestorben am: 18-10-1775 in: Leipzig Beschreibung: Der Pfarrerssohn studierte in Leipzig Philosophie, Theologie, Mathematik und orientalische Sprachen, wurde dort 1744 außerordentlicher Professor der Philosophie und 1750 ordentlicher Professor der Theologie. Er wandte sich, pietistisch geprägt, »scharfsinnig, aber zum Mystizismus neigend« (D, S. 112), gegen die rationalistische Denkrichtung eines Descartes, Leibniz oder Christian Wolff, die er »für anmaßend und letztlich deterministisch hielt« (Nisbet, S. 303). Ihr setzte er »mit Hilfe eines eigenen Lehrgebäudes« (D, S. 112) vor allem die Einheit der positiven Offenbarung und den Anspruch auf Willensfreiheit entgegen. Ganz sicher, wenn auch nicht dokumentiert, hat ihn Lessing in Leipzig gehört, mit seinen Schriften jedenfalls ist er gut vertraut, die »Sammlung geistlicher Abhandlungen« (1753) hat er rezensiert, er erwähnt auch die »Kritische [n] Mutmaßungen«, (1753) und kommt verschiedentlich auf das von Crusius herausgegebene »Leben des Sabinus« (»Vita Georgii Sabini«, 1724) zurück. ⭢Christian Felix Weiße berichtet in seiner Autobiographie von Leipziger Zusammentreffen im Jahr 1757 (und evtl. zuvor) zwischen Lessing, ⭢Ewald von Kleist, ⭢Brawe und Weiße, bei denen Lessing sich offensichtlich einen Spaß daraus gemacht hat, den jungen, argumentativ ihm unterlegenen Crusius-Anhänger Brawe mit dessen Verteidigung von Lehren des Crusius in die Enge getrieben zu haben. GND ADB/NDB-Link Wikipedia Bibl. Angabe Porträt
Daveson, Alexander Pseudonym: Carl Julius Lange geboren am: 16-11-1755 in: Braunschweig gestorben am: 30-11-1812 in: Minsk Verhältnis zu Lessing: befreundet Beschreibung: Pseudonym, eigentl. Simson Alexander David, auch Simon Alexander David, späteres Pseudonym: Carl Julius Lange. Zehnter und jüngster Sohn des 1765 verstorbenen Braunschweiger Schutzjuden, Kammeragenten, Hoflieferanten, Hofbankiers und Neubegründers der Jüdischen Gemeinde Alexander David. Beim Tod des Vaters ein noch zehnjähriger Knabe, dessen eingesetzter Vormund nicht vermochte, Verwöhntheit und Labilität ein größeres Verantwortungsbewusstsein entgegenzusetzen, vielmehr wurde die gesellschaftliche und finanzielle Unerfahrenheit der Kinder Davesons von Geschäftsleuten offenbar ohne Skrupel ausgenutzt. Als junger Mann eröffnete Daveson eine Kunst- und Galanteriewarenhandlung und übernahm die Kommission für das hessische Lotto in Braunschweig. Angebliche Beteiligung an einem größeren Lotteriebetrug sowie ein tiefgreifendes Zerwürfnis mit ⭢Carl Wilhelm Ferdinand veranlassten eine halbjährige Haftstrafe Davesons. Auch wenn ihm eine direkte persönliche Beteiligung am Lotterieskandal nicht nachgewiesen werden konnte, nahm der Braunschweiger Hof die Affäre zum Anlass, ihn aus der christlichen und jüdischen Gemeinde auszuschließen, ferner zwang er Daveson zum Verlassen seines Hauses. Lessing, der die Affäre aufmerksam verfolgt hatte, urteilte zwar, »ganz unschuldig« sei der »Unglückliche« nicht, nahm den nach einem halben Jahr Gefängnisaufenthalt gesellschaftlich Isolierten nebst seiner Frau Jette aber in seinem Wolfenbütteler Domizil auf. Für Daveson wurde er, mit dessen eigenen Worten, »mein Freund, mein Lehrer, mein Beschützer.« Nach Lessings Tod ging Daveson nach England, ließ sich dort taufen, nahm das Pseudonym Karl Julius Lange an, kehrte 1790 nach Deutschland zurück, wirkte als Redakteur in Hamburg, Altona, Bayreuth, wechselte häufig die Aufenthaltsorte, zog als Kenner der englischen Kultur durch Norddeutschland, legte sich den Titel Professor zu und zog 1804 nach Berlin, wo er die Tageszeitung Der Telegraph herausgab, aber auch für andere Zeitschriften schrieb, in denen er Erinnerungen an Lessings letzte Lebensjahre veröffentlichte. Sein Eintreten für die Menschen-rechte und sein Radikalismus brachten ihn mehrfach in Konflikt mit der Obrigkeit. Zuletzt ein Parteigänger der französischen Besatzungsmacht in Berlin, war er gezwungen, den 1808 abzie-henden Truppen zu folgen. Danach verliert sich seine Spur. Er starb angeblich im Winter 1812/13 in Minsk als Beobachter des Russlandfeldzuges von Napoleon. GND Wikipedia
Dedekind, Johann Ludwig Julius geboren am: 21-02-1728 in: Schöppenstedt gestorben am: 13-12-1786 in: Wolfenbüttel Verhältnis zu Lessing: sonstiges Beschreibung: Dedekind studierte seit 1745 in Helmstedt, nach dem Studium um 1770 wurde er Advokat beim Hofgericht in Wolfenbüttel, später ebenda Klosterrat sowie Schultheiß in seiner Geburtsstadt Schöppenstedt, 1783 dann, erneut in Wolfenbüttel, Herzoglicher Lehnsfiscal und Kammerrat. Dedekind trat als Verfasser juristischer Schriften in Erscheinung, neben einschlägigen Berichten, Streitschriften und Kommentaren verfasste er aber auch die essayistische Schrift »Die Kunst Wollust zu geniessen an Lucinden« (1756). Mit Lessing kam er als Hofjurist in Verbindung, da Lessing im ersten Jahr seiner Amtszeit für seinen Mitarbeiter ⭢Cichin gebürgt hatte. Der Bürgschein belief sich auf 121 Reichstaler, etwa ein doppeltes Monatsgehalt Lessings. Die Summe entsprach einem von Cichin nicht eingelösten Wechsel. Ob Dedekind über seine auch amtlich bekundete Hochschätzung Lessings nähere Verbindung mit dem Wolfenbütteler Bibliothekar hatte, ist nicht überliefert. ADB/NDB-Link
Di(e)terich, gelegentlich auch Dieterich geschrieben, wie ⭢Ramler in Briefen an ⭢Gleim, tatsächlich aber Diterich, Johann Samuel geboren am: 15-12-1721 in: Berlin gestorben am: 14-01-1791 in: Berlin Verhältnis zu Lessing: Bekannter Beschreibung: Diterich war Protestantischer Theologe und seinerzeit bekannter Kirchenlieddichter. Aufgewachsen als Sohn eines Predigers, studierte er Theologie in Frankfurt/O. und Halle. 1751 Archidiakon, 1754 Pastor der Berliner Marienkirche, 1768 schließlich Oberkonsistorialrat. Er war Mitherausgeber des 1780 erschienenen »Gesangbuchs zum gottesdienstlichen Gebrauch in den Königlich-Preußischen Landen«, in dem zahlreiche Kirchenlieder im Sinne der Aufklärungstheologie bearbeitet wurden. Lessing kannte ihn aus der Berliner Zeit, 1759 waren beide zu Gast bei ⭢Christian Gottfried Krause, wo man der Vertonung verschiedener Partien aus ⭢Klopstocks »Messiade« durch ⭢Carl Heinrich Graun beiwohnte, allerdings ist auch nur dieses eine Treffen nachweisbar. GND ADB/NDB-Link Wikipedia Porträt
Döbbelin (auch: Doebbelin oder Döbelin), Carl Theophil geboren am: 27-02-1727 in: Königsberg gestorben am: 10-12-1793 in: Berlin Verhältnis zu Lessing: Bekannter Beschreibung: Döbbelin besuchte das Gymnasium zum Grauen Kloster in Berlin und studierte Jura in Frankfurt/Oder und Halle, musste die Universität aber wegen angeblicher Beteiligung an studentischen Unruhen verlassen. Er schloss sich verschiedenen Schauspielertruppen an, darunter 1750 der Neuberschen in Zerbst und für mehrere Jahre bei ⭢Ackermann. Mindestens zwei Versuche, eine eigene Truppe zu etablieren, schlugen fehl. Nach vielen Stationen eines Wanderlebens findet man ihn 1766 in Berlin bei der Kompanie von ⭢Franz Schuch. Im Jahr darauf gründete Döbbelin erneut eine Schauspiel-gesellschaft, der mehr Erfolg beschieden war und mit der er 1772 am Braunschweiger Hoftheater »Emilia Galotti« uraufführte. Nach weiteren Wanderjahren übernahm Döbbelin 1775 von der Witwe ⭢Heinrich Christoph Kochs in Berlin das Theater in der Behrenstraße, zu dessen Repertoire seit 1767 »Minna von Barnhelm« zählte. 1783 wurde dort »Nathan, der Weise« mit Döbbelin in der Hauptrolle uraufgeführt. 1786 ernannte ihn ⭢Friedrich Wilhelm II. zum Direktor eines angestrebten neuen deutschen Nationaltheaters im ehemaligen französischen Komödienhaus auf dem Gendarmenmarkt. Wie Lessing verstand sich Döbbelin nicht aufs Geschäftliche, seine Tätigkeit wurde nach einer Zeit der Misswirtschaft auf die Regiearbeit beschränkt; 1789 setzte er sich zur Ruhe. Künstlerisch an den Franzosen geschult, fiel Döbbelin hinter den Stand avancierter Theaterleute wie ⭢Ekhof oder ⭢F. L. Schröder zurück. Als Prinzipal beliebt, galt seine Schauspielkunst schon den Zeitgenossen als antiquiert. Man belächelte, so Hans Knudsen, »in späteren Jahren das ›heisere Pathos‹ und die übertriebene, gespreizte Gestik des im Stil der alten Haupt- und Staatsaktionen befangenen Akteurs« (s. Link zur NDB). Lessing besuchte das noch immer Hanswurstiaden zeigende Theater Döbbelins u.a. 1766 in Berlin. Döbbelin behauptet freilich, nach entsprechender Aufforderung Lessings, den Hanswurst von der deutschen Bühne vertrieben zu haben. Auch wenn Döbbelin sich so ernsthaft wie kontinuierlich darum bemühte, Lessings Werke auf die Bühne zu bringen und generell das deutschsprachige Theater in Deutschland zu etablieren, scheint Lessing die zwiespältige Auffassung der Zeitgenossen über Döbbelins Schauspielkunst geteilt zu haben, zumal in der Braunschweiger Zeit. Zwei Tage nach Lessings Tod, am 24. Febr. 1781, veranstaltete Döbbelin die erste öffentliche Trauerfeier. GND ADB/NDB-Link Wikipedia Bibl. Angabe Porträt
Döbbelin (auch: Doebbelin), Caroline Maximiliane geboren am: 30-11-1757 in: Köln gestorben am: 30-11-1827 in: Berlin Verhältnis zu Lessing: Bekannte Beschreibung: Die Tochter ⭢Carl Theophil Döbbelins spielte bereits seit 1762 Kinderrollen in der Truppe des ⭢Konrad Ernst Ackermann. Sie galt in jungen Jahren mit der Rolle der Liebhaberin als Favoritin des Berliner Publikums und wirkte 1783 auch bei der Uraufführung von »Nathan der Weise« mit. Später nahm sie hauptsächlich komödiantische Rollen älterer Frauen an, 1815 zog sie sich endgültig von der Bühne zurück. Die persönliche Bekanntschaft mit Lessing, obwohl mehr als wahrscheinlich, ist nicht dokumentiert. GND Wikipedia Porträt
Döbbelin (auch: Doebbelin), geb. von Klinglin, Catharina Friederike geboren am: 05-03-1749 in: Brüssel gestorben am: 10-04-1799 in: Redekin Verhältnis zu Lessing: Bekannte Beschreibung: Über die Herkunft Catharina Friederikes herrscht keine völlige Klarheit. Nach familiärer Überlieferung soll sie aus der elsässischen Familie von Klinglin stammen und in einem Kloster aufgewachsen sein. Sie schloss sich früh der Theatergruppe von ⭢Carl Theophil Doebbelin an, den sie 1762, im jugendlichen Alter, unter dem Namen Anna Catharina Friderici heiratete. 1763 brachte sie einen Sohn zur Welt. 1776 wurde die Ehe geschieden, im gleichen Jahr heiratete sie den Kammerherrn Johann Friedrich v. Alvensleben (1736-1819), mit dem sie sechs Kinder hatte. Über die Schönheit der Catharina Friederike kursieren etliche Äußerungen. Angeblich brachte die Döbbelinsche Theatertruppe im Mai 1771 den Studienbetrieb in Halle fast zum Erliegen, als die Studenten statt der Vorlesungen lieber das Theater besuchten, weshalb die Gesellschaft schließlich Halle verlassen musste. Ihr Lebensweg führte sie u.a. nach Braunschweig, Magdeburg, Leipzig, Halle und Berlin. In Lessings Dramen spielte die Döbbelin häufig die Hauptrolle, etwa in den Uraufführungen der »Emilia Galotti« 1772 in Braunschweig und der »Minna von Barnhelm« 1768 in Berlin. Nach der Heirat mit Johann Friedrich von Alvensleben zog sie sich vom Theater zurück und lebte mit ihrer Familie erst in Vienau, seit 1787 in Redekin. GND Wikipedia Porträt
Döring, Johann von geboren am: 05-08-1741 in: Badow gestorben am: 28-02-1818 in: Kiel Verhältnis zu Lessing: befreundet Beschreibung: Der aus Lüneburg stammende ehemaliger Salzjunker, also ein adliger Besitzer eines Salzstocks, und spätere Drost (ein leitender Verwaltungsbeamter) und Kammerherr, gehörte, vermittelt durch ⭢Friedrich Nicolai, seit 1770 zu Lessings Wolfenbütteler Bekannten, wovon u.a. häufige gemeinsame Spaziergänge am Schloßwall zeugen. Lessing besuchte die Familie Döring regelmäßig, gelegentlich bestellte er sogar Blumen für Dörings Frau. 1781, in Lessings Todesjahr, verließ der Drost Wolfenbüttel, um nach Altona zu gehen; von 1790-1803 war er Amtmann in Sonderburg, später dänischer Geheimer Konferenzrat in Kiel. Literarisch ambitioniert, wenn auch ein eher bescheidener Dichter und »poeta minor«, war Döring in Lessings literarische Pläne eingeweiht, etwa zum »Nathan«, für den er um Subskribenten warb. Auch über weitere Projekte, von denen sonst wenig bekannt ist, berichtet Döring: »Lessing schreibt zwei dramatische Stücke: den »Tod des Nero« und den »Samariter nach der Erfindung Jesu« (18. Nov. 1779). Von Lessing mit der Verwaltung seines Nachlasses beauftragt, kümmerte sich Döring nach Lessings Tod um dessen persönliche Dinge, die Stieftochter ⭢Amalie König fand Aufnahme in seiner Familie; zudem verwahrte Döring vorübergehend Lessings hinterlassene Manuskripte.
Döring, geb. von Spangenberg, Dorothea Eleonora Lucia von geboren am: 25-02-1746 in: Göttingen gestorben am: 25-07-1822 in: Pinneberg Verhältnis zu Lessing: befreundet Beschreibung: Die offenbar ebenso schöne wie hilfsbereite Frau, Gattin ⭢Johann von Dörings und Mutter dreier Kinder, unterstützte den Dichter und Bibliothekar gemeinsam mit ihrem Mann in den praktischen Angelegenheiten des Alltags. Sie begeisterte sich aber auch für Lessings Werke, vor allem »Nathan der Weise« erregte spät ihr besonderes Interesse. Ganz sicher führte sie viele Gespräche mit Lessing, der ihr – und das ist nicht von vielen Damen seines Bekanntenkreises überliefert – durch seinen Bruder ⭢Karl offenbar mehr als einmal Blumen schicken ließ. Quelle: Literatur: Raabe, Spaziergänge, S. 132f.
Drechsel, geboren am: 30-11-1649 in: unbekannt gestorben am: 30-11-1649 in: unbekannt Verhältnis zu Lessing: Bekannter Beschreibung: Eine nur kurze, aber folgenreiche Rolle spielt der weder mit Vornamen noch mit seinen Lebensdaten überlieferte Hofmeister der Familie von der Schulenburg 1751 in Berlin, ein sächsischer Landsmann und, wie Nisbet (S. 131) schreibt, »alter Freund« Lessings mit Namen Drechsel. Als Quelle ist ⭢Karl Gotthelf Lessings Biographie anzunehmen. In der so genannten Voltaire-Affäre hatte Lessing von ⭢Voltaires Sekretär ⭢Richier de Louvain unerlaubter Weise einen aus Fehlexemplaren zusammengestellten Vorabdruck von »Le siècle de Louis XIV« erhalten. Drechsel scheint Lessing überredet zu haben, ihm – ebenso unerlaubt – die Bogen zu überlassen, darauf reiste Lessing mit einiger Sorglosigkeit nach Wittenberg. Mit vergleichbarer Sorglosigkeit, sicher auch aus Imponiergehabe, zeigte Drechsel das Exemplar seiner Dienstherrin. Auch die Voltaire-Bekannte Gräfin Bentinck bekam es zu sehen und da ihr selbst die Einsicht verwehrt worden war, beschwerte sie sich umgehend bei Voltaire. Zudem hatte Lessing angedeutet, die Schrift übersetzen zu wollen, entsprechend empfindlich reagierte Voltaire.
Dy(c)k, Johann Gottfried geboren am: 08-08-1715 in: Leipzig gestorben am: 28-09-1762 in: Leipzig Beschreibung: Der Buchhändler und Verleger lernte sein Handwerk bei Johann Friedrich Gleditsch in Leipzig. Dyck war verheiratet mit Regina Elisabeth Köhler (1723-1793), der Sohn Johann Gottfried Dyck (1750-1813) übernahm das Geschäft nach dem frühen Tod des Vaters 1762. 1745 hatte Dyck den Verlag Fromann-Martini übernommen und im Jahr darauf einen eigenen Verlag gegründet, ein erfolgreiches publizistisches Unternehmen in Sachen Belletristik der Aufklärungszeit. Lessing hatte bereits in den Berliner Jahren 1753 und 1754 verschiedene bei Dyck erschienene Schriften rezensiert. Für die von ⭢F. Nicolai und ⭢Mendelssohn als Herausgeber geplante »Bibliothek der schönen Wissenschaften und der freyen Künste« soll er, seit 1755 zurück in Leipzig, Dyck als Verleger vermittelt haben. Die Zeitschrift erschien von 1757 bis 1806; »nach Dycks Tod wurde das Geschäft zunächst von seiner Witwe weitergeführt, dann von seinem auch schriftstellerisch tätigen Sohn Johann Gottfried Dyck, der dem Verlag auch den Namen Dycksche Buchhandlung gab« (DKV 11/I, S. 732). Vor allem im Gründungsjahr 1757 arbeitete Dyck intensiv mit Lessing zusammen, der mit den Berliner Freunden korrespondierte, für Beiträge sorgte und anfangs auch Korrektur las: »[…] alle Tage schickt Herr Dyck zu mir, und läßt mich fragen, ob denn noch kein Manuscript gekommen ist? Noch nicht? und Johanne ist schon vorbei? Das laß dem Himmel geklagt sein! Da bin ich wieder an fleißige Autores geraten! « (an Nicolai, 26. Juni 1757). GND sonst. Link
Eberhard(t), Johann August geboren am: 31-08-1739 in: Halberstadt gestorben am: 06-01-1809 in: Berlin Verhältnis zu Lessing: Diskurspartner Beschreibung: Aufgewachsen in Halberstadt, studierte Eberhard Theologie, Philosophie und klassische Philologie in Halle. Er wurde Hauslehrer beim Freiherrn von der Horst, kehrte 1763 nach Halberstadt zurück und war als Konrektor am dortigen Martineum sowie als Prediger tätig. 1766 folgte er von der Horst nach Berlin, arbeitete erneut als Prediger und begann zu schreiben. 1774 wurde er Prediger in Charlottenburg, 1778 ging er als Professor für Philosophie nach Halle. In Berlin pflegte er Kontakte zu prominenten Vertretern der Aufklärung wie ⭢Nicolai, dem er freundschaftlich verbunden war, ⭢Mendelssohn und anderen. 1786 wurde er Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften in Berlin. Eberhard veröffentlichte zahlreiche theologische und philosophische Schriften im Sinn der Leibniz-Wolffischen Philosophie. Sein bedeutendster Schüler war Friedrich Schleiermacher. Bedeutung gewann Eberhard auch als Verfasser eines der ersten deutschen Synonymenwörterbücher (»Versuch einer allgemeinen deutschen Synonymik«, 1795-1802). Auf seine 1772 erschienene neologisch ausgerichtete erste Veröffentlichung »Neue Apologie des Sokrates, oder Untersuchung von der Seligkeit der Heiden«, eine Kritik an Leibniz‘ Theodizeedarlegung im Hinblick auf die These von der Ewigkeit der Höllenstrafen, antwortet Lessing seinerseits mit dem Versuch, die Kohärenz des Leibnizschen Gedankens darzulegen (»Leibniz von den ewigen Strafen« und »Des Andreas Wissowatius’ Einwürfe wider die Dreieinigkeit«). Eberhards Replik erfolgt 1778 in seiner »Neuen Apologie«. Intellektuell Kontrahenten, kannten sich beide persönlich und schienen sich geschätzt zu haben, belegt ist ein Besuch Eberhards bei Lessing 1768 in Hamburg. GND ADB/NDB-Link Wikipedia Bibl. Angabe Porträt
Ebert, Johann Arnold geboren am: 08-02-1723 in: Hamburg gestorben am: 19-03-1795 in: Braunschweig Verhältnis zu Lessing: befreundet Beschreibung: Ebert, Spross eines Stadtsoldaten, zeigte früh Interesse an der Literatur, neben der deutschen auch der englischen, fand einen Förderer in ⭢Hagedorn, studierte ab 1743 Theologie in Leipzig, brach das Studium aber bald ab und wechselte zur Philologie. Er fand Aufnahme im Kreis der »Bremer Beiträger« und schloss Freundschaft u.a. mit ⭢Klopstock, der ihm eine Ode widmete. Seit 1748 war er Hofmeister am Braunschweiger Collegium Carolinum, wo er ein Jahr später auch den englischen Unterricht übernahm; auch den Erbprinzen ⭢Carl Wilhelm Ferdinand unterrichtete er im Englischen. 1753 wurde er zum Professor befördert, 1780 erfolgte die Ernennung zum Hofrat. Für die Geschichte der deutschen Dichtung wohl bedeutungsvoller als seine zwischen ⭢Hagedorn und Klopstock einzuordnenden eigenen Dichtungen, ist Eberts Tätigkeit als Übersetzer englischer Werke, besonders von Edward Youngs »Nachtgedanken«. In der Braunschweiger Zeit schloss er Freundschaften mit ⭢Zachariä, dem ⭢Abt Jerusalem und ⭢Konrad Arnold Schmid, später auch mit ⭢Eschenburg. Ebert war entscheidend an Lessings Berufung nach Wolfenbüttel beteiligt; im September 1769 übermittelte er dem noch in Hamburg lebenden Autor das Angebot des Braunschweiger Erbprinzen, die Leitung der Herzoglichen Bibliothek zu übernehmen. GND ADB/NDB-Link Wikipedia Bibl. Angabe Porträt
Ebert, geb. Gräfe, Louise Antoinette Henriette geboren am: 30-11-1751 in: unbekannt gestorben am: 30-11-1825 in: unbekannt Verhältnis zu Lessing: befreundet Beschreibung: Seit 1773 Frau von ⭢Johann Arnold Ebert. Tochter des Post- und Kammerrats des Fürstentums Braunschweig-Wolfenbüttel ⭢Johann Friedrich Gräfe, durch den Lessing sie auch schon vor ihrer Heirat mit Ebert kannte. Womöglich war er sogar, wie im Fall von ⭢Zachariä, auch bei der Hochzeit zu Gast, im Haus der Familie Ebert jedenfalls hielt er sich verschiedentlich auf. Im Freundeskreis Lessings genoss sie auch die entschiedene Wertschätzung ⭢Gleims.
Eck, Johann Georg geboren am: 23-01-1745 in: Hinternah gestorben am: 20-11-1808 in: Leipzig Beschreibung: Philosoph und Literaturhistoriker. Der Pfarrerssohn besuchte seit 1753 das Schleusinger Gymnasium und studierte Theologie in Halle. Seit 1768 hielt er Vorlesungen in Leipzig, wurde dort 1770 Professor der Philosophie, 1782 der Ethik und Politik sowie 1791 der Poesie. In Leipzig schloss er Bekanntschaft mit Personen aus Lessings Horizont wie, ⭢Gellert, ⭢Crusius, ⭢Ernesti sowie ⭢J.J. Reiske. Eck las vor allem über römische Literatur, lateinische Poetik und allgemeine Literaturgeschichte. Mehrfach war er Rektor der Leipziger Universität. Sein 1788 begonnenes und 1806 beendetes »Leipziger gelehrtes Tagebuch« fasst chronologisch eine Vielzahl wissenschaftlich bedeutender Schriften und Ereignisse des Ortes zusammen. Eck war über viele Jahre »Meister vom Stuhl« der Freimaurerloge Minerva zu den drei Palmen. Seine eher flüchtige Bekanntschaft mit Lessing ist durch einen von Lessing mehrfach gebrauchten Stammbucheintrag vom 16. August 1766 dokumentiert: »Omnis Aristippum decuit color ed status ed res« (etwa: Er wusste sich in alle Verhältnisse, ob Ansehen oder Besitz, zu finden). GND ADB/NDB-Link Wikipedia Porträt
Edelmann, Johann Christian geboren am: 09-07-1698 in: Weißenfels gestorben am: 15-02-1767 in: Berlin Verhältnis zu Lessing: sonstiges Beschreibung: Religionskritischer und philosophischer Schriftsteller, als Freigeist verfolgt. Er studierte von 1720 – 24 evangelische Theologie, nahm aber aus finanziellen Gründen nicht an den Prüfungen teil. Daraufhin verdiente er sich in verschiedenen Orten seinen Lebensunterhalt als Hauslehrer. In Wien kam er ab 1728 mit dem halleschen Pietismus in Kontakt und suchte in der Folge den Kontakt zu den Gichtelianern und zur Brüdergemeinde in Herrnhut. Er bekannte sich zum Spinozismus, wurde Mitarbeiter an der »Berleburger Bibel« und verfasste ebenso eigene religionskritische Schriften. Seine theologischen Auseinandersetzungen führten dazu, dass er von der Obrigkeit verfolgt wurde. In Berlin gewährte ihm König Friedrich II. Asyl unter der Bedingung weitere Publikationen zu unterlassen. Er lebte in seinen letzten Jahren zurückgezogen in Berlin und verstarb 1767 an einem Schlaganfall. Möglicherweise mit Lessing persönlich bekannt. Im Kreis der Berliner Aufklärer fand Edelmann jedoch keinen richtigen Anschluss, da sowohl Lessing als auch ⭢Mendelssohn seine Haltung kritisierten. GND ADB/NDB-Link Wikipedia Bibl. Angabe Porträt Quelle: Annegret Schaper: Ein langer Abschied vom Christentum. Johann Christian Edelmann (1698 – 1767) und die deutsche Frühaufklärung. Marburg 1996, S. 88 f.
Engel, Johann Jakob geboren am: 11-09-1741 in: Parchim gestorben am: 28-06-1802 in: Parchim Verhältnis zu Lessing: Bekannter Beschreibung: Engel war als Philosoph, Schriftsteller, Erzieher und Theaterdirektor vielseitig tätig. Er studierte Theologie, Philosophie, Philologie und Mathematik in Rostock, Bützow und Leipzig. Beeinflusst von ⭢Christian Felix Weiße begann seine literarische Laufbahn mit Aufsätzen, Rezensionen und Übersetzungen, sein erstes Drama erschien 1771. 1776 wurde Engel Professor der Philosophie und der schönen Wissenschaften am Joachimsthalschen Gymnasium in Berlin. Als Mitglied der Akademie der Künste wurde er Lehrer des Prinzen Friedrich Wilhelm (später Friedrich III.), auch die Humboldts zählten zu seinen Schülern. Dank erfolgreicher Dramen wie »Der dankbare Sohn«, »Der Diamant« und »Der Edelknabe« nahm er 1786 das Amt eines Direktors des Nationaltheaters an, das er sich später mit ⭢Ramler teilte, was zu erheblichen Spannungen führte. Vergeblich bat er Friedrich Wilhelm II. 1790 um Entlassung, vier Jahre später erfolgte eine Entlassung ohne Pensionsansprüche, 1798 rief ihn sein einstiger Zögling Friedrich III. zurück nach Berlin. Die von Engel herausgegebene moralische Wochenschrift »Der Philosoph für die Welt« (1775 – 1777) vertrat gegenüber dem aufkommenden Sturm und Drang Prinzipien des Rationalismus und der moralisierenden Poesie. Im Kreis der Berliner Aufklärer heimisch und geachtet, ging Engels Wirkung selten über diesen Kreis hinaus. Nachhaltige Wirkung erzielten seine »Ideen zu einer Mimik« (1785/86), ursprünglich vor allem als Anleitung für Schauspieler bestimmt, als Vorreiter pathognomischer Forschungen. Im Winter 1767/68 hatte Engel als Tellheim an einer Aufführung der »Minna von Barnhelm« in Leipzig mitgewirkt. Seine eigenen Dramen nahmen Lessing zum Vorbild, ohne dessen Meisterschaft zu erreichen. Das wohl erste Zusammentreffen beider Autoren 1776 im Hause des Ministers von Zedlitz war von Meinungs-verschiedenheiten geprägt, vorausgegangen war Engels vergleichsweise scharfe Kritik der »Emilia Galotti«, am Tag danach versöhnte man sich, auch ohne in der Sache übereinzustimmen. Nach Nicolai »haben sie sich nur im J. 1776 einigemal gesprochen, als Lessing zum letztenmale in Berlin war, und wurden sich da freylich wechselseitig sehr werth«. (Daunicht 382). Lessing soll Engels auch die Pläne zu seinem »Faust«-Drama skizziert haben. Engels in der Tat bemerkenswerte »Briefe über Emilia Galotti« im von ihm herausgegebenen »Der Philosoph für die Welt« milderte er für die Version seiner »Schriften« freilich ab. Das Verhältnis beider Autoren blieb, wenn auch nicht freundschaftlich, doch von gegenseitigem Respekt geprägt; Engel ist auch Autor eines Theatergedichts auf Lessings Tod, das vor einer Aufführung der »Emilia Galotti« durch ⭢Döbbelins Truppe am 27. Febr. 1781 von der Tochter des Prinzipals vorgetragen wurde. GND ADB/NDB-Link Wikipedia Bibl. Angabe Porträt
Engelbrecht, Otto Christoph geboren am: 05-02-1722 in: gestorben am: 14-02-1778 in: Wolfenbüttel Verhältnis zu Lessing: Bekannter Beschreibung: Der Hofbeamte und Preußische Regimentsquartiermeister wurde im August 1762 kurfürstlicher Braunschweigischer Rat, seit Anfang 1765 amtierte er als weltlicher Rat in Wolfenbüttel, dort wurde er auch Direktor der Armenanstalt in Wolfenbüttel. Zusammen mit Lessings Frau ⭢Eva war er Taufpate von Ephraim Christoph Anton Topp (18. Okt. - 17. Nov. 1776), einem der Söhne des Garnisonsarztes ⭢Johann Friedrich Julius Topp und dessen zweiter Ehefrau Ernestine Charlotte Eleonore. Engelbrecht selbst soll mit seiner Frau Johanna Dorothea Pott neun Kinder gehabt haben (die spärlichen Quellen widersprechen sich allerdings darin); durch Lessings gute Bekanntschaft mit Topp – er war Leibarzt und Schachpartner Lessings – ist eine Bekanntschaft mit Lessing im kleinen Wolfenbüttel überaus wahrscheinlich. Quelle: Lit.: Felix von Schroeder: Wolfgang (?Peter) Engelbrecht, Pfarrer im Herzogtum Braunschweig. In: Norddeutsche Familienkunde 33, 1984, S. 261–263.
Ephraim, Benjamin Veitel geboren am: 10-01-1742 in: Berlin gestorben am: 16-12-1811 in: Berlin Verhältnis zu Lessing: Bekannter Beschreibung: Sohn und Erbe von ⭢Nathan Veitel Heine (Chaim) und Elke Ephraim. Ehemann von Jeannette Gutsche Phillip. Vater von Elka Ephraim, Sophie Jeanette Ephraim und Adelheid Ephraim. 1757 wurde Benjamin von seinem Vater in die Münzstätte Leipzig geschickt. Im Jahr 1761 zog er nach Amsterdam, wo er Jeannette Gutsche Phillip heiratete und einen Zweig der Firma gründete. 1764 erhielt er eine Konzession zur Anlage einer Silberraffinerie in Berlin, 1767 erwarb er von seinem Schwiegervater eine Silberschmelzhütte in Muiden (Nordholland), von dort floh er, in eine Betrugsaffäre verstrickt, zwei Jahre später nach Berlin. Wie sein Vater war auch Benjamin an der Münzverschlechterung beteiligt, vor allem für die preußischen Gebiete Polens nach der ersten Teilung Polens (1772). Ephraim war voller Ideen und Tatendrang, was im preußischen Regierungsapparat nicht jedermann gefiel. Seine zahlreichen Denkschriften und Verbesserungsvorschläge – etwa für fälschungssichere Geldnoten – wurden als unzulässige Einmischung ausgelegt. Zu seinen politischen Gegnern zählte namentlich Karl Reichsfreiherr vom Stein; als vermögender Jude hatte Ephraim darüber hinaus zahlreiche Neider. Er zeigte Sympathien für französische Revolutionsideen, versuchte als Diplomat im nachrevolutionären Paris einen Ausgleich zwischen Frankreich und Preußen zu erzielen, setzte sich aber zunehmend Verleumdungen und Intrigen aus und geriet in Spionageverdacht. Am Ende wurde er verhaftet, musste kurz vor seinem Tod Konkurs anmelden und starb mittellos, nahezu geächtet. Ephraim war Kunstliebhaber und -sammler und erwarb schon als junger Mann Bilder bedeutender Maler wie Caravaggio oder Roelant Savery. Neben kulturellem Interesse zeigte er soziales Engagement, sein großes Augenmerk galt der jüdischen Emanzipation. In seinem Salon, dem vom Vater übernommenen »Ephraimpalais«, verkehrten zahlreiche Mitglieder der aufgeklärten Berliner Gesellschaft, darunter ⭢Mendelssohn, Zelter oder ⭢Chodowiecki, gelegentlich wohl auch Lessing. Zu Ephraims bedeutenden sozialen Verdiensten gehört die Gründung einer Industrieschule, die u.a. jüdische Frauen aus den annektierten polnischen Gebieten aufnahm, was ihre Ausweisung durch Friedrich II. verhinderte. In seinem 1799 geschriebenen Testament war die Gründung einer Stiftung verfügt mit dem Zweck, Jugendlichen Bildung und Wissenschaft zu vermitteln. Während seiner Haft schrieb Ephraim in der Gefängniszelle seine Autobiographie »Ueber meine Verhaftung und einige andere Vorfälle meines Lebens« (Berlin 1807), in der er Lessing zwar erwähnt, wenn auch nur beiläufig und an wenigen Stellen. Dass Lessing bei Ephraim verkehrte, berichtet eine von Tieck überlieferte Anekdote, wonach ihm Ephraim sein 1776 erschienenes Schauspiel »Worthy« vortrug, nach Lessings Urteil »aus dem guten alten Landprediger von Wakefield [Roman von Oliver Goldsmith] zusammengeleiert« und entsprechend bewertet. GND Wikipedia Quelle: Gerhard Steiner: Drei preußische Könige und ein Jude: Erkundungen über Benjamin Veitel Ephraim und seine Welt. Berlin 1995
Ephraim, Veitel Heine geboren am: 30-11-1702 in: Berlin gestorben am: 16-05-1775 in: Berlin Verhältnis zu Lessing: Bekannter Beschreibung: Der Sohn des Altonaer Juwelenhändlers, Armenvorstehers und Ältesten der Jüdischen Gemeinde Nathan Veitel Ephraim (1658–1748) war als preußischer Hoffaktor, Diplomat und Unternehmer, als Hofjuwelier, Bankier, Münzmeister, Silberlieferant, Heereslieferant etc. eine prägende Gestalt im zeitgenössischen Preußen. Sein Name ist vor allem mit dem Begriff des »Ausmünzens« und der »Münzverschlechterung« verbunden, der Verringerung des Edelmetallgehalts der Kurantmünzen, wodurch Ephraim, nebst ⭢Daniel Itzig entscheidend zur Finanzierung des Siebenjährigen Krieges beitrug. Die in Magdeburg, Breslau und Königsberg gefälschten Münzen wurden als sog. Ephraimiten bekannt. 1727 heiratete Ephraim Elke Fränkel; sie bekamen vier Söhne und zwei Töchter. Aus kleinen Anfängen entwickelte er die Firma Chajim Heine & Sohn zu einem prosperierenden Unternehmen. 1744/1745 wurde er Hofjuwelier Friedrich II., der schon als Kronprinz bei Ephraim verschuldet war. 1748 pachtete Ephraim in Potsdam eine Fabrik für das Klöppeln von Spitzen, wobei er Waisenkinder in der Herstellung unterrichten ließ. 1750 ernannte ihn Friedrich zum Oberältesten der Berliner jüdischen Gemeinde. Ab 1752 lieferte Ephraim Silber an die Preußischen Münzhäuser. Neben Silberlieferungen waren der Juwelenhandel, Geldleihe, Salz- und Getreidelieferungen, namentlich während des Siebenjährigen Krieges, Bausteine seines enormen wirtschaftlichen Erfolgs. Eine bedeutende Rolle spielte Ephraim mit seinem Kapital in der Wirtschaftspolitik Friedrichs durch die höchst erwünschte Beteiligung an Manufakturen und Fabriken: 1762 übernahm er die Gold- und Silbermanufaktur des Potsdamer Waisenhauses, ferner den Betrieb der Gold- und Drahtzieherei, eine Fabrik für Nesseltuch etc. Das in Krieg und Frieden gewonnene Vermögen wurde, politisch willkommen, als Grundbesitz in Berlin, Potsdam, Breslau, Magdeburg und Ostpreußen angelegt, mit einem von Ephraim selbst geschätzten Wert von ca. 400 000 Reichsthalern. Die ohne Zweifel bekannteste seiner Immobilien ist der Ephraim-Palais in der Berliner Poststraße, bis 1823 im Besitz der Familie. Sein Sohn ⭢Benjamin schreibt in seinen autobiographischen Aufzeichnungen: »Ich hörte sehr oft meinen Vater sagen, dass der Herr Magister Lessing einer der größten Männer sei«. Da Lessings Breslauer Vorgesetzter ⭢von Tauentzien für die Vertragsgestaltung des Ausmünzens zuständig war, hatte Lessing genaue Kenntnis der namentlich von ⭢Mendelssohn verabscheuten »Münzentreprise«, auch er soll sich, nach ⭢Nicolais Worten, »höchst billig, gerade und uneigennützig bey diesem Geschäfte« verhalten haben. Zudem fiel Ephraim die Aufgabe zu, Kriegskontributionen in den von Preußen besetzten Gebieten einzuziehen; das Motiv bildet die Handlungsgrundlage Tellheims in »Minna von Barnhelm«. GND Wikipedia Bibl. Angabe
Ernesti, Johann August geboren am: 04-08-1707 in: Tennstedt gestorben am: 11-09-1781 in: Leipzig Beschreibung: Der Pfarrhaussohn besuchte die Landesschule Pforta, studierte 1726 Mathematik, Philologie, Philosophie und Theologie zunächst in Wittenberg, zwei Jahre darauf in Leipzig, wo er 1730 Magister wurde. 1731 ging er als Konrektor an die dortige Thomasschule, deren Rektorat er 1734 übernahm. In der Zeit konzipierte er auch Schulordnungen für die kursächsischen Fürstenschulen und die Lateinschulen. 1742 wurde Ernesti an der Leipziger Universität Professor für Alte Literatur, 1756 für Rhetorik, 1759 für Theologie. Wegen seiner vorzüglichen Lateinkenntnisse erhielt er den Beinamen »Germanorum Cicero«. Er schrieb Lehrbücher zu mathematisch-logischen, philosophischen und rhetorischen Themen und wirkte, nicht zuletzt auf Lessing, durch Editionen klassischer Autoren wie Homer und Xenophon, Cicero, Sueton oder Tacitus. Ausgehend von der klassischen, vor allem lateinischen Literatur, verfolgte er ein neuhumanistisches Bildungsideal, wonach die Literatur über Ausdruck und Form hinaus der Bildung der Urteilskraft dienen soll. Im Lauf seiner akademischen Lehrtätigkeit wandte er sich verstärkt der Theologie, vor allem Themen des Neuen Testaments, der Patristik und Liturgiewissenschaft zu. Als Theologe der Aufklärungszeit ist er zu den Neologen zu rechnen, er übte einigen Einfluss auf die zeitgenössische Theologie aus. Hermeneutisch argumentierend unternahm Ernesti eine grammatisch-historische Auslegung des Neuen Testaments, das er als literarisches Werk auszulegen forderte. Das Textverständnis hat neben dem Sprachgebrauch des Verfassers (»usus loquendi«) Zeitumstände, herrschende Religion, Lehrtradition und das öffentliche Leben der verschiedenen Gesellschaftsformen zu beachten. Untersuchungen zur konkreten Autorschaft wie zur Entstehungszeit der biblischen Texte stellt Ernesti noch nicht an. Zwar postuliert er die Notwendigkeit einer wissenschaftlichen Dogmengeschichte, aber die göttliche Inspiration der biblischen Schriften und den Realitätsgehalt der Wunder stellt er nicht in Frage. Ernesti war einer der wenigen Universitätslehrer, bei denen Lessing öfter, wenn auch nicht systematisch hörte. »Kein Lehrer«, so Lessings Bruder Karl Gotthelf, »that ihm genüge: alle schienen ihm seicht […]; den einzigen Ernesti ausgenommen, den er dann und wann über die römischen Alterthümer, über die Griechischen Klassiker, und über die Universalgeschichte, doch sparsam genug, hörte. Oft schwatzte er seinen Freund Weiße noch vor Ernesti’s Thüre weg, und auf die Promenade« (KG, S. 50). Über Ernestis Schrifttum ist Lessing zeitlebens gut orientiert. Auch in seinen späteren antiquarischen Arbeiten und Studien zu antiken Autoren zieht Lessing Ausgaben von Ernesti, etwa von Homer, Kallimachos oder Polybios heran. Ernestis »Archaeologia literaria«, 1768 erschienen, studiert Lessing im Kontext seiner Auseinandersetzungen mit ⭢Klotz und er bittet ⭢F. Nicolai, ein Exemplar der »Briefe, antiquarischen Inhalts« (I) an Ernesti zu schicken. Umgekehrt schätzte Ernesti als einer von wenigen auch Lessings theologische Versuche. »In Deiner Ankündigung des Berengarius«, schreibt Karl Gotthelf Lessing dem Bruder im Juni 1776, »findet er die größten theologischen Kenntnisse, und hat öffentlich erklärt, Dich zum Doctor Theologiä machen zu wollen, wenn Du nach Leipzig kommst.« Ernesti und Lessing verband also ein langanhaltender Austausch. Noch bei den Wolfenbütteler Studien zu »Vom Alter der Ölmalerei« (1774), muss Ernesti Lessing die überaus wertvolle sogenannte ›Pauliner‹ oder Leipziger Handschrift der »Schedula diversarum artium« des Theophilus Presbyter vermittelt haben. GND ADB/NDB-Link Wikipedia Bibl. Angabe sonst. Link Porträt
Eschenburg, Johann Joachim geboren am: 07-12-1743 in: Hamburg gestorben am: 29-02-1784 in: Braunschweig Verhältnis zu Lessing: befreundet Beschreibung: 1764 begann Eschenburg ein Studium der Theologie in Leipzig und setzte es 1767 in Göttingen fort. Im selben Jahr wechselte er auf Vorschlag des ⭢Abts Jerusalem an das Braunschweiger Collegium Carolinum, wo er seit 1770 über Literaturgeschichte las. Seit 1773 war er Erzieher des Grafen von Forstenberg, eines unehelichen Sohns ⭢Carl Wilhelm Ferdinands und der ⭢Branconi. Nach ⭢Zachariäs Tod 1777 wurde er Professor für schöne Literatur und Philosophie. Seit 1782 Bibliothekar des Collegiums, erfolgte 1786 die Ernennung zum Hofrat. Von 1777 bis 1820 gab Eschenburg die von ⭢Herzog Carl I. gegründeten »Braunschweigischen Anzeigen« heraus. Eschenburg veröffentlichte Abhandlungen zur Literatur und den schönen Wissenschaften, war Herausgeber mehrerer Lehrbücher, übersetzte Opern- und Oratorientexte aus dem Italienischen, wurde aber vor allem als Shakespeare-Übersetzer bekannt, dessen Werk er erstmals vollständig ins Deutsche übertrug. Er war Mitherausgeber der ersten Werkausgabe Lessings (»Vermischte Schriften«), gab den sechsten und letzten Band seiner Bibliothekszeitschrift »Zur Geschichte und Litteratur« heraus und zählte in den letzten Lebensjahren Lessings zu dessen besten Freuden, engsten Vertrauten und meistbedachten Korrespondenzpartnern. Prominentes Beispiel dafür sind die an ihn gerichteten, berühmt gewordenen Briefe, die Lessing 1777/78 nach dem Tod seines Sohnes und seiner Frau schrieb. GND ADB/NDB-Link Wikipedia Bibl. Angabe Porträt
Eschenburg, geb. Schmid, Marie Dorothea geboren am: 30-11-1750 in: unbekannt gestorben am: 30-11-1798 in: unbekannt Verhältnis zu Lessing: befreundet Beschreibung: Tochter des Lehrers am Collegium Carolinum Konrad Arnold Schmid und seit 1777 Frau von ⭢Johann Joachim Eschenburgs. Im Haus Eschenburgs verkehrte Lessing in seinen letzten Lebensjahren häufig, war dort öfter zu Tisch und traf mit Bekannten und Freunden wie ⭢von Kuntzsch, ⭢Leisewitz, ⭢C. A. Schmid oder mit auswärtigen Gästen wie ⭢Bode oder ⭢Johann Georg Adam Foster zusammen.
Essenius, Johann August geboren am: 17-01-1727 in: unbekannt gestorben am: 24-12-1783 in: unbekannt Beschreibung: Der protestantische Theologe war während seines Theologiestudiums in Leipzig zeitweilig Lessings Kommilitone. Seit 1764 wirkte er als Prediger und Superintendent in Pirna. Dort traf ihn 1768 Lessings Bruder ⭢Theophilus, der dem Bruder am 12. Dez. 1768 schreibt: »Unter die guten Freunde, die ich hier unverhofft angetroffen habe, zähle ich billig den Hn. Superintendent Eßenius, den Du wohl kennen mußt; weil er, wie er mich selbst versicherte, mit dir in Leipzig studieret hat. Hier stelle Dir ja nicht einen alltäglichen Geistlichen vor, dessen Betragen und Denkungsart von Alters her ist; sondern einen Mann, der lebhaft im Umgange, gründlich im Denken und freigebig gegen iedermann ist, ohne vielen Lärm davon zu machen. Wenigstens kann man wegen des letztern an seine Türe schreiben: porta patens esto, nulli claudaris honesto [»Tor, stehe offen, keinem Ehrenhaften sollst du verschlossen sein«]. Zweimal in der Woche, als Mittwochs und Sonnabends, da ich wegen meiner Stunden am besten abkommen kann, esse ich mit ihm; die übrigen Tage zu Hause auf meiner Stube. Das mag von mir und meiner Einrichtung in Pirne genug gesprochen sein.«
Euler, Leonhard geboren am: 15-04-1707 in: Basel gestorben am: 18-09-1783 in: St. Petersburg Beschreibung: Der Pfarrerssohn wurde von seinem mathematisch gebildeten Vater unterrichtet. Mit vierzehn Jahren begann er das Studium der Philosophie in Basel, hörte aber zugleich Mathematik bei Johann Bernoulli, der sein Mentor wurde. 1723 schloss er das Studium mit einer Magisterarbeit über Newton und Descartes ab. Kurz studierte er Theologie, aber schon bald Mathematik. Auf Empfehlung von Daniel Bernoulli ging Euler 1727 an die zwei Jahre zuvor gegründete Akademie der Wissenschaften nach St. Petersburg, 1730 übernahm er den Lehrstuhl und beschäftigte sich u.a. mit Magnetismus, Kartografie sowie dem Bau von Dampfmaschinen und Schiffen. 1733 wurde er auf den Lehrstuhl für Mathematik berufen. Seine 1736 veröffentlichte »Mechanica sive motus scientia analytice exposita« begründete seinen Ruf als einer der führenden Mathematiker seiner Zeit, deren Verfahren und Terminologie Euler bis heute geprägt hat. 1744 folgte er ⭢Friedrichs Ruf an die Preußische Akademie der Wissenschaften. In Berlin blieb er, von Friedrich ausschließlich als Fachgelehrter geschätzt, bis 1766. In der Berliner Zeit veröffentlichte er neben einer bewundernswerten Zahl mathematischer und naturwissenschaftlicher Schriften auch die erfolgreichen populärwissenschaftlich ausgerichteten »Briefe an eine deutsche Prinzessin über verschiedene Gegenstände aus der Physik und Philosophie«. 1766 kehrte Euler nach Differenzen mit Friedrich nach St. Petersburg zurück und blieb mithilfe eines qualifizierten Mitarbeiterstabs trotz zunehmender und am Ende vollständiger Blindheit auf allen Gebieten seiner Forschung, neben Mathematik, Physik (Mechanik, Strömungsdynamik, Optik) und Astronomie auch Architektur, Musiktheorie, Philosophie und Theologie, einzigartig produktiv. Wie gut der schon zu Lebzeiten als einer der bedeutendsten Gelehrten seiner Zeit geltende Lessing kannte, lässt sich nicht eindeutig sagen. Lessing erwähnt ihn bereits in seinen philosophischen Langgedichten der Jugendzeit wie in musikgeschichtlicher Hinsicht in den Studien zum »Laokoon«. Euler förderte ⭢Mylius und empfahl ihn u.a. als Herausgeber der von ⭢Sulzer begründeten »Critischen Nachrichten«, in denen auch Beiträge Lessings erschienen, die aber unter Mylius’ Verantwortung ihr Erscheinen rasch einstellen mussten. Noch 1780 berichtet ⭢Sophie Reimarus, Lessing habe ihr die bekannte Anekdote erzählt, wonach Eulers beste Ideen entstünden, »wenn Frau und Kinder um ihn sind«. (Daunicht S. 544). GND ADB/NDB-Link Wikipedia Bibl. Angabe sonst. Link Porträt
Feddersen, Jakob Friedrich geboren am: 31-07-1736 in: Schleswig gestorben am: 31-12-1788 in: Altona Verhältnis zu Lessing: Bekannter Beschreibung: Feddersen studierte von 1755 bis 1758 in Jena Theologie und wurde Pfarrer der Gemeinden Ballenstedt, Bernburg und Harzgerode im Nordosten des Harzes sowie Hofprediger der Fürsten zu Anhalt-Bernburg. 1769 ging er nach Magdeburg, 1777 wurde er Domprediger in Braunschweig. Er galt als Vertrauter des ⭢Herzogs Ferdinand und war nach dessen Tod seit 1785 Hofprediger der verwitweten Herzogin ⭢Philippine Charlotte. In seinem letzten Lebensjahr 1788 nahm er eine Stelle als Konsistorialrat in Altona an. Aus einer pietistischen Haltung heraus verfasste Feddersen mehrere Schriften zur religiösen Unterweisung von Kindern, am bekanntesten darunter wohl »Das Leben Jesu für Kinder« (1775), überaus erfolgreich auch seine »Lehrreichen Erzählungen aus der biblischen Geschichte«. Mit seinem »Christlichen Sittenbuche für den Bürger und Landmann« (1783) gab er Anleitungen zur religiösen Praxis auch für weniger gebildete Stände. Lessing traf er offenbar verschiedentlich in dessen Braunschweiger Freundes- und Bekanntenkreis. GND ADB/NDB-Link sonst. Link Porträt
Ferdinand, von Braunschweig und Lüneburg Herzog geboren am: 12-01-1721 in: Braunschweig gestorben am: 03-07-1792 in: Vechelde Verhältnis zu Lessing: Bekannter Beschreibung: Bruder von ⭢Carl I., Prinz von Braunschweig-Wolfenbüttel-Bevern und ab 1735 Prinz von Braunschweig-Wolfenbüttel. Ferdinand wurde seit seiner Jugendzeit im Militärwesen ausgebildet. Mit 19 Jahren wurde er von ⭢Friedrich II. zum Oberst der im Fürstentum Braunschweig stationierten preußischen Truppen, später zum Generalmajor befördert. Er galt als geschickter Militär und machte dort rasch Karriere. Er nahm an beiden Schlesischen Kriegen teil und zeichnete sich besonders im sog. Siebenjährigen Krieg aus, indem er die Franzosen zur Räumung der besetzten Gebiete zwang. 1766 zog er sich aus der preußischen Armee zurück, erwarb im Folgejahr das Schloss Vechelde nahe Braunschweig und ging dort seinen geistigen Interessen nach. Ferdinand war überzeugter Freimaurer seit 1740, wurde 1770 zum Provinzial-Großmeister für das Herzogtum Braunschweig und 1772 zum Großmeister aller schottischen Logen ernannt. Seit 1783 Mitglied des Illuminatenordens, erhielt er 1786 den Titel des General-Obermeisters der »Asiatischen Brüder«. Als im Juli 1778 in Wolfenbüttel die Nationalversammlung der Loge der »Strikten Observanz« tagte, übersandte Lessing deren Großmeister Ferdinand das Manuskript seiner Freimaurergespräche »Ernst und Falk«, so dass es bereits während der Tagung zirkulierte. Den später veröffentlichten ersten drei Gesprächen stellte er, einmalig in seinem Werk, eine Widmung an den Herzog voran, ohne dessen vorherige Erlaubnis. Sie bezeugt die Hochachtung, die der Bibliothekar dem Förderer der Wissenschaft und Künste zollte; mit keinem anderen Vertreter der Braunschweiger Hofs pflegte Lessing ein vergleichbar vertrauliches Verhältnis, er traf verschiedentlich mit ihm zusammen uns besuchte ihn in seinem Jagd- und Lustschloss in Vechelde. Auf die erwähnte Widmung reagierte der Herzog wohlwollend, bat Lessing aber, von weiteren Veröffentlichungen in freimaurerischen Dingen abzusehen. Die beiden letzten Gespräche erschienen 1780 ohne Lessings Kenntnis. GND ADB/NDB-Link Wikipedia Bibl. Angabe Porträt
Fiorillo, Johann Dominicus geboren am: 13-10-1748 in: Hamburg gestorben am: 10-09-1821 in: Göttingen Verhältnis zu Lessing: befreundet Beschreibung: Der in Hamburg geborene Sohn einer neapolitanischen Musikerfamilie studierte an der Kunstakademie in Bayreuth. Von 1761 bis 1769 widmete er sich Kunststudien in Italien und wurde Mitglied der Akademie von Bologna, bevor er als Historienmaler an den Braunschweiger Hof berufen und 1799 Professor für Philosophie in Göttingen wurde. Fiorillo, als Künstler von minderer Bedeutung, etablierte die Kunstgeschichte als Hochschulfach in Deutschland. Mit Lessing war er persönlich bekannt. Elisabeth Campe schreibt über die Verbindung zu Lessing: »Der als Practicer nicht bedeutende Maler Fiorillo ist der größte Theoretiker und der belesenste Kunstkenner, der mir jemals vorgekommen ist. Er war Lessing’s Freund und Rathgeber, der mehrmals in seinen Schriften über Kunst und Oelmalerei auf ihn hinweist und ihn bezeichnet, ohne ihn jedoch, so viel ich mich erinnere zu nennen.« Tatsächlich spielt Lessing in »Vom Alter der Oelmalerey« auf Fiorillo an, der Name des Künstlers fällt aber weder in dieser noch in einer seiner anderen Schriften. GND ADB/NDB-Link Wikipedia Bibl. Angabe Porträt Quelle: Elisabeth Campe: Zur Erinnerung an F.L.W. Meyer, den Biographen Schröder’s. Bd. 2. Braunschweig 1847. S. 85-86.
Fließ (auch Fliess oder Flies), Joseph Moses Isaak geboren am: 24-08-1745 in: Berlin gestorben am: 03-05-1822 in: Berlin Verhältnis zu Lessing: Bekannter – Bibliotheksbenutzer Beschreibung: Fließ, so die häufigere Schreibart, war ein Verwandter der ⭢Ephraims in Berlin. Er studierte Medizin in Göttingen und promovierte offensichtlich, da ihn mehrere Quellen als Doktor führen. 1766 heiratete er seine Cousine Hanne Itzig, eine Tochter ⭢Daniel Itzigs, nach deren Tod (1793) im Juli 1804 Louise Luza. 1804 konvertierte Fließ überdies zum Christentum, er ließ sich taufen und änderte seinen Namen in Carl Ferdinand Fließ. Fließ war vermögend, verfügte über Grundbesitz und avancierte zum Kammerrat in Berlin. Kulturell interessiert veranstaltete er, wie zumindest vermutet wird, als Onkel des auch als Komponist bekannten Isaac Beer Fließ, mit diesem über Jahre Konzerte in Berlin. Als Bekannter ⭢Mendelssohns und ⭢Karl G. Lessings erscheint er in Lessings später Korrespondenz, als Mendelssohn dem Freund im Februar 1780 den Besuch des nach Italien reisenden Fließ in Wolfenbüttel ankündigt, zusammen mit dessen Freund ⭢Johann Gottlieb Steudel. Am 23. Februar trafen sie in Wolfenbüttel ein und besuchten am 24. die Herzogliche Bibliothek, wie die Besucherbücher belegen. Für die Weiterreise nach Göttingen stellte Lessing eine Empfehlung für Fließ an ⭢Lichtenberg aus. Der Göttinger Gelehrte wiederum sprach Monate später von Fließ als einem »gelehrigen, artigen und unermeßlich reichen Juden«. sonst. Link
Friedrich August, von Braunschweig-Lüneburg-Oels geboren am: 29-10-1740 in: Wolfenbüttel gestorben am: 08-10-1805 in: Weimar Verhältnis zu Lessing: Bekannter – sonstiges Beschreibung: Der Sohn von ⭢Carl I. und ⭢Philippine Charlotte; Prinz von Braunschweig-Wolfenbüttel, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg sowie (seit 1792) zu Oels und Bernstadt machte Karriere als Militär und wurde 1763 zum Generalleutnant ernannt. Wie sein Vater und seine Brüder ⭢Wilhelm Adolf und ⭢Leopold war er Freimaurer und seit 1771 Mitglied der strikten Observanz. Er soll mystische Neigungen und wie sein Onkel ⭢Ferdinand von Braunschweig Kontakte zum Grafen Saint Germain gepflegt haben, der aufgrund seiner okkultistischen Neigungen eine äußerst umstrittene Persönlichkeit war. Allerdings ließ Friedrich August angeblich den Okkultisten 1777 mit dem Ergebnis überprüfen, dieser sei in keine höheren freimaurerischen Grade eingeweiht. Er widmete sich auch schriftstellerischen Tätigkeiten und übersetzte 1767 Lessings Miss Sara Sampson ins Französische, nicht immer zur Zufriedenheit des Autors. Über die Zusammenkünfte mit Lessing (u.a. auch in Berlin) sind keine näheren Angaben überliefert. GND ADB/NDB-Link Porträt
Gärtner, Carl Christian geboren am: 24-11-1712 in: Freiberg gestorben am: 14-02-1791 in: Braunschweig Verhältnis zu Lessing: Bekannter Beschreibung: Wie Lessing besuchte Gärtner die Fürstenschule in Meißen und studierte in Leipzig. Im Versuch, sich von seinem Lehrer ⭢Gottsched abzusetzen, begründete Gärtner 1744 die »Bremer Beiträge«, an denen sich Autoren wie ⭢Ebert, ⭢K. A. Schmidt, ⭢Zachariä oder ⭢Klopstock beteiligten, denen er, selbst eher ein poeta minor, seinen Nachruhm verdankt. 1745 verließ er Leipzig und ging als Hofmeister der beiden Grafen von Schönburg nach Braunschweig. Auf Vorschlag des ⭢Abts Jerusalem wurde Gärtner Lehrer am Braunschweiger Collegium Carolinum, wo er 1748 eine Professur der Moral und Beredsamkeit erhielt. 1780 ernannte ihn sein früherer Schüler ⭢Carl Wilhelm Ferdinand zum Hofrat. In Braunschweig gehörte Gärtner zu Lessings Bekanntenkreis, offensichtlich ohne enge freundschaftliche Bande. GND Wikipedia Bibl. Angabe Porträt
Gahre, Christian Heinrich geboren am: 30-11-1649 in: unbekannt gestorben am: 30-11-1649 in: unbekannt Verhältnis zu Lessing: Dienstverhältnis Beschreibung: Der Wolfenbütteler Fuhrmann ist nur durch eine auf ihn zurückgehende, gern berichtete, hier nach Paul Raabe wiedergegebene mundartliche Anekdote überliefert, der zufolge der Teufel dem zu Lebzeiten in Wolfenbüttel verrufenen Lessing wegen dessen theologischer Streitschriften einen Streich gespielt habe. »Mit Vorliebe rühmte er sich, Zeuge eines wunderbaren Vorfalls gewesen zu sein, bei dem von keinem Geringeren als dem Teufel selbst Lessing ein arger Streich gespielt worden war. Diese im Kreise seiner Freunde oder auch Fremder immer wiederholte Geschichte wurde von Gahre regelmäßig mit einer Betrachtung über Lessings Gelahrtheit und über die große Zahl der von ihm geschriebenen Bücher eingeleitet, die er dann mit der seine gläubigen Zuhörer in Erstaunen setzenden Mitteilung schloß: ›Tauletzt war hei sau klauk, dat he gar ne nie Bibel eschrebben harre, da hatten aber de Dübel [der Teufel] einen Strich dorchemakt. Er war‹, so fuhr Gahre dann weiter fort, ›en paar Jahr vor sinen Dode, da leit de Herr Hofrat minen Vater bestellen, dat hei an nächsten Morgen na Bronswick fahren wolle. Als ick daur bestimmten Stunne vor siner Husdöhr heilt, kam de Herr Hofrat mit einem groten Bauke unter dem Arme herut. ›Christian‹, segte hei fründlich, ›wenn wir nach Braunschweig kommen, dann fährt er direkt nach dem Grauenhofe, ich will zum Herzog‹. Damit steg hei in de Kutsche un legt dat Bauk vor sick up den Sitz. Dat war de nie Bibeln, die hei schreben hatte un den Hertoge vorlegen wolle. Dei Fahrt ging nu nach Bronswick. De Wagen war ne Halfchaise, so dat wie uns miteinander underholen kunnten. As wie up den Bohlweg annen komen waren, da nam hei den Bibeln von dem Sitze, schlaug se up, bläderte hen un her, un kunne siene eigene Handschrift nich mehr lesen, denn de Dübel harre underdessen lauten Uhlen un Kreihen darut emakt. Hei war vor Schreck liekenblas worren, schlauk dat Bauk häftig tau un segte: ›Heinrich, wende er um, wir fahren sofort nach Wolfenbüttel zurück‹. Underwegens sprok hei kein Wort mehr, un so keimen wi vor Mittag wedder tau Huse an.« Biographische Einzelheiten zu Gahre sind nicht bekannt. Literatur: Raabe, Spaziergänge, S. 115f.
Garve, Christian geboren am: 07-01-1742 in: Breslau gestorben am: 01-12-1798 in: Breslau Verhältnis zu Lessing: nicht bekannt Beschreibung: Philosoph, Schriftsteller und Übersetzer aus Breslau, Freimaurer und Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften. Garve studierte in Frankfurt (Oder) und Halle (Saale) Philosophie und Mathematik, kam 1766 als Magister nach Leipzig, wurde von ⭢Gellert aufgenommen und schloss Freundschaften u.a. mit ⭢Christian Felix Weiße und dem Schweizer Theologen ⭢Georg Joachim Zollikofer. Von 1770–72 war er außerordentlicher Professor für Mathematik und Logik in Leipzig. Seit 1772 zurück in Breslau, lehnte er Angebote, in den Schuldienst einzutreten, ab und lebte ganz seinen Studien, gelegentlich auch als Buchhändler (*** prüfen!) Garve wurde in eine Handwerkerfamilie geboren; die längste Zeit seines Lebens hielt er sich bei seiner Mutter in Breslau auf, die den zu Krankheit und Hypochondrien neigenden Sohn umsorgte und auch an seinem Schaffen und am Austausch mit seinen wissenschaftlichen Freunden Anteil nahm. Mit Christian Felix Weiße, dem Aufklärer, Kinderfreund und Mitbegründer des deutschen Singspiels, verband ihn eine langjährige Freundschaft und ein umfangreicher Briefwechsel. Garve übersetzte zahlreiche Schriften, darunter Ciceros »De Officiis« oder Adam Smith’s »Der Wohlstand der Nationen«. Er schrieb psychologische, moralphilosophische und ökonomische Schriften sowie zahlreiche Rezensionen für die »Neue Bibliothek der schönen Wissenschaften und der freyen Künste«. Stark von der englischen und schottischen Aufklärung geprägt, hat er seine empiristisch geprägte Philosophie, darin Lessing verwandt, nie als System formuliert (ein brieflicher Austausch mit Lessing ist nicht belegt). Garves Themen gehören vor allem der Moralphilosophie zu, sein Werk steht im Zeichen des Primats der praktischen Vernunft. Garve, der sich als »Wetzstein« für andere Geister bezeichnet, vielfach aber und nicht immer ohne Dünkel, als »Popularphilosoph« gilt, fand mit seinen Schriften Anerkennung und Geltung bei den Zeitgenossen. Seine bemerkenswerte Rezension Lessings »Laokoon« bezeugt poetologische und literarhistorische Kenntnis. Trotz seiner Breslauer Bindungen ist weder eine Begegnung noch der Briefaustausch mit Lessing bekannt. GND Bibl. Angabe Porträt
Garve, geb. Förster, Anna Katharina geboren am: 30-11-1715 in: Breslau gestorben am: 30-11-1791 in: Breslau Verhältnis zu Lessing: Bekannte Beschreibung: Die Mutter des Philosophen ⭢Christian Grave schloss während Lessings Zeit in Breslau 1760-64, persönliche Bekanntschaft mit dem als Gouvernementssekretär für Preußen tätigen Dichter. Nach dem Tod ihres Mannes führte A.K. Garve dessen Färbereibetrieb fort und verkaufte die Färberei erst 1778, im Alter von 62 Jahren. Sie unterstützte ihren Sohn durch finanzielle Zuwendungen, las und besprach mit Garve aber auch dessen Schriften. »G.s äußerer Lebensgang«, so Kurt Wölfel, sei »gekennzeichnet durch die Bindung an die Mutter. Er lebte mit ihr, von kurzen Unterbrechungen abgesehen, bis zu ihrem späten Lebensende zusammen; bei ihr fand der kränkliche, schon als junger Mensch hypochondrische Gelehrte Bewahrung vor den ihm widrigen Bedingungen des alltäglichen Lebens; sie nahm sogar an seinem Schaffen und am Verkehr mit seinen wissenschaftlichen Freunden regen Anteil.« Von Garves Mutter stammen kurze persönliche Berichte und wertvolle Anekdoten über Lessings Leben in Breslau sowie zur »Minna von Barnhelm«, die Daunicht (s. Bibliographie, S. 175-77) überliefert.
Gasc, Anna Rosina de, geb. Lisiewska, verw. Matthieu geboren am: 10-07-1713 in: Berlin gestorben am: 26-03-1783 in: Dresden Verhältnis zu Lessing: befreundet Beschreibung: Die bedeutende Porträtmalerin wuchs in einer Berliner Künstlerfamilie mit polnischen Wurzeln auf und erhielt mit ihren Geschwistern ersten Unterricht beim Vater Georg Lisiewski. Später studierte sie bei Antoine Pesne, der als Franzose in ⭢ Friedrichs Diensten stand, und wurde 1757 für zehn Jahre als Hofmalerin in Zerbst tätig. An den Braunschweiger Hof berufen, erhielt sie eine großzügige Förderung von ⭢Herzogin Philippine Charlotte. 1769 wurde sie Ehrenmitglied der Dresdener Kunstakademie. Nach dem Tod ihres ersten Ehemannes heiratete sie 1760 ⭢Ludwig de Gasc, der bereits in Berlin zum Freundeskreis von Lessing gehört hatte und anlässlich der Heirat mit de Gasc nach Braunschweig ging. Das im Gleimhaus befindliche, um 1767 entstandene Lessing-Portrait wird seit 2008 de Gasc zugeschrieben. Lange, etwa 100 Jahre nach der Entstehung hatte man das Bild, dem Kunstgeschichtler Friedrich Gottfried Hermann Lucanus folgend, zunächst Georg Oswald May (1738–1816) zugeschrieben. In einem Brief an ⭢Ramler vom 6. Dez. 1760 aus Breslau berichtet Lessing von seinem freundschaftlichen Verhältnis zur Familie de Gasc. GND Wikipedia Porträt
Gellert, Christian Fürchtegott geboren am: 04-07-1715 in: Hainichen gestorben am: 13-12-1769 in: Leipzig Beschreibung: Gellert stammt aus einer Pastorenfamilie und besuchte seit 1729 die Fürstenschule St. Afra. Das Studium der Theologie und Philosophie in Leipzig, 1734 begonnen, schloss er wegen finanzieller und wohl auch gesundheitlicher Probleme erst 1744 mit der »Abhandlung von den Fabeln und deren Verfassern« in Form einer Dissertation ab. Seinen Lebensunterhalt verdiente er als Hauslehrer junger Adliger. Seit 1745 las er in Leipzig als Privatdozent über Poesie, Beredsamkeit und Moral; 1751 wurde er außerordentlicher Professor für Philosophie und hielt stark frequentierte, zu raschem Ruhm gelangende »Moralische Vorlesungen«. Schon zuvor hatte Gellert dichterische Werke publiziert, darunter Schäferspiele, die höchst erfolgreichen »Fabeln und Erzählungen« (1746), 1747 den empfindsamen Roman »Leben der Schwedischen Gräfin von G***« sowie »Die zärtlichen Schwestern« nebst anderen empfindsamen Komödien. Vor allem seine Fabeln zählten zu den meistgelesenen zeitgenössischen Werken. Gellert war nur anfangs Mitarbeiter ⭢Gottscheds, seine Verbindung mit den »Bremer Beiträgern« blieb dagegen stabil. Gesundheitlich angeschlagen, überhaupt zeitlebens kränkelnd und geradezu legendär hypochondrisch, erhielt er ab 1759 von seinem früheren Schüler und Freund ⭢v. Brühl eine jährliche Unterstützung. Seine Geistlichen Oden und Lieder (1757) wurden von Haydn und Beethoven vertont. Gellert war, nach Gottsched, zu Lessings Leipziger Studentenzeit die führende Figur der Leipziger Literaturszene. Für mehrere Gattungen wie Brief, rührendes Lustspiel oder Fabel stilbildend, war Lessing früh mit seinem Werk vertraut. Jugendkomödien wie der dramatische Erstling »Damon« oder »Der Freygeist« sind unverkennbar Gellerts moralischen Ansprüchen und dramaturgischen Mustern verpflichtet. Lessing rezensierte Gellerts »Briefe, nebst einer Praktischen Abhandlung von dem guten Geschmacke in Briefen« und übersetzte dessen »Abhandlung für das rührende Lustspiel« ins Lateinische (beide 1751). Er schätzte den »führenden Vertreter bürgerlicher Sittlichkeit und bürgerlichen Geschmack englischen Stils« (Nisbet, S. 38) durchaus, von einem »freundschaftlichen Verhältnis« spricht Nisbet (S. 303) vor allem für die Jahre 1755/56, als man sich häufiger traf. Dichterisch indes geht Lessing in jeder der erwähnten Gattungen über Gellert hinaus. Noch spät, 1772, urteilt er im Grundsatz wohlwollend, aber kritisch und differenziert über den Leipziger Lehrer, dessen biederem Erzählstil er weniger Gutes abgewinnen konnte als den Dramenprojekten. GND ADB/NDB-Link Wikipedia Bibl. Angabe Porträt
Gerstenberg, Heinrich Wilhelm von Pseudonym: Ohle Madsen geboren am: 03-01-1737 in: Tondern gestorben am: 01-11-1823 in: Altona Verhältnis zu Lessing: Korrespondenzpartner Beschreibung: Dichter und Kritiker. Gerstenberg studierte ab 1757 Jura in Jena, brach dies jedoch bereits nach zwei Jahren ab, da sein eigentliches Interesse der Literatur galt. Durch seine Mitgliedschaft in der Deutschen Gesellschaft schloss er mit vielen literarisch bedeutsamen Persönlichkeiten Bekanntschaft. Er trat 1760 in die dänische Armee ein und veröffentlichte während dieser Zeit einige Schriften zum Militär. Gemeinsam mit seinem Studienkollegen Jacob Friedrich Schmidt betätigte er sich zudem als Herausgeber der Wochenschrift »Der Hypochondrist«, die nach nur einem halben Jahr in Konkurs ging. 1765 heiratete er Sophie Trochmann, mit der er später insgesamt sieben Kinder hatte, und ließ sich in Kopenhagen nieder. Dort verkehrte er regelmäßig im Salon von ⭢Johann Hartwig Ernst von Bernstorff und im literarischen Kreis um ⭢F.G. Klopstock. Er lernte in dieser Zeit u.a. ⭢Johann Andreas Cramer, Gottfried Benedict Funk, Balthasar Münter, ⭢Friedrich Gabriel Resewitz, ⭢Johann Heinrich Schlegel und ⭢Helfrich Peter Sturz kennen. Im Dorf Lyngby etablierte sich um Gerstenberg ein eigener literarischer Kreis, in dem auch regelmäßig Hausmusik-Abende abgehalten wurden. Gerstenberg unterhielt während dieser Zeit Briefwechsel mit Lessing, ⭢Gellert , ⭢Gleim, ⭢J.G Herder,⭢ F. Nicolai und einigen Mitgliedern des Göttinger Hainbunds. Es entstanden vielseitige literarische Arbeiten, wie z.B. Übersetzungen, Sammlungen alter dänischer Literatur, Vertonungen, musikästhetische Aufsätze, v.a. aber auch Gerstenbergs Hauptwerke. Sein »Gedicht eines Skalden« (1766) setzte noch vor Klopstock eine Beschäftigung mit nordischer Mythologie in Gang. Er vermittelte ebenso die nordische Balladendichtung und den Stabreim. Wesentlich bedeutsamer waren aber seine »Briefe über Merkwürdigkeiten der Litteratur« (1766/67, zunächst anonym), mit denen die Genielehre des Sturm und Drang mitbegründet wurde. Vor allem auch das Drama »Ugolino« (1768, anonym) gilt als wichtiger Sturm und Drang-Vorläufer. Hinsichtlich Sprachtheorie und Poetik war er seiner Zeit voraus. Noch vor Herder schuf er in der Lyrik die Liedtheorie, die von Klopstock weitergeführt wurde und sich erst bei ⭢Goethe voll entfaltete. Nachdem er wenige Jahre zuvor zum Rittmeister befördert worden war, schied er 1771 aus der Armee aus. Seit 1768 hatte er eine Anstellung als Abgeordneter bei der Deutschen Kammer und wurde zudem als Beisitzer in die Commerzdeputation aufgenommen. Als Gerstenberg 1775 zum dänischen Konsul in Lübeck berufen wurde, endete seine schöpferische Phase. Er war zu diesem Zeitpunkt bereits hoch verschuldet, was bis zu seinem Tod so blieb. In Eutin wurde er mit Hilfe von Freunden zum Justizdirektor des königlichen Lottos berufen. Dieses Amt führte er bis zu seiner Pensionierung 1812 aus. In seinen letzten Lebensjahren befasster er sich intensiv mit Kant und verfasste philosophische Abhandlungen, von denen er jedoch die meisten verbrannte. Obwohl ihm 1815 in Kiel noch die Ehrendoktorwürde zuteil wurde, war er literarisch weitestgehend in Vergessenheit geraten. Die Herausgabe der »Vermischten Schriften« (1815/16) erfuhr keine große Resonanz mehr. GND Wikipedia Bibl. Angabe Porträt
Gertinger, Johann geboren am: 30-11-1720 in: Eperis gestorben am: 30-11-1791 in: unbekannt Beschreibung: In Ungarn (heute Slowakei) geboren, liegt sein Lebenslauf weitgehend im Dunkeln. In Lessings Leben begegnet er ihm ohnehin so spät wie peripher. Gertinger war orthodoxer Theologe und Freimaurer zugleich – »1780 als angemaßter Reformator der Freimaurerei geächtet«, so Wolfgang Albrecht –, hielt sich seit 1769 in Deutschland, vorwiegend in Berlin und Hamburg auf und scheint einige Zeit auch als Weinhändler im Raum Jena tätig gewesen zu sein. Im November 1779 muss er in Braunschweig Lessings Bekanntschaft gemacht haben und von ihm etwas Reisegeld, einen sogenannten Zehrpfennig erhalten haben. 1780 schaltete er sich mit der Schrift »Brüderliches Sendschreiben an dem wider die Religion Jesu und seiner Jünger Gift sammelnden und wieder ausstreuenden Verkehrt Gelehrten Herrn Hofrath Lessing […]« in den Fragmentenstreit ein, sie ist das Bekenntnis eines zwar »ungelehrter Mann[s], doch Gottes in Jesu Ehre und Lehre vertheidigenden Christen«. Erich Schmidt überzieht den bescheidenen Autor mit beißendem Spott: »Ein obskurer Briefsteller rieb sich an der Altersphilosophie des superklugen Herrn Lessing; ein kläglicher ungarischer Theolog, […] Diese Sumpfpflanze mag nur darum erwähnt werden, weil der leichtgläubige Gleim dann besagten Gertinger für Lessings Mörder hielt!" (Schmidt II, 443). Tatsächlich war ⭢Gleim dem Gerücht aufgesessen, Lessing sei vergiftet worden und hatte über Gertinger als möglichen Übeltäter spekuliert.
Gilbert, Ludwig Dietrich geboren am: 30-11-1743 in: unbekannt gestorben am: 07-10-1775 in: unbekannt Verhältnis zu Lessing: nicht bekannt Beschreibung: Aus einer in Fehrbellin ansässigen Hugenottenfamilie stammend, war Gilbert Advokat und sogenannter Hoffiskal am Kammergericht in Berlin, einer seiner Söhne war der namhafte Physiker Ludwig Wilhelm Gilbert. Wie eine Briefbemerkung des mit ihm befreundeten Knebel schließen lässt, macht L. D. Gilbert Lessings und ⭢Ramlers Bekanntschaft im November 1766 in Berlin, doch scheint die Bekanntschaft folgenlos geblieben zu sein.
Goebel, Johann Conrad Christoph geboren am: 30-11-1649 in: unbekannt gestorben am: 30-11-1649 in: unbekannt Verhältnis zu Lessing: sonstiges Beschreibung: G. war um 1770/80 Tabakfabrikant in Braunschweig, bei dem Lessing sieben Taler »rückständigen Fuhrlohn« Schulden hatte. Dies geht aus einer Aufstellung von Lessings Gläubigern hervor, die Friedrich Chrysander 1857 vorgenommen hat. Chrysander hebt die Forderung des Tabakfabrikanten besonders hervor, da sie die Frage berühre, ob Lessing geraucht habe. Während Freunde Lessings berichten, er habe das Tabakrauchen nicht ausstehen können, beziehen sich andere auf die offene Forderung von Goebel, um bestätigt zu sehen, dass Lessing Raucher war. Tatsächlich bezieht sich die Rechnung nicht auf Tabak, sondern auf Transportkosten.
Goeckingk, Leopold Friedrich Günther von geboren am: 13-07-1748 in: Gröningen gestorben am: 18-02-1828 in: Groß Wartenberg [Schlesien] Verhältnis zu Lessing: Bekannter Beschreibung: Lyriker, Jurist und Publizist. Bereits während seiner Schulzeit in Halberstadt und Halle war er mit ⭢Johann Wilhelm Ludwig Gleim und ⭢Gottfried August Bürger befreundet. In Halle studierte er Kameralistik und Rechtswissenschaft. Er wurde 1768 Referendar bei der Kriegs- und Domänenkammer in Halberstadt und war ab 1770 Kanzleidirektor in Ellrich. Dort begann er auch seine schriftstellerische Tätigkeit und war von 1776–1779 Mitherausgeber des »Göttinger Musenalmanach«. 1783 begründete er das »Journal von und für Deutschland«. Ab 1786 bekleidete er verschiedene Positionen als Beamter (1786 Kriegs- und Domänenrat in Magdeburg, 1788 Land- und Steuerrat zu Wernigerode und preußischer Ortkommissär, 1793 Geheimer Oberfinanzrat in Berlin). Zudem war er Mitglied der 1785 gegründeten Literarischen Gesellschaft Halberstadt. Nach der Auflösung des Generaldirektoriums und seiner damit verbundenen Entlassung wandte sich G., inzwischen in den preußischen Adelsstand erhoben, in den letzten Lebensjahren wieder verstärkt seiner dichterischen Tätigkeit zu. Goeckingk gehörte zu den herausragenden Vertretern des Halberstädter Dichterkreises und war ebenso Mitglied der Berliner Mittwochsgesellschaft. Goeckingk war ein Bewunderer Lessings und organisierte nach dessen Tod eine Gedenkveranstaltung in Ellrich, an der acuh Gleim teilnahm, und bei der die »Miß Sara Sampson« aufgeführt wurde. GND Wikipedia Bibl. Angabe Porträt
Götz, Johann Nikolaus geboren am: 09-07-1721 in: Worms gestorben am: 04-11-1781 in: Winterburg bei Kreuznach Verhältnis zu Lessing: Bekannter Beschreibung: Protestantischer Theologe, Schriftsteller und Übersetzer. Er studierte 1739 – 42 in Halle Philosophie, Griechisch, Hebräisch und Theologie. Mit seinen Kommilitonen ⭢J.W. Gleim und ⭢J.P. Uz formte er den ›Zweiten Halleschen Dichterkreis‹ und blieb lebenslang mit beiden befreundet. Nach dem Studium war er zunächst als Hauslehrer und Erzieher des jungen Grafen Wilhelm Heinrich Adolf von Kalckreuth tätig und wurde 1744 im lothringischen Forbach Schlossprediger und Hofmeister bei der Witwe des Generalgouverneurs des Herzogtums Zweibrücken. Nach seiner Tätigkeit als Feldprediger in Nancy kehrte er nach Deutschland zurück, nahm 1751 eine Stelle als Pfarrer in Hornbach an und heiratete die Witwe seines Amtsvorgängers. Nach mehreren Beförderungen wurde er 1776 schließlich Superintendent in Winterburg bei Kreuznach. Weitere Beförderungen und Versetzungen schlug er aus, um sich vollends seiner Familie, seiner Gemeinde und seiner Dichtung widmen zu können. Er übersetzte französische Lyriker und als erster gemeinsam mit ⭢Uz sämtliche Oden des Anakreon ins Deutsche. Für sein literarisches Werk, das sich der galanten Dichtung des Rokoko und der Anakreontik zuordnen lässt, wurde er von Lessing, ⭢Gleim, ⭢Wieland, ⭢Herder und ⭢Voß hoch geschätzt. GND Wikipedia Bibl. Angabe Porträt
Gottsched, Johann Christoph geboren am: 02-02-1700 in: Juditten [Ostpreußen] gestorben am: 12-12-1766 in: Leipzig Beschreibung: Der gebürtige Königsberger, Spross des deutschen Pfarrhauses auch er, begann schon 1714 ein Theologiestudium an der Königsberger Albertina, wechselte aber bald zur Philosophie. Seine Hausgötter waren Leibniz und Christian Wolff; Wolff blieb er zeitlebens treu. 1724 floh der hoch gewachsene Mann nach Leipzig, um einer Rekrutierung für die Leibgarde Friedrich Wilhelms I. zu entgehen. In Leipzig mit dem Polyhistor Johann Burckhardt Mencke befreundet, wurde er Hofmeister von dessen ältestem Sohn und erhielt noch im selben Jahr die »venia legendi«. 1730 wurde Gottsched außerordentlicher Professor für Poetik, 1734 ordentlicher Professor für Logik und Metaphysik. Seit 1725, dann zeitlebens, gab er verschiedene Zeitschriften heraus, neben der »Deutschen Gesellschaft«, einer aus der »Teutschübende Poetischen Gesellschaft« hervorgegangenen Sprachgesellschaft, und der Bühne das entscheidende Medium seiner Reformbemühungen um deutsche Sprache und Literatur. In seinen Periodika verfolgte er sprach- und stilkritische Ideale, die Literatur suchte er durch Orientierung am französischen Klassizismus auf europäisches Niveau zu bringen. Schwerpunkt seiner Reformen aber war, neben der Normierung der Schriftsprache, das Theater, dessen Reformierung er anfangs mit F. C. Neuber und dessen Frau ⭢Friederike Caroline Neuber unternahm. 1731 wurde seine Tragödie »Der sterbende Cato«, eine Art Musterbildung, uraufgeführt. 1735 heiratete er ⭢Luise Adelgunde Victorie Kulmus (1713-1762), die »Gottschedin«, die selbst Komödien schrieb und übersetzte, zumeist englische und französische Schauspiele. Gottscheds Einfluss war groß, er war der bestimmende normative Autor der Frühaufklärung, ein Praeceptor Germaniae, dessen Ausstrahlung sich vor allem in den dreißiger Jahren jüngere Autoren kaum entziehen konnten, am wenigsten in Leipzig. An seinem poetologischen »Versuch einer Critischen Dichtkunst« (1730) schieden sich indes ebenso rasch die Geister wie am »Sterbenden Cato«. Das Gegenteil eines auch gegen sich selbst denkenden Autors vertrat Gottsched einmal formulierte Positionen unbeirrbar mit unwandelbarem Selbstbewusstsein, auch wo die Zeitläufe ihn und den französischen Klassizismus hinter sich gelassen hatten. Gegner besaß er in ausreichender Zahl, vor allem die Schweizer ⭢Bodmer und ⭢Breitinger, die Gottscheds strengem Rationalismus im ›Züricher Literaturstreit‹ das Wunderbare und Religiöse in der Dichtung entgegensetzten, bald trat auch Lessing auf den Plan. Seine legendäre Attacke auf Gottscheds Regelpoetik des Dramas im 17. Literaturbrief (1759) markierte – mehr in der Wirkung als in der Sache – einen frühen Höhepunkt polemischer deutscher Literaturkritik. Voraus gegangen war ihr die Lessings anfangs durchaus respektvolle Haltung gegenüber Gottsched, auch wenn er wohl von Beginn an nur selten Gast seiner Vorlesungen war. Sie verkehrte sich, wohl auch nach persönlich-publizistischen Unstimmigkeiten sowie dem Auftreten Gottscheds am Leipziger Katheder, das Lessing weitere persönliche Begegnungen vermeiden ließ. Es waren also nicht nur unterschiedliche Auffassungen von Zweck und Wirkungsweise der Literatur, die zu einer in den »Briefen, die Neueste Litteratur betreffend« kulminierenden generellen Ablehnung Gottscheds als Gesamtphänomen führten. Keineswegs immer gerecht und zutreffend, lässt diese Generalkritik die unbezweifelbaren Verdienste Gottscheds – ob in der Theaterreform, Schauspielgeschichte, Publizistik, Mediävistik, Sprachkritik oder Übersetzungstätigkeit – ebenso aus wie die durchaus vorhandenen Analogien und Gemeinsamkeiten beider Autoren in ihren Interessen und Intentionen, namentlich ihren Reformbestrebungen. Dass solche vorhanden sind und Lessing, ohne dies im Einzelnen stets eingestehen zu wollen, etwa in seinen eigenen Dramen nicht allzu sehr von Gottscheds Regelpoetik ist, »enger an französischen als an englischen Formkonventionen« (Nisbet, S. 339) orientiert, zeigt sich im literarhistorischen Abstand wohl deutlicher als aus der eigenen zeitgenössischen Perspektive. GND Wikipedia Bibl. Angabe Porträt
Gottsched, Luise Adelgunde Victorie, geb. Kulmus geboren am: 11-04-1713 in: Danzig gestorben am: 26-06-1762 in: Leipzig Beschreibung: In einem kulturell aufgeschlossenen Elternhaus aufgewachsen – der Vater Arzt, die Mutter aus einer Kaufmannsfamilie stammend –, war Luise Adelgunde schon früh mit antiker und zeitgenössischer Literatur, mit Fremdsprachen sowie mit medizinischen und naturwissenschaftlichen Fragen vertraut, zudem genoss sie eine musikalische Erziehung. Im jugendlichen Alter schickte sie Gottsched Verse, blieb in Korrespondenz mit ihm und heiratete ihn, nach dem Tod der Eltern, 1735. Die »geschickte Freundin«, wie Gottsched sie gelegentlich tituliert, war von Beginn an bedeutende Mitarbeiterin am Werk ihres Mannes. Neben der Organisation des Haushalts einschließlich einer fast öffentlichen Bibliothek, der Führung des Salons und der Pflege gesellschaftlicher Verbindungen, erledigte sie mit Korrespondenzen, Abschriften, Recherchen etc. »auf der gelehrten Galeere«, wie sie es nannte, Hilfsdienste aller Art, dazu traten bald Übersetzungen, eigenständige Untersuchungen, publizistische Beiträge, wovon nicht wenige unter Gottscheds Namen erschienen. Einen Namen im literarischen Leben machte sie sich indes erst durch eigene poetische Veröffentlichungen. Mit häufig eng an den englischen und französischen Originalen orientierten Dramen - am bekanntesten wohl das Lustspiel »Die Pietisterei im Fischbein-Rocke« (1736) -, Übersetzungen dichterischer und wissenschaftlicher Werke, Artikeln, Aufsätzen, Briefen und Gedichten erfuhr sie in dem Maße wachsende öffentliche Anerkennung als die ihres Mannes schwand. »Ihre eigenen Lustspiele«, so Sandra Berndt, »widerspiegeln die Lebendigkeit der Geschlechterdiskurse, orientieren sich dabei an Gegebenheiten des wohlhabenden Bürgertums und Kleinadels, verhandeln Normen und Abweichungen mit selbstbewussten, redegewandten jungen Protagonistinnen.« Am Ende ihres Lebens allerdings hat sie durch private wie politische Enttäuschungen, eine schwache gesundheitliche Konstitution und die aufklärerische Desillusionierung resigniert. Für Lessing zählte »Die Pietisterei im Fischbein-Rocke« zu den Anregungen seiner frühen Komödien. Wie bei Gottsched wandelte sich auch die Haltung zum Werk seiner Frau. Vielleicht ist es tatsächlich Lessing, der in einer anonymen Rezension die Übersetzung von Françoise de Grafignys »Cenie oder die Großmuth im Unglück« durch die Gottschedin lobt, dann wäre sein Überzeugungswandel allerdings krass. Im 20. Stück der »Hamburgischen Dramaturgie« kritisiert er die Übersetzungen der Gottschedin nach allen Regeln der Kunst: weitschweifig, grammatik- und buchstabengeleitet, ohne Sinn für Gefühlsvaleurs. Im 26. Stück der »Dramaturgie« fällt ein eigenes Stück der Gottschedin, »Die Hausfranzösin, oder die Mammsell« unter ein so erbarmungsloses Verdikt, als gäbe es eine Sippenhaft. 1760, zwei Jahre vor ihrem frühen Tod, hatte Luise Gottsched eine satirische, durchaus geistreiche Entgegnung auf Lessings vernichtende Gottsched-Kritik im 17. »Literaturbrief« verfasst, »Briefe, die Einführung des engländischen Geschmacks in Schauspielen betreffend«, die Lessing aber keiner Erwähnung würdigte. GND Wikipedia Bibl. Angabe sonst. Link Porträt Quelle: Sandra Berndt: Gottsched, Luise Adelgunde Victorie (geborene Kulmus), / Leipziger Frauenporträts, 2015
Goué, August Siegfried von geboren am: 02-08-1743 in: Hildesheim gestorben am: 26-02-1789 in: Steinfurth Verhältnis zu Lessing: Bekannter – Bibliotheksbenutzer Beschreibung: Der Jurist und Schriftsteller wurde 1764 Richter in Braunschweig, 1765 Hofgerichtsassessor in Wolfenbüttel und war von 1767 bis 1771 Legationssekretär des Vertreters des Herzogtums Braunschweig-Wolfenbüttel beim Reichskammergericht in Wetzlar. Nach einer von seinem Vorgesetzten betriebenen Entlassung führte er ein Bohèmeleben, lernte 1772 ⭢Goethe kennen, widmete sich ganz der Schriftstellerei, publizierte u.a. Theaterstücke und Gelegenheitsgedichte und gab eine Wochenschrift heraus. 1779 trat Goué in den Dienst des Grafen von Bentheim-Steinfurt. Goethes Werther regte ihn zum Trauerspiel »Masuren oder der junge Werther« (1775) an, seine »Berichtigung der Geschichte des jungen Werthers« schildert die Geschehnisse in Wetzlar aus eigener Sicht. Bekannt wurde Goué auch durch seine Schriften über die Freimaurer, denen er bereits in seiner Wolfenbütteler Zeit angehörte. In seinem Werk »Ueber das Ganze der Maurerey« (1782) berichtet er von einem Treffen mit Lessing in Wolfenbüttel, bei dem sie sich, von Seiten Goués, wie er behauptet, offen und kritisch, über die Freimaurerei ausgetauscht hatten. GND Wikipedia
Gräfe, Johann Friedrich geboren am: 08-02-1711 in: Braunschweig gestorben am: 05-02-1787 in: Braunschweig Verhältnis zu Lessing: befreundet Beschreibung: Der Pastorensohn studierte ab 1737 Jura in Halle und später in Leipzig, wo er mit ⭢Gottsched Umgang hatte und namentlich von dessen ⭢Frau gefördert wurde. Der spätere Kammersekretär in Braunschweig wurde 1764 zum Postrat und 1773 zum Kammerrat befördert. Seine Bedeutung als Komponist und Textdichter hat ein geteiltes Echo gefunden, seine Sammlung verschiedener und auserlesener Oden sind ein bedeutender Beitrag zur Entwicklung des deutschen Liedguts im 18. Jahrhundert. Gräfe zählte zum Kreis des geselligen Braunschweiger Lebens um Lessing, seine Tochter Luise, neben zwei Brüdern aus der Ehe mit Carolina Wedingen hervorgegangen, wurde die Frau ⭢Johann Arnold Eberts. GND ADB/NDB-Link Wikipedia Bibl. Angabe
Graffman, Hans geboren am: 14-04-1748 in: Ösmo [Schweden] gestorben am: 30-01-1828 in: Strängnäs [Schweden] Verhältnis zu Lessing: Bibliotheksbenutzer Beschreibung: Der protestantischer Pfarrer und Gelehrte studierte Philosophie in Uppsala, promoviert wurde er aber 1774 in Halle, anschließend verbrachte er ein halbes Jahr in Oxford. Nach Schweden zurückgekehrt, ernannte ihn König Gustav III. zum Hofprediger; 1778 wurde Graffmann Nachfolger des Vaters als Gemeindepfarrer, etwa um 1800 wurde er Dompropst. Im November 1774 machte Graffmann auf dem Weg nach England vier Tage Station in Wolfenbüttel, um die Bibliothek zu besichtigen. Über Lessing äußerte er sich mit Hochachtung und begleitete den Dichter nach Braunschweig, bei dem dieser ihn Freunden wie⭢Ebert und ⭢Eschenburg, namentlich aber dem Abt ⭢Jerusalem vorstellte, den Graffmann mehrfach besuchte. sonst. Link Quelle: Goethe-Jahrbuch, Bd. 33, 1912, S. 222-224
Graun, Carl Heinrich geboren am: 07-05-1701 in: Wahrenbrück gestorben am: 08-08-1759 in: Berlin Verhältnis zu Lessing: Bekannter – sonstiges Beschreibung: Der Komponist und Sänger besuchte ab 1714 die Kreuzschule in Dresden, wo seine musikalische, vor allem gesangliche Begabung rasch ins Auge fiel. 1724 wurde der Tenor als Hofsänger ans Braunschweiger Opernhaus berufen, an dem er sich bald auch als Komponist hervortat. 1733 komponierte Graun für die Hochzeit ⭢Friedrichs II. mit der Braunschweiger Prinzessin ⭢Elisabeth Christine im Schloss Salzdahlum die Oper »Lo specchio della fedeltà«. 1740 wurde er Kapellmeister unter Friedrich und reiste nach Italien, u.a., um für die neue Oper »Unter den Linden« Künstler zu werben. Mit seiner Oper »Cesare e Cleopatra« wurde die Königliche Hofoper am 7. Dezember 1742 eröffnet. Graun komponierte mehr als 330 Opern, Kammermusikstücke, geistliche Werke sowie zahlreiche Lieder, seine Opern bildeten neben den Werken von Johann Adolph Hasse den Grundstock des Berliner Opernprogramms. Aus einem Brief ⭢Gleims an ⭢Uz vom 16. Aug. 1758 geht hervor, dass sich im Berliner Sommer 1758 täglich eine Gesellschaft zusammenfand, zu der auch Lessing und Graun gehörten: »Ramler, Leßing, Sulzer, Agricola, Krause (Der Musicus, nicht der dumme Zeitungsschreiber für den behüte der Himmel!) Bach, Graun, Kurz alles, was zu den Musen und freyen Künsten gehört gesellte sich täglich zu einander, bald zu Lande, bald zu Waßer; was für ein Vergnügen war es in solcher Gesellschaft auf der Spree mit den Schwänen um die Wette zu schwimmen! Was für eine Lust, in dem ThierGarten sich mit der gantzen Gesellschaft unter tausend Mädchen zu verirren?« Lessing erwähnt Graun in den »Collectanen« wie in der Korrespondenz; 1760/61 vertonte der Komponist Lessings Gedichte »Das aufgehobene Gebot« und »Die Ente«. GND Wikipedia Porträt
Grillo, Friedrich geboren am: 11-06-1737 in: Wettin gestorben am: 16-07-1802 in: Berlin Verhältnis zu Lessing: nicht bekannt Beschreibung: Klassischer Philologe, Herausgeber und Übersetzer antiker Dichtung. Grillo war Professor der Philosophie am Kadettencorps in Berlin und mit wenigen Beiträgen Mitarbeiter der »Briefe, die Neueste Litteratur betreffend«. Einmal mehr ist es Erich Schmidt, der die harschesten Worte wählt: »Grillo ruinirte die ›Briefe‹ geradezu durch seine so langen wie leeren Recensionen Steinbrüchelscher Übersetzungen […]« (Schmidt I, S. 435). Grillos Leidenschaft galt Pindar, den er herausgab und dessen Werk er sich lebenslang widmete. Er übersetzte bukolische Dichter wie Bion, Longos oder Moschos und vertrat eine konservative Mythen-Auffassung, gegen die sich dann ⭢Herder gerichtet hat. Lessing muss er, einer Briefbemerkung des Bruders ⭢Karl Gotthelf Lessing zufolge, im Frühjahr 1777 in Braunschweig/Wolfenbüttel getroffen haben. Quelle: Avertissement einer neuen Übersetzung der griechischen Klassiker. Berlin 1767. -Idyllen des Bion und Moschus aus dem Griechischen. Berlin 1767.
Großmann, Gustav Friedrich Wilhelm geboren am: 30-11-1746 in: Berlin gestorben am: 20-05-1796 in: Hannover Verhältnis zu Lessing: befreundet Beschreibung: Schauspieler, Schriftsteller und Theaterregisseur. G. studierte Jura und bekam im Anschluss 1767 eine Anstellung als Legationssekretär in Danzig, die er bis 1772 inne hatte. Daraufhin kehrte er nach Berlin zurück und schloss Bekanntschaft mit Lessing und ⭢Nicolai. Eine Aushilfstätigkeit bei ⭢Abel Seyler ließ ihn den Entschluss fassen, fortan als Schauspieler seinen Lebensunterhalt zu verdienen. 1778 – 1784 leitete er zusammen mit Karl Hellmuth das Hoftheater in Bonn und gründete im Anschluss an diese Tätigkeit ein eigenes Ensemble, mit dem er in verschiedenen Städten spielte (hauptsächlich Frankfurt/M., Köln, Münster) und vor allem in Frankfurt/M. große Erfolge erzielte. 1788 wurde G. Direktor des Theaters in Hannover, geriet dort jedoch mehrfach in Konflikt durch die Aufführung herrschaftskritischer Stücke. 1794 wurde er für ein Stück über die Ausbeutung der Bauern, mit dem er die Unfähigkeit der Obrigkeit kritisierte, inhaftiert und erhielt Berufsverbot in den hannoverschen Landen. Bis 1796 trat G. mit seiner Gesellschaft in Bremen auf, wo er mit der finanziellen Unterstützung vermögender Bürger ein Schauspielhaus hatte errichten lassen. Am 3. Feb. 1795 wurde am Hoftheater in Hannover sein Stück »Wer wird sie bekommen?« aufgeführt, in dem Großmann selbst mitspielte und das Publikum durch Sympathie-bekundungen für die französische Revolution gegen sich aufbrachte. G. wurde wegen Majestätsbeleidigung und Gotteslästerung verurteilt, aufgrund einer Schwindsucht-Diagnose jedoch nach 6 Monaten Haft wieder freigelassen, verbunden mit einem Berufsverbot auf Lebenszeit. Er starb am 20. Mai 1796 an den Folgen seiner Krankheit. Großmann war mit Lessing befreundet und schloss 1781 mit ihm eine Wette darüber ab, dass er in drei Tagen ein gutes Schauspiel schreiben könne. Er gewann die Wette mit der Niederschrift seines Stückes »Die Feuersbrunst«, dessen von ⭢Karl Theophil Döbbelin inszenierte Uraufführung anlässlich des Geburtstags von ⭢Herzog Carl I. sehr erfolgreich war. GND ADB/NDB-Link Wikipedia Bibl. Angabe
Gumpertz, Aron Salomo (Emmerich) geboren am: 10-12-1723 in: Berlin gestorben am: 10-04-1769 in: Hamburg Beschreibung: Gumpertz war das älteste Kind des Kaufmanns Salman Gumpertz und seiner Frau Schöne, geborene Ries. Er erhielt qualifizierten Unterricht, unter anderem an der Lehranstalt ⭢Veitel Heine Ephraims beim Rabbiner Israel Samosz (Zamość), einem auch naturwissenschaftlich gebildeten Gelehrten und Wegbereiter der frühen Haskala. Gumpertz studierte Medizin, vermutlich auch im Ausland, sprach mehrere Sprachen und beschäftigte sich intensiv mit mathematischen Fragen. In Berlin arbeitete er als Sekretär sowohl von ⭢Maupertuis wie vom ⭢Marquis d'Agens. 1743 begann seine Korrespondenz mit ⭢Gottsched, dem er 1751 auch seine medizinische Dissertation »De temperamentis« schickte, mit der er im Vorjahr in Frankfurt/O. wohl als erster Jude in Preußen promoviert worden war. ⭢Euler schlug ihn 1749 als Redakteur des im Auftrag der Jüdischen Gemeinde sowie der Akademie der Wissenschaften herausgegebenen »Almanach juif« vor. Seine frühen Studien des Hebräischen setzte Gumpertz u.a. mit einem Metakommentar zu einem der Kommentare des Abraham Esras fort. Er bereiste mehrere europäische Länder (1752–1753), 1761 übersiedelte er nach Hamburg, seine beiden Ehen blieben kinderlos. Lessings Bekanntschaft mit Gumpertz datiert vermutlich schon auf den Beginn seiner Berliner Jahre, vielleicht schon auf 1749. Man vermutet in ihm ein Vorbild für die Figur des Reisenden in Lessings damals begonnenem, aber erst 1754 erschienen Stück »Die Juden«. Ohne ihn namentlich zu nennen, erwähnt Lessing Gumpertz in seiner Schrift »Über das Lustspiel: Die Juden«. Nach Hugh B. Nisbet ist Lessing »Verfasser der 1753 veröffentlichten zustimmenden Rezension einer anonymen Druckschrift, die für jüdische Emanzipation nach dem in Holland und Großbritannien bereits sanktionierten Muster eintrat, das Landbesitz und freie Berufswahl gestattete« und Gumpertz Verfasser eben dieser Schrift (Nisbet S. 95). Gumpertz soll die Schrift sogar auf Anregung Lessings verfasst haben. Gumpertz war Freund, Anreger und Mentor ⭢Mendelssohns und vermittelte offenbar erst dessen Bekanntschaft mit Lessing. GND ADB/NDB-Link Wikipedia
Gundermann [auch Guntelmann od. Guntelwerner], Clara geboren am: 30-11-1649 in: unbekannt gestorben am: 30-11-1649 in: unbekannt Verhältnis zu Lessing: Dienstverhältnis Beschreibung: Hausgehilfin und Dienerin der Familie Lessing spätestens seit dem Umzug ins Wolfenbütteler Meißnerhaus 1776. Nach Lessings Tod wurde sie offenbar zu ihrem Dienstherrn befragt und gab der Legende nach zwei Antworten, die in verschiedenen mundartlichen Varianten überliefert sind, nämlich erstens: »Sau veel weet ick: he harre nist, he wuste nist, un he dochte nist.« Also etwa, er hatte nichts, er glaubte an nichts und er taugte nichts. Die zweite, von Raabe mitgeteilte Äußerung: » ›Ja smöken un schrieben konne he woll, aber tau weiter was he nich tau broken.‹ (Ja, rauchen und schreiben konnte er wohl, aber zu Weiterem war er nicht zu gebrauchen.« Es ist die einzige konkrete Äußerung, nach der Lessing geraucht hätte. Dass er bei den einfachen Leuten Wolfenbüttels nicht immer hoch angesehen war, war sicher eine Folge des Fragmentenstreits.
Häseler, Johann Friedrich Ludwig geboren am: 25-06-1732 in: Braunschweig gestorben am: 26-04-1797 in: Holzminden Verhältnis zu Lessing: Bekannter Beschreibung: Der Theologe und Mathematiker besuchte die Schule in Braunschweig, dann an den Höheren Schulen in Helmstedt und Leipzig. Nach dem Studium wurde er Lehrer am Collegium Carolinum in Braunschweig, 1757 erhielt er eine Pfarrstelle in der Nähe Königslutters, seit 1759 amtierte er an der Johanniskirche in Wolfenbüttel. Häseler wurde 1775 zusätzlich Konsistorialrat in Wolfenbüttel und Abt des Klosters Amelungsborn (bei Holzminden). Nach Holzminden wechselte Häseler dann auch als Inspektor an das Campe-Gymnasium und Generalsuperintendent. Er verfasste Werke über theologische, mathematische, naturwissenschaftliche und ökonomische Themen und war Korrespondent der Königlichen Akademie der Wissenschaften in Göttingen. Häseler zählte offenbar zum engeren Wolfenbütteler Freundes- und Bekanntenkreis Lessings. Im Januar 1773 unterstützte der Bibliothekar Häseler in seiner Bewerbung als Superintendant in Schöningen. Überhaupt schien er den vielfältig interessierten Gelehrten durchaus zu schätzen, las Abschriften seiner Predigten und diskutierte mit ihm Themen wie die Seelenwanderung. GND Wikipedia Porträt
Hagedorn, Christian Ludwig von geboren am: 14-02-1712 in: Hamburg gestorben am: 24-01-1780 in: Dresden Beschreibung: Hagedorn, ein Bruder des Dichters ⭢Friedrich von Hagedorn, studierte Jura in Altdorf (bei Nürnberg), seit 1732 in Jena. Schon zu Studienzeiten galt sein besonderes Interesse der Bildenden Kunst. 1737 trat er als Legationssekretär in den diplomatischen Dienst ein, wurde Legationsrat und war in seiner fünfzehnjährigen Zeit als Diplomat in verschiedenen Gebieten Deutschlands und Österreichs tätig. Er lernte dadurch die Kunstsammlungen deutscher Höfe kennen, erwarb breite Kenntnisse und knüpfte Kontakte zu Fachleuten wie ⭢Winckelmann, ⭢Sulzer oder Salomon Gessner. In dieser Zeit baute er zudem eine eigene Kunstsammlung auf, überwiegend mit deutschen und niederländischen Werken des 17. und 18. Jahrhunderts. Zudem betätigte er sich selbst als praktischer Künstler, vor allem als Landschaftsmaler und Radierer. Drei Jahre nach Beendigung des diplomatischen Dienstes veröffentlichte Hagedorn 1755 mit der »Lettre à un Amateur de la Peinture« einen Katalog seiner Sammlung, die seinen Ruf als Kunstkenner begründete und ⭢Nicolai dazu veranlasste, ihn als Mitarbeiter an der »Bibliothek der schönen Wissenschaften und der freyen Künste« zu engagieren. Bedeutender war Hagedorns Schrift »Betrachtungen über die Mahlerey« (1762), ein weitgefasster Versuch, eine Grundlegung der Geschmacksbildung und eine Anleitung der Kunstproduktion aus dem Studium der Alten Meister zu formulieren. 1763 wurde Hagedorn Geheimer Legationsrat, 1764 Generaldirektor der Sächsischen Kunstsammlungen und der Kunstakademie in Dresden. Das Konzept einer künstlerischen Ausbildung und Entwicklung auf Grundlage des Studiums der Alten konnte er nun auch institutionell verfolgen. Bis mindestens 1774 lieferte er Beiträge zur oben erwähnten ›Bibliothek‹. Nicolai steht über viele Jahre im Briefwechsel mit Hagedorn, Lessing hat sich im »Laokoon« mehrfach auf die »Betrachtungen über die Mahlerey« bezogen, auch in den »Briefen, antiquarischen Inhalts« greift er auf sie zurück, und im September 1768 bittet er Nicolai, ein Exemplar seiner Schrift auch an Hagedorn nach Dresden zu schicken. An Gleim hatte Lessing im Februar 1767 geschrieben: »Ich wünschte selbst, ich wäre mit Ihnen in Dresden gewesen. […] Wäre es auch nur, um den H. von Hagedorn persönlich kennen zu lernen! Alle Welt rühmt ihn, so wie alle Welt in Hamburg mit Entzücken an seinen Bruder denkt«. Vielleicht hat er Hagedorn bei seinem Dresden-Besuch im März 1775 kennengelernt, belegt ist es nicht. Zu diesem Zeitpunkt und konkreter noch Anfang 1776 ist Lessing als Nachfolger des zunehmend erblindenden Hagedorn für die Leitung der Dresdener Kunstsammlungen im Gespräch, eine seiner letzten Versuchungen, vor der Heirat mit ⭢Eva König im Oktober 1776 die Stelle als Herzoglicher Bibliothekar in Wolfenbüttel aufzugeben. GND ADB/NDB-Link Wikipedia Bibl. Angabe Porträt
Hahn, Johann David geboren am: 09-07-1729 in: Heidelberg gestorben am: 09-03-1784 in: Leiden Verhältnis zu Lessing: verwandt Beschreibung: Physiker, Philosoph, Astronom, Mediziner, Botaniker und Chemiker. Bruder von ⭢Johann Georg Hahn, Johann Heinrich Hahn und Eva Catharina Hahn (⭢Eva Catharina Lessing, verw. König), welche nach ihrer ersten Ehe Lessing heiratete. Gemeinsam mit seinen Geschwistern wuchs er als Sohn des Handelsherrn Heinrich Kaspar Hahn und dessen Ehefrau Eva Catharina Gaub in wohlhabenden Verhältnissen auf. Er studierte an der Universität in Leiden und erlangte am 23. Apr. 1751 sowohl den Doktorgrad für Philosophie als auch den für Medizin. 1753 wurde er korrespondierendes Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen und im selben Jahr als Professor für Philosophie, experimentelle Physik und Astronomie an die Universität in Utrecht berufen. Wenige Jahre später wurde er dort 1959 Professor für Medizin, Botanik und Chemie. In den Jahren 1755/56 und 1772/73 hatte er ebenso die Funktion des Rektors inne. Er kehrte 1775 nach Leiden zurück, wo er Professor für praktische Medizin und Chemie wurde bis er sich 1783 aus gesundheitlichen Gründen schließlich endgültig aus dem akademischen Betrieb zurückzog und im Folgejahr starb. Schwager Lessings und persönlich mit ihm bekannt. GND Wikipedia Porträt
Hahn, Johann Georg geboren am: 27-02-1727 in: Heidelberg gestorben am: 30-11-1783 in: unbekannt Verhältnis zu Lessing: verwandt Beschreibung: Kaufmann. Sohn des Kaufmanns Heinrich Kaspar Hahn und dessen Ehefrau Eva Catharina Gaub. Ältester Bruder von ⭢Johann David Hahn, Johann Heinrich Hahn und ⭢Eva Catharina Lessing. Nach dem frühen Tod des Vaters 1738 wurde er als ältester Sohn zur Stütze der Familie. Er erlernte den Beruf des Kaufmanns und führte die väterliche Handlung in Heidelberg fort. Nach dem Tod von ⭢Engelbert König, dem ersten Ehemann seiner Schwester, war er der größte Gläubiger ihrer Fabriken. Schwager Lessings und persönlich mit ihm bekannt. Lessing besuchte ihn und seine Familie 1777. Quelle: Paul Raabe: Eva König. Hamburg 2005.
Haltern, Joseph ben Abraham geboren am: 25-01-1737 in: Altona gestorben am: 05-09-1818 in: Berlin Beschreibung: Oft auch nur als Josef Haltern aufgeführt. Jüdischer Schriftsteller und Übersetzer. Haltern war Kaufmann in Berlin, daneben übersetzte er deutsche Lyrik ins Hebräische, darunter auch Gedichte ⭢Mendelssohns, als dessen Freund und Schüler er gilt. Auch Racines Schauspiel »Esther« übertrug Haltern ins Hebräische. 1777 trifft er in Begleitung Mendelssohns und seiner Frau ⭢Fromet in Wolfenbüttel auf Lessing, mit beiden trägt er sich am 21. Dezember im Besucherbuch der Herzoglichen Bibliothek ein. Quelle: Ernst-Peter Wieckenberg: Einladung ins 18. Jahrhundert. München 1988, S. 74.
Hardenberg, Carl August von geboren am: 31-05-1750 in: gestorben am: 26-11-1822 in: Genua Beschreibung: Der große Staatsreformer studierte Jura in Göttingen, seit 1768, neben den »Belles Lettres«, auch in Leipzig und traf dort offensichtlich auf Lessing. In einer bei Wolfgang Albrecht mitgeteilten autobiographischen Aufzeichnung notiert Hardenberg: »Cursus academicus in Leipzig. […] Umgang – Gellert, Oeser, Ganz, Lessing – Brückner Schausp[ieler].« Lessing hielt sich Anfang Mai rund zwei Wochen in der Messestadt auf. GND ADB/NDB-Link Wikipedia Bibl. Angabe Porträt Quelle: Albrecht, Gespräche 2, S. 206
Hausen, Karl Renatus geboren am: 18-03-1740 in: Leipzig gestorben am: 20-09-1805 in: Frankfurt /O. Verhältnis zu Lessing: Korrespondenzpartner Beschreibung: Historiker, Professor für Philosophie und Geschichte. H. studierte in Leipzig und habilitierte sich dort 1761 zum Privatdozenten. 1765 erhielt er einen Ruf nach Halle und bereits im Folgejahr erneut nach Frankfurt a.d. Oder. Hier hatte er zunächst die Professur für Philosophie inne und wechselte ab 1772 zum Fach Geschichte. Ebenso wurde er Universitätsbibliothekar. Er hatte Kontakt zu Prinz ⭢Maximilian Julius Leopold von Braunschweig und Lüneburg, zu dessen Leben er eine Biografie schrieb. Mit Lessing war Hausen persönlich bekannt. Als Anhänger von ⭢Christian Adolph Klotz war er zeitweilig sein Gegner. GND ADB/NDB-Link Wikipedia Bibl. Angabe
Hausmann, Johann Stephan geboren am: 30-11-1753 in: Braunschweig gestorben am: 24-10-1784 in: Braunschweig Verhältnis zu Lessing: Bekannter Beschreibung: Seit 1779 praktischer Arzt in Braunschweig, 1781 als Nachfolger von Christian Jeremias Rollin Professor der Anatomie am dortigen Anatomisch-chirurgischen Institut. Hausmann veröffentlichte medizinische Schriften und war Mitarbeiter der Allgemeinen deutschen Bibliothek. Die Bekanntschaft mit Lessing ist zwar wahrscheinlich, nähere Zeugnisse aber fehlen. sonst. Link
Heinius, Johann Philipp geboren am: 06-01-1688 in: Kassel gestorben am: 08-08-1775 in: Berlin Beschreibung: Philosoph und Gelehrter, Gymnasialrektor in Berlin, er trat u.a. als Zensor der Literaturbriefe »Literaturbriefe« in Erscheinung. Heinius studierte in Bremen und ging anschließend nach Halle, wo er am reformierten Gymnasium als Professor für Kirchengeschichte und alte Sprachen lehrte. 1729 wurde er in Frankfurt/O. in Theologie promoviert, 1730 wechselte er als Rektor des Joachimthaler Gymnasiums nach Berlin. Im selben Jahr in die Preußischen Akademie der Wissenschaften aufgenommen, war er dort von 1744 bis zu seinem Tod Direktor der Philosophischen Klasse. Heinius hielt Vorlesungen in lateinischer Sprache, vor allem über Cicero, seine Fächer waren Religion, Philosophie, Hebräisch, Latein und römische Altertümer, er schrieb über antike Philosophen wie Anaxagoras und Epikur. ⭢Friedrich II. konsultierte Heinius in Fragen des Schul- und Erziehungswesens. Er galt als ausgesprochen geachteter, kenntnisreicher, anschaulich vermittelnder Lehrer. Bei der zeitgenössischen Philosophie rezipierte er ⭢Gottsched; wie Lessing unterschied er Theologie und Religion. Als Königlicher Zensor war er – ⭢Nicolai behauptet, auf seine Bitte hin – auch für die »Literaturbriefe« zuständig, keine allzu leichte Aufgabe, weil deren Diktion neu war und von nicht Wenigen für provokativ gehalten wurde, wie etwa die Beschwerde des persönlich gekränkten ⭢Johann Heinrich Gottlob von Justi 1762 beim König zeigt. Das durch sie erwirkte Publikationsverbot – Lessing war bereits in Breslau – galt allerdings nur wenige Tage. Obwohl zu lesen ist, dass auch ⭢Mendelssohn bei Heinius hörte, scheint es zu keiner näheren Bekanntschaft zwischen ihm und Lessing gekommen zu sein. GND Wikipedia sonst. Link Porträt Quelle: Bibliotheca Docet. Herausgeber: Siegfried Joost, Carl Wehmer. 1963
Heinse, Johann Jacob Wilhelm Pseudonym: eigentl. Heintze geboren am: 15-02-1746 in: Langewiesen, b. Ilmenau gestorben am: 22-06-1803 in: Aschaffenburg Verhältnis zu Lessing: befreundet Beschreibung: Schriftsteller, Übersetzer und Bibliothekar. 1766 begann er in Jena ein Jurastudium, wobei sich jedoch schnell herausstellte, dass sein Hauptinteresse der Literatur galt. Er folgte zwei Jahre später seinem Lehrer ⭢Friedrich Justus Riedel nach Erfurt, der ihn zum einen beim Studium unterstützte, zum anderen aber auch Heinses Hilfe beim Verfassen seiner Pamphlete in Anspruch nahm. Durch ⭢Riedel lernte Heinse ⭢Christoph Martin Wieland kennen. Auf dessen Fürsprache hin erfolgte die Aufnahme in den »Halberstädter Dichterkreis« durch ⭢Johann Wilhelm Ludwig Gleim. Nach einer Hofmeisterstelle bei der Familie von Massow wurde Heinse im April 1774 Redakteur der Damenzeitschrift ›Iris‹ der ⭢Brüder Jacobi. Seinen literarischen Durchbruch erlangte er mit der Veröffentlichung seiner Briefe »Über einige Gemälde der Düsseldorfer Galerie« im »Teutschen Merkur«. In seinem wohl bekanntesten Werk »Ardinghello« verarbeitet Heinse Eindrücke seiner Italienreise, die er im Juli 1780 angetreten hatte, und eröffnet Lesern damit 30 Jahre vor der Veröffentlichung von Goethes »Italienischer Reise« einen neuen Blick auf Italien. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland wurde er 1786 Vorleser von Kurfürst Friedrich Karl Joseph von Erthal, leitete die erzbischhöfliche Bibliothek, bekam den Titel eines Hofrats und wurde zum Professor befördert. Nach der Besetzung durch französische Truppen, flüchtete der kurfürstliche Hof nach Aschaffenburg. Dort verbrachte auch Heinse seine letzten Lebensjahre und leitete die Privatbibliothek des Erzbischofs. Zu seinen Freunden zählten u.a. ⭢Goethe und ⭢F.M. Klinger. GND ADB/NDB-Link Wikipedia Bibl. Angabe Porträt
Helms, Johann Christian geboren am: 30-11-1649 in: unbekannt gestorben am: 30-11-1649 in: unbekannt Beschreibung: Vor, während und nach Lessings Bibliothekariat, von 1742 bis 1784, Diener an der Herzoglichen Bibliothek und neben ⭢Cichin, mit dem er chronisch zerstritten war, einziger fester Mitarbeiter Lessings. »Der Bibliotheksdiener Johann Christian Helms«, so Mechthild Raabe in ihrer instruktiven Abhandlung »Wolfenbütteler Schulalltag« und »Schülerlektüre in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts« — »war das Faktotum für alles. Er war für den Zustand des Hauses verantwortlich, musste für saubere Aufstellung der Bücher sorgen, Gäste empfangen und Führungen durch die Säle und Kabinette übernehmen. Helms war über 40 Jahre in der Bibliotheca Augusta tätig und galt als besonders zuverlässiger und anstelliger Mitarbeiter, an den sich in späteren Jahren sogar auswärtige Wissenschaftler mit schriftlichen Anfragen wandten.« Allerdings hätte Helms, so Raabe weiter, »seine langjährige Vertrauensstellung offensichtlich dazu ausgenutzt, »seine Bibliothek« seinesgleichen und vor allem den Schülern der Großen Schule, zu denen auch seine Söhne zählten, zu öffnen«, sehr zum Missfallen Cichins. Quelle: Literatur: Mechthild Raabe, Wolfenbütteler Schulalltag und Schülerlektüre, in: Aufklärung, Bd. 6, H. 1: Lesekulturen im 18. Jahrhundert (1992), S. 5-26.
Hempel ⭢Karsch, Caroline Luise, geboren am: 30-11-1649 in: unbekannt gestorben am: 30-11-1649 in: unbekannt
Hennings, August Adolph Friedrich von geboren am: 19-07-1746 in: Pinneberg gestorben am: 17-05-1826 in: Rantzau Verhältnis zu Lessing: Bekannter Beschreibung: Der Bruder von ⭢Christiana Sophia Louise Reimarus, Diplomat und Staatsbeamter, Schriftsteller und Publizist, 1772-1774 dänischer Legationssekretär in Berlin, 1775-1776 Charge d‘affaires in Dresden, dann Mitglied des Commerzkollegiums in Kopenhagen, 1787 Amtmann in Plön, 1807 Administrator der Grafschaft Rantzau, 1815 geadelt zum Freiherrn und Ritter von Dannebrog. Der dänisch-schleswig-holsteinische Politiker war nebenbei Schriftsteller und Publizist. Während seines Jurastudiums machte er Bekanntschaft mit ⭢Klopstock, später in Berlin auch mit ⭢Mendelssohn. Er war als Herausgeber zahlreicher Zeitschriften tätig, in denen namhafte Literaten der Aufklärungszeit publizierten, wurde von ⭢Goethe in seinen »Xenien« als naiver Optimist verspottet. Ein direktes Treffen mit Lessing fand im Januar 1776 in Dresden statt, wo Hennings den Dichter mit allen Ehren empfing und mit ihm vorwiegend philosophische Themen diskutierte. Das Treffen wird von Hennings ausführlich in einem Brief an seine Schwester Sophia Reimarus beschrieben. Der vollständig erhaltene, von Wilhelm Wattenbach veröffentlichte, Briefwechsel beider Geschwister, erwähnt mehrere Besuche Lessings bei Sophia Reimarus. GND ADB/NDB-Link Wikipedia Bibl. Angabe sonst. Link Porträt
Herz, Naphtali Marcus geboren am: 17-01-1747 in: Berlin gestorben am: 19-01-1803 in: Berlin Verhältnis zu Lessing: befreundet Beschreibung: Jüdischer Arzt und Philosoph in Berlin. Seine Eltern schickten den jungen Mann 1762 zur Ausbildung als Kaufmann nach Königsberg, Herz brach die Lehre indes ab, schrieb sich 1766 an der Albertina für Medizin und Philosophie ein und hörte u.a. bei Kant. Auch das Studium musste er abbrechen, in diesem Fall aus finanziellen Gründen. Von Kant, zu dessen Lieblingsschülern Herz gezählt wird, mit einem Empfehlungsschreiben an ⭢Mendelssohn versehen, von diesem wiederum an David Friedländer vermittelt, beendete er das Studium in Halle als promovierter Mediziner. In Berlin arbeitet Herz am Jüdischen Hospital und wurde 1782 dessen Direktor. Seine Vorlesungen über Medizin, Philosophie und Experimentalphysik fanden so prominente Hörer wie die Brüder von Humboldt oder manches Mitglied der Königlichen Familie. Später wurde Herz Leibarzt des Friedrich Karl August von Waldeck-Pyrmont, eine Aufnahme in die »Königlich Preußische Akademie der Wissenschaften« wurde ihm als Jude indes verweigert. Er war verheiratet mit der Portugiesin Henriette de Lemos, beide führten einen der aufregendsten Berliner Salons, Treffpunkt zahlreicher Freunde und Prominenter aus Politik und Kultur, zu denen ⭢Ramler, Moritz, ⭢Johann Jacob Engel und auch Lessing gehörten. Von Henriette Herz erfahren wir, dass Herz und Lessing befreundet waren, ihr Mann, so Henriette in ihren von Julius Fürst herausgegebenen Erinnerungen, in Lessing »den größten Kritiker der Deutschen […] achtend, wies selbst in der schönen Literatur alles zurück, was nicht mit Lessingscher Klarheit und Durchsichtigkeit geschrieben war.« GND ADB/NDB-Link Wikipedia Bibl. Angabe sonst. Link Porträt
Heusinger, Conrad geboren am: 02-08-1752 in: Wolfenbüttel gestorben am: 12-01-1820 in: Wolfenbüttel Verhältnis zu Lessing: Bekannter Beschreibung: Sohn des ⭢Jacob Friedrich Heusinger. Nach der Schulzeit an der Großen Schule in Wolfenbüttel studierte er zunächst 1769 in Helmstedt, später in Göttingen, dort vor allem bei ⭢Christian Gottlob Heyne, um Pädagoge zu werden. Anschließend war er fünf Jahre lang als Hauslehrer tätig. Ab 1778 Konrektor in Wolfenbüttel, unter seiner Leitung soll die Schule erneut zur Blüte gekommen sein, außerdem zeichnete er sich durch die Verwendung einer fortschrittlichen Pädagogik aus. 1790 folgte er einem Ruf als Direktor des Katharineums in Braunschweig. Heusinger war Herausgeber mit ⭢Joachim Heinrich Campe, ⭢Johann Stuve und ⭢Ernst Christian Trapp des »Braunschweigischen Journals«. Peter Albrecht bezeichnet Conrad Heusinger als Freund Lessings, ohne indes entsprechende Dokumente zu bieten. Bekannt in der Lessing-Forschung wurde Heusinger durch ein Gedicht auf Lessings Tod, das, wie ⭢Leisewitz Ende Februar 1781 notiert, »der Herzog [Carl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig und Lüneburg] […] nicht hatte in der Zeitung haben wollen«, vermutlich, weil es die berühmte Passage über den Besitz der Wahrheit aus Lessings »Duplik« versifiziert, und der Erbprinz keine Erinnerung an den Fragmentenstreit dulden wollte. Tatsächlich traf Heusingers Gedicht, als anonymer Einzelblattdruck veröffentlicht, auf mehrere ablehnende Reaktionen der Lessing-Gegner und führte zu einer (auch dokumentierten) Kontroverse zwischen dem Verfasser und dem Woltershausener Pastor Georg Ludwig Heinrich Spohr. GND Wikipedia
Heusinger, Jacob Friedrich geboren am: 11-04-1719 in: Useborn gestorben am: 27-09-1778 in: Wolfenbüttel Verhältnis zu Lessing: Bekannter – Bibliotheksbenutzer Beschreibung: Pädagoge und klassischer Philologe. Heusinger wuchs bei seinem Onkel, dem Philologen Johann Michael Heusinger (1690 – 1751) auf, dessen Studien zu antiken Autoren seinen Lebensweg prägen. In Jena studierte er Philologie und Theologie, erwarb dort 1748 die Magisterwürde und hielt philologische Vorlesungen. 1750 wechselte er als Konrektor an das Gymnasium Große Schule nach Wolfenbüttel, dessen Rektor er 1759 wird. Heusinger beschäftigte sich überwiegend mit griechischer Literatur. Lessing lernte den altertumskundigen Philologen bald nach seiner Ankunft in Wolfenbüttel kennen und schätzte Gelehrsamkeit und Interessenvielfalt des gelehrten Schulmannes, er unterrichtete in griechischer und lateinischer Dichtkunst, Theologie, Philosophie, aber auch in Arithmetik und Geschichte. Neben dem Unterricht beschäftigte Heusinger sich als ebenso fleißiger wie dankbarer Benutzer der Herzoglichen Bibliothek mit der Herausgabe und Kommentierung antiker Texte, über Jahre befasste er sich vor allem mit den mittelalterlichen Gudischen Handschriften. Für sein Hauptwerk, die Edition einer Neuausgabe von Ciceros »De officiis«, das auf Vorarbeiten des oben erwähnten Onkels zurückgeht, konnte er zahlreiche Manuskripte und Drucke nutzen, das Werk erschien allerdings erst Jahre nach seinem Tod. Lessing gewann Heusinger auch zur Mitarbeit an seiner Bibliothekszeitschrift »Zur Geschichte und Litteratur«, bekannte, seine Einsichten im »Felde der alten Litteratur und Kritik« häufig zu Rate gezogen zu haben und bedachte Heusinger in zahlreichen Briefen. GND Quelle: Literatur: Mit Lessing unterwegs
Heydrich, Carl Gottlieb geboren am: 21-12-1714 in: Reibersdorf bei Zittau gestorben am: 20-11-1788 in: Wien Beschreibung: Der Sohn eines Landarztes und Theaterliebhabers wuchs in Markersdorf auf. 1734 begann er ein Medizinstudium in Jena, wurde aber unwiderstehlich von der Bühne angezogen und gesellte sich zur ⭢Neuberschen Truppe. Seine schauspielerische Laufbahn begann in Hamburg; Heydrich spielte in verschiedenen Schauspieltruppen, so bei ⭢Schönemann und ⭢Schröder, kehrte aber nach zwischenzeitlicher Bühnenabstinenz und dem frühen Tod seiner Frau, der Schauspielerin Philippine Tümler, zur Neuberin zurück. Zu seinen Kollegen zählten u.a. ⭢Konrad Ekhof und ⭢Sophie Charlotte Ackermann. 1748 ging er von Leipzig nach Wien, wo er fast 30 Jahre, zunächst in jugendlichen, später in Väterrollen wirkte. 1777 beendete er seine Schauspiellaufbahn und bezog als erster Hofschauspieler eine Pension. Wie ⭢Karl Gotthelf Lessing berichtet, zählte Heydrich 1747 zum Leipziger Ensemble der Neuberin: »die vorzüglichsten Schauspieler, Heydrich, Koch, Bruck und Brückner, hatten […] Antheil an seiner [Lessings] Gesellschaft. Er hielt es nicht für klein, von ihnen zu lernen, was man aus keinem Buche lernt, und doch wissen muß, wenn man von der Aufführung eines Stückes richtig urtheilen will.« Auch Lessings Jugendfreund ⭢Ossenfelder erwähnt Heydrich im Februar oder März 1748 neben anderen Mitgliedern der Leipziger Kompanie in einem langen Theatergedicht an den in Kamenz weilenden Freund; Lessing selbst erwähnt den Schauspieler beiläufig in seiner Plautus-Abhandlung. GND ADB/NDB-Link Porträt Quelle: Albrecht, Gespräche 2, S. 39
Hiller [bis 1763 Hüller], Johann Adam geboren am: 25-12-1728 in: Wendisch Ossig bei Görlitz gestorben am: 16-06-1804 in: Leipzig Beschreibung: Leipziger Musiker und Komponist, Schriftsteller und Übersetzer, 1781 Gewandhauskapellmeister. Bis 1745 besuchte der Sohn eines Lehrers und Gerichtschreibers das Görlitzer Gymnasium, wechselte dann an die Kreuzschule in Dresden, wo er beim Bach-Schüler G. A. Homilius Klavier und Generalbass lernte. 1751 ging er nach Leipzig und studierte dort bis 1754 Jura und Geschichte. Zu seinen Lehrern zählte u.a. der Historiker ⭢Christian Gottlieb Jöcher. Außerdem stand er in Verbindung mit ⭢Gottsched und ⭢Gellert. 1754 wurde er Hauslehrer Heinrichs von Brühl, 1759 gründete er in Leipzig die erste deutsche Musikzeitschrift »Der musikalische Zeitvertreib«. Hiller nahm die im Siebenjährigen Krieg unterbrochene Tradition des »Großen Konzertes« wieder auf, gab eine weitere Musikzeitschrift heraus, leitete seit 1771 eine Singschule, gründete 1775 die »Musikübende Gesellschaft« und wurde 1781 erster Gewandhauskapellmeister. Zwischenzeitlich Hofkapellmeister des Herzogs von Kurland in Mitau, kehrte er 1786 nach Leipzig zurück und war Thomaskantor zwischen 1789 und 1801. Die Bekanntschaft mit Lessing ist wahrscheinlich, wird aber nur durch ein Dokument gestützt; am 20. Febr. 1775 schreibt ⭢Johann Martin Miller an ⭢J. H. Voß: »Heute sah ich Lessing noch einmal in Hillers Concert; er sieht gar pfiffig aus, aber doch sehr angenehm. Hiller sagt, daß er sich aus der Musik nichts mache. Alle sprechen ihm auch den geringsten Grad von Freundschaft und Empfindung ab.« (D, S. 339) Hiller schrieb auch die Musik zum 1768 entstandenen und 1770 aufgeführten Singspiel »Die Jagd« von Lessings Jugendfreund ⭢Ch. F. Weiße, worüber ⭢K. G. Lessing dem Bruder am 22. Juni 1771 berichtet. GND ADB/NDB-Link Wikipedia Bibl. Angabe Porträt
Hirsch(el), Abraham geboren am: 30-11-1649 in: unbekannt gestorben am: 30-11-1649 in: unbekannt Beschreibung: Der Berliner Schutzjude, Finanzier und Juwelier in der Heiliggeiststraße war 1750 in einen Aufsehen erregenden Prozess mit ⭢Voltaire verwickelt. Beide hatten illegale Spekulationen mit sächsischen Wertpapieren, sogenannten Steuerscheinen, betrieben, und sich später gegenseitig des Betrugs beschuldigt. Über den Ausgang des Prozesses kursieren unterschiedliche Auskünfte; von einem Vergleich zugunsten Hirschels ist ebenso die Rede wie vom Verlust nicht nur von Geld und Gut, sondern auch des Titels eines sächsischen Hoffaktors. Sein Name war Lessing, der Voltaires Gerichtseingaben zu übersetzen hatte, im gegebenen Kontext zweifellos ein Begriff, die persönliche Bekanntschaft hingegen ist unwahrscheinlich.
Höfer, Johann Gottfried geboren am: 23-05-1719 in: Altengesees gestorben am: 16-01-1796 in: Braunschweig Verhältnis zu Lessing: Bibliotheksbenutzer Beschreibung: Höfer studierte Theologie und Philosophie und wurde in Göttingen promoviert. Zunächst Hauslehrer in Halle und Magdeburg, fand er 1746 Anstellung als Hofmeister am Collegium Carolinum. Ab 1753 hatte er das Amt des Kanonikus am St. Cyriakusstift inne und wurde dort 1767 zum Rat sowie 1782 zum Dekan ernannt. Außerdem arbeitete er seit 1753/54 als Sekretär am Herzoglichen Kunst- und Naturalienkabinett. 1765 wurde er von ⭢Herzog Karl I. beauftragt, aus der Wolfenbütteler Bibliothek und dem Schloss Exponate für das Naturalienkabinett auszuwählen und erhielt bei dieser Tätigkeit Lessings Unterstützung; die Korrespondenz zwischen beiden (Lessings Briefe sind verschollen) behandelt einschlägige Themen. sonst. Link
Hoym, Carl Ludwig Anton von geboren am: 30-11-1738 in: unbekannt gestorben am: 30-11-1797 in: unbekannt Verhältnis zu Lessing: Bekannter – Bibliotheksbenutzer Beschreibung: 1777 Direktor der Justizkanzlei in Wolfenbüttel, später herzoglich braunschweigischer Vizekanzler in Wolfenbüttel. Als Freimaurer war Hoym Mitglied der Braunschweiger Logen "Jonathan zum Pfeiler" und "Zur gekrönten Säule". Onkel von ⭢Adolph Franz Friedrich Ludwig Freiherr von Knigge, der ihn in Wolfenbüttel mehrfach besuchte und ihm 1780 seine Theaterstücke widmete. Die Bekanntschaft mit Lessing ist wahrscheinlich, da Hoym für die Gehaltszahlungen des Bibliothekars zuständig und Benutzer der Herzoglichen Bibliothek war. (nach anderer Quelle: 1790 unverheiratet in Blankenburg gestorben)
Huber, Michael geboren am: 27-09-1727 in: Loitersdorf bei Frontenhausen gestorben am: 15-04-1804 in: Leipzig Beschreibung: Über die Jugend des Schriftstellers, Übersetzers und Kunstwissenschaftlers ist nichts bekannt. Aufgewachsen in einem niederbayerischen Marktflecken lebte er um 1745-1766 in Paris, fand dort seine geistige Heimat, war ein Vermittler der deutschen und französischen Kultur, und ging 1766 als Französischlektor an die Leipziger Universität. Huber lebte seit etwa 1750 im Umkreis der Enzyklopädisten in Paris, wo er als Sprachlehrer, Übersetzer und Mitarbeiter des »Journal Étranger« tätig war. Er machte sich durch Übersetzungen deutscher Autoren ins Französische verdient, darunter Gessners »Der Tod Abels« (1759) und »Idyllen« (1762), 1775 folgten ⭢Christian von Hagedorns »Betrachtungen über die Mahlerey«,⭢Winckelmanns »Geschichte der Kunst des Alterthums« (1781) oder innerhalb seiner »Choix de poésies allemandes« (4 Bde., Paris 1766) Werke von Lessing, von ⭢Gleim, der ⭢Karschin, ⭢Klopstock, ⭢Uz, ⭢Wieland und anderen. Sein in Leipzig verfasstes Hauptwerk »Handbuch für Kunstliebhaber und Sammler über die vornehmsten Kupferstecher und ihre Werke« (9 Bde., 1796–1804) erschien, von den Leipziger Kunsthändlern C. Ch. H. Rost und C. G. Martini aus dem französischen Manuskript übersetzt und geringfügig bearbeitet, nicht mehr zu Lebzeiten. Hubers Haus war ein Mittelpunkt gastlicher Leipziger Kultur, sein Sohn, Ludwig Ferdinand Huber, folgte als Schriftsteller und Übersetzer der väterlichen Spur. Vor allem im Briefwechsel mit ⭢F. Nicolai zeigt sich Huber als aufmerksamer und kritischer Leser Lessings, er beurteilt »Laokoon«, »Minna von Barnhelm« oder die »Hamburgische Dramaturgie« differenziert und ausgesprochen kritisch. Die eher frankreichunfreundliche Haltung der deutschen Aufklärer, namentlich Lessings vehemente Ablehnung der Dramen ⭢Voltaires lässt ihn umso mehr als »Parteigänger der Franzosen« argumentieren. Huber, Nicolai und Lessing treffen 1768 während der Leipziger Ostermesse zusammen und natürlich diskutieren sie über die französische Literatur. GND ADB/NDB-Link Wikipedia Bibl. Angabe Porträt
Hundertmark, Karl Friedrich geboren am: 11-04-1715 in: Zeitz gestorben am: 08-05-1762 in: Leipzig Beschreibung: Ersten Unterricht erhielt Hundertmark bei seinem Vater, einem Mediziner sowie von Privatlehrern. Ab 1728 besuchte er das Zeitzer Gymnasium, mit 18 begann er in Leipzig das Studium der Philosophie. Er wohnte bei einem seiner Lehrer, Johann Friedrich Menz, und konnte dessen Bibliothek nutzen. Nach dem Magisterabschluss 1737 studierte er Medizin. Praktische Erfahrungen sammelte er bei seinem Vater. Nach dessen Tod kehrte Hundertmark 1739 nach Leipzig zurück, wurde in Medizin promoviert und arbeitete als Privatdozent. Sowohl durch seine Schriften wie durch die Anschaulichkeit seines Unterrichts erwarb er sich einen guten Ruf. 1748 außerordentlicher Professor der Medizin, 1754 ordentlicher der Physiologie, Anatomie und Chirurgie. Im Wintersemester 1759 war Hundertmark zudem Rektor. Mindestens eine Zeitlang scheint der junge Lessing Chemie bei Hundertmark gehört zu haben, wie dieser zumindest selbst berichtet. ⭢K. G. Lessing schreibt, gegenüber seinem Freund ⭢Weiße habe Lessing bekundet, Medizin studieren zu wollen: »er habe ein Paar Collegia gefunden, in denen er etwas Neues gehört zu haben glaube. Dies waren Chemie und Botanik bey dem D. Hundertmark.« Er fügt hinzu: »Sein Eifer erkaltete aber auch hier geschwind; denn es war ihm nie rechter Ernst damit.« (D, S. 24) Tatsächlich aber erlangte Lessing den Magistergrad 1752 in Wittenberg in der Medizin. GND Wikipedia Porträt
Jacobi, Friedrich Heinrich (Fritz) geboren am: 25-01-1743 in: Düsseldorf gestorben am: 10-03-1819 in: München Beschreibung: Er beschäftigte sich schon sehr früh mit religiösen Problemen. Doch sein Vater hatte für ihn eine Kaufmannslehre vorgesehen. Jacobi selbst hatte sich erhofft Medizin zu studieren. Nach seiner 3-jährigen Lehre in Genf übernahm er zusammen mit dem Vater das Geschäft in Düsseldorf. Er leitete das Geschäft von 1764-1772. Danach wurde er zum Hofkammerrat in Jülich und Berg berufen. Seine wirtschaftlichen Tätigkeiten scheiterten jedoch, weil er nicht kompromissbereit war. Doch durch sein Vermögen konnte er sich von den Geschäften im Laufe seines Lebens immer weiter zurückziehen. In seinen philosophischen Überlegungen beschäftigt er sich mit der Existenz Gottes. Nachdem er Freundschaften zu den anakreontischen Dichtern um seinen Bruder aufgebaut hatte, u.a. ⭢Gleim, begann er seine Schriften zu veröffentlichen. Auch Goethe ermunterte ihn dazu, nachdem sie einander bekannt geworden waren. Er begann sogar philosophische Romane zu verfassen. Der Durchbruch gelang ihm jedoch erst als er seine Briefe mit ⭢Mendelssohn über die Frage, ob Lessing als ein Spinozist anzusehen sei, unter dem Titel »Briefe über die Lehre des Spinoza« 1785 veröffentlichte. Er weist sich als Kenner des Spinozismus aus und sorgte mit seiner Schrift für die sog. »Spinozarenaissance«. Im Zuge dieser entbrannte eine Diskussion über die richtige Deutung der Spinoza-Ethik. Neben eigenen verfassten Schriften positionierte er sich auch in der Auseinandersetzung zwischen den Kantianern, zwischen ⭢Fichte, ⭢Schelling und Hegel. Er nahm mit seiner Schrift »Über das Unternehmen des Kriticismus die Vernunft zu Verstande zu bringen« die Gegenposition zu Kant ein. Sein Vater hatte ihm das Gut Pempelfort vermacht und durch seine Frau Helene Elisabeth (Betty) von Clermont wurde es zu einem »Zentrum geistigen Austauschs«. Außerdem unterhielt Jacobi eine Korrespondenz mit vielen bedeutenden Geistern seiner Zeit. Nach einem finanziellen Einbruch, lud ihn der bayerische Minister Heinrich Schenk ein, am Aufbau der »Bayerischen Akademie der Wissenschaften« mitzuwirken. Nach seiner Aufnahme in diese wird er 1805 ihr erster Präsident. Durch seine Eröffnungsrede begann er eine philosophische Auseinandersetzung mit Schelling, welche nicht unbeteiligt an seiner Versetzung in den Ruhestand 1812 war. Obwohl er immer mehr an Wichtigkeit im philosophischem Diskurs verlor, überarbeitete er seine Schriften stetig bis zu seinem Tod. Jacobi und Lessing lernten sich im letzten Jahrzehnt von Lessings Leben kennen. Er schickte Lessing ein Exemplar seines Buches »Woldemar« und dieser ermutigte ihn, seinen schriftstellerischen Tätigkeiten nachzugehen. Jacobi bat Lessing darauf hin, ob er ihn besuchen könne und tat dies auch vom 5.-11. Juli 1780 gemeinsam mit seiner Halbschwester Helene. In dieser Zeit führten Jacobi und Lessing Gespräche über den Spinozismus. Jacobi plante außerdem eine Reise mit Lessing nach Berlin und Sachsen, doch diese kam nie Zustande. Nach Lessings Tod unterrichtet Jacobi Mendelssohn davon, dass Lessing ein Anhänger des Spinozismus sei, so habe es ihm Lessing selbst bestätigt. Jacobi erfuhr von ⭢Elise Reimarus, dass Mendelssohn ein Porträt von Lessing plante und wollte ihn von seinen Gesprächen mit Lessing in Kenntnis setzen. Er schickte Mendelssohn sein Manuskript über die Gespräche mit Lessing. Doch als er erfuhr, dass Mendelssohn plante, eine Erwiderung auf sein Manuskript zu veröffentlichen, wollte er ihm zuvorkommen. Er veröffentlichte nicht nur die Gespräche mit Lessing, sondern auch die Briefe zwischen ihm und Mendelssohn, ohne ihn vorher um Erlaubnis gebeten zu haben. Nachdem er seinen Bericht veröffentlicht hatte, zeigten sich Vertraute von Lessing sehr überrascht. Doch der Bericht weist einige Indizien auf, die darauf hindeuten, dass Jacobis Bericht authentisch und wortgenau ist. Das heißt jedoch nicht, dass Lessing tatsächlich ein Anhänger des Spinozismus war. Es ist nicht zu verneinen, dass Spinoza mit seinen philosophischen Überlegungen Einfluss auf Lessing und seine Schriften hatte. Sie stehen jedoch weit hinter Leibniz und wiegen im Vergleich nicht so viel. Enge Vertraute Lessings erkennen in seinen Äußerungen, dass er die Rolle des Advocatus-diaboli angenommen hatte. Er hatte die Tendenz in Gesprächen eine andere Position als sein Gegenüber einzunehmen und ihn so dazu zu bringen, für seine Position stärker zu argumentieren. Er war kein Spinozist, sondern hatte eine ironische Haltung in dem Gespräch, was Jacobi nicht verstand und davon ausging, dass Lessing tatsächlicher überzeugter Spinozist gewesen ist. Lessing hatte so eine Debatte schon mit Joachim Wilhelm von Brawe geführt und auch in dieser Debatte die Rolle des Advocatus-diaboli eingenommen. Außerdem besteht das Gespräch nur aus Monologen von Jacobi, in denen er seine Interpretation der spinozistischen Philosophie erklärt und Lessings Einwürfen, teils ironisch, teils herausfordernd, um Jacobi dahin zu bewegen, seine Position noch besser zu begründen und darüber nachzudenken. „Lessings Bekenntnis zu Spinoza Jacobi gegenüber wird als situationsgebunden und perspektivisch gebrochen relativiert.“ (Fick, S. 481) GND ADB/NDB-Link Wikipedia Bibl. Angabe Porträt
Jerusalem, Carl Wilhelm geboren am: 21-03-1747 in: Wolfenbüttel gestorben am: 30-10-1772 in: Wetzlar Verhältnis zu Lessing: befreundet Beschreibung: Der Sohn des Abts ⭢Johann Friedrich Wilhelm Jerusalem wurde 1747 in Wolfenbüttel geboren und besuchte 1760-1765 das in seinen Lehrinhalten von seinem Vater mit entwickelte »Collegium Carolinum« in Braunschweig. In Leipzig, wo er Rechts- und Staatswissenschaft, Philosophie und Poesie studierte, lernte er ⭢Goethe kennen. Nach vier Semestern wechselte Jerusalem 1769 nach Göttingen und wurde 1770 Assessor an der Justizkanzlei in Wolfenbüttel, wo er mit Lessing zusammentraf und ihm, wie dieser schrieb, »seine Freundschaft schenkte«. Im September 1771 ging Jerusalem ans Reichskammergericht in Wetzlar und traf erneut mit Goethe zusammen. Probleme in der beruflichen Umgebung und eine unglückliche Liebe bestärkten seine suizidalen Gedanken. In der Nacht vom 29. zum 30. Oktober 1772 erschoss sich Jerusalem in seiner Wetzlarer Wohnung am Schillerplatz. Bekanntlich wurde Jerusalems Tat eine entscheidende Anregung für Goethes »Die Leiden des jungen Werthers«, bis in solche Details wie einer auf dem Tisch aufgeschlagenen Ausgabe der »Emilia Galotti«. Bewegt über den Tod seines jungen Freundes beklagt Lessing in einem Brief an ⭢Eschenburg vom 26. Okt. 1774 Goethes künstlerische Adaption des Geschehens. Seine Art des Freundschaftsbeweises war die Herausgabe der »Philosophischen Aufsätze« Jerusalems im Jahr 1776 mit einer durchaus persönlich gehaltenen Vorrede. GND Wikipedia Porträt
Jerusalem, Friederike Magdalene geboren am: 04-04-1750 in: Braunschweig gestorben am: 15-04-1836 in: Stift Wülfinghausen Verhältnis zu Lessing: Bekannte Beschreibung: Über das Geburtsjahr kursieren konkurrierende Angaben (1750, 1756, 1759). Die Tochter von ⭢Abt und ⭢Martha Christina Jerusalem lebte bis zum Tod des Vaters 1789 im Elternhaus, wo sie neben Lessing Zeitgenossen wie ⭢Lavater, ⭢J. G. Zimmermann oder dem ⭢Grafen Stolberg begegnete. Sie veröffentlichte Natur- und Liebesgedichte nach dem Vorbild des Göttinger Hains, insbesondere ⭢Ludwig Höltys, die u.a. 1783 und 1787 im »Göttinger Musenalmanach« und im »Vossischen Musenalmanach« erschienen. Nach dem Tod des Vaters lebte sie bis zu ihrem Tod im Stift Wülfinghausen. GND Wikipedia sonst. Link
Jerusalem, Johann Friedrich Wilhelm Pseudonym: geboren am: 22-11-1709 in: Osnabrück gestorben am: 02-09-1789 in: Braunschweig Verhältnis zu Lessing: Bekannter Beschreibung: Der protestantische Theologe, oft auch Abt Jerusalem genannt, studierte in den Jahren 1727-1731 in Leipzig Theologie, orientalische Sprachen und Philosophie. Nach mehrjährigen Auslands-aufenthalten in Holland und England sowie Tätigkeiten als Hofmeister in Göttingen (1734) und Hauslehrer in Hannover kam er 1742 an den Braunschweiger Hof und wurde Erzieher des Erbprinzen ⭢Carl Wilhelm Ferdinand, später auch des Prinzen ⭢Leopold. In Braunschweig hatte er zudem das Amt des Hofpredigers inne. 1749 als Abt nach Marienthal berufen, wechselte Jerusalem 1752 an die Abtei Riddagshausen. Berufungen nach Bergen und Magdeburg durch ⭢Friedrich II. sowie nach Göttingen schlug er aus. Er hatte als Berater von Carl I. erheblichen Einfluss auf die Bildungspolitik des Herzogtums und war Anreger wie Mitbegründer des sogenanten Collegiums Carolinum, einer universitär ausgerichteten Bildungsanstalt und Frühform der Hochschule. Als Neologe zählt Jerusalem vor allem mit seinem unvollendet gebliebenen Hauptwerk »Betrachtungen über die vornehmsten Wahrheiten der Religion« zu den führenden Vertretern der Aufklärungstheologie, die er über fast vier Jahrzehnte im Herzogtum Braunschweig vermittelte. Lessing war gut mit ihm bekannt, mit dem Sohn ⭢Carl Wilhelm Jerusalem auch befreundet. Trotz ihrer unterschiedlichen Haltung in theologischen Fragen stand der tolerant gesinnte Abt dem Dichter wohlwollend gegenüber, so zählen beide, gemeinsam mit ⭢Christian Friedrich Krull, zu den Mitbegründern des »Großen Klubs« in Braunschweig. GND ADB/NDB-Link Wikipedia Bibl. Angabe Porträt
Jerusalem, Martha Christina geb. Pfeiffer, verwitwete Albrecht geboren am: 30-11-1708 in: Erfurt gestorben am: 30-11-1777 in: unbekannt Verhältnis zu Lessing: Bekannte Beschreibung: Die Tochter des Seniors Johann Lorenz Pfeiffer zu Erfurt (1662-1743) und Witwe des Göttinger Professors der Anatomie und Botanik Johann Wilhelm Albrecht (1703-1736) heiratete 1742 den gleichaltrigen ⭢Abt Johann Friedrich Wilhelm Jerusalem. Die Ehe war, so wird berichtet, ausgesprochen glücklich, Martha Christina brachte vier Töchter und einen Sohn zur Welt. Durch ihren Mann war sie mit Lessing und seiner Frau vermutlich persönlich bekannt.
Jester, Friedrich Ernst geboren am: 09-10-1743 in: Königsberg gestorben am: 14-04-1822 in: Königsberg Verhältnis zu Lessing: Bekannter Beschreibung: Deutscher Forstmann, Dramatiker und Librettist. Auf Wunsch seines Pflegevaters studierte J. Rechtswissenschaften in Königsberg, hörte nebenher aber auch Vorlesungen zu Philosophie bei Kant, Mathematik bei F.J. Buck und Naturkunde bei J.G. Teske. Ab 1765 bereiste J. Deutschland, die Schweiz und Frankreich und kam während dieser Zeit mit bedeutenden Gelehrten und Künstlern in Kontakt, u.a. auch Lessing, der ihm viele Anregungen für seine dichterische Tätigkeit gab. Aus einer Gedenkrede zu seiner Beerdigung geht hervor, dass er in dieser Zeit mehrerer Monate im gleichen Haus wie Lessing in Berlin wohnte. Er war ab 1767 Gesandtschaftssekretär am Wiener Hof, ab 1772 Bibliothekar an der Königlichen Universitätsbibliothek in Königsberg und wurde 1775 zum Kriegs-, Domänen- und Präsidialrat ernannt. Im Anschluss daran konzentrierte er sich verstärkt auf Tätigkeiten in der Forstwirtschaft, war in diesem Bereich sehr erfolgreich und wurde 1788 zum Oberforstrat ernannt. 1805 erhielt er den Charakter eines Oberforstmeisters, eine Auszeichnung, die eigentlich nur Adeligen vorbehalten war. Nebenher verfasste er Bücher zum Jagd- und Forstwesen sowie einige Dramen. Bereits während seiner Studienjahre in Königsberg begann er sich für die Schauspielerei zu interessieren und gründete gemeinsam mit einem Freund ein Amateurtheater, in dem er auch selbst auftrat. Er hatte ein besonderes Talent für Travestien und verkörperte beispielsweise die Titelrolle in »Miß Sara Sampson«. In den Wiener Jahren entstanden Bühnenstücke, mit denen er zum Teil auch im Ausland Erfolg hatte. GND ADB/NDB-Link Wikipedia Bibl. Angabe sonst. Link Porträt
Jöcher, Christian Gottlieb geboren am: 20-06-1694 in: Leipzig gestorben am: 10-05-1758 in: Leipzig Beschreibung: Polyhistor und Lexikograph, Direktor der Universitätsbibliothek Leipzig. Der Sohn eines Kaufmanns wuchs bei seinem Großvater auf, erhielt Privatunterricht und zeigte früh Interesse an Geschichte, Geographie und Genealogie. Nach Besuch der Gymnasien in Gera und Zittau – es stand durch Christian Weise in einem guten Ruf – begann er 1712 in Leipzig das Medizinstudium, zudem beschäftigte er sich mit Philosophie, ein Studium, das er 1714 als Magister abschloss. Er las als Privatdozent, machte einen Abschluss in der Theologie und wurde 1719 Redakteur der »Deutschen Acta Eruditorum«. 1730 wurde er ordentlicher Professor der Philosophie, 1732 auch der Geschichte. 1735 wurde er als Theologe promoviert, seit 1742 leitete er die Universitätsbibliothek. Jöchers bekannteste Schriften sind Kompendien. Seine lexikographischen Studien führten 1750 zur Veröffentlichung des vierbändigen »Allgemeinen Gelehrten-Lexikons«, eine Neufassung des »Compendieusen Gelehrten Lexicons in teutscher Sprache« von Johann Burkhard Mencke (Leipzig 1715), das bis Ende des 18. Jahrhunderts von weiteren Autoren, darunter von Adelung (mit Materialien von Lessings Hand), ergänzt wurde. Philosophisch ein überzeugter Wolffianer, wird dem Dozenten Jöcher große Vortragskunst bescheinigt. Das Gelehrtenlexikon hat Lessing schon 1751 mit typischer Ironie kritisiert (»Hier sind wenigstens so viel Schnitzer als Zeilen«). Tatsächlich hatte sich Jöcher auch auf die Hilfe studentischer Mitarbeiter verlassen, deren Beiträge häufig aus bekannten Nachschlagewerken ohne »prüfende Genauigkeit« kompiliert waren, wie Lessing anmerkt. 1751 hat er den dritten Band in einer Rezension der BPZ besprochen, im selben Jahr in den »Critischen Nachrichten« in einer Rezension des »Gusmán de Alfarache« von Mateo Aléman den einschlägigen Jöcher-Artikel zu Aléman aufs Korn genommen. Als Jöcher erfuhr, dass Lessing eine umfassende Kritik seines Gelehrtenlexikons plante und an seinen Verleger bereits 24 Druckseiten geschickt hatte, setzte er sich mit Lessing in Verbindung, bat um Unterlassung des geplanten Mammut-Projekts und war bereit, Lessing für seine Unkosten zu bezahlen. Unabhängig vom aufkommenden Gerücht, er habe Jöcher erpressen wollen, ließ Lessing sich auch weitgehend darauf ein, wenngleich er im Jahr darauf einige der einschlägigen Kritiken noch einmal in seinen »Briefen (»Schrifften«, Bd. 2)« zusammenfasste. Nur Jöchers Briefe an Lessing sind erhalten; dass Lessing in Leipzig bei Jöcher gehört hat, ist »denkbar«, so Hugh B. Nisbet, wenn auch nicht dokumentiert. GND ADB/NDB-Link Wikipedia Bibl. Angabe Porträt Quelle: F. Vollhardt: Gotthold Ephraim Lessing. Epoche und Werk, S. 96
Kästner, Abraham Gotthelf geboren am: 27-09-1719 in: Leipzig gestorben am: 20-06-1800 in: Göttingen Beschreibung: Nach einem oft zitierten Wort von Carl Friedrich Gauß war Kästner »unter den Dichtern seiner Zeit der beste Mathematiker, unter den Mathematikern seiner Zeit der beste Dichter.« Ganz sicher war er unter den Lehrern Lessings der prägendste und sicher der einzige ihm ausgesprochen freundschaftlich verbundene. Nach Privatunterricht namentlich von Seiten des Vaters, einem Juraprofessor sowie eines Onkels, Jurist auch er, begann Kästner bereits 1731 ein Jurastudium in Leipzig. Im Abstand von je zwei Jahren zum Notar, Baccalaureus und Magister artium ernannt, entwickelte er früh vielseitige Interessen, vor allem für Mathematik, Naturwissenschaften, Medizin, Philosophie, Geschichte und Literatur. Er veröffentlichte mathematische Schriften und habilitierte in dieser Disziplin 1739. 1746 zum außerordentlichen Professor der Mathematik ernannt, las er über Mathematik, Logik und Naturrecht, sein Colloquium über philosophische Streitfragen besuchte Lessing 1746-48 mit für ihn außerordentlicher Regelmäßigkeit. Neben mathematischen Schriften »Anfangsgründe der Mathematik« (1758–1769, 4 Bde.) und dichterischen Werken – er zählt zu den geistreichsten Epigrammatikern der deutschen Sprache – veröffentlichte Kästner Übersetzungen in unterschiedlichen Genres, neben naturwissenschaftlichen Werken etwa Montesquieus »L'esprit des lois« sowie englische Zeitromane, zudem war er Herausgeber des »Hamburgischen Magazins zum Unterricht und Vergnügen aus der Naturforschung«. 1756 folgte er einem Ruf nach Göttingen als ordentlicher Professor der Naturlehre und Geometrie, wo er Freundschaft mit ⭢Lichtenberg schloss und 1763 auch die Leitung der Sternwarte übernahm. Kästner war, anders als sein Protegé ⭢Mylius, entschiedener Gegner von Tierversuchen. Nicht nur fachlich und pädagogisch wertvoll, sondern auch mit einer Fülle an biographischen und kulturgeschichtlichen Details aufwartend, erschien seine vierbändige »Geschichte der Mathematik« zwischen 1796 und 1800. Bis ins hohe Alter unterrichtend, blieb Kästner der in Leipzig wie selbstverständlich vertraute Umgang mit seinen Studenten in den letzten Jahren versagt. Für Lessing war er Vorbild, Mentor und bald auch schon Freund in eins. Kästner lehnte die Anakreontik ab und nahm auch Lessing, der keineswegs bloß mitschwamm auf der anakreontischen Welle, von seinem Spott nicht aus. Früh schreibt Kästner dem Studiosus ein überschwängliches Gutachten, er liest und korrigiert den »Jungen Gelehrten«, ist Vorbild für lyrische Formen wie das Epigramm oder Philosophische Lehrgedicht und vermutlich geht auch Lessings Interesse an spanischer Sprache und Literatur (so wie das des Freundes ⭢Mylius) auf Anregungen des Cervantes-Bewunderers Kästner zurück. Umgekehrt ist dieser eine oft erwähnte, auch besprochene Größe in Lessings früher journalistischer Tätigkeit, so bringt er Gedichte Kästners in »Das Neueste aus dem Reich des Witzes« oder rezensiert von Kästner herausgegebene Schriften, und er bespricht dessen »Vermischte Schriften« 1755 mit einem denkwürdigen Lob: »Selten werden sich der Gelehrte und der Philosoph, noch seltner der Philosoph und der Meßkünstler, am aller seltensten der Meßkünstler und der schöne Geist in einer Person beisammen finden. Alle vier Titel aber zu vereinen, kömmt nur dem wahrhaften Genie zu, das sich für die menschliche Erkenntnis überhaupt, und nicht bloß für einzelne Teile derselben, geschaffen zu sein fühlet.« Auch in späteren Werkkontexten, etwa in der Herausgabe von Mylius’ Schriften oder in den »Briefen antiquarischen Inhalts« bleibt Kästner präsent, Lessing korrespondiert mit Kästner und nutzt dessen Übersetzungen einschlägiger Werke zur Optik etwa von Robert Dingley oder Robert Smith. 1765 besucht er Kästner in Göttingen, zeitlebens bleibt er mit ihm in brieflicher Verbindung. Kästner hat den Jüngeren um fast zwei Jahrzehnte überlebt, er war Mitglied mehrerer bedeutender Akademien von Göttingen bis St. Petersburg; ein Mondkrater ist nach ihm benannt. GND ADB/NDB-Link Wikipedia Bibl. Angabe sonst. Link Porträt
Karsch, geb. Durbach, Anna Louise geboren am: 01-12-1722 in: Hammer bei Schwiebus gestorben am: 12-10-1791 in: Berlin Verhältnis zu Lessing: nicht bekannt Beschreibung: Tochter eines niederschlesischen Gastwirts, ging die Karschin, wie sie meist genannt wird, nach schwieriger Kindheit in ärmlichen Verhältnissen zwei Ehen ein, die beide unglücklich verliefen und aus denen insgesamt neun Kinder hervorgingen. Die erste mit dem Tuchmacher Michael Hirsekorn, geprägt von Gewalttätigkeiten, wurde 1748 nach zehn Jahren geschieden – Begründung: die Frau habe ihre Haushaltspflichten vernachlässigt. Sie hatte in dieser Zeit erste Verse geschrieben, durch Gelegenheitsdichtungen besserte sie die finanzielle Lage der Familie in der zweiten Ehe mit dem alkoholabhängigen Schneider Daniel Karsch auf. Bald erwarb sie sich einen Ruf als lyrische Begabung, während des Siebenjährigen Krieges sang sie Lobeshymnen auf ⭢Friedrich II., die in Flugschriften Verbreitung fanden und sie als Dichterin bekannt machten, ihr Ruf verhalf ihr zur Trennung von Karsch. Von Rudolf Gotthard von Kottwitz 1761 an den Berliner Hof geholt, wurde sie gefördert und als »Naturdichterin« in literarischen Salons gefeiert. ⭢Gleim rief sie emphatisch und ohne Ironie zur deutschen Sappho aus und veranstaltete im gleichen Jahr eine Dichterkrönung in Halberstadt, die Werbung der Karschin um ihn blieb jedoch unerwidert. Ab 1762 lebte sie mit der Unterstützung von Gönnern in Magdeburg und Halberstadt; sie pflegte Kontakte mit Elisabeth Christine von Preußen, ⭢Ferdinand von Braunschweig und den Grafen zu Stolberg-Wernigerode, Friedrich II. empfing sie 1763 (das Versprechen einer Pension blieb er schuldig), ⭢Goethe, der ihre Stärken wahrnahm, besuchte sie 1778. Ausgaben ihrer Gedichte zu Lebzeiten versammelten kaum je ihre gelungensten Verse. Erst 1789 konnte Friedrich Wilhelm II. das Versprechen seines Vaters einlösen und der Karschin ein Haus in Berlin schenken. Lessing gehörte nicht eben wie ⭢Ramler und mehr noch ⭢Gleim zu den Förderern der Karschin. Er hat 1763 »auf die Gedichte der Karschin […], trotz Gleims Bitte nicht pränumerirt und einen Brief der zu Mythenpomp und Odenstelzgang gezwungenen Dichterin nicht beantwortet, wie er das 1762 ihrem Schutzherrn Horatius Ramler äußerst kühl meldet.« (Schmidt I, 439). Tatsächlich heißt es an Ramler: »Gleim und die Karschin! Die Letzte hat an mich geschrieben, und ich werde ihr nicht antworten« (Breslau, 30. Mai 1762). Die Karschin hingegen hat ihre Eindrücke von Lessings Schauspielen in mehreren Theatergedichten wirkungsgeschichtlich bedeutend und originell festgehalten. Ein Zusammentreffen mit Lessing bei ⭢Samuel B. Stiller im Februar 1766 bezeugt das schwierige Verhältnis zwischen den beiden Dichterpersönlichkeiten. Die Karschin hatte, ohne vom Zerwürfnis zwischen ⭢Gleim und ⭢Ramler zu wissen, aus Anlass von Ramlers im Haus Stillers begangenen Geburtstag, ein Einladungsgedicht an Gleim drucken lassen, über das sich Lessing – so zumindest die Karschin – despektierlich äußerte. GND ADB/NDB-Link Wikipedia Bibl. Angabe sonst. Link Porträt
Kies, Johann geboren am: 14-09-1713 in: Tübingen gestorben am: 29-07-1781 in: Tübingen Verhältnis zu Lessing: befreundet Beschreibung: Der Naturforscher und Mathematiker war nach der Ausbildung im Tübinger Stift und dem Studium der Mathematik und Theologie an verschiedenen Orten Vikar, bevor er in die Dienste eines Warschauer Fürsten trat. Auf Empfehlung von ⭢Leonhard Euler erhielt er 1742 einen Ruf an die Königlich Preußische Akademie (damals noch Sozietät) der Wissenschaften in Berlin, er lehrte Mathematik und Physik und wurde 1743 zudem Astronom der Akademie und der Berliner Sternwarte. 1754 kehrte er als Professor für Mathematik und Leiter der Universitätsbibliothek nach Tübingen zurück. In den Jahren 1760, 66/67 und 75 war er überdies Rektor der Universität. Kies publizierte bedeutende Schriften vor allem in der Physik und Astronomie, dabei folgte er Newtons Theorien und sorgte für deren größere Bekanntheit in Deutschland. Während seiner Zeit als königlicher Astronom war der als jovial geltende »liebenswürdige Schwabe« (Erich Schmidt) mit ⭢Mylius und Lessing befreundet, worüber ⭢Nicolai in seiner Beschreibung einer Reise durch Deutschland und die Schweiz Auskunft gibt. GND ADB/NDB-Link Wikipedia Porträt Quelle: Friedrich Nicolai: »Beschreibung einer Reise durch Deutschland und die Schweiz, im Jahre 1781. Nebst Bemerkungen über Gelehrsamkeit, Industrie, Religion und «. Bd. 11. Berlin und Stettin 1796, S. 159.)
Kirnberger, Johann Philipp geboren am: 24-04-1721 in: Saalfeld/Saale gestorben am: 27-07-1783 in: Berlin Verhältnis zu Lessing: Bekannter Beschreibung: Musiktheoretiker und Komponist. Er erhielt früh Violin- und Klavierunterricht, später bei Johann Peter Kellner in Gräfenroda, womöglich auch bei Johann Sebastian Bach in Leipzig, verbindliche Belege dafür fehlen indes. Weitere Kompositionsstudien absolvierte Kirnberger bei ⭢Carl Heinrich Graun, zudem pflegte er den Umgang mit Söhnen und Schülern Bachs, namentlich mit ⭢Carl Philip Emanuel, ferner mit ⭢Johann Friedrich Agricola und Christoph Nichelmann, die in Berlin ein Zentrum der Bachpflege bildeten. In den Jahren 1741-1751 nahm er verschiedene Tätigkeiten u.a. als Cembalist und Kapellmeister in Polen wahr. Mitte der 1750er Jahre bekam er eine Stelle als Geiger in der Königlichen Kapelle in Potsdam und später in der Kapelle des Markgrafen Heinrich in Rheinsberg. Von 1758 bis zu seinem Tod war Kirnberger Lehrer für Komposition bei der Schwester ⭢Friedrichs II., ⭢Anna Amalie von Preußen, sowie Kapellmeister und musikalischer Berater am Preußischen Hof. Neben eigenen, oft als eher steif und wenig originell bewerteten Kompositionen veröffentlichte er zahlreiche musiktheoretische Schriften und leistete wichtige Beiträge zur Sammlung und Edition des Werkes von J.S. Bach. Nach eigenem Bekunden kein Mensch des Wortes, von anderen als mürrisch und menschenscheu empfunden, halfen ihm Freunde wie der erwähnte Agricola oder sein Schüler Johann Abraham Peter Schulz, Kirnbergers zahlreichen Beiträgen für ⭢Sulzers »Allgemeine Theorie der schönen Künste« (I, 1771) eine sprachliche Form zu geben. Lessing ist er spätestens Ende September/Anfang Oktober 1771 in Berlin begegnet, wie aus einem Brief des Bruders ⭢Karl Gotthelf vom 9. Nov. 1771 hervorgeht. Die darin geschilderte Bitte Kirnbergers an Karl, Lessing eine Musikgeschichte zu übermitteln, lässt immerhin auf eine gewisse Vertrautheit beider Künstler schließen. GND ADB/NDB-Link Wikipedia Bibl. Angabe Porträt
Kleefelder (auch Cleefelder, verh. Klot(z)sch, ab 1756 verh. Brückner, Katharina Magdalena geboren am: 30-11-1717 in: Königstein bei Dresden gestorben am: 16-11-1804 in: Köthen Beschreibung: 1741 in Dresden erstmals als Schauspielerin erwähnt, wird sie zur Gesellschaft der ⭢Neuberin in Leipzig stoßen und als eines der besten Ensemblemitglieder gelten; auch zur Pflegetochter der Neuberin wurde sie erklärt. 1750 heiratete sie den Schauspieler Klot(z)sch (Vorname nicht ermittelt) und nach dessen Tod ⭢Johann Friedrich Brückner im Jahre 1756. Von der Neuberin wechselte sie zur Kompanie von ⭢J. H. G. Koch. Mit dessen Truppe vielfach unterwegs, kehrte sie in den 70er Jahren nach Berlin zurück und spielte seitdem mit ihrem Mann in ⭢Döbbelins Gesellschaft. Hauptsächlich ›komische Mütter und zänkische Weiber‹ gebend, feierte sie am 8. Juli 1791 ihr 50-jähriges Bühnenjubiläum und erhielt ihr volles Gehalt als Pension. Lessing, der ihren Mann in dessen schauspielerischen Anfängen beförderte, erwähnt die ›Kleefelderin‹ in seiner Plautus-Abhandlung. GND Wikipedia Porträt
Kleist, Anton David geboren am: 30-11-1744 in: unbekannt gestorben am: 30-11-1804 in: unbekannt Verhältnis zu Lessing: Bekannter Beschreibung: Neffe ⭢Ewald von Kleists, Sohn von Anton Heinrich und Margarethe Ludovica Loysa von Kleist. 1759-1762 Zögling der Kadettenschule in Berlin, dann preußischer Soldat, 1762 Begegnung mit Lessing in Breslau, später Oberstleutnant in russischen Diensten. Wolfgang Albrecht datiert die Begegnung auf Ende Januar 1762: Offenbar kam A.D. Kleist mit einem Brief Ramlers sowie der 1638 erschienen Erstausgabe der ersten beiden »100 Teutscher Reimen-Sprüche Salomons von Golaw (d.i. Logau […])« (B XI/1, 849) im Gepäck aus Potsdam oder Berlin nach Breslau. Lessing hatte die Logau-Ausgabe aus der Breslauer Magdalenen Bibliothek ausgeliehen. Kleists Gepäck ist unterwegs indes verloren gegangen. »Brief und Logau«, schreibt Lessing am 30. Mai an ⭢Ramler, »sind mit dem Tornister des jungen Kleist unter Weges verloren gegangen. Ein ärgerlicher Zufall! Sie wissen, daß der Logau nicht mein eigen war, sondern einer hiesigen Bibliothek (zu St. Magdalena) zugehörte. Ich verzweifle durchaus, ihr diesen Verlust ersetzen zu können; allem Ansehen nach war es noch das einzige Exemplar in der Welt. – […] ich habe mich wohl gehütet, den jungen Kleist meine Empfindlichkeit darüber merken zu lassen. Denn er bat gar zu sehr um Verzeihung; und einmal ist er doch unsers Kleists Neveu. Was wollte ich dem nicht vergeben? Ihn seinen eignen dabei erlittenen Schaden einigermaßen vergessen zu machen, habe ich ihm in der Geschwindigkeit die nötigsten Bedürfnisse wieder anschaffen lassen. Ich habe ihm auch offne Kasse bei mir angeboten, und es wird nur auf ihn ankommen, wie sehr er sich noch weiter dieses Anerbieten zu Nutze machen will.« Erst im Jahr 1780 konnte Lessing den Verlust durch ein anderes Exemplar des Logau ersetzen (s. Brief an ⭢Karl Gotthelf Lessing, 25. Feb. 1780).
Kleist, Ewald Christian von geboren am: 07-03-1715 in: Zeblin [Hinterpommern] gestorben am: 24-08-1759 in: Frankfurt /O. Beschreibung: Kleist besuchte die Jesuitenschule in Polnisch-Krone und das Danziger Gymnasium und studierte Jura in Königsberg. Er hörte auch Mathematik und Philosophie und beschäftigte sich mit antiken Autoren. 1736 trat er, hauptsächlich wohl mangels beruflicher Alternativen, in die dänische Armee ein, mit dem Regierungsantritt ⭢Friedrichs II. 1740 wurde er ins preußische Heer berufen. Seiner Liebe zu Wilhelmine von der Goltz, unerfüllt auch seiner schwierigen materiellen Lage wegen, gab er in Versen Ausdruck, sie blieb ein Lebensthema. Als Potsdamer Offizier lernte er ⭢Gleim und ⭢Ramler kennen, die seine dichterische Begabung beförderten. Nach der Teilnahme am Zweiten Schlesischen Krieg von 1744 bis 1745 wurde Kleist 1749 Hauptmann und 1751 Kompaniechef, er hielt sich fast ein Jahr in der Schweiz auf, um Rekruten auszuheben. 1756 mit seinem Regiment im Feld, wurde er 1757 Major, wechselte nach Leipzig und führte dort ein Feldlazarett. In Leipzig pflegte er enge Freundschaften mit ⭢Gellert, Gleim und Lessing. Als Kleist im März 1757 schwer erkrankte, trafen sich seine Freunde wie ⭢Brawe, ⭢Weiße, ⭢C. W. Müller und Lessing an seinem Krankenbett. Ohnehin zur Schwermut neigend – von »Kleists Melancholie, seiner Zerrissenheit zwischen Offiziers- und Dichterethos, zwischen äußerem und innerem Auftrag« spricht Conrad Wiedemann (DKV III, S. 862) –, soll Kleist damals schon Todeswünsche geäußert haben. Auf Drängen Lessings schreibt er in diesem Jahr das wenig geglückte Trauerspiel »Seneca«. Vergeblich bemühte er sich um eine Anstellung für Lessing. Im Mai/Juni 1758 verlässt Kleist Leipzig, um am Dritten Schlesischen Krieg teilzunehmen. In der Schlacht bei Kunersdorf im August 1759 schwer verwundet, wurde er ausgeplündert und erst am nächsten Tag nach Frankfurt/O. gebracht, wo ihn Nicolais Bruder ⭢Gottlob Samuel aufnahm, am 24. August erlag Kleist seinen Verletzungen. Aus dem als Hauptwerk Kleists betrachteten, in Hexametern verfassten Gedicht »Der Frühling« (1749) zitiert der Rezensent Lessing bereits 1751. Die Bekanntschaft mit dem 15 Jahre älteren Offizier reicht wohl in die frühen 50er Jahre und den Berliner »Montagsclub« zurück, ihre Freundschaft, vielleicht die innigste, die Lessing geführt hat, begann aber erst in Leipzig 1757, wohin der inzwischen zum Major Beförderte als militärischer Gegner Sachsens kam. Dass Lessing Kleist zu dessen »Seneca«-Drama überredet hat, muss als Fehleinschätzung in das dramatische Geschick des Freundes gelten, wie überhaupt die Freundschaft zu Kleist, anders als im Fall von ⭢Mendelssohn und ⭢F. Nicolai, weniger durch eine enge Werkverbindung als durch persönliche Sympathie geprägt war. 1758 gibt Lessing Kleists Versepos »Cissides und Paches« heraus und allgemein wird Kleist als imaginärer Adressat der »Briefe, die neueste Litteratur betreffend« (1759/60) angenommen. Der Briefwechsel zwischen Kleist und Lessing ist mit der Ausnahme eines Lessing-Briefes verloren gegangen. Lessings »Ode auf den Tod des Marschalls von Schwerin an den H. von Kleist« (1757) nimmt unmittelbar Bezug auf Kleists Todessehnsucht. Die Grabschrift auf Kleist: »O Kleist! dein Denkmal dieser Stein?/ Du wirst des Steines Denkmal sein« wurde erst 1785 in der ADB veröffentlicht. GND ADB/NDB-Link Wikipedia Bibl. Angabe Porträt
Klinger, Friedrich Maximilian geboren am: 17-02-1752 in: Frankfurt / M. gestorben am: 09-03-1831 in: Dorpat [Estland] Verhältnis zu Lessing: Bibliotheksbenutzer – Bekannter Beschreibung: Obwohl sein Vater, ein Bauer und Konstabler, bei der städtischen Artellerie starb, als Klinger acht Jahre zählte, besuchte er das Gymnasium und schloss offenbar schon als Jugendlicher Bekanntschaft mit ⭢Goethe, der ihm ab 1774 ein Studium der Rechtswissenschaften in Gießen ermöglichte, ab etwa 1772 auch mit ⭢Lenz und Wagner. 1776 brach Klinger das Studium ab, widmete sich der Schriftstellerei, ging nach Weimar und wurde Dramaturg in der Schauspieltruppe ⭢Abel Seylers. Sein 1777 veröffentlichtes Drama »Sturm und Drang« gab der kurzen Zeit zwischen Aufklärung und Klassik ihren Namen. Mit Seylers Kompanie führte Klinger das ruhelose Leben des Schauspielerstandes. Depressionen und Zweifel am Sinn der Schriftstellerexistenz ließen ihn im Soldatenleben eine Alternative suchen. Er machte Karriere in der russischen Armee, wirkte, an Rousseau orientiert, auch an der Reform des Schulwesens mit, verlor aber mit der Restauration seit 1816 seine Ämter, zog sich, schriftstellerisch, wenn auch ohne größere Resonanz, weiterhin tätig, aus dem öffentlichen Leben zurück und lebte bis zu seinem Tod in Dorpat (heute Tartu). Am 15. April 1777 besuchte Klinger gemeinsam mit ⭢Abel Seyler die Herzogliche Bibliothek; er wurde von Lessing, der Klingers dramatische Produktionen, namentlich etwa »Die Zwillinge« ablehnte, und dem Klinger zunächst aus dem Weg gehen wollte, ausnehmend freundlich empfangen. [Vgl. dazu Albrecht, GBL 1025 d] GND Wikipedia Porträt
Klopstock, Friedrich Gottlieb geboren am: 02-07-1724 in: Quedlinburg gestorben am: 14-03-1803 in: Hamburg Verhältnis zu Lessing: befreundet Beschreibung: Klopstock entstammte als ältestes von 17 Kindern einer pietistischen Familie und erhielt eine humanistische Schulausbildung in Schulpforte. 1745 begann er ein theologisches Studium in Jena und verfasste die ersten drei Gesänge des Messias in Prosa, die später in Leipzig umgearbeitet und in Hexameter verfasst wurden. Nach einer Tätigkeit als Hauslehrer in Langensalza wurde er von Johann Jakob Bodmer 1750 nach Zürich eingeladen und ging dann nach 8 Monaten auf eine Einladung des Dänischen Königs nach Kopenhagen. 1754 heiratete er Margaretha Moller und blieb mit ihr in Hamburg. Nach ihrem Tod im November 1758 lebte er in Quedlinburg, Braunschweig, Halberstadt, Kopenhagen, Karlsruhe und Hamburg, wo er schließlich starb. Klopstock kann als Begründer der deutschen Erlebnislyrik und des Irrationalismus verstanden werden. 1755 lernte er Lessing kennen und blieb freundschaftlich mit ihm verbunden. GND Wikipedia Bibl. Angabe Porträt
Klose, Samuel Benjamin geboren am: 27-04-1730 in: Breslau gestorben am: 18-09-1798 in: Breslau Verhältnis zu Lessing: befreundet Beschreibung: Eingeschult im Maria-Magdalenen-Gymnasium, studierte Klose 1750-53 in Halle und Frankfurt/O. Theologie. Seit Mai 1762 am Gymnasium zu St. Maria-Magdalena, wurde er im November 1763 Rektor der Vorbereitungsschule »Zum Heiligen Geist« in Breslau-Neustadt. »Die bescheidene Stellung [hatte er], alle Berufungen ablehnend, fünfunddreißig Jahre lang inne«, wie Heinrich Schneider schreibt. Klose war zudem als Historiker, Publizist und Kritiker sowie als Bibliothekar von St. Bernhardin tätig und während der Breslauer Jahre Lessings Freund und häufiger Gesprächspartner des Dichters. Klose war ein echter Gelehrter, zu seinen Werken zählen vor allem historische Studien; als »er 1798 starb, hinterließ er zusätzlich zu mehreren Büchern zweihundertachtundvierzig sauber geschriebene Foliobände mit von ihm gesammelten Material zu einer Geschichte Schlesiens.« Eines seiner wichtigsten, zu Lebzeiten anonym erschienenen, Werke ist "Von Breslau. Documentirte Geschichte und Beschreibung. In Briefen" (Breslau 1781-83). Man verdankt Klose wertvolle Hinweise auf Lessings Studien jener Zeit, zur Kirchengeschichte, zu Spinoza, zum »Laokoon« usw., seine 1793 im ersten Band von ⭢Karl Gotthelf Lessings Biographie erschienenen Erinnerungen sind das aufschlussreichste Dokument zu Lessings Breslauer Aufenthalt.[i] Klose führte Lessing durch die dortigen Bibliotheken, mit ihm besuchte er Bibliotheken, Klöster sowie zahlreiche bau- und kunstgeschichtliche Zeugnisse. [i] Seinen Bericht darüber schreibt er nach der Aufforderung von Karl Gotthelf Lessing, der offenbar auch aus dem vertrauten Munde des Bruders wenig über dessen Breslauer Epoche erfahren hatte. GND ADB/NDB-Link Wikipedia sonst. Link Quelle: Schneider, Heinrich: Das Buch Lessing 1961, S.85.
Knackstedt, Christoph Elias Heinrich geboren am: 12-12-1749 in: Braunschweig gestorben am: 27-03-1799 in: St. Petersburg Verhältnis zu Lessing: Bekannter Beschreibung: Nach dem Besuch des Braunschweiger Waisenhaus-Gymnasiums begann Knackstedt eine Ausbildung zum Wundarzt und setzte seine Studien 1771 in Bremen fort. Nach seiner Rückkehr wurde er 1776 geprüfter Stadtwundarzt, 1781 auch Waisenhauswundarzt. Er gründete eine anatomisch-chirurgische Schulanstalt und verfasste zahlreiche Lehrschriften und Abhandlungen. 1786 ging er nach St. Petersburg und lehrte an der medizinisch-chirurgischen Schule Osteologie. Eine Bekanntschaft mit Lessing ergibt sich aus der von Friedrich Chrysander aufgestellten Liste mit Gläubigern Lessings.
Knigge, Adolph Franz Friedrich Ludwig von Freiherr geboren am: 16-10-1752 in: Bredenbeck gestorben am: 06-05-1796 in: Bremen Verhältnis zu Lessing: Bekannter – Bibliotheksbenutzer Beschreibung: Spross einer verarmten Adelsfamilie, wurde Knigge nach dem Tod der Eltern sowie der Schwester mit 14 Jahren in Hannover durch Hofmeister unterrichtet, von 1769 bis 1772 studierte er Jura und Kameralistik in Göttingen. 1771 war er Hofjunker und Assessor der Kriegs- und Domänenkammer in Kassel, 1773 heiratete er die Hofdame Henriette von Baumbach, mit der nebst gemeinsamer Tochter Philippine Auguste Amalie 1775 nach Nentershausen aufs Gut Baumbach zog. 1776 bis 17 wurde Knigge weimarischer Kammerherr (wo er »als gern gesehener Kurzweilmacher viel am Hofe verkehrte«), später als Kammerherr in Hanau am Hof des Erbprinzen und späteren Kurfürsten Wilhelm. Knigge war ein Neffe ⭢Anton von Hoyms, Freimaurer, Mitbegründer der Loge »Zur Einigkeit« und des Freimaurerclubs »Goldener Löwe«. Durch seine Tätigkeit für den Illuminatenorden (1780-84) und sein Eintreten für die Verwirklichung der Menschenrechte verlor er mit der Gunst adliger Kreise auch einen Großteil seines Vermögens und nahm eine bürgerliche Lebensweise an. 1790, inzwischen ernsthaft erkrankt, gestattete ihm die Stelle als Oberhauptmann und Schulaufseher von Bremen ein finanziell unabhängiges Leben. 1782 übersetzte Knigge große Partien der »Bekenntnisse sowie der Selbstgespräche auf einsamen Spaziergängen« Rousseaus, daneben verfasste er Romane (1783-85 die hofkritische Geschichte Peter Clausens), Essays, Satiren – seine humoristische Schreibart ist in Vergessenheit geraten – sowie Schriften zu Geschichte, Politik und Gesellschaft. Sein bekanntestes Buch »Über den Umgang mit Menschen«, oft als Benimmfibel verkannt und vermarktet, tatsächlich aber eine Aufklärungsschrift; die Taktgefühl und Höflichkeit im Verkehr unterschiedlicher sozialer Gruppierungen einforderte, erschein 1788. Vom 15. Juli bis 27. August 1778 hielt sich Knigge in Wolfenbüttel auf und fertigte in dieser Zeit eine von Lessing vermutlich nicht autorisierte, aber später veröffentlichte Kopie des vierten und fünften Gesprächs aus »Ernst und Falk« an. Das von Knigges Freund ⭢G. W. F. Großmann initiierte Wolfenbütteler Lessing-Denkmal, heute im Vestibül der Herzog August Bibliothek, unterstützte Knigge finanziell und mit den Worten: »Lessings Verdienste um so manche Zweige der Literatur sind doch wahrlich nicht von der Art, daß er viel Mitbewerber um eine Bildsäule haben könnte. Er hat Epoche gemacht«. GND Wikipedia Porträt Quelle: Literatur: Fenner, W., »Lessing wäre auch ein Mann für uns«. Neuigkeit über Knigge und Lessing, in: Euphorion, 88, 1994, S. 478-481]. Raabe, Spaziergänge, 94.
Knittel, Franz Anton geboren am: 03-04-1721 in: Salzdahlum gestorben am: 13-12-1792 in: Wolfenbüttel Verhältnis zu Lessing: Bekannter Beschreibung: Der spätere Theologe und Paläograph besuchte Schulen in Braunschweig und Schöningen und studierte an den Universitäten von Helmstedt, wo er vor allem bei ⭢[***?] Johann Lorenz von Mosheim hörte, und von Halle. Philologie, Mathematik, Diplomatik, Kirchengeschichte und Predigerwissenschaften gehörten in sein breit gefächertes Interessengebiet. Von 1751-55 war er Pfarrer in der Nähe von Schöppenstedt. 1752 heiratete er Henriette Elisabeth Bütemeister, mit der er zehn Kinder hatte, von denen ihn nur drei überlebten. 1755 wechselte er als Archidiaconus an die Hauptkirche in Wolfenbüttel, dort wurde er 1766 Konsistorialrat und Wolfenbütteler Generalsuperintendent. Er publizierte auf den Gebieten der Theologie, Altphilologie, Geschichte und Literatur, widmete sich seinen mathematischen Interessen und war häufiger Nutzer der Herzoglichen Bibliothek. Dort entdeckte er 1758 ein Fragment der gotischen Bibelübersetzung des Ulfilas, durch dessen Publikmachung er größeren Ruhm erntete. Wie sich Lessings Herausgabe der bibelkritischen »Fragmente eines Ungenannten« auf das beiderseitige Verhältnis auswirkte, ist nicht überliefert. Obwohl Knittel grundsätzlich sicher eher wie ⭢Goeze dachte, hat er sich nicht am öffentlichen Streit beteiligt; nach einem posthumen Zeugnis des Theologen Friedrich Münter blieb die menschliche Beziehung zwischen Knittel und Lessing indes unbeeinträchtigt. Wie Lessing starb Knittel an sog. »Brustwassersucht«. GND Wikipedia
Koch, Georg Heinrich August geboren am: 30-11-1649 in: Wolfenbüttel gestorben am: 14-12-1773 in: Wolfenbüttel Verhältnis zu Lessing: Bekannter Beschreibung: Über Kochs Leben ist wenig bekannt. Der in Wolfenbüttel geborene Sohn des Bürgermeisters Georg Heinrich Koch studierte in Helmstedt, lernte dort seine spätere Frau Sophie Marie Elisabeth Cuno kennen und wurde später Herzoglich Braunschweigischer Stadt-Sekretär und Stadt-Syndikus. Er veröffentlichte zwischen 1765 und 1769 drei Gedichtbände, die sämtlich in Braunschweig erschienen. Dabei wurde »Der Guelphe im Schlachtfelde bey Minden. Ein episches Gedicht« (1768) 1771 in der AdB böse verrissen. Lessing begegnet ihm noch vor seinem Dienstantritt in Wolfenbüttel im November 1769 bei ⭢Zachariä in Braunschweig. Obwohl Koch als Anhänger des Lessing-Gegners ⭢Christian Adolph Klotz gilt, bittet Lessing im September 1774 ⭢Eschenburg »aus Kochs Büchern, die […] in Braunschweig verauctionieret werden sollen, gern einige für die Bibliothek« zu erwerben, vielleicht weil es sich beim oben erwähnten »Guelphen« um ⭢Herzog Ferdinand von Braunschweig handelt, mit dem Lessing freundschaftlich verkehrte.
Koch, Heinrich Andreas geboren am: 30-04-1707 in: Helmstedt gestorben am: 27-08-1766 in: Wolfenbüttel Verhältnis zu Lessing: Bibliotheksbenutzer Beschreibung: Aus einer Gelehrtenfamilie stammend studierte Koch ab 1723 Geschichte und Rechtswissenschaften in Helmstedt. Dort wurde er 1730 kaiserlicher Notar; 1736 wechselte er nach Wolfenbüttel, um als Sekretär beim Geheimen Rat, in der Kriegskanzlei und ab 1742 im Hauptarchiv zu arbeiten. 1747 wurde er Hofrat (1750 »Wirklicher Hofrat«) bei der fürstlichen Justizkanzlei. Koch war wissenschaftlich und publizistisch tätig, er war, so charakterisiert ihn Paul Zimmermann in der »Allgemeinen Deutsche Biographie«, »eine echte Gelehrtennatur liebenswürdigster Art, stets bestrebt die Sache zu fördern, nie seine Person in den Vordergrund zu schieben, gründlich in seinen Forschungen, anspruchslos in seinen Lebensbedürfnissen, ganz ohne Sucht nach Ruhm und Ehren, anhänglich an seine Stellung wie an den Fürsten, der ihm dieselbe verliehen.« Kochs wichtigste Schrift ist der »Versuch einer Pragmatischen Geschichte des Durchlauchtigsten Hauses Braunschweig und Lüneburg« (1764), mit der er eine essentielle Grundlage zur Erforschung der braunschweigischen Landes- und Staatsgeschichte schuf. Eine Bekanntschaft mit Lessing ist unwahrscheinlich, nur Kochs Schrift zum »Leben des Herzogs Alberti Magni« findet sich in Lessings Büchernachlass. GND ADB/NDB-Link Wikipedia
Koch, Johann Heinrich Gottfried geboren am: 09-01-1703 in: Gera gestorben am: 03-01-1725 in: Berlin Beschreibung: Schauspieler und Theaterprinzipal, Dramatiker und Übersetzer, mit Lessing seit etwa 1747 persönlich bekannt. Koch brach sein Jurastudium in Leipzig nach zwei Jahren ab und schloss sich als Schauspieler sowie Dekorationsmaler, Theaterautor und -übersetzer 1728 der Schauspieltruppe der ⭢Neuberin an. Er gehörte verschiedenen Kompanien an und kehrte 1744 zur Neuberin nach Leipzig zurück, in ihrem Ensemble machte er Lessings Bekanntschaft. 1737 hatte er Anna Büchner geheiratet, eine Schwägerin des Kupferstechers ⭢Martin Bernigeroth, später Christiane Henriette Merleck; beide Schauspielerinnen. 1748 ging er für ein Jahr nach Wien und gründete im Jahr darauf, erneut in Leipzig, seine eigene Theatergesellschaft. Mit ihr erwarb er das kursächsische Spielprivileg, womit sich Koch sowohl gegen ⭢Schönemann wie gegen die Neuberin durchsetzen konnte. So spielte seine Truppe erstmals im Sommer 1750 in Leipzig in Richters Garten. Koch übernahm schließlich das Theater der Neuberin am Blumenberg und spielte auch in Quandts Hof, wo 1749 Lessings »Der junge Gelehrte« uraufgeführt worden war. Kochs Bemühungen um einen eigenen Leipziger Theaterbau scheiterten am Widerstand des Magistrats. Bekannt wurde Kochs am Ende siegreicher Streit mit ⭢Gottsched über das von seiner Truppe seit Oktober 1752 aufgeführte Singspiel »Die verwandelten Weiber, oder Der Teufel ist los«, einer Bearbeitung von Charles Coffeys »The Devil to pay« (1731) durch Lessings Studienfreund ⭢Ch. F. Weiße. 1756 inszenierte er »Miss Sara Sampson« in Leipzig. Im selben Jahr löste er die Leipziger Kompanie aufgrund der schwierigen Spielsituation im Siebenjährigen Krieg auf; er ging nach Lübeck und übernahm die frühere ⭢Schönemann’sche Gesellschaft, zu der auch ⭢Conrad Ekhof zählte und die vor allem in Hamburg spielte. Einmal mehr ging Koch nach Leipzig, wo er das neu erbaute Schauspielhaus mit ⭢J. E. Schlegels Trauerspiel »Hermann« einweihte. 1768 ging er für zwei Jahre nach Weimar, kehrte aber 1780 erneut nach Leipzig zurück, um schließlich zu seiner Lebensstation Berlin zu wechseln, wo er als Leiter des ⭢»Schuchischen Comödienhauses« 1784 noch die Uraufführung von ⭢Goethes »Götz von Berlichingen« leitet, ein Jahr drauf aber mit 72 Jahren starb. Lessing war zeitlebens recht gut über Kochs Engagements, seine Ortswechsel, Ensemblebesetzungen und Inszenierungen orientiert. In ihrer Theaterarbeit begegneten sie sich mehrfach. Den Schauspieler lernt Lessing in den späteren 40er Jahren bei der Neuberin schätzen, er erwähnt ihn neben ⭢Heydrich, ⭢Bruck, der ⭢Lorenzin sowie der ⭢K.M. Kleefelder in seiner Plautus-Abhandlung. Koch führt als einer der wenigen Prinzipale auch Lessings anarchische, später von ihm selbst nicht mehr gutgeheißene Komödie »Die alte Jungfer« auf, erst 1753 in Leipzig, 1755 dann in Hamburg. Merkwürdig bleibt, dass Koch Diderots Schauspiele »Der natürliche Sohn« wie auch »Der Hausvater« aufführt, ohne die bereits vorliegenden Übersetzungen Lessings zu nutzen, die bereits von Zeitgenossen wie Jakob Mauvillon für weit besser gehalten wurden als die von Koch benutzte. 1767 führt Koch »Minna von Barnhelm« auf, 1772 im April in Berlin auch die eben erschienene »Emilia Galotti«, eine erfolgreiche Inszenierung, nach der Lessing sich bei ⭢Ramler erkundigt. Einigen Zeitgenossen galt Koch als einer der besten deutschen Schauspieler, als Prinzipal genoss er durchweg einen guten Ruf. GND ADB/NDB-Link Wikipedia Bibl. Angabe Porträt
König, Anna Amalia Pseudonym: Malchen geboren am: 17-07-1761 in: Hamburg gestorben am: 20-04-1848 in: Braunschweig Verhältnis zu Lessing: verwandt Beschreibung: Die Tochter von ⭢Engelbert und ⭢Eva König, Lessings Stieftochter, führte nach dem frühen Tod der Mutter, damals 16jährig, Lessings Haushalt und war auch bei seinem Tod anwesend. Als einziges Kind der Königs hat sie die schwierigen Umstände ihrer Kindheit und Jugend offensichtlich unbeschadet überstanden. Ausführliche Berichte über Lessings häusliches Leben stützen sich vornehmlich auf ihre Erinnerungen, Gerüchte über ein Liebesverhältnis Lessings zu ›Malchen‹, wie sie genannt wurde, scheinen dem üblichen (in diesem Fall Hamburger) Klatsch- und Tratschbedürfnis entsprungen, Lessing hat sie in einem Brief an Elise Reimarus vom 7. Mai 1780 entschieden bestritten; als fürsorglichen und liebevollen Stiefvater zeigen ihn seine Briefe aber durchaus. Nach seinem Tod lebte Amalie bei Lessings Freunden ⭢Johann und ⭢Dorothea von Döring. 1782 heiratete sie den Braunschweiger Postrat Georg Conrad Albert Henneberg (1750-1820), mit dem sie fast 40 Jahre bis zu seinem Tod in ausgesprochen harmonischer Ehe zusammenlebte, wie berichtet wird. Der Mutter von fünf Kindern verdankt man wertvolle Erinnerungen an Lessing, aufgezeichnet vom Braunschweiger Literaturhistoriker und Privatgelehrten Carl Schiller. Das Grab Amalie Königs wurde nie aufgefunden, sie hat kein Ehrenbegräbnis erhalten, sondern wurde als Mitglied der Braunschweiger Gemeinde St. Martini in einer schlichten sogenannten »Rußkiste« beigesetzt. sonst. Link
König, Friedrich Wilhelm geboren am: 16-10-1768 in: Hamburg gestorben am: 30-11-1854 in: Braunschweig Verhältnis zu Lessing: verwandt Beschreibung: Der Sohn von ⭢Engelbert und Eva ⭢König, Patenkind und später Stiefsohn des Dichters, blieb nach dem Tod Evas mit seiner älteren Schwester ⭢Maria Amalie und bis zu dessen Tod 1781 in Lessings Obhut. Die unglücklichen Ereignisse der Kindheit – der frühe Tod des Vaters, die jahrelange Trennung von der Mutter, schließlich auch deren früher Tod – blieb nicht folgenlos für »Fritz«, wie er gerufen wurde. Er galt als begabtes Kind, war aber nach einem Unfall mit Kopfverletzung in seiner Entwicklung nachhaltig beeinträchtigt, brach ein Jurastudium erfolglos ab und erhielt durch die Vermittlung seiner weit lebenstüchtigeren Schwester und gegen finanzielle Abgeltung eine Stellung als Vikar im Braunschweiger Stift St. Blasien. Friedrich König blieb ledig, er pflegte Liebhabereien wie das Violinspiel und Sammeln von Mineralien; die Unfallfolgen, vielleicht auch eine erbliche Disposition, ließen ihn allerdings geistig verkümmern, zum Ende seines ungewöhnlich langen Lebens war er stadtbekannt als Sonderling und schrulliger Eigenbrötler. Seine brieflich mitgeteilten Erinnerungen an Lessing komplettieren das dürftige Bild von Lessings privatem Dasein. Friedrich Wilhelm König ist auf dem Braunschweiger Magnifriedhof nah dem Grab Lessings bestattet.
König, Samuel geboren am: 31-07-1712 in: Büdingen (Oberhessen) gestorben am: 21-08-1757 in: Zuilestein (NL) Beschreibung: König, Sohn des Schweizer Mathematikers, Orientalisten und Pietisten Samuel Heinrich König studierte Mathematik bei Johann Bernoulli in Basel und beschäftigte sich früh mit der Philosophie von Leibniz. Nach Stationen u.a. in Marburg, wo er bei Christian Wolff hörte, sowie in Bern ging er 1738 nach Paris. 1741 unterrichtete er Marquise Du Chatelet, die Freundin ⭢Voltaires, in Mathematik und Philosophie. 1747 folgte er einem Ruf der Universität Franeker in den Niederlanden, 1748 wurde er Bibliothekar des Erbstatthalters Wilhelm von Oranien, 1749 zudem Professor an der Kriegsakademie in Den Haag. 1749 wurde er auf Vermittlung seines früheren Kommilitonen ⭢Maupertuis auswärtiges Mitglied der Berliner Akademie der Wissenschaften, zudem war König korrespondierendes Mitglied der Göttinger gelehrten Gesellschaft. 1750-51 besuchte König Berlin und legte der dortigen Akademie eine Schrift vor, die sich mit Rekurs ausgerechnet auf Leibniz kritisch gegen Maupertuis und den von ihm reklamierten Nachweis des ›Prinzips der kleinsten Wirkung‹ wandte. Veröffentlicht wurde sie 1751 in den Leipziger »Nova acta eruditorum«. In dem seinerzeit berühmten, aber eher unwürdigen Gelehrtenstreit (Berliner Akademiestreit) ergriff Lessing, wie zuvor schon ⭢Mylius und offenbar sehr vom persönlichen Eindruck Königs angetan, dessen Partei. König gehörte im Übrigen zum Bekanntenkreis Samuel Henzis und wurde wie dieser wegen der Unterzeichnung eines regierungskritischen »Memorials« 1744 aus der Patrizierrepublik Bern verbannt. Vermutlich vermittelte König Lessing auch die Bekanntschaft ⭢Prémontvals. Noch 1756, sieht die weitgehend von Lessing konzipierte Route der Europareise mit dem Leipziger Bürger ⭢Ch. G. Winckler einen Besuch in Franeker vor. GND ADB/NDB-Link Wikipedia Porträt
Koppelow, Berthold Ernst August von geboren am: 30-11-1649 in: unbekannt gestorben am: 30-11-1786 in: unbekannt Verhältnis zu Lessing: Bekannter Beschreibung: Der Offizier im Braunschweigischen Leibregiment, zuletzt im Rang eines Obristleutnants, wird in den Tagebüchern von ⭢Leisewitz erwähnt. Koppelow traf als Besucher des »Großen Clubs« im Hotel d’Angleterre von ⭢Röttger Heinrich Rönckendorff, mindestens im Jahr 1780 und offenbar im Kreis größerer Gesellschaften, mit Lessing zusammen.
Krause, Christian Gottfried geboren am: 31-03-1719 in: Winzig gestorben am: 04-05-1770 in: Berlin Verhältnis zu Lessing: Bekannter Beschreibung: Krause verband die unterschiedlichen Ausbildungen als Jurist, Komponist und Musiktheoretiker. Seine musikalische Prägung erhielt er vom Vater, der ihn Flöte, Violine, Klavier und Pauke lernen ließ. Rechtswissenschaft studierte er in Frankfurt/O., 1747 erhielt er eine Stelle als Sekretär eines Generals ⭢Friedrichs II. in Potsdam. Ab 1753 war er Magistratsadvokat in Berlin, pflegte aber weiterhin musikalische Interessen. Mit seiner Schrift »Von der musikalischen Poesie« (1753) begründete er die »Erste Berliner Liederschule«. Seine Kompositionen, oft in Zusammenarbeit mit ⭢Ramler entstanden, bewegen sich hauptsächlich im Genre des Volksliedes. Ramlers und Krauses »Oden mit Melodien«, Berlin 1753, werden noch 1753 in der BPZ (138 Stück) und vermutlich von Lessing besprochen. Ramler vermittelte Krause auch die Vertonung von ⭢Gleims Kriegsliedern, beide nennt auch ein Odenentwurf Lessings 1757. Der »liebe Krause«, dessen Name in Briefen an Gleim und Ramler gelegentlich fällt, ist ein treffliches Beispiel für das oft unterschätzte Interesse Lessings an der Musik sowie den Umgang, den mit Musikern pflegte. Vor allem Ramlers Korrespondenz nennt Lessings und Krauses Namen gelegentlich im engeren Zusammenhang, zuerst schon 1753. Wie Ramler zählt auch Lessing zu den Bekannten und Freunden Krauses aus dem »Montagsclub«. 1758 zählt er, wie ⭢Gleim berichtet, zu Lessings Berliner Bekanntenkreis, »alles, was zu den Musen und freyen Künsten gehört gesellte sich täglich zueinander, bald zu Lande bald zu Waßer« (D S. 137f.). Im Mai 1759 ist Lessing im Haus von Krause, als einige Stücke aus Telemanns »Messias« aufgeführt werden. Krause selbst schreibt am 4. Juni 1760 an Ramler, er habe mit Lessing »ein Project ausgeheckt zu einem Buche über die psychologische Beschaffenheit der Affecten, und was dabey im Cörper vorgehet«; es zählt freilich zu den vielen unvollendeten Projekten Lessings. GND Wikipedia sonst. Link Porträt Quelle: (Krause an Ramler, Brief vom 4. Juni 1760. Zit. nach Albrecht, Wolfgang: Lessing. Gespräche, Begegnungen, Lebenszeugnisse. Bd. 1: 1729 – 1781. Kamenz 2005, S. 139.)
Kreuchauf [auch Krechauff], Franz Wilhelm geboren am: 16-01-1727 in: Leipzig gestorben am: 16-01-1803 in: Leipzig Beschreibung: Krechaufs Bekanntschaft mit Lessing ist nur wahrscheinlich. ⭢Nicolai schreibt am 5. Juni 1777 an Lessing: »Nur dünkt mich, Sie hätten mir einmal selbst gesagt, wenn Sie oft hintereinander mit dem eifrigen »Krechauf« in Leipzig disputiert hätten, so wären Sie durch die Hitze des Streits auf eine Zeitlang in Ernste preußisch geworden.« Wolfgang Albrecht (Gespräche 1, S. 101) erwägt statt des Namens ›Krechauf‹ auch den Namen ⭢›Winckler‹. Krechauf war Kaufmann und führte mit seinem Bruder als gemeinsamer Teilhaber das väterliche Geschäft weiter, später agierte er ausschließlich als Kunstfreund und -sammler in Leipzig. Um die Jahrhundertmitte bereiste er über drei Jahre, Deutschland, Frankreich und England, ging dabei seinem Interesse an der bildenden Kunst nach und knüpfte zahlreiche Kontakte zu Künstlern, mit denen er auch in der Folge korrespondierte. 1757 wechselte er aufgrund der Kriegsgeschehnisse nach Hamburg, kehrte aber 1764 nach Leipzig zurück. »Der schöne Krechauff«, wie er in der Leipziger Szene genannt wurde, galt als literarisch gebildet, veröffentlichte (anonym) kleinere Schriften zur Kunst, hat für die Bühne, seiner zweiten Leidenschaft, französische Dramen von ⭢Voltaire, Legrand und Dancourt bearbeitet und war Besitzer einer großen Kupferstichsammlung. Mit ⭢Goethe traf er zusammen, mit dessen Freund Adam Friedrich Oeser, über den er schrieb, war Krechauf offenkundig gut bekannt. Neben der Briefäußerung Nicolais gibt es allerdings keine weiteren Hinweise. GND
Krickende, Johann Samuel geboren am: 30-11-1732 in: Soldau [Ostpreußen] gestorben am: 27-04-1797 in: Tschöplowitz Verhältnis zu Lessing: Bekannter Beschreibung: Protestantischer Theologe und Autor diverser, meist theologisch ausgerichteter Schriften. Studium in Königsberg, dann einige Jahre Hofmeister beim Probst und Konsistorialrat Süßmilch in Berlin, 1765 Feldprediger, 1778 Pfarrer und später Oberkonsistorialrat in Tschöplowitz bei Brieg (Schlesien). Auch wenn die Zeugnisse spärlich sind, scheint Krickende Lessings Werdegang aufmerksam verfolgt zu haben, wovon seine Briefe an ⭢Johann George Scheffner, den Freund Kants und Hippels, Zeugnis geben. In ihnen berührt er die Etappen Breslau und Berlin sowie die Wolfenbütteler Anfänge. Im Sept. 1762 berichtet Krickende Scheffner von Lessings Existenz als »Halbsoldate« im Siebenjährigen Krieg. Offenbar wohnen beide der Belagerung von Schweidnitz bei, Berichte über weitere Begegnungen sind nicht überliefert. Krickende korrespondierte auch mit ⭢Mendelssohn, der ihm um 1770 geschrieben haben soll, das »verwünschte antiquarische Studium […] macht uns Lessing noch zu einem Erzpedanten.« (D S. 289)
Krünitz, Johann Georg geboren am: 28-03-1728 in: Berlin gestorben am: 20-12-1796 in: Berlin Verhältnis zu Lessing: Bekannter Beschreibung: Nach dem Studium der Medizin und Naturwissenschaften in Göttingen, Halle und Frankfurt/O. wurde Krünitz promoviert und habilitiert und ließ sich in Berlin nieder, wo er bis 1776, offenbar mit wenig Erfolg, als Arzt tätig war. Danach arbeitete er ausschließlich als Verfasser, Übersetzer und Herausgeber einer eindrucksvollen Menge meist kompilatorischer Schriften zu naturwissenschaftlichen und medizinischen Themen. Der Buchhändler und Verleger Joachim Pauli hatte Krünitz mit der Übersetzung und Zusammenfassung zweier französischer Enzyklopädien beauftragt, was aber schon bald zu einem eigenständigen Werk von Krünitz geraten sollte. Die ersten 72 Bände des Mammutunternehmens »Oekonomisch-technologische Encyklopädie, oder allgemeines System der Staats-, Stadt-, Haus- und Landwirthschaft«, (1773-1758) hat Krünitz selbst erstellt, abgeschlossen wurde die insgesamt 242 Bände umfassende »Oeconomische Enzyklopädie« indes erst 1858, sie gilt heute als wichtige Quelle zur Wirtschafts- und Technikgeschichte zwischen Aufklärung und Industrialisierung. Nur ein 1754 in Berlin in spanischer Sprache verfasster Stammbucheintrag Lessings zu einem Wort Baltasar Grácians bezeugt die persönliche Bekanntschaft beider. GND ADB/NDB-Link Wikipedia Bibl. Angabe sonst. Link Porträt
Krull, Christian Friedrich geboren am: 11-04-1748 in: Hessen am Fallstein bei Wolfenbüttel gestorben am: 23-02-1787 in: Braunschweig Verhältnis zu Lessing: Bekannter Beschreibung: Der Pfarrerssohn und spätere Bildhauer und Münzgraveur studierte am Helmstedter Juleum Jura, Mathematik und Naturwissenschaften, beschäftigte sich aber früh schon mit künstlerischen Arbeiten und brach das Studium ab. Er war Hauslehrer in Süpplingenburg und zog 1774 nach Braunschweig, wo er am Herzoglichen Hof Zeichenunterricht gab. Seit 1776 an der herzoglichen Münzstätte beschäftigt, prägte er sämtliche Stempel der Braunschweiger Münze von 1776 bis 1787, gelegentlich auch für benachbarte Münzstätten wie Hildesheim. 1782 wurde er zum Münzkommissar in Braunschweig ernannt, daneben schuf er Modelle für die Fürstenberger Porzellanmanufaktur. Gemeinsam mit Lessing, zu dessen Kreis er zählte, und dem ⭢Abt Jerusalem begründete er den »Großen Club« in Braunschweig als ein Forum gebildeter Braunschweiger Geselligkeit. Am Tag nach Lessings Tod nahm Krull die Totenmaske des Dichters ab, die danach von ihm gefertigte Büste fand rasche Verbreitung bei Lessings Freunden und soll große Ähnlichkeit mit dem Dichter bezeugen. GND Wikipedia
Kuh, Ephraim Moses geboren am: 10-04-1731 in: Breslau gestorben am: 03-04-1790 in: Breslau Verhältnis zu Lessing: Bekannter Beschreibung: Deutsch-jüdischer Dichter und Kaufmann. Während die Eltern sich den Sohn als Rabbiner wünschten, entschied sich Kuh für eine kaufmännische Ausbildung und arbeitete zunächst beim Vater, Moses Daniel Kuh. Zugleich erhielt er bei einem Kalligraphen namens Petzhold [Vorname nicht ermittelt] die sprachlichen und rechnerischen Grundlagen. Bald lernte er außerdem Französisch, Italienisch, Englisch und später Latein, was ihm die Weltliteratur eröffnete, er las Autoren wie Petrarca, Shakespeare oder Voltaire. Mit dem Tod seines Vaters erbte Kuh ein großes Vermögen, 1763 erhielt er eine Anstellung bei seinem Onkel ⭢Veitel Heine Ephraim in Berlin. In dieser Zeit begann er selbst zu schreiben, vor allem Gedichte, neben der Dichtung beschäftigten ihn Themen der Naturlehre und -geschichte, Geschichte und Philosophie. Die Vernachlässigung der kaufmännischen zugunsten der literarischen Tätigkeit, seine Bibliophilie, eine attestierte Neigung zur Wohltätigkeit, auch mehrfach ihm widerfahrene Betrügereien und das Vertrauen in falsche Freunde brachten ihn innerhalb weniger Jahre um das beträchtliche Erbe. Nach Streitigkeiten mit seinem Onkel verließ er Berlin 1768 und unternahm eine zweijährige Europareise. Danach lebte er verarmt bei seinen Geschwistern in Breslau. Die letzten Lebensjahre waren von Krankheit und psychischer Zerrüttung bestimmt, 1790 starb Kuh an den Folgen eines Schlaganfalls. Lessing und Kuh haben sich möglicher Weise in Breslau kennengelernt (so Danzel, II, S. 335), aber erst in seinem letzten Lebenshjahr erhielt Lessing aus Breslau eine Gedichtauswahl Kuhs zur Beurteilung, verwies ihn aber an ⭢Mendelssohn – dessen dessen eher unwillige Bemerkung: »Da haben Sie unserm Freunde Kuh nicht den besten Rath gegeben, daß Sie ihn an mich gewiesen« lässt den Bekanntschaftsgrad nicht genauer ermessen. Insgesamt verfasste Kuh über 5000 Gedichte, die nach seinem Tod an seinen Förderer ⭢Ramler übergeben wurden. 1792 erschien eine Auswahl daraus, herausgegeben von Johann Joseph Kausch und mit der Lebensbeschreibung Hirschels, in Zürich. GND ADB/NDB-Link Wikipedia Quelle: Moses Hirschel, Biographie des jüdischen Gelehrten und Dichters Ephraim Moses Kuh, in: Ephraim Moses Kuh. Hinterlassene Gedichte, hrsg. von Carl Willhelm Ramler, 2 Bde., Zürich 1792, 1. Bd., S. 40-152.
Kuntzsch, Johann Joachim Gottfried Joseph von geboren am: 30-11-1741 in: unbekannt gestorben am: 30-11-1781 in: unbekannt Verhältnis zu Lessing: befreundet Beschreibung: Die Vita des am Braunschweiger Hof beschäftigten v. Kuntzsch liegt eigentümlich im Dunkel, weder liegen exakte Lebensdaten noch eine Auskunft über seine späteren Jahre vor. 1760 wurde er Assessor bei der Justizkanzlei in Wolfenbüttel, 1763 Kammerjunker, 1769 Kammerherr in Braunschweig. Im Jahr 1773 hält er sich mehrfach in Hamburg auf, nicht zuletzt mit dem Wunsch, eine seiner gesellschaftlichen Situation gemäße Ehefrau zu finden. Kuntzsch heiratete dort im Mai 1773 Albertine Friederike von Düring, die Tochter des Gutsbesitzers und Dompropsts Adolf Friedrich von Düring (1699-1767). Braunschweig verließ der Kammerherr ein Jahr nach Lessings Tod, also 1782, mit unbekanntem Verbleib, offenbar wegen eines Vermögensverfalls. Er war Erbherr der Güter von Langenleuba und Ruppersdorf geworden; die indes in Verfall geraten und beschlagnahmt worden waren. Angeblich wanderte Kuntzsch mit seiner Frau nach Frankreich aus. In jedem Fall zählte er zu den engeren Braunschweiger Freunden und Vertrauten Lessings, wie einige Briefe und Brieferwähnungen Lessings bekunden. Selbst in die Hamburger Heiratsbemühungen des Freundes scheinen Lessing und Eva König eingelassen. Eingehend informiert Lessing Kuntzsch 1775 über die Werbung des Wiener Hofs. Während der Italienreise 1775 Lessings scheint Kuntzsch dem Freund in Wolfenbüttel verschiedene Gefälligkeiten erwiesen zu haben, so dass Lessing – ein seltenes Vorkommnis – Blumen an Kuntzschs Frau schicken lässt.
Lang[n]er, Carl August geboren am: 30-11-1649 in: unbekannt gestorben am: 30-11-1771 in: unbekannt Verhältnis zu Lessing: Bekannter Beschreibung: Münzrendant in Breslau. Der Münzschreiber oder -rendant beschränkte die Machtbefugnisse des Münzmeisters. Langner hatte mit Lessing persönlichen Umgang; wie ⭢Klose in einem Brief an ⭢Karl Gotthelf Lessing berichtet, zählte er zu den Personen, die Lessing in Breslau unterstützte. Aus einer Antwort Langners vom 28. Juli 1765 auf einen nicht erhaltenen Brief Lessings geht hervor, dass dieser sich für eine Beförderung Langners in Berlin eingesetzt hat. In einem späteren Brief Kloses an Lessing vom 18. Apr. 1774 berichtet dieser vom Ableben des Münzrendanten. In welchem Verhältnis die beiden aber zueinander standen, ist nicht mehr zu ermitteln.
Langemack, Lucas Friedrich geboren am: 30-11-1718 in: unbekannt gestorben am: 30-09-1761 in: Berlin Verhältnis zu Lessing: Bekannter Beschreibung: In der Familie Langemacks, verwandtschaftlich mit der Familie Wackenroders verbunden, stammte Lucas Friedrich aus der ersten Ehe seines Vaters, des Theologen Gregor Langemack, mit der Witwe von dessen Amtsvorgänger Georg Christoph Lemmius, einer geborenen Dinnies. Lucas Friedrich schlug die administrative Laufbahn ein, wurde Sekretär und Ratsherr in Berlin und erschien mit Abhandlungen zu Recht und Politik sowie den »Philosophischen Gedanken zur Verbesserung des Justizwesens« in der Öffentlichkeit. Im Lessingkontext ist Langemack als Gründungsmitglied des sog. »Klubbs« von Bedeutung, dem späteren »Montagsclub« (ab 1780), in dem er wohl häufiger mit dem noch jungen Autor zusammentraf. So schreibt Lessing am 11. Dez. 1755 aus Leipzig an ⭢Ramler: »[…] empfehlen Sie mich dem Herrn Langemack , dem Herrn Dennstädt und seiner Frau Liebste. Ich denke mit Entzücken an die vergnügten Abende, die wir miteinander zugebracht«. Die Bekanntschaft währte bis mindestens 1760, wie aus Ramlers Korrespondenz mit ⭢Gleim hervorgeht. GND sonst. Link
Langer, Ernst Theodor geboren am: 23-08-1743 in: Breslau gestorben am: 24-02-1820 in: Wolfenbüttel Verhältnis zu Lessing: Bekannter – sonstiges Beschreibung: Der Kaufmannssohn und Nachfolger Lessings als Herzoglicher Bibliothekar besuchte das Gymnasium im niederschlesischen Oels, verließ es aus Begeisterung für ⭢Friedrich II. aber schon früh und wurde Soldat. Durch Verwundung dienstuntauglich geworden, verdingte er sich als Hofmeister und schloss um 1769 an der Universität Leipzig Bekanntschaft mit ⭢Goethe. Goethe, der Langer in »Dichtung und Wahrheit« freundlich gedenkt, sah er bald darauf in Frankfurt a/M. wieder, einer Zwischenstation auf dem Weg nach Lausanne. Ab 1769 begleitet Langer den Grafen Lindenau auf seinen Reisen durch verschiedene deutsche Städte in die Schweiz, wo sich die beiden etwa zwei Jahre aufhielten, ehe sie nach Dresden zurückkehrten. Langer lernte auf diesen Reisen etliche Autoren der Aufklärungszeit kennen und besuchte in den Jahren zwischen 1771 und 1774 auch Braunschweig und Wolfenbüttel. Außer Lessing lernte er dabei ⭢Abt Jerusalem, ⭢Conrad Arnold Schmid, ⭢Ebert, ⭢Zachariä und ⭢Johann Joachim Eschenburg kennen. Es folgen Reisen nach Paris, England, Petersburg und Rom. Langer schrieb etliche Rezensionen und Aufsätze vor allem zu Fragen der Bibliographie und Literaturgeschichte. Seine Verehrung galt den Autoren der Aufklärung, ⭢Klopstock, ⭢Hagedorn, ⭢Ebert und vor allem Lessing, Schillers »Horen«, namentlich die Xeniendichtung lehnte er als konservative Natur aber ebenso ab wie die aufkommende Romantik, Schlegel, Novalis und andere und besonders die Philosophie Fichtes. Den Sommer 1780 verbrachte Langer anscheinend überwiegend in Wolfenbüttel bei Lessing, der ihn ⭢Carl Wilhelm Ferdinand vorstellte und offenbar selbst für das Bibliothekariat in Wolfenbüttel empfahl. Langers Ernennung zum Bibliothekar erfolgte am 2. Aug. 1781, danach bezog er die Dienstwohnung im Lessinghaus, seine Verdienste als Bibliothekar bestehen vor allem in deren straffer Organisation sowie der Vermehrung der Bestände. GND ADB/NDB-Link Bibl. Angabe Quelle: Zeitschrift des Harz-Vereins für Geschichte und Altertumskunde
Leisewitz, Johann Anton geboren am: 09-05-1752 in: Hannover gestorben am: 10-09-1806 in: Braunschweig Verhältnis zu Lessing: befreundet Beschreibung: Der Schriftsteller, Jurist und Historiker verlebte Kindheit und Jugend in Celle. 1770 begann er das Jurastudium in Göttingen, 1774 trat er dem »Göttinger Hainbund« bei. Für einen von ⭢Sophie Charlotte Ackermann und ihrem Sohn ⭢Friedrich Ludwig Schröder ausgeschriebenen Preis reichte Leisewitz das Stück »Julius von Tarent« ein, das mit dem Einhalten der klassischen drei Einheiten ebenso konventionelle Züge wie Momente des Sturm und Drang trägt. Den Wettbewerb gewann zwar ⭢Klingers »Die Zwillinge«, doch nahm Lessing, der zunächst ⭢Goethe als Autor vermutete, das Stück aufmerksam wahr. Nach seinem Studium zog Leisewitz nach Braunschweig und trat mit ⭢Eschenburg, ⭢ Ebert, ⭢Zachariä, ⭢Jerusalem und Lessing in Verbindung. Später hielt er sich in Berlin auf, besuchte 1780 Goethe in Weimar und trat – vermutlich auf Goethes Empfehlung – eine Stelle als Hauslehrer des späteren Braunschweiger Herzogs ⭢ Ferdinand an. 1781 verheirate er sich mit ⭢Sophie Marie Katharina Seyler, der Tochter ⭢Abel Seylers. Leisewitz war seit 1800 Mitglied der Braunschweiger Regierung, wurde 1801 zum Geheimen Justizrat ernannt und leitete ab 1805 das Obersanitätskollegium. Während dieser Zeit setzte er sich vor allem für die Verbesserung des Armenwesens ein, in den letzten Lebensjahren traf er häufig mit Lessing zusammen, seine Tagebücher geben darüber hinaus zahlreiche Hinweise auf andere Bekannte Lessings. GND ADB/NDB-Link Wikipedia Bibl. Angabe Porträt
Leiste, Christian geboren am: 17-08-1738 in: Lotsche gestorben am: 21-02-1815 in: Wolfenbüttel Verhältnis zu Lessing: Bekannter – Bibliotheksbenutzer – sonstiges Beschreibung: Auch der Konrektor und spätere Rektor Christian Leiste gehört, wie ⭢Franz Anton Knittel und ⭢Jakob Friedrich Heusinger, zu Lessings Wolfenbütteler Bekannten- und Gelehrtenkreis. In Lotsche bei Magdeburg geboren, besuchte er von 1751–57 das Klostergymnasium »Unsere lieben Frauen« in Magdeburg und studierte anschließend Theologie, Philosophie, Philologie und Mathematik in Halle. Daneben unterrichtete er an der Latina in den Franckeschen Stiftungen und wurde am dortigen Pädagogium 1761 Lehrer (zu seinen Schülern gehörten ⭢Gottfried August Bürger und ⭢Leopold Friedrich Günter Göckingk). Auf der Suche nach einem Nachfolger für den früh verstorbenen Konrektor der Großen Schule in Wolfenbüttel ⭢Heinrich Basilius Hoffmann (1726-61) hatte sich der Konsistorialrat 1765 an ⭢Franz Anton Knittel als sog. Ephorus, also Schulaufsicht, an die Franckeschen Stiftungen gewandt, die Leiste nicht zuletzt wegen seines untadeligen Lebenswandels empfahl. Im Frühjahr 1766 wurde Leiste nach Wolfenbüttel berufen und gab, offenbar mit großem Erfolg, mathematischen und naturkundlichen Unterricht. Daneben veröffentlichte er einschlägige Arbeiten, etwa über den Bau eines Quadranten oder eine »Neue Einrichtung der Luft-Pumpe« (1772). Zu seinem Pensum gehörten neben der reinen Mathematik Geometrie, Trigonometrie, Astronomie, später auch Naturgeschichte und Theologie, schließlich Geschichte und Geographie. Nach ⭢Jakob Friedrich Heusingers Tod 1778 wurde er dessen Nachfolger als Rektor der Herzoglichen Schule; 1786 ernannte ihn der Herzog zum Professor. Leiste war, wie Heusinger, fleißiger Benutzer der Herzoglichen Bibliothek. Christian Leiste verrichtet seinen Schuldienst 49 Jahre bis zu seinem Tod am 21. Februar 1815. Lessing lobte ihn 1773 in seiner Zeitschrift »Zur Geschichte und Litteratur‹ als »würdigen Schulmann« und gewinnt ihn als Beiträger verschiedener Artikel. Nach der Veröffentlichung seiner »Beschreibung des Brittischen Amerika« (1778), für die Leiste die Bibliothek nutzt, kommt es zu einer Zusammenarbeit der beiden Gelehrten. Lessing hatte unter den Augusteischen Handschriften einen spanischen Text mit der Beschreibung Brasiliens eines gewissen Pedro Cudena entdeckt. Er zog Leiste als Kenner heran, der die Übersetzung verbesserte und Anmerkungen beifügte. Die Veröffentlichung dieser Arbeit hat Lessing nicht mehr erlebt. Sie erscheint, von Leiste herausgegeben, posthum 1781 im sechsten Band der oben genannten Zeitschrift sowie als Buch. GND Wikipedia
Leopold, mit vollem Namen: Maximilian Julius Leopold von Braunschweig-Wolfenbüttel Prinz geboren am: 11-10-1752 in: Wolfenbüttel gestorben am: 27-04-1785 in: Frankfurt /O. Verhältnis zu Lessing: Dienstverhältnis Beschreibung: Der jüngste Sohn von⭢Herzog Carl I. und ⭢Philippine Charlotte erhielt durch ⭢Abt Jerusalem, ⭢Carl Christian Gärtner und ⭢Johann Arnold Ebert eine an christlichen wie aufklärerischen Idealen orientierte Erziehung. Leopold hat diese Haltung auch im späteren Leben vertreten und wurde durch eine mildtätige Haltung bekannt, die in seinem Stand sicher ungewöhnlich war, einer besonderen Menschenfreundlichkeit gegenüber Not leidenden Bürgern, Juden oder auch den ihm anbefohlenen Soldaten. Die Ideale der Brüderlichkeit und Wohltätigkeit fand er in der Braunschweiger Freimaurerloge »Carl zur gekrönten Säule« wieder, der Leopold seit 1770 angehörte, wie schon sein Onkel ⭢Ferdinand oder sein Bruder ⭢Friedrich August. Die militärische Karriere verfolgend, bemühte er sich 1775 um einen Offiziersposten am Wiener Hof. In der Wartezeit und in Ermangelung von Alternativen begab er sich auf Italienreise, bei der ihn der zufällig ebenfalls in Wien sich aufhaltende Lessing begleiten musste. In Neapel erfuhr Leopold vom Angebot Friedrichs II., Regimentschef in Frankfurt/O. zu werden, das er annahm. Auch als Militär agierte er außergewöhnlich menschlich, so setzte er etwa sein Regiment ohne Absprache mit dem Magistrat bei Hilfsmaßnahmen ein oder ließ, weitgehend auf eigene Kosten, ein Schulhaus für verwahrloste Kinder bauen. 1785 ertrank er in der großen Oderflut beim Versuch, die Habe einiger seiner Soldaten zu retten. Lessings karge Aufzeichnungen der gemeinsamen Italienreise geben kaum Auskunft über deren Details, noch weniger über sein persönliches Verhältnis zum Prinzen. Nur dessen Adjutanten ⭢Oberst von Warnstedt verdanken wir aufgrund eines penibel geführten Rechnungsbuchs Details der Reiseroute wie der besuchten Höfe, Persönlichkeiten und Sehenswürdigkeiten. GND ADB/NDB-Link Wikipedia Porträt
Lessing, Karl Gotthelf geboren am: 10-07-1740 in: Kamenz gestorben am: 17-02-1812 in: Breslau Verhältnis zu Lessing: verwandt Beschreibung: Der viertjüngste Bruder, erste Biograph und Nachlassverwalter Lessings übte den Beruf eines Münzdirektors in Breslau aus. Durch die Heirat mit Marie Friederike Voß, Tochter von ⭢Christian Friedrich Voß, wurde er Mitbesitzer der »Vossischen Zeitung«. Karl Gotthelf besuchte die Kamenzer Lateinschule und die Fürstenschule St. Afra in Meißen. Im Anschluss studierte er zunächst Medizin in Leipzig, wechselte aber 1763 zur Jura und widmete sich nebenher seinem literarischen Interesse, vor allem als Verfasser von Komödien. 1764 verließ er Leipzig ohne Studienabschluss in prekärer finanzieller Lage. 1765 zog er zu Lessing nach Berlin, war Mitglied des sogenannten »Montagsclubs« und hatte dort u.a. Kontakt zu ⭢Mendelssohn, ⭢Ramler, ⭢Nicolai, ⭢Christian Friedrich Voß und anderen. Nachdem Lessing Berlin 1767 verließ, versuchte der jüngere Bruder seinen Lebensunterhalt durch Lustspiele zu verdienen, die er für die ⭢Döbbelinsche Truppe redigierte, er schrieb Kritiken und Gelegenheitsgedichte für die »Vossische Zeitung« und übersetzte aus dem Englischen und Französischen. Von seinem Bruder ebenso gewarnt wie ermutigt, schrieb er zwischen 1768 und 1780 insgesamt sieben Komödien, die mehrfach aufgeführt wurden, ihm aber wenig Erfolg einbrachten und von Lessing schonungslos kritisiert wurden. 1770 wurde er dank der Vermittlung Mendelssohns Assistent des Berliner Generalmünzdirektors, ab 1779 Königlicher Münzdirektor in Breslau. 1805 wurde der Münzbetrieb jedoch aufgrund nachlassender Gewinne und Unterbilanzen eingestellt. Nach Lessings Tod gab er dessen Sämtliche Schriften heraus und verfasste die erste, auch heute noch lesbare Biographie Lessings. Nach einem längeren Rechtsverfahren erhielt er den in Wolfenbüttel versiegelten handschriftlichen Nachlass des Bruders und konnte einige seiner bis dahin ungedruckten Texte veröffentlichen. Auch wenn die Herausgabe heutigen Editionsstandards nicht genügt, hat sie doch zahlreiche Lessingtexte überhaupt gesichert. GND Wikipedia Bibl. Angabe Porträt
Lestwitz, Ernst Sigismund von Baron geboren am: 30-11-1709 in: gestorben am: 30-11-1778 in: Verhältnis zu Lessing: Bekannter Beschreibung: Der Offizier und Pagengouverneur war einflussreicher Kopf der Freimaurer in Braunschweig, wo er verschiedene Logen gründete und als Meister vom Stuhl der dortigen Schottenloge fungierte. Als Berater des ⭢Herzogs Ferdinand, seinerseits Großmeister der vereinten Logen Deutschlands der strikten Observanz, trat er auch mit Lessing in Verbindung, dessen Freimaurergespräche »Ernst und Falk« ohne zuvor erteilte Genehmigung eine Widmung an den Herzog enthielten. Lestwitz war eine ebenso schillernde wie einschlägig respektierte Gestalt und durch seinen Hang zu alchemistischen und kabbalistischen Inhalten umstritten. Ferdinand, auf den er auch in hermetischer Hinsicht Einfluss zu nehmen suchte, ließ ihm ein Grabmal auf dem Braunschweiger Martinifriedhof errichten.
Lorenz (verh. Huber, verh. Weidner), Christiane Friederike geboren am: 29-05-1730 in: Zittau gestorben am: 14-11-1799 in: Wien Beschreibung: Die »hübsche Demoiselle Lorenz« wird sie von Erich Schmidt genannt, ein Komödiantenkind, dessen »Mutter ältere Lustspielpartien vertrat«, das schon früh »die Wiener Bretter [betrat und später] in Lisetten- und zweiten Liebhaberinrollen« in den Kompanien der ⭢Neuberin und ⭢Schönemanns in Leipzig, Dresden und anderen Städten spielte (Erich Schmidt I, S. 90). 1748 floh sie aus Leipzig nach Wien und wurde am Hofburgtheater engagiert. 1751 heiratete sie den Schauspieler Josef Carl Huber (1726-1760) und trug seitdem den Namen Christiana Friderica Huberin. 1775 heiratet sie den Justizbeamten Joseph Weidner. Zu ihrem 40-jährigen Bühnenjubiläum erhielt sie als erste Schauspielerin der ›Burg‹ von ⭢Joseph II. die »Große Goldene Ehrenmedaille«. Die ›Huberin‹, so ihr bekanntester Name, war eine Wiener Berühmtheit. Als Darstellerin tragischer Heldinnen verkörperte sie vor allem Prinzessinnen, Königinnen und Mütter, sie war die erste ›Doyenne‹ der Burg und bearbeitete manche Stücke mit erheblichen Eingriffen zugunsten des Publikumsgeschmacks. So trat sie im Oktober 1768 als Sara Sampson in einer »Miss Sara und Sir Sampson« betitelten Aufführung auf, die, Lessings Namen auslassend, offiziell vom verstorbenen Ehemann als Neues Bürgerliches Trauerspiel »aus dem Englischen gezogen« worden war. Überdies trat ein Hanswurst als Bedienter Mellefonts auf. Lessing lernt Chr. F. Lorenz 1747 in Leipzig kennen und entflammt offenbar in ähnlicher Weise wie seine Leipziger Freunde und Bekannten. »Es liegt kein Grund vor, das Gerücht [einer Herzensneigung Lessings] zu bezweifeln«, so noch einmal Erich Schmidt, »aber auch kein Zeugnis für den Wärmegrad und die näheren Umstände.« Immerhin kann eine engere Freundschaft mit Lessing nicht ausgeschlossen werden; von zwei Gedichten, die der jungen Frau Lorenz gelten, stammt eines, »Das Bild an Hrn. H.« höchstwahrscheinlich, das andere, »An die J. L***.« dagegen nur eventuell von Lessing. Erst nach fast 25 Jahren berühren sich die Lebenswege beider durch ⭢Eva Königs Aufenthalt in Wien erneut. Im Juni 1772 macht Lessings Verlobte die Bekanntschaft der »recht scharmanten Frau«, deren Diven-Attitüde (von Eva später bestätigt), Lessing zu Ohren gekommen war: »Sie kann gar wohl noch eine ganz gute Frau sein; aber sie muß auch dabei eine sehr eifersüchtige Actrice sein, die keine neben sich aufkommen lassen will.« Als einzigem Ensemblemitglied attestiert Eva König der Huberin in der Rolle Claudia Galotti »größte Vollkommenheit«. Ohne Spur in Lessings Lebenszeugnissen ist das Wiedersehen mit der Schauspielerin bei seinem eigenen Aufenthalt in Wien 1775 verlaufen. GND Wikipedia sonst. Link Porträt
Ludovici, Carl Günther geboren am: 07-08-1707 in: Leipzig gestorben am: 05-07-1778 in: Leipzig Beschreibung: Schon in frühester Kindheit erhielt Ludovici Unterricht von Hauslehrern, er besuchte die Thomasschule und studierte, unter dem Rektorat seines Vaters, des Theologen und Philosophen Christian Ludovici, gleichfalls Theologie und Philosophie. 1728 Magister, wurde er 1733 ordentlicher Professor der Weltweisheit. Seine Schwerpunkte waren anfangs Wolff und Leibniz, zu beiden veröffentlichte er umfangreiche Schriften historiographischen Charakters. Im Jahr 1761 wurde er Professor für Aristotelische Logik und war 1765/1766 Rektor der Universität. Sein eigentliches Lebenswerk war enzyklopädischer und lexikalischer Natur. Von Johann Heinrich Zedler 1739 zum Verantwortlichen Redakteur für dessen »Grosses vollständiges Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste« bestimmt, betreute Ludovici die Bände 19 bis 64 sowie vier Supplementbände, führte grundlegende redaktionelle Verbesserungen durch, verfasste lexikographisch bedeutende Vorreden mehrerer Bände und trug u.a. die umfangreichen Artikel über Christian Wolff bei. Noch während dieser Arbeit gab er von zwischen 1741 bis 1743 eine deutsche Übersetzung des »Dictionnaire universel de commerce« der Brüder Savary heraus, auf dessen Grundlage Ludovici ein wegweisendes fünfbändiges »Kaufmanns-Lexicon« verfasste (1752-1756), das erste seiner Art im deutschen Sprachraum. Ludovici war Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften, der »Deutschen Gesellschaft« und anderer gelehrter Einrichtungen, zudem auch Aufseher des Kalenderwesens und Archivar der Universität Leipzig. Vermutlich hörte Lessing, schon aus gelehrter Neugierde, zumindest sporadisch beim Leipziger Lehrer, belegbar ist die Vermutung nicht. Erst Jahrzehnte später, in zwei Beiträgen seiner Wolfenbütteler Bibliothekszeitschrift »Zur Geschichte und Literatur« bezieht er sich auf Ludovicis »Ausführlicher Entwurf einer vollständigen Historie der leibnitzischen Philosophie«, (Leipzig 1737). Die Artikel über »Des Andreas Wissowatius Einwürfe wider die Dreieinigkeit« sowie »Leibnitz von den ewigen Strafen« behandeln dabei eher Datierungs- als inhaltliche Fragen. GND Wikipedia Bibl. Angabe sonst. Link
Lüderwald, Johann Balthasar geboren am: 27-09-1722 in: Fahrland bei Potsdam gestorben am: 25-08-1796 in: Vorsfelde Verhältnis zu Lessing: sonstiges Beschreibung: Protestantischer, eher orthodox als neologisch ausgerichteter Theologe und Verfasser meist apologetischer Schriften. 1747 Prediger in Glentorf bei Königslutter, später in Vorsfelde beim heutigen Wolfsburg, wurde Lüderwald 1762 Herzoglich Braunschweigischer Superintendent und trat als Gegner Lessings im Fragmentenstreit in Erscheinung. Seiner Verteidigungsschrift »Die Wahrheit und Gewisheit der Auferstehung Jesu Christi« (Helmstedt 1778), war das Reimarus-Fragment »Über Die Auferstehungsgeschichte« beigegeben, ⭢Goeze übernahm sie als ersten Abschnitt der programmatischen Schriftenfolge »Leßings Schwächen«. 1780 erschien, programmatisch hier schon im Titel, »Freye Anmerkungen über einige die Heilige Schrift deren Würde und Nothwendigkeit betreffende so genannte Axiomata«. GND ADB/NDB-Link
Mackwitz, Johann Christian geboren am: 30-11-1649 in: unbekannt gestorben am: 30-11-1649 in: unbekannt Beschreibung: Mackwitz, Lohndiener in Braunschweig, war Lessings Bediensteter vor Ort und soll auch an dessen Sterbebett gesessen haben. ⭢Johann Heinrich Campe berichtet in seiner »Reise von Hamburg bis in die Schweiz im Jahre 1785« ausführlich von einem Gespräch mit Mackwitz, aus dem er von dessen Anstellung bei Lessing erfahren habe. Mackwitz berichtet darin von der auch andernorts kolportierten Großzügigkeit Lessing gegenüber Bedürftigen. Die Unterredung bewog Campe, den als wenig redegewandt, ehrlich und bereits betagt Geschilderten gleichfalls in Dienst zu nehmen. Lessing seinerseits soll seinen Bediensteten mit dem spöttischen Wort »Sein Name ist der einzige Witz an ihm« bedacht haben.
Marpurg , Friedrich Wilhelm geboren am: 21-11-1718 in: Wendemark [Altmark] gestorben am: 22-05-1795 in: Berlin Verhältnis zu Lessing: befreundet Beschreibung: Das Leben des vielseitigen, streitlustigen Musiktheoretikers wird vor allem für die Jugendjahre mit widersprüchlichen Angaben überliefert. Marpurg studierte ab 1738 Jura in Jena und Halle, wo er die Bekanntschaft ⭢Winckelmanns machte. Winckelmanns Briefäußerung, der drohenden Gefängnisstrafe eines Pasquills wegen sei Marpurg nach Holland und Frankreich geflohen, wird allerdings bezweifelt. Gesichert ist, dass Marpurg 1748 sein Studium in Frankfurt/O. wieder aufnahm. 1749 erhielt er eine Stelle als Sekretär beim preußischen Militär Friedrich Rudolf Graf Rothenburg in der Nachfolge ⭢Krauses. Rothenburg, Mitglied der Tafelrunde in Sans Souci, vermittelte Marpurg auch die Bekanntschaft französischer Gelehrter und Künstler wie ⭢Voltaire, d'Alembert oder Rameau. 1763 erwarb er mit dem Amt des Direktors der Königlichen Lotterie auch den Titel eines Preußischen Kriegsrats. Sein großes Interesse aber war unmilitärisch und galt der Musik; zu diversen praktischen und theoretischen Aspekten dieser Kunst veröffentlichte er in einem Zeitraum von rund 40 Jahren zahlreiche Abhandlungen, Kritiken und Anleitungen und galt schon in seiner Zeit als einer der führenden Musikwissenschaftler der Aufklärung. Lessing bezieht sich bereits als junger Mann 1749, also im Jahr ihrer Berliner Bekanntschaft, mit seinem in Alexandrinern gebauten poetologischen Langgedicht »An den Herrn Marpurg. Über die Regeln in den Wissenschaften zum Vergnügen und besonders in der Dicht- und Tonkunst« auf den »Critischen Musicus an der Spree«, das er in Marpurgs gleichlautender Zeitschrift publiziert. Zudem griff Lessing, mit Erich Schmidts Formulierung, »lustig in einen Streit über die von Marpurg gescholtene, von Agricola gepriesene wälsche Musik durch den Entwurf der burlesken Operette ›Tarantula‹ « (Schmidt I, S. 168) ein. In seiner 1756 erschienenen Sammlung »Neue Oden und Lieder zum Singen beym Klavier« hatte er Lessing-Lieder vertont und ihren Verfasser als berühmten Dichter gefeiert. Zwischen 1756 und 1762 veröffentlichte Marpurg auch Lessings Übersetzung von Jean-Baptiste Dubos' »Réflexions critiques sur la poésie et sur la peinture« (Kritische Betrachtungen über die Dichtkunst und Malerei, Paris 1719) in seinen »Historisch-Kritischen Beyträgen zur Aufnahme der Musik«. Noch Ende Nov. 1756 richtet Lessing in einem Brief an ⭢Nicolai Grüße an »unseren lieben Marpurg« aus. Die gelegentlich zu lesende Bezeichnung als »Jugendfreunde« wird durch den Altersunterschied der beiden relativiert; vergleichbar sind beide Künstler in ihrer Lust zur polemischen Auseinandersetzung. GND ADB/NDB-Link Wikipedia Bibl. Angabe sonst. Link Porträt Quelle: An den Herrn Marpurg über die Regeln der Wissenschaften zum Vergnügen besonders der Poesie und Tonkunst, in: Schriften I, Berlin 1753, C.F. Voß
Marschall, August Dietrich Graf von geboren am: 19-06-1750 in: unbekannt gestorben am: 31-01-1824 in: Weimar Verhältnis zu Lessing: befreundet Beschreibung: Der Sohn des kaiserlichen Generalfeldmarschalls Ernst Dietrich Marschall studierte von 1766 bis 1768 Mathematik, Geschichte und Staatswissenschaften in Straßburg sowie 1768 bis 1771 Rechtswissenschaften in Leipzig. Dort lernte er u.a. ⭢Gellert oder den späteren Kanzler Karl August von Hardenberg kennen. Nach dem Studium wurde Marschall Assessor am Hofgericht Wolfenbüttel. Er war freimaurerisch aktiv, wurde 1771 in die Leipziger Freimaurerloge Minerva zu den drei Palmen, 1775 in die Braunschweiger Loge Zu den drei Säulen und später in weiteren Freimaurervereinigungen aufgenommen. In Braunschweig wurde er als Kammerherr auch mit der Leitung des französischen Theaters betraut, wodurch er mit Lessing und ⭢J.F.W. Jerusalem in Verbindung trat. Als Freimaurer lernte er ⭢Herzog Ferdinand kennen, mit dem er in verschiedenen diplomatischen Missionen in Dänemark und Russland unterwegs war. In Lessings Todesjahr 1781 bereiste er für zwei Jahre Frankreich und Italien, spätere Lebensjahre führten den kulturell interessierten Mann nach Weimar, wo er zum Bekanntenkreis ⭢Herders zählte. In Braunschweig war er leitendes Mitglied des »Großen Clubs«, in dem Lessing häufig verkehrte, Marschall zählte offenbar zum engeren Kreis von Lessings Braunschweiger Geselligkeit, traf u.a. bei ⭢Eschenburg oder ⭢K.A. Schmidt mit ihm zusammen und war auch bei Lessings Begräbnis zugegen. GND Wikipedia
Matthaei (eigentlich Samson Geithel), Carl Johann Conrad Michael geboren am: 30-11-1743 in: Nürnberg gestorben am: 19-07-1830 in: Neustrelitz Beschreibung: Matthaei entstammte einer jüdischen Familie und hieß ursprünglich Samson Geithel. Sein Vater Simon Geithel ließ sich und den vierjährigen Sohn Samson auf den Namen Matthaei taufen. 1762 begann Matthaei ein Studium in Altdorf, 1765 schrieb er sich in Leipzig und zum Herbst in Halle ein, zurück in Leipzig endeten seine Studien 1768, offenbar ohne Abschluss. Er knüpfte zahlreiche Kontakte zur literarischen Prominenz und Autoren wie dem Pfarrer und Horaz-Übersetzer ⭢Lange, zu⭢Gellert, ⭢Chr. F. Weiße oder ⭢Chr. L. von Hagedorn, später auch zu ⭢Gleim, ⭢Goethe, ⭢Schiller, vor allem aber zu ⭢Lavater, mit dem ihn eine enge Freundschaft verband. Seit 1768 arbeitete er als Hofmeister in mehreren deutschen Städten, 1777 wurde er als Erzieher des Grafen Carl Anton Ferdinand von Forstenburg angestellt, dem Sohn der ⭢Branconi und des Braunschweiger Erbprinzen ⭢Carl Wilhelm Ferdinand, diese Tätigkeit übte er über viele Jahre aus. Nach dem Tod der Branconi 1793, unternahm Matthaei mehrere Reisen, arbeitete an verschiedenen Höfen und ließ sich schließlich in Neu-Strelitz nieder, wo er im hohen Alter von 86 Jahren verstarb. Wie Lessings Begegnung mit dem jungen Mann zustande und wie es nach einer offenbar flüchtigen Bekanntschaft zu einem Stammbucheintrag kam, ist unklar. Zum Sommersemester 1765 wechselte Matthaei nach Leipzig und traf dort auf Lessing, der ihm am 16. Mai ein Wort von Horaz ins Stammbuch schrieb: »Indignor quicquam reprehendi, non quia crasse compositum inlepideue putetur, sed quia nuper.« (Etwa: Es verstimmt mich, wenn etwas getadelt wird, nicht weil es schlecht oder ungeschickt gebildet, sondern nur, weil es neu ist). GND ADB/NDB-Link Wikipedia
Maupertuis, Pierre Louis Moreau de geboren am: 28-09-1698 in: Saint-Malo gestorben am: 27-07-1759 in: Basel Beschreibung: Der französische Mathematiker, Geodät, Astronom, Naturforscher und Philosoph galt Mitte des 18. Jahrhunderts als einer der bedeutendsten europäischen Gelehrten. Der Sohn eines Marineoffiziers studierte ab 1714 Philosophie, ab 1717 Musik in Paris, früh zeigte sich zudem sein mathematisches Interesse. 20-jährig trat er in Lille in die Armee ein und erwarb den Rang eines Hauptmanns; zugleich studierte er Mathematik. 1722 ging er nach Paris, wo er sich unter anderem mit dem von Lessing übersetzten Marivaux befreundete. Maupertuis’ Interessen waren universal ausgerichtet, seine Dissertation behandelte das Verhältnis von Akustik und Form der Musikinstrumente; zu Philosophie, Musik und Mathematik kamen naturwissenschaftliche Studien etwa zur Biologie, Physik oder Geodäsie. Er vertrat, damals noch ungewöhnlich, Newtons Theorien, wurde früh bekannt und war Mitglied renommierter Akademien. 1746 wurde Maupertuis, von ⭢Friedrich II. gedrängt, Präsident der Preußischen Akademie der Wissenschaften. 1748 erwirkte er Asyl für den ebenfalls aus Saint-Malo stammenden La Mettrie, ohne dessen prononcierten Atheismus zu teilen. Anti-Leibnizianer war er als Akademiepräsident in verschiedene Streitigkeiten verwickelt, vor allem mit ⭢Johann Samuel König, der die Auffassung vertrat, das 1750 von Maupertuis’ in seinem (von ⭢Mylius übersetzten) »Essai de cosmologie« formulierte »Prinzip der kleinsten Wirkung« sei bereits in einem Brief von Leibniz dargelegt worden, auch wenn König den Brief nicht vorweisen konnte. Mit ⭢Voltaire, der ihn mehr als ein Jahrzehnt zuvor nach Berlin empfohlen hatte, konkurrierte Maupertuis um Friedrichs Gunst und Voltaire griff ihn 1752, nicht zuletzt wegen des Streits mit S. König, in seinem Pamphlet »Diatribe du Docteur Akakia« mit gewohnter Boshaftigkeit an. Die zweite Auflage dieser (ebenfalls von Mylius übersetzten!) Schrift ließ Friedrich, der an Maupertuis festhielt, Ende 1752 öffentlich verbrennen. Erst Maupertuis’ im selben Jahr veröffentlichte »Lettres sur des sujets divers« mit einigen waghalsigen Theoremen ließen auch Friedrich Distanz nehmen. Im Sommer 1753 nahm Maupertuis seinen Abschied als Akademiepräsident (Nachfolger wurde der ⭢Marquis d’Argens), 1756 zog er sich nach Basel zurück. Persönliche Begegnungen zwischen Lessing und Maupertuis sind nicht dokumentiert; natürlich kannte man sich gegenseitig. ⭢Mendelssohn traf Maupertuis mehrfach, auch nach dessen Zeit als Akademiepräsident (1756 kolportiert ⭢Gleim Maupertuis’ berüchtigte Bemerkung, Mendelssohn fehle, um ein großer Mann zu sein, »nichts, als ein wenig Vorhaut« (Daunicht, S. 89). Lessing thematisiert Maupertuis’ naturkundliche Verdienste schon früh in seinen philosophischen Langgedichten (1748), rezensiert respektvoll den erwähnten »Essai de cosmologie« und vermutlich kannte er auch die sprachtheoretischen Schriften des Franzosen mit semiotischer Fragestellung, obgleich sie im einschlägigen Kontext des »Laokoon« keine Erwähnung finden. Werkrelevant ist Maupertuis aber vor allem als Lenker der Berliner Akademie mit ihren i.d.R. gegen Leibniz gerichteten jährlichen Preisfragen. 1753 sollte Alexander Popes berühmtes Diktum »Whatever is, is right« im Verhältnis zum philosophischen ›Optimismus‹, also zur »Theodizee« von Leibniz diskutiert werden. Die gemeinsam mit Mendelssohn verfasste Schrift »Pope, ein Metaphysiker!« reichten die Verfasser zwar nicht ein (schon weil sie die Fragestellung ironisch aufspießte), 1755 erschien sie aber als eigenständige Publikation. Mit dem Fortgang Maupertuis’ aus Berlin enden auch die sporadischen Erwähnungen des Franzosen in der Korrespondenz mit Mendelssohn und Gleim fast vollständig. GND ADB/NDB-Link Wikipedia Bibl. Angabe Porträt
Meil, Johann Wilhelm geboren am: 23-10-1733 in: Altenburg gestorben am: 02-02-1805 in: Berlin Verhältnis zu Lessing: befreundet Beschreibung: Als Sohn des Hofbildhauers Johann Christoph Meil (1698–1734) wuchs Meil in einem künstlerisch geprägten Elternhaus auf. Durch den frühen Tod des Vaters bildete er sich autodidaktisch sowie durch Anleitung seines Bruders Johann Heinrich Meil (1729–1803) aus, beide wurden Zeichner, Maler und Kupferstecher. Nach einem Aufenthalt in Leipzig ging Meil 1752 nach Berlin und machte sich, wie es in der »AdB« heißt, »zunächst als geschmackvoller Radirer für kunstindustrielle Vorlagen und im Dienste buchhändlerischer Zwecke« einen Namen. Auch fertigte er rund 80 Radierungen für den Schlossneubau in Sanssouci an. Meil illustrierte vor allem zeitgenössische Literatur; die »Vignetten und Bücherverzierungen, kleine Friese, Köpfe und Figuren, Gemmennachbildungen, Münzen- und Medaillenstiche sind mit größter Zierlichkeit und ähnlich wie die seines Bruders im Anschluß an ⭢Chodowiecki’s Weise ausgeführt,« »M. wurde der adäquate Illustrator der Bücher der friderizianischen Aufklärung«. Seit 1766 war er Mitglied der Akademie der Künste, 1801 wurde er als Nachfolger Chodowieckis deren Direktor. Zum breiten Schaffenskreis Meils zählten Kostüme für das Berliner Hoftheater oder Entwürfe für die Königlich Preußische Porzellanmanufaktur, als Buchillustrator schuf er Abbildungen zu Werken von ⭢Friedrich II., ⭢Ewald Christian Kleist, ⭢Ramler oder Johann Matthias Schröckhs »Allgemeine Weltgeschichte für Kinder«. Dass er mit Lessing befreundet gewesen sein soll, geht auf ⭢Karl Gotthelf Lessing zurück, der in »Lessings Leben« schreibt, Meil sei für Lessing ein geschätzter Gesprächspartner in Fragen der bildenden Kunst gewesen. Für eine größere Zahl von Werken Lessings hat Meil Titelkupfer und Vignetten angefertigt, für die Ausgabe von Lessings »Schrifften« (ab 1755), die »Briefe Antiquarischen Inhalts«, die »Hamburgische Dramaturgie«, Vignetten auch für »Philotas«, »Fabeln«, »Das Theater des Herrn Diderot« und andere. GND ADB/NDB-Link Wikipedia sonst. Link Porträt Quelle: Artikel „Meil, Johann Wilhelm“ von Lionel von Donop in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 21 (1885), S. 216.
Meinzner, Therese ⭢siehe Schultz, Therese, geboren am: 30-11-1649 in: unbekannt gestorben am: 30-11-1649 in: unbekannt
Meißner, Johann Christoph geboren am: 30-11-1694 in: unbekannt gestorben am: 04-01-1771 in: Wolfenbüttel Verhältnis zu Lessing: Bekannter – sonstiges Beschreibung: Verlags- und späterer Hofbuchhändler. Meißner heiratete 1721 die Witwe des 1719 verstorbenen Partners Gottfried Freytag und übernahm so die Buchhandlung am Schloßplatz. Zu seinen Kunden zählten neben dem Hof auch Privatbibliotheken und Hofbeamte. Im Jahr 1721 erhielt er den Titel des Hofbuchhändlers. Er veröffentlichte 1726-28 einen zweibändigen Lagerkatalog, den »Conspectus Bibliothecae Meisnerianae sive Catalogus Librorum Universalis«, in dem ca. 30 000 Bücher aufgelistet waren. Nach der Übersiedelung des Hofes nach Braunschweig ging es mit dem Geschäft bergab. Meißners Versuch, 1768 mit einer Auktion und einem neuen alphabetischen »Catalogus Universalis« aller Bücher und Schriften die angewachsenen Schulden zu tilgen, blieb erfolglos. Vielleicht hat sich Meißner noch bei Lessing vorgestellt, denn als Hofbibliothekar musste er Lessing jährlich Bücher im Wert von 20 Reichstalern liefern. Nach Meißners Tod 1771 ging die Buchhandlung an drei seiner Söhne, die das Geschäft aber bald schließen mussten. Sie vermieteten die erste Etage, und so bewohnte Lessing das repräsentative Haus des Buchhändlers am Schloßplatz nach seiner Heirat vom Oktober 1776 bis Dezember 1777.
Mendelssohn, Fromet, geb. Gugenheim [auch Guggenheim] geboren am: 06-10-1737 in: Altona gestorben am: 05-03-1812 in: Altona Verhältnis zu Lessing: befreundet Beschreibung: Die älteste Tochter des Hamburger Kaufmanns Abraham Gugenheim stammt aus einer traditionsreichen jüdischen Familie, zu der der Wiener Hoffaktor Samuel Oppenheimer (1630-1703) ebenso zählte wie ihr Urgroßvater Lehmann Gomperz, der Hofbankier des »Großen Kurfürsten« Friedrich Wilhelm. 24-jährig verlobt sie sich 1761 in Hamburg mit dem rund neun Jahre älteren ⭢Moses Mendelssohn, dass dies in Abwesenheit des Vaters geschieht, bezeichnet ihre durchaus unüblich zu nennende Unabhängigkeit; 1762 findet die Heirat ohne den im jüdischen Brauch üblichen Ehevertrag statt. Von ihren zehn Kindern sterben vier früh, zu ihren Enkeln zählen die Komponisten Fanny Hensel und Felix Mendelssohn-Bartholdy. Fromet wird von Mendelssohn in einem Brief an Lessing als »weder schön noch gelehrt« bezeichnet, erstaunlich, weil es andere Urteile über ihre Erscheinung gab und die wenigen erhaltenen Briefe Fromets geistreich und unterhaltsam erscheinen. Sie war bis in die späten Lebensjahre literarisch interessiert, namentlich am Theater. Neben den Haushaltsdingen kümmerte sie sich in Mendelssohns Abwesenheit auch um dessen geschäftliche Korrespondenz. Die wenigen von ihr erhaltenen Briefe aus den Jahren 1773-1775, zeigen, dass auch sie dank des offen geführten Hauses Mendelssohn auf das kulturelle Leben in Berlin wirkte. Nach dem Tod Mendelssohns 1786 verließ sie mit ihren drei jüngsten Kindern Berlin und ließ sich in Strelitz nieder. 1787 erhält sie von Friedrich II. ein Generalprivileg mit den Rechten christlicher Kaufleute. Von dort zog sie 1800 in ihre Heimatstadt Hamburg zurück, wo sie 1812 starb. Nicht nur ihre Passion für das Theater wird den Umgang mit Lessing geprägt haben. Leider beschreiben keine Aufzeichnungen das Verhältnis zu Lessing näher. Ein Eintrag im Besucherbuch der Herzoglichen Bibliothek dokumentiert, dass Fromet ihren Mann im Dezember 1777 auch nach Wolfenbüttel begleitet hat. GND Wikipedia Porträt Quelle: Arno Herzig: Gugenheim, Fromet. In: Franklin Kopitzsch, Dirk Brietzke (Hrsg.): Hamburgische Biografie. Band 1. Christians, Hamburg 2001, ISBN 3-7672-1364-8, S. 114–115
Mendelssohn, Moses geboren am: 06-09-1729 in: Dessau gestorben am: 04-01-1786 in: Berlin Verhältnis zu Lessing: befreundet Beschreibung: In bescheidenen Verhältnissen als Sohn eines Thoraschreibers aufgewachsen (der Name ist ein Patronym, des väterlichen Namens Mendel Heymann), zeichnet sich die außerordentliche Begabung des Knaben früh ab. Seine Muttersprachen waren Jiddisch, Hebräisch und Aramäisch. Mit zehn Jahren hatte er profunde Kenntnisse des Talmuds. 1743 folgte er seinem Lehrer, dem Rabbiner David Fränkel an die Talmudschule nach Berlin und lernte in den Folgejahren, weitgehend autodidaktisch und mit beeindruckendem Wissensdrang Deutsch, Latein, Französisch und Englisch. 1750 wurde er von dem Seidenwarenfabrikanten Bernhard Isaak als Hauslehrer seiner Kinder engagiert, 1754 als Buchhalter für dessen neue Fabrik eingestellt, nach Isaaks Tod 1768 wurde er Geschäftsteilhaber. Mendelssohn war kleinwüchsig, nach Schilderung seines Sohns Joseph, »von kleiner Statur, verwachsen in den Schultern, die einen starken Höcker bildeten; er stotterte oft im Sprechen. Im Gegensatz zu dieser misslichen Leibesgestalt war der Kopf sehr schön gebildet, […] seine Gesichtszüge verkündeten […] hohen Geist und ein herrliches Gemüt.« Für seine 1764 erschienene »Abhandlung über die Evidenz in den metaphysischen Wissenschaften«, erhielt er den Preis der Preußischen Akademie der Wissenschaften. 1767 erschien sein berühmtestes und erfolgreichstes Buch »Phädon – Beweis von der Unsterblichkeit der Seele«. Die Aufnahme des »deutschen Sokrates« in die Akademie verhinderte ⭢Friedrich II. »Nach einem plumpen Versuch des Enthusiasten ⭢Lavater, ihn zu bekehren [1770], wandte er sich vom vorwiegend spekulativen Denken den Problemen des Judentums zu« (Edward P. Harris), wurde Wegbereiter der Haskala und unterstützte jüdische Gemeinden auch in rechtlich-politischen Nöten. Vermittelt durch ⭢Aaron Samuel Gumperz hatte er 1754, angeblich beim Schachspiel, den gleichaltrigen Lessing kennengelernt, es war der Beginn einer außergewöhnlichen und epochalen Freundschaft. Lessing beförderte Mendelssohns erste Publikation »Philosophische Gespräche« und vermittelte ihm die Bekanntschaft ⭢Nicolais, der Mendelssohn bald darauf für die Mitarbeit an den »Briefen, die Neueste Litteratur betreffend« gewann. Als einziger Co-Autor verfasste Mendelssohn ein Werk mit Lessing, »Pope - ein Metaphysiker«, 1755, die ironisch gehaltene Antwort auf eine Preisfrage der Berliner Akademie der Wissenschaften. Die Briefe zwischen beiden – nach dem Tod ⭢Ewald von Kleists war Mendelssohn Lessings erster Adressat – geben noch heute Aufschluss über das Niveau aufklärerischer Diskurse. Lessing setzte dem Freund ein gewisses Denkmal in »Nathan der Weise«, allzu porträtistisch darf man es nicht verstehen. Mendelssohn hingegen verteidigte den Freund nach dessen Tod 1781 gegenüber dem Vorwurf ⭢Friedrich Heinrich Jacobis, der Lessing als »Spinozisten« bezeichnete. Der Briefwechsel zwischen den beiden, den Jacobi 1785 veröffentlichte, ist als »Pantheismusstreit« in die Geschichte der Philosophie eingegangen. GND ADB/NDB-Link Wikipedia Bibl. Angabe Porträt Quelle: Jürgen Stenzel (Hg.): Deutsche Schriftsteller im Porträt 2. Das Zeitalter der Aufklärung. München 1980, S. 125.
Meyer, Aron [auch Aaron] Moses geboren am: 15-03-1737 in: Berlin gestorben am: 22-06-1795 in: Berlin Verhältnis zu Lessing: Bekannter Beschreibung: Meyer war durch die Heirat mit Rösel Ephraim Schwiegersohn von ⭢Veitel Heine Ephraim. Er wirkte als Bankier und sogenannter Münzfaktor in Berlin, zudem war er Pächter des Alaunbergwerkes im brandenburgischen Freienwalde. Mendelssohn kümmerte sich um die Erziehung und Bildung der beiden Töchter ⭢Sara und Marianne, die der Vater im Januar 1789 christlich taufen ließ. Meyers Frau Rösel gehörte das Haus, in dem die Familie Mendelssohn lebte und das Fromet Mendelssohn 1786 für 5.000 Taler kaufte. 1782 verfasste Meyer mit Mendelssohn und anderen Mitglieder der Berliner jüdischen Gemeinde ein Schreiben an den Vorstand der jüdischen Gemeinde von Lissa (dem heutigen Leszno, Polen). Eng mit ⭢Mendelsohn befreundet, kam Meyer mindestens mittelbar auch mit Lessing in Verbindung (s. den Eintrag zu Sara Meyer).
Meyer, Sara geboren am: 30-11-1762 in: Berlin gestorben am: 11-12-1828 in: Oranienburg Verhältnis zu Lessing: Bekannte Beschreibung: Sie war die älteste Tochter von ⭢Aron Moses Meyer und eine Cousine von Rahel Varnhagen von Ense, geb. Levin. ⭢Mendelssohn, ein enger Freund der Familie, wurde mit ihrer und ihrer Schwester Marianne Erziehung und Ausbildung beauftragt. Bekannt geworden ist eine Anekdote, die ein ungewöhnliches Licht auf die Konstellation Lessing-Mendelssohn-Goethe wirft. Mit dreizehn Jahren schickte ihr ein gleichaltriger Hamburger Verehrer eine Kopie von ⭢Goethes ›Werther‹ zu, den das junge Mädchen, beeindruckt von dieser Lektüre, mit zahlreichen Anmerkungen versehen, versuchte an den Absender zurückzuschicken. Die Post fiel indes dem Vater in die Hände, der sie Mendelssohn zur Kontrolle zeigte. »Ich bekam Stubenarrest«, schreibt Sara später an Goethe, »und Mendelssohn, der mein Mentor war, erschien und machte mir bittre Vorwürfe, ob ich Gott und Religion vergessen könnte und was der Alfanserei mehr war, nahm den lieben W., das unschuldige Corpus Delicti und warf ihn (nachdem er mir über jede angestrichene Stelle wacker den Text gelesen) aus dem Fenster [...]. In dieser Zeit kam Lessing zum Besuch nach Berlin, er der mich väterlich liebte [...], erschrak über meine Blässe, und frug ängstlich nach der Ursache meines Kummers. Ausser sich über meine Erzählung, bot er mir seinen Schutz an, [...] war indignirt gegen Mendelssohn und brachte mir ein ander Exemplar von Werther (das ich aber lange nicht ohne Schauer ansah) sagte mir alles was er darüber dachte [...] und ging zu Men. mit dem er sich beinahe über mich entzweite.« 1778 heiratete Sara auf Mendelssohns Betreiben mit 15 Jahren den weit älteren jüdischen Kaufmann Liebmann Wulff. Die Ehe war unglücklich, Sara betrieb 1787 noch vor dem Tod ihres Mannes die Scheidung und zog zurück in ihr Elternhaus. 1797 heiratete sie den livländischen Baron Friedrich Dietrich Wilhelm von Grotthuis (um 1763-1820), einen Offizier im preußischen Dienst und Großgrundbesitzer. Danach führte Sara einen der berühmtesten Berliner Salons. Nach der preußischen Niederlage bei Jena und Auerstedt verlor von Grotthuis seine Ländereien, die Familie verarmte. Das Paar lebte fortan in Oranienburg, wo Sara nach dem Tod ihres Mannes in geistiger Umnachtung verstarb. GND Wikipedia
Möser, Justus geboren am: 14-12-1720 in: Osnabrück gestorben am: 08-01-1794 in: Osnabrück Verhältnis zu Lessing: Diskurspartner Beschreibung: Jurist, Staatsmann, Literat und Historiker. Nach dem Studium der Rechte und der Schönen Wissenschaften an der Universität Jena vertrat er ab 1756 in Osnabrück als Syndicus die Rechte der Ritterschaft und wurde 1768 Geheimer Referendar. Ab etwa 1765 fungierte er als Leiter der Verwaltung und Berater der Regierungsräte, die die Regentschaft für den minderjährigen Herzog von York führten. Seine Anstellung als Syndicus verschaffte ihm bis zu seinem Tod einen großen Einfluss auf alle Regierungsangelegenheiten des Fürstentums Osnabrück. Neben seiner erfolgreichen und nachhaltigen juristischen Arbeit verfasste er zahlreiche Schriften zur Literatur, Geschichte, Politik und zum Theater. Als politische Auffassung vertrat er die Aktientheorie, nach der der Bauern- und Bürgerstand frei, in gesicherten Eigentumsverhältnissen lebend und an der politischen Selbstverwaltung beteiligt sein sollte. Auf literarischem Gebiet war Möser ein Gegner Gottscheds und setzte sich kritisch mit der Anakreontik auseinander. Bedeutende Schriften Mösers, die maßgeblich den Zeitgeist der Epoche wiederspiegeln, sind z.B.: »Patriotische Phantasien« (1775 – 86) oder »Harlekin oder die Vertheidigung des Groteske-Komischen« (1761). Lessing lernt Justus Möser 1766 während seines Aufenthaltes in Pyrmont kennen (ca. 25. Juni bis Mitte Juli). Es ist wahrscheinlich, dass eine Unterhaltung über den Ursprung der Freimaurerei stattgefunden hat, die Lessing später in Ernst und Falk verarbeitet. 1767 bespricht Lessing in der Hamburgischen Dramaturgie Mösers Verteidigung des Harlekins positiv. GND Wikipedia Bibl. Angabe Porträt
Morgenbesser, Michael geboren am: 24-07-1714 in: Breslau gestorben am: 30-06-1782 in: Breslau Verhältnis zu Lessing: Bekannter – Beschreibung: Arzt, Assessor und Dekan des Medizinischen Collegiums in Breslau. Seine Schulbildung erhielt Morgenbesser im Gymnasium St. Maria Magdalena und studierte anschließend Deutsche Literatur und Philosophie an der Universität Leipzig. Als Schüler ⭢Gottscheds wurde er Mitglied der Deutschen Gesellschaft. Er lernte als ein Vorbild den Hallenser Arzt Friedrich Hoffmann kennen und begab sich nach seiner Promotion 1738 auf Studienreisen nach Wittenberg, Helmstedt, Hannover, Marburg, Leiden und Paris. Morgenbesser beschäftigte sich mit Anatomie sowie Osteologie und arbeitete bis zum Ende des Zweiten Schlesischen Krieges als Garnisonarzt. 1747 wurde er Oberphysikus von Breslau, 1754 Mitglied der Gelehrtenakademie Leopoldina. Zu seinen Verdiensten gehören der Bau eines anatomischen Theaters in Breslau und Arbeiten zur Schutzimpfung. Morgenbesser war Lessings behandelnder Arzt in Breslau, dessen Dienste er öfter in Anspruch nehmen musste, auch wenn er für Lessing mindestens zeitweilig ein offenbar schwer erträglicher Schwätzer war, zumal ⭢Gottsched offenbar der Abgott des Arztes war. GND Wikipedia
Müchler, Johann Georg Philipp geboren am: 23-09-1724 in: Drechow [Schwedisch-Pommern] gestorben am: 09-08-1819 in: Berlin Verhältnis zu Lessing: Bekannter Beschreibung: Pädagoge, Übersetzer, Publizist. Nach dem Studium in Greifswald seit 1750 Hauslehrer in Berlin, wo er im Lauf der Jahre Bekanntschaft mit Lessing, ⭢Mendelssohn und ⭢G. A. von Breitenbauch pflegte. Er wurde Lehrer am Gymnasium zum Grauen Kloster und wechselte 1759 als Professor der lateinischen Sprache und Lektor der französischen Sprache ans Collegium Groeningianum nach Stargard. 1773 gab er das Amt auf und lebte als Privatgelehrter in Berlin. Erst 1784 wurde er Leiter des seit 1730 bestehenden Schindlerischen Waisenhauses, 1785 zudem Professor für Latein an der Militärakademie. Vor allem aber zählte Müchler, gemeinsam mit ⭢Friedrich Gabriel Resewitz zu den Gründern des »Gelehrten Kaffeehauses«, jenem geselligen Treffpunkt Berliner Köpfe zum Austausch über alle Gebiete der Wissenschaft und Künste, zu dessen bekanntesten Mitgliedern neben Lessing auch Moses Mendelssohn, ⭢Friedrich Nicolai, ⭢Aaron Emmerich Gumpertz, Christian Nikolaus Naumann oder ⭢Leonhard Euler zählten. Müchler war Autor erfolgreicher Schullesebücher für Englisch, Französisch und Italienisch. Er verfasste pädagogische Schriften, trat mit fiktiven Briefsammlungen hervor und gab Zeit- und Wochenschriften heraus. 1789 veröffentlichte er verstreute Aufsätze Mendelssohns unter dem Titel »Kleine philosophische Schriften«. Er übersetzte unter anderem Werke von Alexander Pope und Voltaire und 1756 Aufsätze des englischen gelehrten Politikers James Harris, die für Lessings »Laokoon« bedeutsam werden sollten. »Lessing rühmte ihn 1755 öffentlich und erwartete wol von ihm mehr für die Zukunft«, heißt es in Daniel Jacobys Eintrag zu Müchler in der ADB, und weiter, etwas ernüchternd: »zu bedeutenden Leistungen hat es M. nicht gebracht, dazu fehlten ihm Schwung und Phantasie; das Auftreten der großen Dichter und Denker wirkte auf ihn nicht ein.« Müchlers Übersetzung einer Schrift William Dudgeons hatte Lessing in der Tat wohlwollend beurteilt; sie stamme von einem Mann, »auf dessen Geschicklichkeit und Fleiß man sich auch in wichtigeren Proben zu verlassen gelernt« habe. Auch Müchlers Übersetzung von Popes Gedicht »Eloise an Abelard« findet Lessings ausdrückliche Zustimmung. Im Lauf der Jahre 1750-1760 gab es sicher häufigere Zusammenkünfte zwischen beiden Autoren als dokumentiert ist. GND ADB/NDB-Link Wikipedia Porträt
Müller, Carl Wilhelm geboren am: 15-09-1728 in: Knauthain gestorben am: 28-02-1801 in: Leipzig Beschreibung: Der Sohn eines Richters besuchte zunächst die Fürstenschule Pforta und studierte dann von 1741-1750 Jura in Leipzig. Zudem hörte er Geschichte und Philosophie. Er wurde 1752 promoviert, war am Obergerichtshof Leipzig tätig, gehörte zum weiteren Kreis der sog. ›Bremer Beiträger‹ und verfasste Gedichte, die er ausschließlich anonym veröffentlichte. Seit 1756 gab er die »Brittische Bibliothek« heraus, die Neuerscheinungen der britischen Literatur behandelte. Seine politische Laufbahn begann Müller 1759 als Ratsmitglied, er nahm, stets am Ort bleibend, etliche Ämter wahr und wurde 1778 Fürstlicher Geheimer Kriegsrat sowie erstmals Bürgermeister der Stadt, bis 1800 dann immerhin elfmal. In seinem Amt setzte er sich vor allem für das Schulwesen und die Stadtgestaltung ein, u.a. ließ er den ersten städtischen Konzertsaal errichten und legte auf Höhe der alten Stadtbefestigungen Parks sowie einen Leipzigs Innenstadtbild bis heute prägenden Promenadenring an. Lessings im April 1755 in der BPZ erschienene Besprechung des kurz zuvor anonym erschienenen »Versuchs in Gedichten« fällt knapp und wohlwollend aus, dass er um den Verfasser wusste, ist nur zu vermuten. Von 1757 bis 1765 war Müller Lessings Anwalt im Revisionsprozess gegen ⭢C. G. Winckler, bei dem es um Lessings Bezahlung als Begleiter von Wincklers 1756 begonnener, aber im selben Jahr abgebrochener Europareise ging. »Karl Wilhelm Müller, Jurist und […], dessen literarische Interessen ihn mit Lessing und Kleist zusammengeführt hatten, legte bei der sächsischen Landesregierung in Dresden in Lessings Namen Berufung ein, und obwohl die Sache sich über sieben Jahre hinzog, wurden Lessing am 13. Oktober 1764 600 Taler zugesprochen (wovon seine Anwaltskosten jedoch die Hälfte ausmachten).« (Nisbet, S. 299; K. G. Lessing spricht von »800 Reichsthalern«). GND ADB/NDB-Link Wikipedia Bibl. Angabe Porträt
Mylius, Christlob geboren am: 11-11-1722 in: Reichenbach bei Kamenz gestorben am: 06-03-1754 in: London Beschreibung: Der oft ungenau als Lessings »Vetter« bezeichnete Pfarrerssohn – Sohn eines Vetters von Lessings Vater – war eine der einflussreichsten und prägendsten Personen im Umfeld des jungen Lessing. Mylius begann 1742 in Leipzig das Medizinstudium und zeigte neben naturwissenschaftlichen auch starke literarische Interessen. Intellektuell wie im Habitus überaus unkonventionell mit ausgewiesenem Hang zur Provokation, war er ein Bürgerschreck ›avant la lettre‹; in Kamenz machte er wegen eines Schmähgedichts auf die Kamenzer Obrigkeit – darunter Lessings Vater als Pastor primarius sowie der Bürgermeister – Bekanntschaft mit dem Gefängnis. In Leipzig orientierte er sich eng an ⭢Gottsched, dessen »Sterbenden Cato« er durch die Schulbühne kennengelernt hatte, und publizierte bald in dessen Zeitschriften; er hielt Gottsched relativ lange die Treue, vor allem im Literaturstreit mit den Schweizern ⭢Bodmer und ⭢Breitinger ihm publizistisch sekundierend. Zudem verkehrte Mylius freundschaftlich mit seinem Lehrer ⭢Abraham Gotthelf Kästner, mit dem er gemeinsame Studien betrieb. Dank populärwissenschaftlichen Schriften zu Fragen der Meteorologie, Astronomie und Mineralogie machte er auf sich aufmerksam, war literarisch tätig und als (Mit-)Herausgeber an mehreren Periodika beteiligt. Seine Gedichte behandeln meist naturwissenschaftliche Themen, das bekannteste seiner Lustspiele, »Die Ärzte« persifliert den Forschungshabitus der Frühaufklärung. Im Februar 1753 startete M. zu einer naturwissenschaftlichen Expedition nach Amerika unter der Schirmherrschaft ⭢Albrecht von Hallers, der einen Teil der Reise finanzierte. Bereits in London, wo er im August 1753 eintraf, war allerdings ein Großteil des Reisebudgets verbraucht; beanspruchen konnte Mylius es ohnehin nicht mehr lange, da er an Lungenentzündung erkrankte und im März 1754 mit 32 Jahren dort verstarb. In den von Mylius herausgegebenen »Ermunterungen zum Vergnügen des Gemüths« und »Der Naturforscher« erscheinen Lessings erste Veröffentlichungen, Gedichte und das Lustspiel »Damon oder die wahre Freundschaft«. 1748 stehen beide, noch in Leipzig, in enger Verbindung, 1749 dann in Berlin, wo Mylius Redakteur der »Berlinischen Privilegierten Zeitung« wird, und Lessing bei sich wohnen lässt und an der journalistischen Arbeit beteiligt, sehr zum Unwillen des Vaters. Bedeutend die gemeinsame Herausgabe der ersten deutschen Theaterzeitschrift »Beyträge zur Historie und Aufnahme des Theaters« 1750. Zum raschen Publizieren gezwungen hat der stets in Geldsorgen lebende Mylius mit naturkundlichen Abhandlungen populärwissenschaftlichen Darstellungen vorgearbeitet. Seine »Drey Gespräche über wichtige Wahrheiten« weisen in ihrer Skepsis gegen die Lehre der Verbalinspiration der Bibel auf die Bibelkritik von ⭢H. S. Reimarus voraus. Lessing hat vielfach von Mylius, der ihm »den Weg vom universitären Brotstudium zum freien Schriftsteller« wies, profitiert, ihm umgekehrt aber auch etliche publizistische Verpflichtungen abgenommen. Bereits 1754 hat Lessing den literarischen Nachlass von Mylius veröffentlicht und damit der Nachwelt erhalten. Seine überaus kritische Vorrede, alles andere als ein Freundschaftsdienst, dokumentiert, mit den Worten Dieter Hildebrandts (S. 161), dass »längst Mylius vom Vorbild zum Gegenbild […] geworden« war. Große Bedeutung, mit einigem Recht, trotz aller Fragwürdigkeit der Darstellung, kommt Mylius in Hermann Klenckes fünfbändigen Lessing-Roman (1850) zu. GND ADB/NDB-Link Wikipedia Bibl. Angabe Quelle: Jäger, Hans-Wolf, "Mylius, Christlob" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 666 f.
Naumann, Christian Nicolaus geboren am: 06-12-1720 in: Bautzen gestorben am: 15-02-1797 in: Görlitz Beschreibung: Naumann stammt aus der Oberlausitz, damals ein sog. Markgraftum; er besuchte das Gymnasium in Bautzen und studierte die Rechte in Leipzig und Rostock. Der mit ihm verwandte Johann Christoph von Naumann (1664–1742), Baumeister Augusts des Starken, förderte Naumanns Studium. 1743 verdingte sich Naumann als Hofmeister, setzte aber anschließend seine Studien in Halle und in Leipzig fort stets im Verbund mit seinen literarischen Ambitionen. 1748 zog Naumann nach Jena; wurde dort Lektor am Kurfürstlich-Sächsischem Convictorium und 1749 Magister der Philosophie. Er hielt Vorlesungen in Jena und Marburg, erkannte aber bald, kaum Aussichten auf eine Professur zu haben. Naumann verdingte sich als Privatlehrer, Redakteur, Autor, Übersetzer und Herausgeber verschiedener Zeitschriften, litt aber chronisch an Geldmangel und blieb literarisch erfolglos. Sein unstetes Wanderleben führte ihn nach Stationen u.a. in Hamburg, Frankfurt/O., Leipzig, Zürich und Dresden nach Görlitz, wo er die letzten zwei Jahrzehnte seines Lebens verbrachte. Die Literatur zu Lessing schildert Naumann als besonderes Original, leutselig, gutmütig, oft freundschaftlichem Spott preisgegeben; »ein unkonzentrierter Mensch, dessen witziges und übersprudelndes Naturell seine mangelnde Besonnenheit voll aufwog und mit dem Lessing über Jahre befreundet blieb« so Nisbet (Nisbet, S. 50). Ausführlicher trifft ihn Erich Schmidt: »Neben Mylius und Lessing erscheint ihr viel gehänselter Kneip- und Zeitungsgenosse, der ›kleine Bautzener‹ Christian Nicolaus Naumann […], ein drolliger, guter Bursche, der sich dann als Sänger des mühselig herangewachsenen »Nimrod« lächerlich gemacht hat. Aber dieses älteste Mitglied der Gesellschaft beurteilte selbst sein schon vor Klopstocks »Messias« entworfenes Pseudoepos in holprigen Hexametern sehr bescheiden; auch gönnte Naumann dem jungen Duzbruder Lessing den Preis der Lyrik, obwohl er ihm 1743 mit hübschen »Scherzhaften Liedern nach dem Muster des Anakreon« vorangegangen war, die erst Consentius als bester Kenner der Gruppe gewürdigt hat. Immer erwies der bei all seinen journalistischen und akademischen Versuchen erfolglose, schriftstellerisch ungeschickte Kumpan sich redlich und hilfreich. Seine Weltbeglückung sollte zunächst den Freunden zugutekommen; als er aber 1752 unter moralischen Aufsätzen einen über Glück und Verstand drucken liess, traf ihn Lessings Spott: Mensch, wie kannst Du von zwei Sachen schreiben, die du nie gehabt hast! Ernst und warm jedoch ruft das Berliner Gedicht »An den Herrn N.« dem ‚Freund der Musen‘ zu …« Erich Schmidt I, S. 68ff. Anfang der 50er Jahre war Naumann Mitarbeiter an der BPZ, in Leipzig und Berlin zählte Naumann mit ⭢Mylius zu Lessings engsten Freunden und blieb ihm über Jahre verbunden, in Berlin teilte man um 1752/53 die Stube. Lessing hat mehrere Publikationen Naumanns besprochen, die Lyriksammlungen kurz und differenziert, im Prinzip aber wohlwollend. Naumanns bekanntestes, nahezu berüchtigtes Werk »Nimrod« belässt Lessings (oder auch Mylius’?) Kritik vergleichsweise schonend beim Spott über handwerklich-technische Mängel. Mit der Prominenz, die ihm im Leben versagt blieb, wird Naumann als literarische Gestalt in Hermann Klenckes monumentalem Lessing-Roman (1850) behandelt. GND ADB/NDB-Link Wikipedia
Neuber, geb. Weißenborn, Friederike Caroline geboren am: 09-03-1697 in: Reichenbach im Vogtland gestorben am: 30-11-1760 in: Laubegast/Dresden Beschreibung: Das einzige Kind der Anna Rosine Wilhelmi und des Gerichtsdirektors Daniel Weißenborn wurde von der Mutter früh im Lesen, Schreiben und französischer Sprache unterrichtet. Die Mutter starb jung, der aus Zwickau stammende Vater musste aus gesundheitlichen Gründen den Beruf früh quittieren. Der jähzornige und gewalttätige Mann peinigte die Tochter derart, dass sie 1712, als Fünfzehnjährige, mit einem Gehilfen des Vaters, Gottfried Zorn, floh. Sie wurde gefasst und arrestiert, musste zum Vater zurück und floh nach fünf Jahren erneut, nun mit zwei Zwickauer Lateinschülern, deren einer, Johann Neuber, ihre Begeisterung fürs Theater teilte. In Weißenfels schlossen sich beide der Spielbergischen Schauspieltruppe an, 1718 heirateten sie in Braunschweig. 1727 gründeten sie eine eigene Truppe mit der Neuberin als heimlicher Prinzipalin; mit dem Erwerb des sächsischen Aufführungs-Privilegs etablierte sie sich in Leipzig. ⭢Gottsched wurde auf die Truppe aufmerksam und nutzte sie für seine Theaterreform nach französischem Vorbild, man ersetzte die gängigen Spektakelstücke (für die er den Begriff der »Haupt- und Staatsaktionen« prägte) mit ihrem Stegreifspiel und Zirkuseffekten durch ein klassizistisches Schauspielkonzept, oft mit von ihm selbst und ⭢seiner Frau übersetzten, regelkonformen Stücken und mit dem Ziel sittlicher Unterweisung. Mit dem Tod August des Starken 1733 erlosch das Theaterprivileg. Nach Stationen in Lübeck, Braunschweig, Hamburg und Kiel – wie die berühmte symbolische Verbannung des Hanswurst in Gestalt einer entflammten Strohpuppe 1737 stattgefunden hat, ist allerdings umstritten – kehrte die Truppe der Neuberin 1741 nach Leipzig zurück. Mit Gottsched mittlerweile tief zerstritten, zudem verschuldet und zwischenzeitlich zur Auflösung der Kompanie gezwungen, versuchte sie gegen 1748 mit Übersetzungen, auch von Lessing, einen Neubeginn; ebenfalls 1748 erfolgte die erste Aufführung seines »Jungen Gelehrten«, 1750 aber die endgültige Auflösung der Truppe. Nach einem Intermezzo in Wien und dem Ende aller Theaterträume im Siebenjährigen Krieg fand das Ehepaar Neuber Aufnahme beim Kurfürstlich-Königlichen Leibarzt Löber in Dresden. Nach dem Tod ihres Mannes 1759 nahm der Bauer Georg Möhle die Neuberin im Dorf Laubegast an der Elbe auf. Sie stirbt im November 1760 verarmt, ohne kirchliches Begräbnis, von Möhle heimlich an der Friedhofsmauer begraben. Er habe, so schreibt Lessing später, von Neubers Theater »hundert wichtige Kleinigkeiten« gelernt und er hat die große Bedeutung der Bühnenpraxis für sein dramatisches Werk stets betont. Mit dem Abstieg der Neuberin verliert sich aber auch Lessings Verbindung zu ihr. Im 18. Stück der »Hamburgischen Dramaturgie« richtet sich seine im Kontext der Harlekin-Diskussion vorgetragene Gottsched-Kritik mindestens mittelbar auch an die Neuberin, da die Verbannung der komischen Figur doch nur scheinbar erfolgt sei: »im Grunde hatten sie nur das bunte Jäckchen und den Namen abgeschafft, aber den Narren behalten«. ⭢F. Nicolai berichtet, Lessing habe eine Anzahl von Stücken des pommerschen Autors Johann Georg Ludovici aus dem Nachlass der Neuberin erhalten – wie immer sie an ihn gelangt sein mögen, im Nachlass von Lessing selbst fanden sie sich nicht. Eine Würdigung der mit ihrem Namen maßgeblich erlangten gesellschaftlichen Aufwertung des Schauspielstands nimmt Lessing nicht vor. Im Rückblick bleibt der Dank an die große Prinzipalin punktuell und dem eigenen Werk verbunden: »Mit so vielen Verbesserungen unterdessen, als ich nur immer hatte anbringen können«, schreibt Lessing 1754 in der Vorrede zu seinen »Schrifften«, »kam mein ›junger Gelehrte‹ in die Hände der Frau ›Neuberin‹. Auch ihr Urteil verlangte ich; aber anstatt des Urteils erwies sie mir die Ehre, die sie sonst einem angehenden Komödienschreiber nicht leicht zu erweisen pflegte; sie ließ ihn aufführen.« GND ADB/NDB-Link Wikipedia Bibl. Angabe Porträt
Nicolai, Christoph Friedrich geboren am: 18-03-1733 in: Berlin gestorben am: 08-01-1811 in: Berlin Verhältnis zu Lessing: befreundet Beschreibung: Nach dem Besuch verschiedener Gymnasien in Berlin und Halle absolvierte Nicolai eine Buchhändlerlehre in Frankfurt/O., nach dem Tod des Vaters Christoph Gottlieb Nicolai übernahm er dessen Buchhandlung, schon früh begann seine publizistische, beeindruckend produktive Tätigkeit. 1755 erschienen sowohl die »Briefe über den itzigen Zustand der schönen Wissenschaften Deutschland«, Nicolais Erstling, wie die »Briefe, die neueste Litteratur betreffend«, in deren Anfangsjahren Lessings Rolle entscheidend war. Nicolai gab ferner die »Allgemeine Deutsche Bibliothek« (ab 1793 »Neue Allgemeine Deutsche Bibliothek«) heraus, in der mehr als 150 Beiträger mehr als 80.000 Neuerscheinungen rezensierten. Ab 1759 erschien, gemeinsam mit dem ihm gut befreundeten ⭢Mendelsohn als drittes Periodikum, die »Bibliothek der schönen Wissenschaften und freien Künste«, deren Korrektur und Drucklegung für die drei ersten Bände Lessing besorgte. Nicolais Tätigkeitsgebiet war groß, als Buchhändler, Verleger, Herausgeber, Autor, Freimaurer und bedeutender Korrespondent war er ein Aushängeschild der deutschen Aufklärung. Er war Mitglied des Berliner »Montagsclubs«, der geheimen Berliner Mittwochsgesellschaft, zudem der Bayerischen, Preußischen und (als korrespondierendes Mitglied) der Russischen Akademie der Wissenschaften. Freunde und Bekannte besaß er im gesamten Reichsgebiet und unterhielt eine kaum überschaubare, in 89 handschriftlichen Bänden nur unvollständig überlieferte Korrespondenz. In seinen belletristischen Werken oft ironisch und polemisch, war – »viel Feind, viel Ehr'«– die Zahl seiner Gegner kaum geringer als die der Freunde, zu ihnen gehörten so prominente wie ⭢Goethe, ⭢Schiller, der spätere ⭢Herder, ⭢Wieland, ⭢Lavater, ⭢Voß oder ⭢Fichte. Lessing lernt den vorzüglichen Kenner auch der englischen und neulateinischen Liteatur Ende 1754 kennen, vermittelt ihm die Bekanntschaft ⭢Mendelssohns und bildet damit eine fruchtbare Konstellation nicht nur hinsichtlich des später so genannten »Briefwechsels über das Trauerspiel«, als einem enorm wirkungsreichen dramentheoretischen Gespräch. Nach und neben Mendelssohn der konstanteste Freund Lessings, ähnlich biblioman, vergleichbar auch im Anspruch unbedingter Öffentlichkeitswirkung der Literatur und, unabhängig von seiner ambivalenten Stellung im Sternbild der deutschen Aufklärung, bleibt Nicolai als langjähriger Brief- und Gesprächspartner Lessings sowie als gigantischer Briefschreiber überhaupt eine bedeutende Quelle der biographischen Lessingforschung. GND ADB/NDB-Link Wikipedia Bibl. Angabe sonst. Link Porträt
Nicolai, Elisabeth Macaria (auch Makarie), geb. Schaarschmidt geboren am: 30-11-1740 in: Berlin gestorben am: 10-05-1793 in: Berlin Beschreibung: Elisabeth Schaarschmidt war die Tochter des Königlichen Leibarztes Samuel Schaarschmidt. Der am 12. Dez. 1760 geschlossenen Ehe mit ⭢Friedrich Nicolai entstammten acht Kinder, von denen nicht ein einziges den Vater überlebte. In der Elisabeth gewidmeten Passage eines Briefs an Nicolai vom 22. Okt. 1762 schreibt Lessing an die ihm zu jener Zeit noch Unbekannte einen seiner launigsten, witzigsten und persönlichsten Briefe. Von der persönlichen Bekanntschaft Lessings mit Elisabeth Nicolai – er verkehrte auch in den späteren Berliner Jahren im Kreis Nicolais – sind keine Zeugnisse überliefert.
Nicolai, Gottlob Samuel geboren am: 25-10-1725 in: Berlin gestorben am: 26-03-1765 in: Zerbst Beschreibung: Der ältere Bruder ⭢Friedrich Nicolais. Nach anfänglichem Privatunterricht besuchte Nicolai das Gymnasium zum Grauen Kloster und das Joachimsthaler Gymnasium in Berlin. Er studierte Theologie und Philosophie in Halle und wurde 1747 dort in Philosophie promoviert. Zunächst Privatdozent und Autor u.a. mit Schriften zur Bibelexegese, wechselte er 1749 an die Philosophische Fakultät; wurde 1752 außerordentlicher, 1753, nun in Frankfurt/O., ordentlicher Professor der Philosophie. 1760 ging Nicolai als Gymnasialprofessor für Theologie und Metaphysik nach Zerbst, dort übernahm er auch das Amt des Pfarrers an der Dreifaltigkeitskirche. Die Universität Tübingen ernannte ihn 1761 zum Doktor der Theologie. 1752, zwei Jahre vor Erscheinen von Lessings »Vade mecum« korrespondierten Nicolai und Lessing über dessen Kritik an der Horaz-Übersetzung von ⭢Samuel Gotthold Lange, mit dem Nicolai gut bekannt war, und mit dem er, das Thema diplomatisch vermittelnd, aber ohne Verhandlungsgeschick, ebenfalls ins Gespräch trat. Zwei kleinere Schriften (»Brief an den Herrn M. Lange bei der Streitigkeit mit dem Herrn M. Lessing, über die Uebersetzung aus dem Horaz« (o. J., vor 1754); »Antwortschreiben an den Herrn Pastor Lange […]«, (1754) zeigen Nicolais vermittelnde Position. Im März 1752 hatte er Lessing in Wittenberg besucht; als »er wieder in Halle war«, schreibt Lessing, »fanden wir es für gut unsre angefangene Freundschaft in Briefen fortzusetzen«. Auch wenn Lessing dem angesichts seiner Reserven gegenüber Institutionen wenig Beachtung schenkte, setzte sich Nicolai im Mai 1752 zudem erfolgreich für die Aufnahme des jungen Autors in die »Gesellschaft der Freunde der schönen Wissenschaften in Halle« ein. Lessing wiederum verfasst 1752 das Gedicht »An den Herrn N*** «; auch das im selben Jahr verfasste Gedicht »Abschied eines Freundes« scheint auf Nicolai gemünzt. Ein bitteres Ende findet die Bekanntschaft mit Nicolai durch den Tod von Lessings wohl liebstem Freund ⭢Ewald von Kleist 1760 in der Schlacht bei Kunersdorf. Der schwer Verwundete war in Nicolais Wohnung gebracht worden und ist dort gestorben. Seine Worte auf Kleist stießen bei Lessing allerdings auf entschiedenste Missbilligung: »Der Professor will seine Rede drucken lassen, und sie ist so elend! Ich weiß gewiß, Kleist hätte lieber eine Wunde mehr mit ins Grab genommen, als sich solch Zeug nachschwatzen lassen. Hat ein Professor wohl ein Herz? Er verlangt jetzt auch von mir und ⭢Ramler Verse, die er mit seiner Rede zugleich will drucken lassen. Wenn er eben das auch von Ihnen verlangt hat, und Sie erfüllen sein Verlangen - liebster Gleim, das müssen Sie nicht thun!« (An Gleim, 6. Sept. 1759) GND Wikipedia Quelle: Literatur (zum »Vade mecum« s. Wiedemann in B III).
Oelrichs, Johann Carl Conrad geboren am: 12-08-1722 in: Berlin gestorben am: 10-01-1799 in: Berlin Beschreibung: Nach dem frühen Tod der Eltern besuchte Oelrichs seit 1732 das Joachimsthaler Gymnasium. 1740 begann er das Jurastudium in Frankfurt/O., das er mit der Promotion 1743 abschloss. Er ging nach Berlin, wo er juristische Praxis ausübte und nebenher Privatunterricht erteilte. 1750 wurde er an der Universität Frankfurt/O. zum Doktor beider Rechte promoviert. Eine Universitätslaufbahn blieb Oelrichs versagt, 1752 wechselte er an das Akademische Gymnasium nach Stettin, in dem er 21 Jahre Rechtswissenschaften, Rechtsgeschichte und Naturrecht lehrte. Er verfasste zahlreiche Schriften zu juristischen, historischen und literarischen Themen, und war Mitglied in mehreren Gelehrtengesellschaften. Lessing und Oelrichs müssen sich 1751 oder 1752 in Berlin kennengelernt haben. Naumann vermutet in einem Brief an ⭢Albrecht von Haller vom 10. Nov. 1752, dass Oelrichs Lessings Projekt einer Kritik von ⭢Jöchers Gelehrtenlexikon unterstützte, wofür auch kritische Anmerkungen zu Jöcher in Oelrichs' eigenen Schriften zu finden sind. GND ADB/NDB-Link Wikipedia Porträt
Oeser, Adam Friedrich geboren am: 17-02-1717 in: Pressburg/Ungarn gestorben am: 18-03-1799 in: Leipzig Beschreibung: Der als Freund ⭢Goethes bekannte Maler, Bildhauer, Buchillustrator und Kunsttheoretiker schloss seine mehrjährige Ausbildung als Künstler mit Schwerpunkten auch in Architektur und Perspektive, in Pressburg und Wien schließlich in Dresden ab und arbeitete dort bis 1759 als Maler. Zu seinen Schülern zählte u.a. ⭢Winckelmann. 1759 ging Oeser nach Leipzig, wurde Direktor der dortigen Zeichenakademie und zum kurfürstlich-sächsischen Hofmaler ernannt. Oeser schuf v.a. allegorische Gemälde, Miniaturen, Deckenbilder, aber auch Bühnenbilder, Kirchendekor und plastische Werke. Sein Stil, von der zeitgenössischen Kritik als sanft und angenehm beschrieben, war so gefällig wie selbstbewusst, klassizistisch mit barocken Rudimenten. Für Leipzig schuf er u.a. mehrere Deckenbilder, eine Geschichte des Dramas auf dem Vorhang des Komödienhauses, Plafonds im Konzertsaal des Gewandhauses, Ausmalungen für die Nikolaikirche, auch das Gellert-Denkmal 1774. Wenn überhaupt, sind nur ein oder zwei Begegnungen mit Lessing bezeugt, im Jahr 1765 sowie 1768, aus Berichten von Oesers ⭢Tochter Friederike (Nov. 1765) sowie von ⭢Hardenberg (April 1768). Hingegen scheint Oeser Lessing zu lesen, vor allem die Schriften zur bildenden Kunst. Mit Blick auf Lessings Streit mit ⭢Klotz kommentiert der in handwerklichen Verfahren überaus kundige Oeser gegenüber Goethe nahezu genüsslich: »Gehen Sie zu den ersten besten Wappen-Steinschneider, und sehen Sie ihm eine Stunde arbeiten, so werden Sie die Plinischen Worte beßer treffen und den Sinn derselben richtiger erklähren. Ich wette Sie gerathen über Christen, Leßing und Klotzen in ein so gesundes Lachen, daß Sie vollkommen genesen«. (25. Nov. 1768) GND ADB/NDB-Link Wikipedia Bibl. Angabe Porträt
Oeser, Friederike Elisabeth geboren am: 30-11-1747 in: Dresden gestorben am: 13-06-1830 in: Leipzig Beschreibung: »Ich habe das Vergnügen, viele grosse Männer persönlich zu kennen und gekant zu haben«, schreibt die Jugendfreundin ⭢Goethes im Nov. 1775. »Ohne die Leipz. Gelehrten, die ich alle kenne, zu rechnen, so kenne ich auch einen Leßing, Ramler, Diderot, Sulzer, Büsch, Wieland, Knebel, Hagedorn, Teller, Thümmel, Jacobi, Basedow, Cramer, Garve, Goethe, Gleim und andere mehr, ohne die Künstler zu rechnen, und habe einen Winkelmann, Rabener und Michaelis gekannt." (an Sophie Kowatsch, 9. Nov.1775; Albrecht, Gespräche 1, S. 157) Die Bekanntschaft mit Lessing machte sie wohl 1765 in Leipzig. Von Goethe in einem Briefgedicht verewigt, blieb ⭢Oesers ältestes Kind zu Lebzeiten im Elternhaus, sie führte den Haushalt sowie Oesers Korrespondenz. Nach dem Tod des Vaters war es für die unverheiratet bleibende Frau nicht leicht. Sie lebte zunächst bei Freunden des Vaters und später bei verschiedenen Verwandten, hochbetagt starb Friederike Oeser 1829 in Leipzig.
Parthey, Daniel Friedrich geboren am: 26-12-1745 in: Frankenberg in Sachsen gestorben am: 19-04-1825 in: Berlin Beschreibung: Schwiegersohn und Geschäftsnachfolger von ⭢Friedrich Nicolai, Musiker und Buchhändler, zunächst in Leipzig, dann in Berlin. Der musikalisch begabte Sohn eines wohlhabenden Leinewebers ging 1769 nach Leipzig und bildete sich bei ⭢Johann Adam Hiller musikalisch weiter. 1774 wurde er Musik- und Hauslehrer bei Georg Johann Friedrich Baron (ab 1779 Graf) von Medem in Mitau in Kurland. Mit dessen ältester Tochter Elisa, spätere von der Recke, verband ihn eine lebenslange Freundschaft. 1784 ging er nach Berlin, wo er ⭢Friedrich Nicolai kennenlernte. Er wurde Hofrat im Generalfinanzdirektorium und heiratete im Juli 1797 Wilhelmine Nicolai, die älteste Tochter Nicolais, die bereits 1803 verstarb. Nach dem Tod Nicolais 1811, führte Parthey die Verlagsbuchhandlung bis zu seinem Tod weiter. Begegnungen mit Lessing sind nicht dokumentiert. 1774 hatte er, mit einem Empfehlungsschreiben ⭢Eschenburgs versehen, vergeblich versucht, Lessing in Braunschweig anzutreffen. »Lessing muß man nicht genau kennen, wenn man ihn lieben soll«, schreibt Parthey im Dezember 1779 an ⭢Elisa von der Recke. Dass Lessing 1775 ein Konzert seines Leipziger Lehrers Hiller vorzeitig verließ, habe ihn, so Parthey im selben Brief »einen ganzen Tag« traurig gestimmt. GND Wikipedia
Philippine Charlotte, Herzogin von Braunschweig und Lüneburg, geb. Prinzessin von Preußen geboren am: 13-03-1716 in: Berlin gestorben am: 17-02-1801 in: Braunschweig Verhältnis zu Lessing: Bekannte Beschreibung: Seit 1733 Frau des regierenden Herzogs ⭢Carl I. und Schwester ⭢Friedrichs II. Feinsinnig und belesen verfolgte Philippine Charlotte das deutsche Geistesleben aufmerksam, nicht zuletzt durch den Einfluss des Herzoglichen Beraters ⭢J. F. W. Jerusalem, der auf ihr Geheiß auch eine Entgegnung auf Friedrichs kritische Betrachtung der deutschen Literatur (»De la litèrature allemande«, 1780) verfasste. Eine persönliche Beziehung unterhielt sie auch zu ⭢Klopstock. Der Wolfenbütteler Bibliothek hinterließ die Herzogin eine Sammlung von rund 4000 Bänden. Mit Lessing war sie gut bekannt und drängte ihn, wie ⭢Ebert, zum Verfassen weiterer Schauspiele. Ihr im Wesentlichen ist der Auftrag zur »Emilia Galotti« zu verdanken, die Philippine Charlotte zu Ehren am Tag ihres Geburtstags 1772 im herzoglichen Opernhaus in Braunschweig von der ⭢Döbbelinschen Kompanie uraufgeführt wurde. Lessing wohnte der Aufführung des bekanntlich hofkritischen Stückes wegen Zahnschmerz zwar nicht bei und besuchte auch keine weiteren Aufführungen, aber das Verhältnis zur Herzogin blieb von Verwerfungen frei; nach ⭢Eschenburg speiste er noch drei Tage vor seinem Tod an ihrer Tafel. Obwohl dreizehn Jahre älter, hat Philippine Charlotte den Verfasser der »Emilia Galotti« um zwanzig Jahre überlebt; bestattet ist sie im Braunschweiger Dom. GND Wikipedia Porträt
Platner [auch Plattner], Ernst geboren am: 11-06-1744 in: Leipzig gestorben am: 25-12-1818 in: Leipzig Beschreibung: Nach dem frühen Tod des Vaters wurde Ernst Platner ein Pflegesohn ⭢Ernestis. Er besuchte die Thomasschule und studierte von 1762 bis 1766 Medizin und Philosophie in Leipzig. Seine naturphilosophisch ausgerichtete Dissertationsschrift von 1767 behandelte Fragen der somatischen Gedächtnisgrundlagen. Stets in Leipzig bleibend, wurde er 1770 außerordentlicher Professor der Medizin, 1780 ordentlicher Professor der Physiologie, 1783 und 1789 war er als Rektor tätig, 1801 wurde er außerordentlicher und 1811 ordentlicher Professor für Philosophie. Platner lehrte neben medizinischen Disziplinen auch Anthropologie, Ästhetik, Logik, Metaphysik und Moralphilosophie. Zu seinen Hörern zählten u.a. die Philosophen ⭢Fichte und ⭢Carl Leonhard Reinhold sowie Schriftsteller wie Jean Paul und Johann Gottfried Seume. Im Austausch stand er ferner mit ⭢J. J. Engel, ⭢Garve, Kant, ⭢Mendelssohn oder⭢F. Nicolai. Platners »wissenschaftshistorisch bedeutsamste Leistung«, so Alexander Košenina, »ist die Mitbegründung der neuzeitlichen Anthropologie als einer medizinisch-philosophischen Wissenschaft vom ganzen Menschen, die als Vorläufer der psychosomatischen Medizin gelten kann.« Dargelegt in seinem Hauptwerk »Anthropologie für Aerzte und Weltweise« strahlte Platner auf Autoren wie ⭢Herder, Schiller und Karl Philipp Moritz, auf ⭢Wezel oder Jean Paul aus. Zudem befasste er sich mit dem öffentlichen Gesundheitswesen und behandelte als einer der ersten Themen wie Gerichtsmedizin und Augenheilkunde im akademischen Kontext. Platners Art der Beziehung zu Lessing ist zeitlich wie inhaltlich nur vage zu bestimmen und stützt sich allein auf eine späte Auskunft des Historikers Leopold von Rankes, der sich der Leipziger Universität dankbar als Alma Mater erinnert und erwähnt, »selbst die Erinnerungen des alten Platner, der noch von seinem Umgang mit Lessing zu erzählen wußte, haben einen unauslöschlichen Eindruck auf mich gemacht.« (Albrecht, Gespräche 1, S. 317) GND ADB/NDB-Link Wikipedia Bibl. Angabe Porträt Quelle: Košenina, Alexander, "Platner, Ernst" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 513 f.
Praun, Georg Septimus Andreas von geboren am: 04-08-1701 in: Wien gestorben am: 30-04-1786 in: Braunschweig Verhältnis zu Lessing: Bekannter – Bibliotheksbenutzer – sonstiges Beschreibung: Staatsmann, Archivar, Bibliothekar, Historiker, auch passionierter Numismatiker. Praun erhielt Privatunterricht und bezog 1719 die Universität Altdorf (Nürnberg), später studierte er in Straßburg und Paris. 1727 nach Blankenburg im Braunschweiger Land berufen, folgte er 1731 Herzog Ludwig Rudolf bei dessen Regierungsantritt nach Wolfenbüttel. 1736 Justizrat, 1749 von ⭢Herzog Carl I. zum Vizekanzler berufen, blieb Praun in Wolfenbüttel, als der Hof 1753/54 nach Braunschweig zog. Er bewohnte das Kanzleihaus in der Kanzleistraße 3 (heute Teil des Braunschweigischen Landesmuseums), wurde, pflichttreu und unbedingt loyal, oberster Dienstherr der Justizkanzlei, des Konsistoriums sowie des fürstlichen Archivs und führte von 1751 bis 1770 die Oberaufsicht über die Herzogliche Bibliothek, war also auch Lessings Vorgesetzter. 1761-64 wurde er im Siebenjährigen Krieg Geisel der Franzosen, erfuhr aber eine Sonderbehandlung und durfte wissenschaftlich arbeiten. 1773 wurde er Erster Minister in Braunschweig und verließ Wolfenbüttel. Neben seiner Tätigkeit als Jurist am Hof wurde die Braunschweigische Landesgeschichte zu Prauns Lebenswerk. Er ordnete die Verwaltung des Herzoglichen Archivs neu, verfasste ein Standardwerk über Wappen-, Münz-, und Siegelkunde, regulierte das Helmstedter Stadtwesen und erfüllte zusätzlich diplomatische Aufgaben für die Niederlande sowie in Weimar für ⭢Anna Amalia. Als Minister musste er dem drohenden Staatsbankrott vorbeugen. Praun hat als Vizekanzler am 7. Mai 1770 Lessing feierlich in sein Amt als Hofbibliothekar eingeführt und war selbst fleißiger Nutzer der Herzoglichen Bibliothek. Im Rahmen des sog. Fragmentenstreits war er an der Aufhebung der Zensurfreiheit für Lessing beteiligt, unterhielt aber, im Charakter des nüchternen, pflichtergebenen, »in den Grundsätzen des aufgeklärten Absolutismus lebenden« Hofbeamten (Wolfgang Kelsch) doch sehr verschieden von Lessing über die dienstlichen Belange hinaus offenbar keine nähere Beziehung zum Wolfenbütteler Bibliothekar. GND Wikipedia
Prémontval, André Pierre le Guay de geboren am: 16-02-1716 in: Charenton-le-Pont (F) gestorben am: 02-09-1764 in: Berlin Beschreibung: Prémontval war Mathematiker, er hielt gut besuchte Vorlesungen in Paris und schrieb philosophische Abhandlungen. Über seine Gründe, Paris im Alter von 30 Jahren zu verlassen, gibt es konkurrierende Auskünfte, darunter Schulden, der Antikatholizismus seiner Schriften und das Verhältnis zu einer Schülerin, Marie Anne Victoire Pigeon d`Osangis (1724–1767), Tochter des Mathematikers Pigeon d´Osangis. Mit ihr floh Prémontval in die Schweiz, wo beide zum protestantischen Glauben konvertierten und 1746 heirateten. Nach einem unsteten Wanderleben zogen sie 1752 nach Berlin, da Prémontval noch im selben Jahr dank der Förderung durch ⭢Maupertuis Aufnahme in die Philosophische Klasse der Königlich-Preußischen Akademie der Wissenschaften gefunden hatte. Lessing, im Nov. 1752 zurück in Berlin, schien Prémontval bald kennengelernt und öfter gesprochen zu haben. Er »begegnete ihm«, so Nisbet (S. 214), »bei mehreren Gelegenheiten und veröffentlichte zustimmende Rezensionen von dreien seiner Werke« in der »Berlinischen Priviligierten Zeitung«, darunter seine Schrift über Zufall und Vorsehung, die Lessing besonders interessierte. Sogar ein Vorbild für die Figur des Riccaut in Minna von Barnhelm hat man in Prémontval vermutet, zumindest galt er als eitler und instabiler Charakter; bei ⭢Michaelis lamentiert er über die mangelnde publizistische Aufmerksamkeit, die Lessing ihm schenkt und führt dessen Karrierepläne als mögliche Ursache an. GND Wikipedia
Quantz, Johann, Joachim geboren am: 30-01-1697 in: Scheden gestorben am: 12-07-1773 in: Potsdam Beschreibung: Sohn eines Hufschmieds und früh verwaist, erhielt Quantz musikalische Ausbildung bei einem als Stadtmusikus tätigen Onkel in Merseburg. Quantz erlernte zahlreiche weitere Instrumente und begann früh zu komponieren. Nach Stationen in Radeberg und Pirna, dort selbst schon als Stadtpfeifer, ging er auf Wanderschaft; Reisen durch Italien, Frankreich und England brachten ihn in Kontakt mit bedeutenden Komponisten des Spätbarocks wie Scarlatti, Vivaldi, Gasparini oder Händel. 1728 wurde er in die Dresdener Hofkapelle aufgenommen, im gleichen Jahr lernte er den damals 16jährigen Kronprinzen ⭢Friedrich kennen. 1741 ging er als Hofkomponist und täglich beanspruchter Flötenlehrer Friedrichs nach Berlin, dem Regenten hatte er oft auch in die Feldlager zu folgen. Angebote anderer europäischer Höfe lehnte er ab, Quantz blieb bis zu seinem Lebensende in Berlin und Potsdam. Sein »Versuch einer Anweisung die Flöte traversière zu spielen« (1752) wurde zum Standardwerk und vermittelt bis heute ein umfassendes Bild der Aufführungspraxis und Musikästhetik seiner Zeit. Quantz bewegte sich in den aufgeklärten literarischen Zirkeln Berlins und begegnete Lessing spätestens im sog. »Montags-Club«, durch den er Kontakte auch mit anderen literarischen Größen wie ⭢Gleim, ⭢Gellert, ⭢Sulzer oder ⭢F. Nicolai pflegte; eng war seine Freundschaft mit ⭢Ramler. Noch aus seiner Breslauer Zeit lässt Lessing in einem Brief an Ramler Grüße an Quantz ausrichten lässt. Quantz vertonte Lessings anakreontisches Gedicht »An eine kleine Schöne« (1756) . GND ADB/NDB-Link Wikipedia Bibl. Angabe Porträt
Ramler, Carl Wilhelm geboren am: 25-02-1725 in: Kohlberg gestorben am: 11-04-1798 in: Berlin Beschreibung: Ramler, Sohn des Steuerinspektors Wilhelm Nicolaus Ramler, besucht die Schule seiner Heimatstadt sowie in Stettin. Ab 1738 besuchte er die Schule der Franckeschen Stiftungen in Halle, in Halle begann er auch das Studium der Theologie. Nach drei Jahren wechselte er nach Berlin, um Mediziner zu werden, brach aber, zu den schönen Künsten sich berufen fühlend, auch dieses Studium ab und wurde auf Vermittlung ⭢Gleims Hauslehrer in Brandenburg. 1747 berief man Ramler als Lehrer der Philosophie an das Berliner Kadettenkorps. In Berlin lernte er ⭢Mendelssohn und ⭢Nicolai kennen. Als Mitglied des »Montagsclubs« befreundete er sich u.a. mit ⭢Ewald von Kleist und Lessing. Zusammen mit ⭢Sulzer publizierte er 1750 die »Critischen Nachrichten aus dem Reiche der Gelehrsamkeit«. 1786 wurde er Mitglied der Königlichen Akademie der Wissenschaften, 1787 der Kunstakademie und anschließend Mitdirektor des Königlichen Schauspiels. Das stereotype Wort vom »deutschen Horaz« legitimiert sich durch Ramlers ernsthafte, normativ orientierte Beschäftigung mit der römischen Dichtung – er übersetzte Werke von Catull, Horaz und Martial –, wobei er die Poetik des Horaz auf zeitgenössische Themen zuschnitt, anfangs meist religiösen, gern auch preußisch-patriotischen Inhalts. Ohne die Emphase und den Genius Klopstocks zu teilen, ist Ramler in die Literaturgeschichte, mit einer paradoxen Fügung Adalbert Eschenbroichs, »als rückwärts gewandter Neuerer eingegangen«. Seine Poetik bezog er aus den von ihm übersetzten »Principes de la littérature« Charles Batteux’, die Nachahmung der Natur als Dichtungsprinzip postulierend. Manche Stimmen der Nachwelt verkehrten den »deutschen Horaz« zum »poetischen Exerziermeister« und »Verspedanten«. Formsicher und -streng nahm er sich als Herausgeber vor allem von Anthologien Freiheiten der Textkorrektur heraus, die etwa im Fall ⭢Lichtwers für Empörung bei den so edierten Autoren sorgten. Lessing hingegen, ohne Anflug von Empfindlichkeit, schickte Ramler so bedeutende Texte wie »Nathan der Weise« zur metrischen Korrektur. In seinen Berliner Jahren – die Bekanntschaft beginnt indes erst im Jahr 1755 – verkehrte er persönlich stets freundschaftlich, literarisch auch kritisch mit Ramler; ein Brief Ramlers an Gleim vom 11. April 1759 bezeugt ihren geselligen Verkehr: In unmittelbarer Nachbarschaft wohnend, diente ein aus dem Fenster gehängtes rotes Band als Zeichen zum geselligen Treffen in der nächstgelegenen Weinstube. Mit Lessing zusammen veröffentlichte er 1759 die »Sinngedichte« des Friedrich von Logau, auch diese mit bemerkenswerten Änderungen der Originaltexte. GND ADB/NDB-Link Wikipedia Bibl. Angabe Porträt Quelle: Stenzel (Hg.): Deutsche Schriftsteller im Porträt 2. Das Zeitalter der Aufklärung. S. 149.
Rautenberg, Christian Günther geboren am: 30-11-1727 in: unbekannt gestorben am: 02-02-1776 in: Braunschweig Verhältnis zu Lessing: sonstiges Beschreibung: Der protestantische Theologe war seit 1762 Pastor an der Braunschweiger Martinikirche. Rautenberg wurde bekannt für seine Übersetzungen aus dem Englischen, zu denen Henry Home Lord Kames‘ »Essays on the principles of morality and natural religon« (Versuche über die ersten Gründe der Sittlichkeit und der natürlichen Religion, 1768) oder Adam Smith’ »The Theory of Moral Sentiments« (Theorie der moralischen Empfindungen, 1770) zählen. Er gehörte schon früh zum Braunschweiger Bekanntenkreis Lessings; eine enge Verbindung ist nicht dokumentiert, spekulativ aber fiel auch Rautenbergs Name als Verfasser der von Lessing herausgegebenen »Fragmente eines Ungenannten«. sonst. Link
Reich, Philipp Erasmus geboren am: 01-12-1717 in: Laubach/Wetterau gestorben am: 03-12-1787 in: Leipzig Beschreibung: Reich absolvierte eine Buchhandelslehre bei Johann Benjamin Andreae in Frankfurt/M. 1745 kam er nach Leipzig und übernahm dort die Geschäftsführung der Weidmannschen Buchhandlung. Reich stieg zu einem der einflussreichsten und durchsetzungsfähigsten Verlagsbuchhändler des deutschen Sprachraums auf, er wurde 1762 Teilhaber bei Weidmann und baute das Unternehmen zur bedeutenden Verlagsbuchhandlung aus. Seine Neuorganisation des deutschen Buchhandelswesens bestand v.a. im Vorgehen gegen die Praxis des Nach- oder Raubdrucks, in der Reform der Handels- und Rechtsverhältnisse und in der Bedeutung der Autorenpflege; hinter die von ihm gesetzten Standards konnte der Buchhandel nicht mehr zurückfallen. In Leipzig knüpfte er rasch Kontakte zu führenden Autoren wie ⭢Chr. F. Weiße oder ⭢Sulzer, die er als Berater und Vermittler engagierte und die dazu beitrugen, Autoren wie ⭢Ernesti, ⭢Garve, ⭢Gellert, ⭢Lavater, Lessing oder ⭢Wieland im Verlag zu führen. Dazu kamen Übersetzungen von Samuel Richardson, Laurence Sterne, Edmund Burke oder Jean-Jacques Rousseau. Reich hob die Qualität und Ausstattung der Druckwerke, u.a. durch die Mitarbeit anerkannter Kupferstecher wie ⭢Chodowiecki, Christian Gottlieb Geyser oder ⭢Johann Wilhelm Meil. 1755 nahm Lessing über seinen Freund Weiße Verbindung zu Reich auf und versprach einen Band mit sechs Komödien bei ihm zu veröffentlichen. Auch die Übersetzung von Laws »Ermunterung an alle Christen« wurde verabredet, freilich kam sie nur zustande (1756), weil Weiße die von Lessing begonnene, rasch aber vernachlässigte Übersetzung zu Ende führte. Streit gab es bereits um die erste von Lessings angegangene Komödie, eine Bearbeitung von Carlo Goldonis »L’erede fortunata« (»Die Clausel im Testamente«/»Die glückliche Erbin«), denn Lessing ließ sich weit mehr Zeit als dem ungeduldigen Verleger recht war. 1758 (!) hatte Reich zwei Druckbogen hergestellt, die er makulierte, als eine Fortsetzung auf sich warten ließ; nur einen der Bogen konnte ⭢F. Nicolai später retten. GND Wikipedia Bibl. Angabe sonst. Link Porträt
Reichardt, Johann Friedrich geboren am: 25-11-1752 in: Königsberg gestorben am: 27-06-1814 in: Giebichenstein/Halle Beschreibung: Von einem »vielbewegte[n] Leben dieses mit allen bedeutenden Persönlichkeiten seiner Zeit in mehr oder minder intimem Verkehr stehenden, vielgereisten und vielverleumdeten, über- und unterschätzten Mannes« spricht Hans Michael Schletterer in seinem Beitrag für die ADB. Reichardt galt als musikalisches Wunderkind, bereits 1762 unternahm er mit dem Vater Konzertreisen im Baltikum. Das 1768 in Königsberg begonnene Jura- und Philosophiestudium (u.a. bei Kant) brach er 1771 ab und unternahm weitläufige Bildungs- und Konzertreisen innerhalb der deutschen Territorien. Ende 1775 wurde er als Nachfolger von ⭢J. G. Agricola zum Hofkapellmeister ⭢Friedrichs II. berufen, geriet aber rasch in Konflikt mit der zunehmend konservativen Musikkultur des Hofes. Der durch Intrigen und Streitigkeiten, Starrsinn, Desinteresse und finanzielle Vernachlässigung im Lauf der Jahre immer weiter herunterkommende Opernbetrieb verdammte den ambitionierten Kapellmeister zu quälender Untätigkeit, er verlegte sich auf die Abfassung von Briefen, Schriften, Liedern und Instrumentalwerken. 1777 unternahm er erneut mehrere Reisen, die ihn u.a. nach Wien, London, Paris und Neapel führten, nur widerwillig kehrte er nach Berlin zurück, widmete sich neben schriftstellerischen Arbeiten – seine Reisebriefe aus Paris, Rom und Wien sind eine bis heute anregende kulturgeschichtliche Quelle – vor allem der Komposition von Liedern und privaten kammermusikalischen Aufträgen. Seiner unverhohlenen Sympathie für die französische Revolution wegen entließ ihn Friedrich Wilhelm II. 1794 ohne Pension aus dem Amt, 1796 wurde Reichardt nicht nur begnadigt, sondern auch zum Salinen-Inspektor in Halle ernannt. Sein Landsitz in Giebichenstein bei Halle, auf dem natürlich musiziert wurde, war auch Treffpunkt zahlreicher Dichter und Denker der Romantik. Vom Anhänger der Revolution zum Gegner Napoleons geworden, nach einem auch in späteren Jahren noch bewegten Lebenslauf, starb Reichardt vereinsamt in Giebichenstein. Seine während zahlreicher Reisen durch ganz Europa verfassten Briefe zeugen von wacher Beobachtungsgabe und breit gefächerten kulturellen Interessen. Insbesondere die Reisebriefe aus Paris, Rom und Wien bilden bis heute eine wertvolle Quelle für die historische Forschung. Die Offenheit, mit der R. seine wechselnden politischen und sozialen Ansichten niederlegte, brachte ihm die zeitweilige Feindschaft etwa von Schiller und Goethe ein, die sich in vielen damals weit verbreiteten »Xenien« niederschlug. Dagegen schätzten Gesprächs- und Briefpartner wie Kant, Hamann, A. v. Humboldt oder E. Th. A. Hoffmann seine Kompetenz und Belesenheit. Auch seine Beiträge zur Kunst- und Musikkritik und seine Tätigkeit als Herausgeber von Fachzeitschriften fanden ein lebhaftes Echo. Als ausübender Künstler schulte R. die Musiker auf neue Weise und ließ Programmbücher mit allgemeinverständlichen Erläuterungen drucken. Nach 1780 schloss er Bekanntschaft mit diesem und anderen bedeutenden Persönlichkeiten, wie ⭢Herder, ⭢Friedrich Nicolai, ⭢Johann Georg Jacobi, ⭢Moses Mendelssohn und ⭢Lavater. »Der junge »Künstler«, wie Reichardt sich in seiner Autobiographie tituliert, begegnet Lessing, vermittelt durch ⭢Ebert und ⭢Zachariä, erstmals 1774 in Braunschweig, seine anekdotische Schilderung dieser Begegnung gibt interessante Einblicke in Lessings Braunschweiger Geselligkeit, sein Musikinteresse, seinen Witz. Anfang 1776 sieht Reichardt Lessing in Berlin bei ⭢J. J. Engel, im September desselben Jahres auch, zusammen mit ⭢Klopstock, in Hamburg. GND ADB/NDB-Link Wikipedia Bibl. Angabe Porträt
Reiske, Johann Jacob geboren am: 25-12-1716 in: Zörbig gestorben am: 14-08-1774 in: Leipzig Beschreibung: Der Sohn eines Lohgerbers besuchte die Schule in Zörbig (bei Bitterfeld), erhielt Privatunterricht und besuchte anschließend das Gymnasium in Halle. 1733 begann er das Studium der Theologie in Leipzig, beschäftigte sich aber eindringlicher und weitgehend autodidaktisch mit dem Hebräischen und vor allem mit arabischer Sprache und Literatur. 1738 ging Reiske in das für seinen reichen Bestand an arabischen Handschriften bekannte Leiden. Dort hörte er u.a. bei Hemsterhuis, der sein Interesse an altgriechischer Literatur weckte, und nahm zugleich das Medizinstudium wieder auf, mehr aus beruflicher Perspektive denn aus Neigung. Als persönlich schwieriger, empfindlicher und undiplomatischer Charakter verließ er nach kollegialen Unstimmigkeiten Leiden ohne philologischen Titel, wurde aber 1746 mit einer Arbeit über arabische Medizin promoviert. Im selben Jahr kehrte er nach Leipzig zurück und wurde 1748 außerordentlicher Professor für Arabisch; geringe Besoldung, wenige Zuhörer bei seinen Vorlesungen, Konflikte innerhalb der Gelehrtenwelt, nicht zuletzt mit ⭢Ernesti, verhinderten eine Fortsetzung seiner universitären Laufbahn. Die Kosten seiner ungewöhnlichen Forschungsarbeit überstieg deren Nutzen entschieden. Die Ernennung zum Rektor der Nicolaischule 1758 war seine finanzielle Rettung: »Es war ein Bret, das mir Gott, im Schiffbruche meiner zeitlichen Wohlfahrt, zuwarf. Die Noth zwang mich, es zu ergreifen; sonst wäre ich umgekommen«. Das bis zum Lebensende bekleidete Amt sicherte Reiske ein zwar gesichertes, aber keineswegs üppiges Einkommen und entsprach der wissenschaftlichen Qualifikation des eigentlichen Begründers der deutschen Arabistik nicht entfernt. Immerhin trug es dazu bei, dass ⭢Ernestine Christine (Müller) 1764, die er Jahre zuvor in Leipzig kennenglernt hat, seinen zweiten Heiratsantrag erhörte. Die tüchtige, geistig ebenbürtige Frau band Reiske als Kollegin in seine Forschungen ein, viele seiner Arbeiten hat Ernestine weitergeführt, aber erst nach Reiskes Tod veröffentlichen können. 1771 besuchten beide Lessing in Wolfenbüttel, wo Reiske die orientalischen Schriften der Herzoglichen Bibliothek sichtete, seine Frau sich indessen nachhaltig in Lessing verliebte, was Reiske nicht verborgen blieb und was er Lessing durchaus vorhielt, zu einer grundsätzlichen Trübung ihres freundschaftlichen Austauschs führte es allerdings nicht. Reiske war zuverlässiger und geachteter Briefpartner Lessings, dessen Schreiben i.d.R. mit einer Entschuldigung über seine Säumnis beginnen. In den letzten Jahren sich stärker dem griechischen Schrifttum zuwendend, widmete der auch als Gräzist wegweisende Leipziger Gelehrte Lessing den dritten Band seiner zwölfbändigen Edition griechischer Redner und war vermutlich über keine öffentliche Anerkennung so erfreut wie über die Lessings. »Er hatte den Hofrath Lessing zu Wolfenbüttel von ganzem Herzen geschätzt, und dieser berühmte Gelehrte war auch sein warmer inniger Freund,« so Reiskes Frau. Lessing seinerseits ist ein ausgezeichneter Kenner der Schriften und Editionen Reiskes, vor allem natürlich zu den Griechen, in mehreren Werken hebt er Reiskes außergewöhnliche Bedeutung hervor, konsultiert Reiske in altertumskundlichen Studien und behandelt im Briefwechsel mit Reiske etliche altphilologische Fragen. Wohl nur der Göttinger Gelehrte ⭢Heyne wusste Reiskes Rang ähnlich einzuschätzen wie Lessing, mochte dieser auch etwa die Demosthenes-Arbeiten Reiskes im Stillen für pedantisch halten. Wenige andere Autoren hat Lessing als »sehr guten Freund« qualifiziert (an Carl Lessing, 8. Dez. 1774). Lessing sicher ernsthaftes Vorhaben, Reiskes Biographie mit einem Katalog seines Nachlasses zu schreiben, ist wie viele seiner anderen Projekte im Zusammenspiel von Wolfenbütteler Pflichten, Italienreise, Heirat und den theologischen Auseinandersetzungen der letzten Lebensjahre auf der Strecke geblieben. GND ADB/NDB-Link Wikipedia Bibl. Angabe Porträt
Reiske, geb. Müller, Ernestine Christine geboren am: 02-04-1735 in: Kemberg gestorben am: 27-07-1798 in: Kemberg Beschreibung: Als jüngstes von zehn Kindern eines Pfarrhauses erhielt Ernestine von ihrem Vater sowie dem Bruder Gottlieb früh Unterricht in einem ganzen Fächer von Geistes- und Naturwissenschaften, Musik und Mathematik, von der Mutter in hauswirtschaftlich-praktischen Tätigkeiten. Nach dem Tod des Vaters (1749) blieb Ernestine beim Bruder, der die väterliche Stelle des Propstes übernommen hatte, nach dessen Heirat (1756) lebte sie mit der Mutter zusammen, beide verdienten durch »Näharbeiten für den gehobenen Bedarf« ihren Lebensunterhalt. Nach mehreren abgewiesenen Heiratsanträgen heiratete sie 1764 mit 29 Jahren den fast 20 Jahre älteren Orientalisten ⭢Johann Jacob Reiske, den sie seit 1755 kannte und dessen ersten Eheantrag sie noch abgelehnt hatte. Reiske, ebenso anerkannt wie den Universitätskreisen eifersüchtig ferngehalten, musste sich mit dem Amt eines Rektors der Nikolaischule begnügen. 1769 nahm man Ernestines dreizehnjährigen Neffen, dessen Mutter verstorben war, in den kinderlosen Haushalt auf. Die Ehe war symbiotisch, Reiske unterrichtete seine begabte und wissbegierige Frau in alten und neueren Sprachen sowie in der Wissenschafts- und Editionspraxis, sie führte seine Korrespondenz und unterstützte ihn nicht nur kongenial in Forschungs- und Publikationsfragen, sondern auch materiell etwa durch den Verkauf ihres Schmucks. Die der Wissenschaft geweihte, v.a. für Ernestine auch entsagungsvolle Ehe erlaubte nur selten die Teilnahme der Reiskes am gesellschaftlichen Leben. 1771 wurden sie von Lessing in Wolfenbüttel empfangen, wo Reiske den Bestand arabischer Manuskripte sichtete und Ernestine sich geradezu unsterblich in Lessing verliebte. Aus der nach Reiskes Tod 1774 wohl lebhaften Korrespondenz ist nur ein einziger Brief Lessings erhalten, ihre Briefe an Lessing hatte Ernestine zurückgefordert und vernichtet; Auskunft über ihre Gefühle und ihr Leben als Witwe geben ihre Briefe an ⭢Ebert. Sie hatte auf ein Leben mit Lessing gehofft, der sie über seine Verlobung mit ⭢Eva König in Unkenntnis ließ, spätestens aber nach Lessings Besuch in Leipzig im Februar 1775 war sie verzweifelt und desillusioniert, ihre Liebe wurde nicht erwidert. In Leipzig hielt sich ihre vermeintliche Heirat mit Lessing nur als Stadtgerücht. Dennoch scheint sie Lessing in diesem Zeitraum mit einer beträchtlichen Geldsumme ausgeholfen zu haben – die Rede ist von 900 Talern, mehr als Lessings damaliges Jahresgehalt –, wofür sie vermutlich einen Teil von Reiskes Bibliothek veräußern musste. Die von Lessing zugesagte Veröffentlichung der Biographie Reiskes und des Katalogs von Reiskes Manuskripten konnte er nicht einhalten, die Herausgabe der Biographie übernahm Ernestine selbst. Mindestens einen Teil seiner Schulden hat Lessing 1779 beglichen. Aus einer von ihrem Mann eröffneten Witwenkasse erhielt Ernestine Reiske jährlich 250 Taler; bis zum Tod ihrer Mutter 1780 lebte sie in Leipzig, ordnete die Bibliothek ihres Mannes, korrespondierte mit der gelehrten Welt, führte dessen begonnenes Editionsvorhaben weiter und veröffentlichte einige seiner unabgeschlossenen Werke mit Ergänzungen sowie auch eigene Übersetzungen. In seinen Ausführungen zur »Geschichte der Aesopischen Fabel« arbeitet Lessing mit einer (damals noch unveröffentlichten) Augsburger Handschrift zu den Fabeln des Äsop, die Ernestine erstellt hat und die Lessing in »Romulus und Rimicius« mit so emphatischen Worten würdigt, dass sie den Ärger J. J. Reiskes hervorriefen. Im Umgang mit Reiskes Erbe bewies sie Geschick und Geschäftstüchtigkeit. 1780 zog sie nach Dresden, wo sie eine eheähnliche Gemeinschaft mit dem 20 Jahre jüngeren Studenten Christoph Moritz von Egidy einging, den sie formal adoptierte. Mit Egidy bezog sie 1781 ein Klostergut in Bornum am Elm, beschäftigte sich nun ferner mit Landwirtschaft und Seidenraupenzucht und zog nach Egidys Verheiratung 1791 zunächst nach Braunschweig, in den letzten Lebensjahren aber zurück in ihre Geburtsstadt Kemberg. Wie stark Lessings eigene Gefühlsverbindung zu der ihn bedingungslos verehrenden Frau gewesen ist, muss durch den irreversiblen Mangel an Zeugnissen unaufgeklärt bleiben. GND ADB/NDB-Link Wikipedia Bibl. Angabe sonst. Link Porträt
Remer, Julius August Pseudonym: Wieland, der Ältere geboren am: 30-11-1738 in: Braunschweig gestorben am: 26-08-1803 in: Helmstedt Verhältnis zu Lessing: Bekannter Beschreibung: Der Historiker und Universitätslehrer wuchs als Sohn des Predigers Johann Heinrich Remer in Braunschweig auf und besuchte das dortige Martineum (heute: Martino-Katharineum). Ab 1757 studierte er Theologie in Helmstedt und Göttingen. Am Braunschweiger Collegium Carolinum, wo er seit 1763 als Hofmeister angestellt war, hielt Remer Vorlesungen über allgemeine Geschichte, 1774 wurde er zum Professor für Universal- und Staatengeschichte ernannt. Er war zugleich Direktor des Waisenhausverlages in der Nachfolge ⭢F. W. Zachariäs und für die Herausgabe der »Gelehrten Beyträge zu den Braunschweigischen Anzeigen« und der »Neuen Braun-schweigischen Zeitung« zuständig. 1787 wechselte er als Professor für Geschichte und Statistik an die Universität Helmstedt und wurde 1796 zum Hofrat ernannt. 1803 starb er dort an den Folgen eines Nervenfiebers. Remer führte ein unspektakuläres Gelehrtenleben, ohne Ortswechsel oder größere Reisen. Seine Lehrtätigkeit wird als redlich und gründlich geschildert, so wie seine wissenschaftlichen Veröffentlichungen, namentlich die als Kompendien angelegten Lehrbücher zur europäischen Geschichte und Statistik, die bis weit ins 19. Jahrhundert Anerkennung fanden. Zudem übersetzte er englische und französische Geschichtswerke, auch zum Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg. Remer und Lessing waren miteinander bekannt, beim Waisenhausverlag erschienen Lessings in der Bibliothekszeitschrift »Zur Geschichte und Literatur« veröffentlichte Schriften zum Fragmentenstreit. Aufgrund der herzoglichen Aufhebung der Zensurfreiheit 1778 wurden, gegen Remers Überzeugung (wie Erich Schmidt bemerkt), die Exemplare des dritten und vierten Bandes mit den sechs ersten Fragmenten freilich ebenso beschlagnahmt wie das zuvor als Einzeldruck erschienene Fragment »Von dem Zwecke Jesu und seiner Jünger«. GND ADB/NDB-Link Wikipedia
Reß, Johann Heinrich geboren am: 28-03-1732 in: Helmstedt gestorben am: 11-01-1803 in: Wolfenbüttel Verhältnis zu Lessing: Bekannter – sonstiges Beschreibung: 1732 in Helmstedt als Sohn des 1750 verstorbenen Rektors der Stadtschule geboren, war Reß nach dem Studium der Theologie in Helmstedt seit 1759 Pastor und Inspektor des Waisenhauses »Beatae Mariae Virginis« in Braunschweig, seit 1765 Superintendent, seit 1773 evangelischer Pfarrer an der Hauptkirche »Beatae Mariae Virginis« in Wolfenbüttel. Reß, für philanthropische Auffassungen durchaus empfänglich, wurde zugleich Inspektor des Schullehrerseminars und legte Wert auf deren praxisnahe Ausbildung. In seinen zahlreichen Veröffentlichungen widmete er sich nicht nur theologischen Fragen, sondern auch solchen der Landwirtschaft sowie regionalgeschichtlichen Themen. 1793 zum Pastor primarius aufgerückt, starb Johann Heinrich Reß, »allgemein geachtet«, am 11. Januar 1803 an Schwindsucht. Er hinterließ seine Ehefrau sowie einen Sohn und die beiden Töchter. Größere Bekanntheit erlangte er durch seine Beteiligung am sogenannten Fragmentenstreit. 1777 hatte Reß anonym die Gespräche »Die Auferstehungsgeschichte Jesu Christi« veröffentlicht, auf die Lessing, der den Verfasser kannte und unverkennbar auf ihn anspielte (»lieber Nachbar«), in der »Duplik« sowie im ersten und elften »Anti-Goeze« in ungewöhnlich scharfer Form reagierte. Auch von der Kanzel soll Reß gegen Lessing Stellung genommen haben. Die Auseinandersetzung ging um Widersprüche zwischen den einzelnen Evangelien; dabei versuchte Reß, Einwände gegen die biblische Darstellung der Auferstehung Jesu zu entkräften. 1779 veröffentlichte er unter eigenem Namen »Die Auferstehungsgeschichte Jesu Christi ohne Widersprüche. Gegen eine Duplik«, auf die Lessing nicht mehr geantwortet hat. GND Wikipedia
Richier de Louvain, geboren am: 30-11-1649 in: unbekannt gestorben am: 30-11-1649 in: unbekannt Beschreibung: Im Herbst 1750 von ⭢Voltaire als Sekretär eingestellt, war Richier eine der ersten Personen, mit denen Lessing in Berlin Freundschaft schloss. Lessing nahm Sprachunterricht beim Franzosen. ⭢Karl Lessing berichtet zudem von den munteren Streitgesprächen, die man namentlich über die französische Literatur führte. Richier stellte dann die Vermittlung zu Voltaire her, der Lessing seinerseits als Übersetzer im berühmt-berüchtigten Prozess gegen den Finanzier Abraham Hirschel bemühte und eine Zeit lang täglich an seinen Tisch lud. Richier de Louvain hatte Lessing eine aus Fehldrucken bestehende und unvollständige Kopie der im Erscheinen begriffenen Voltaire-Schrift »Das Jahrhundert Ludwigs XIV« für drei Tage überlassen hatte. Lessing verlieh indes – gegen die Verabredung – die Bögen weiter und reiste ohne Vorankündigung nach Wittenberg. Voltaire, der über Umwege von Lessings kompilierten Manuskript erfahren hatte, verdächtigte ihn, es zu eigenen Zwecken nutzen zu wollen und verlangte ultimativ die Rücksendung der Druckbögen. Richier wurde entlassen, fand aber anschließend eine Anstellung als Bibliothekar des Prinzen Heinrich von Preußen. Lessing traf Richier auch später, etwa im Berliner »Montagsclub«, der auch französische Mitglieder zählte; ⭢Karl Gotthelf Lessings Biographie über seinen Bruder stützt sich auf Gespräche, die der Autor 1784 in Berlin mit RIchier de Louvain führte. Quelle: z.B. Georg Brandes in seiner Voltaire-Biographie.
Rode, Christian Bernhard geboren am: 25-07-1725 in: Berlin gestorben am: 28-06-1797 in: Berlin Beschreibung: Der früh seine Begabung zeigende Sohn eines Goldschmieds ging 1741 für vier Jahre in die Ausbildung beim Hofmaler Friedrichs II., Antoine Pesne. Nach Studienaufenthalten in Paris, Rom und Venedig kehrte Rode Mitte der 50er Jahre nach Berlin zurück. Seit 1756 war er Mitglied, 1783 dann Direktor der Akademie der Künste. Rodes Werk umfasst eine Vielzahl von Techniken und Themen. Decken- und Tafelbilder, Altargemälde, Radierungen und Zeichnungen, Porträts, Illustrationen literarischer, historischer und nicht zuletzt biblischer Themen. Auch wenn unterschiedliche Auffassungen über Rodes künstlerische Qualität herrschen, gilt er unumstritten als einer der prominentesten Vertreter der sogenannten Historienmalerei und gehört zu den repräsentativen Persönlichkeiten der »Berliner Aufklärung«, zu ihren Mitbegründern im Bereich der bildenden Kunst im Spannungsfeld von bürgerlicher Aufklärung und Patriotismus. Er war gut bekannt mit maßgeblichen Größen wie ⭢Friedrich Nicolai (der Verse auf Rodes Hochzeit schmiedet), Lessing und ⭢Mendelssohn und eng befreundet mit ⭢Ramler. Rode stand auch mit ⭢Gleim in Verbindung, der ihn in den 60er Jahren bat, die Kopie eines Lessingportraits herzustellen, was offensichtlich an der Unverfügbarkeit des Originals scheiterte. ⭢Karl Lessing erwähnt Rode im Briefwechsel mit seinem Bruder im Kontext von Fragen der Wachsmalerei und ihrer von ⭢Calau vergegenwärtigten Technik, der ihrerseits ein Lessingbildnis zu verdanken ist. Im Juni 1776 versieht Lessing den Braunschweiger Freund ⭢Leisewitz mit einem Empfehlungsschreiben an Ramler und bittet ihn, Leisewitz, als »einen großen Liebhaber von Gemälden«, auch mit Rode bekannt zu machen. GND ADB/NDB-Link Wikipedia Bibl. Angabe Porträt
Rodowé, Wilhelm Ludwig geboren am: 30-11-1649 in: unbekannt gestorben am: 30-11-1649 in: unbekannt Beschreibung: Von Rodowé weiß man nicht viel, seine Lebensdaten sind unbekannt, er stammt aus Osnabrück, hat in den 70er Jahren offenbar in Leipzig Jura studiert und 1778 eine juristische Dissertation publiziert. Sein Name ist allein durch sein wertvolles Stammbuch überliefert, in das neben Lessing sich auch ⭢Goethe, ⭢L. v. Hagedorn, ⭢C. F. Weiße,⭢Wieland und manch andere eingetragen haben. Lessings Eintrag vom 20. Februar 1775 ist ein Terenz-Zitat: Ita vita est hominum, quasi cum ludas tesseris: Si illud quod maxime opus est iactu non cadit, Illud quod cecidit forte, id arte ut corrigas. (Etwa:) Des Menschen Leben gleicht dem Würfelwurf. Wenn der, den du am meisten brauchtest, dir nicht glückt, nimm den geworfenen und gleich ihn mit Geschick aus.
Rönckendorff, Röttger Heinrich geboren am: 30-11-1733 in: unbekannt gestorben am: 30-11-1817 in: unbekannt Verhältnis zu Lessing: Bekannter Beschreibung: Besitzer der 1778 eröffneten »großen auberge unter dem Namen Hôtel d'Angleterre« (Erich Schmidt, II, 597) in der Breiten Straße in Braunschweig. Das Hotel war regelmäßiger Treffpunkt des »Großen Clubs«, zu dessen frühen Mitgliedern ⭢Krull, ⭢Leisewitz und Lessing zählten. Dem Konkurrenten ⭢Franz Heinrich Wegener und seinem »Großen Kaffeehaus«, ebenfalls in der Breiten Straße, hatte Rönckendorffs Etablissement rasch den Rang abgelaufen. Oft verkehrte Lessing vor allem wohl im dortigen Weinkeller mit Freunden und Bekannten des besagten »Großen Clubs« wie ⭢Eschenburg, ⭢Leisewitz, ⭢Warnstedt sowie zahlreichen anderen, er aß und trank im Hôtel d'Angleterre, pflegte der geselligen Konversation, saß am Schachtisch oder beteiligte sich an anderen Spielen. Von Rönckendorff selbst ist wenig überliefert, selbst die genauen Lebensdaten konnten nicht ermittelt werden.
Rüdiger, Johann Andreas geboren am: 30-11-1679 in: unbekannt gestorben am: 28-02-1751 in: Berlin Beschreibung: Der Sohn des Buchdruckers und Herausgebers Johann Michael Rüdiger gab in der Nachfolge eines »Wöchentlichen Diariums« durch den Vater seit 1721 die »Berlinische Privilegirte Zeitung« heraus. Das in bescheidener Aufmachung gestaltete, dreimal wöchentlich erscheinende Periodikum nahm erheblichen Aufschwung, als es vom November 1748 bis November 1750 ⭢Mylius und Lessing als Redakteur bzw. Rezensent beschäftigte und seit 1749 überdies ein größeres Format erhielt. Lessing nahm nach seiner Ankunft in Berlin (Nov. 1748) zugleich den Auftrag an, Rüdigers umfangreiche Bibliothek neu zu ordnen. Rüdigers Wunsch, nach Mylius’ Ausscheiden die Redaktion der BPZ zu übernehmen, entsprach er allerdings nicht. Rüdiger führte auf Anordnung Friedrich Wilhelms I. seit 1724 auch die erste Buchhandlung in Potsdam. Seine Tochter Dorothea Henrietta 1748 heiratete ⭢Christian Friedrich Voß, dem ⭢Friedrich II. nach Rüdigers Tod das Zeitungsprivileg übertragen hatte und der die BPZ ab 1751 unter dem Namen »Vossische Zeitung« fortsetzte. GND ADB/NDB-Link
Saal, Justus Heinrich geboren am: 30-11-1721 in: Freyburg/Unstrut gestorben am: 18-05-1794 in: Leipzig Beschreibung: Nach dem Studium der Rechte in Jena war Saal als Hofmeister in Straßburg, Wittenberg und Leipzig tätig, dabei begleitete er seine Zöglinge mehrfach auf Reisen. 1756 wurde er Steuerinspektor in Leipzig. Er übersetzte Jean Baptiste Louis Creviers mehrbändige »Römische Kayserhistorie, vom Augustus an, bis zum Constantinus«, vor allem aber Goldonis Werke und war zudem Herausgeber einer periodisch erscheinenden, von ⭢Mendelssohn mit spöttischem Urteil bedachten Sammlung von Erzählungen unter dem Titel »Abendzeitvertreib«, die von 1757 bis 1777 in Leipzig erschien. Lessing und Saal scheinen sich gut gekannt zu haben. Immerhin rät Saal Lessing vor dessen »Großer Reise« mit ⭢Winckler dazu, einen Vertrag über sein Engagement als Reisebegleiter abzuschließen. »Laut dieser Urkunde wollten sie vier Jahre reisen, und Lessing sollte ein Gehalt von 200 Rtlr. [Reichstalern] und ganz freye Station haben« (KGL, S. 182, Albrecht, Gespräche 1, 95). 1756 schreibt Lessing in Dresden Saal dieses Widmungsgedicht in den ersten Band seiner 1753 erschienenen »Schrifften«: »An Saal// An Dir, mein Saal, als Freund und Richter,/ Lob ich Geschmack und Redlichkeit/ Bekennst Du von mir ungescheut/ Ich sei ein beßrer Freund als Dichter!« GND
Schimann, geb. Bayer, Theresia geboren am: 24-08-1748 in: Linz (Donau) gestorben am: 19-09-1790 in: Prag Verhältnis zu Lessing: befreundet Beschreibung: Österreichische Schauspielerin. Sie war eine geborene Bayer – nach anderen Quellen Peyer oder Pahr – und wurde angeblich als Kind von einem gewissen Schwerdberger, Prinzipal einer Schauspieltruppe, entführt und auf die Bühne gezwungen. Während der Prinzipal sich nicht weiter um die Erziehung der auf diese Weise erworbenen Mitglieder der Truppe gekümmert haben soll, soll das ebenfalls zur Truppe gehörige Ehepaar Vogt sich des Mädchens angenommen und für seine Ausbildung gesorgt haben. Später gründete Vogt eine eigene Schauspielgesellschaft, deren Mitglied Theresia wurde. 1764 lernte sie in Breslau Lessing kennen und wurde seine Schülerin. Mit 17 Jahren stand sie erfolgreich als Lucia Woodwill und Miß Sarah Sampson auf der Bühne. Sie habe sich, heißt es im »Theaterkalender auf das Jahr 1794«, »besonders in komischen Müttern einen Namen erworben«. Später wurde sie Mitglied der ⭢Döbbelin’schen Gesellschaft in Berlin, musste Berlin aber krankheitshalber verlassen, kehrte nach Linz zurück und lernte dort ihren späteren Mann Joseph Gottfried Schimann kennen. Wenig später wechselte sie zur Schopfschen Gesellschaft über, verließ ihren Ehemann und wurde die Lebensgefährtin Schopfs. Beide übernahmen 1774 die Leitung des Innsbrucker Theaters, teilten später aber das Los des schauspielerischen Wanderlebens (1775/76 etwa in Augsburg, Regensburg und Prag). Mit 42 Jahren starb Schimann an den Folgen eines Schlaganfalls. Quelle: »Theaterkalender auf das Jahr 1794«, Gotha: Carl Wilhelm Ettinger 1797; Hg. Heinrich August Ottokar Reichard: »Schimann, Theresia, geb. Bayer zu Linz 1748, starb zu Prag 1790. Sie war eine Schülerin des berühmten Lessing und betrat schon die Bühne in ihrem 17ten Jahre als Miß Sara Sampson, die sie ganz nach seiner Anleitung spielte mit ausgezeichnetem Beyfalle. Nachdem hat sie sich besonders in komischen Müttern einen Namen erworben. Ihre Silhouette ist von Nilson in Augsburg gestochen worden; von eben demselben ist sie auch aber schlecht genug, als Ophelia in der Scene mit dem Hamlet: Sey keusch etc. dargestellt«. Bibl. Angabe Quelle: Baur, Eva Gesine: Emanuel Schikaneder. Der Mann für Mozart. München 2012, S. 44 – 56.
Schlegel, Johann Adolph geboren am: 17-09-1721 in: Meißen gestorben am: 16-09-1793 in: Hannover Beschreibung: Protestantischer Theologe, Schriftsteller und Übersetzer, 1754 Prediger in Zerbst und 1759 in Hannover, zuletzt Generalsuperintendent von Calenberg, Kommilitone Lessings in Leipzig, Bruder des Dramenautors Johann Elias Schlegel und Vater der berühmten Romantiker August Wilhelm und Friedrich Schlegel. Schlegel erhielt bis 1735 Privatunterricht, danach besuchte er bis 1741 die Fürstenschule Pforta, eine Zeit lang gemeinsam mit dem Bruder J. Elias, der sein Interesse am klassischen Drama weckte. Während des Leipziger Studiums (ab 1741) freundete er sich, vermittelt durch Elias, u.a. mit ⭢Gellert und ⭢Rabener an. Wesentliche Stationen seiner Berufslaufbahn: 1751 Diakon und Lehrer in Pforta, 1754 Pastor und Theologieprofessor in Zerbst, 1759 Pastor an der Hannoveraner Marktkirche, 1775 Konsistorialrat und Superintendent in Hannover, 1781 Generalsuperintendent von Hoya-Diepholz und 1787 von Calenberg. Schlegel war schon zu Studienzeiten Mitarbeiter an den »Bremischen Beiträgen« und veröffentlichte zusammen mit eigenen Aufsätzen eine Übersetzung von Charles Batteux’ »Einschränkung der schönen Künste auf Einen Grundsatz« (1752), die Lessing wohlwollend bespricht. Ähnlich zustimmend hat er sich zu Schlegels Übersetzung von Antoine Baniers »Erläuterung der Götterlehre und Fabeln aus der Geschichte« geäußert. Schlegel hatte einen vorzüglichen Ruf als Prediger, eine Sammlung seiner Predigten erschien zwischen 1754 und 1764. Zudem schrieb und bearbeitete er Kirchenlieder, von denen etliche Aufnahme in den zeitgenössischen Kanon fanden. Gemeinsam mit Schlegel hatte Lessing die philosophischen Übungen ⭢Abraham Kästners besucht, eine über die Anfänge von Lessings Studienzeit hinausgehende persönliche Verbindung aber ist nicht dokumentiert. GND ADB/NDB-Link Wikipedia Bibl. Angabe Porträt
Schlegel, Johann August geboren am: 30-11-1730 in: unbekannt gestorben am: 12-03-1776 in: Rehburg Beschreibung: Bruder des ⭢Johann Adolph Schlegel. Nach dem Besuch der Fürstenschule St. Afra studierte er von 1752 bis 1755 Theologie in Leipzig, vorübergehend lebte er im Hause ⭢Gellerts. 1761 wurde er Pastor in Pattensen, 1765 in Rehburg. Er veröffentlichte Predigten und theologische Abhandlungen, war Mitarbeiter der »Bremischen Beiträge«, den Bruder Johann Adolph soll er bei dessen Übersetzung von Antoine Baniers »Erläuterung der Götterlehre […] « unterstützt haben. Die Begegnung mit Lessing scheint nur flüchtig gewesen zu sein. Im Dezember 1755 schreibt Gellert an ⭢Sulzer und empfiehlt Schlegel für eine Beschäftigung – vermutlich als Begleiter eines jungen Schweizers für eine Bildungsreise –, die zuvor auch Lessing angeboten worden war und auf die Lessing Schlegel aufmerksam gemacht hat. GND Bibl. Angabe
Schleuen, Johann David geboren am: 12-05-1711 in: Berlin gestorben am: 09-03-1774 in: Berlin Beschreibung: Der Sohn eines Bauern und Fuhrmanns erlernte das Handwerk des Kupferstechers. 1736 heiratete er Barbara Sophia Falcke, die Tochter eines Huf- und Waffenschmieds. 1760, ungewöhnlich spät, erhielt Schleuen den Bürgerbrief und wurde in späteren Jahren an zweiter Stelle der Berliner Kupferstecher geführt. Seinen guten Ruf erwarb er sich vor allem durch Stadtpläne und Ansichten von Berlin, auch durch historische Ereignisse der Stadt, die er in Einzelblättern herstellte. Seine Söhne Johann Georg, Johann Friedrich und Johann Wilhelm waren zugleich Mitarbeiter in seiner Werkstatt. Vermutlich war es aber der Vater, der das nach ⭢Anton Graffs Vorbild verfertigte Lessingbildnis 1765 erstellte. ⭢F. Nicolai urteilt darüber: »Lessings Bildnis ist nur wenig ähnlich, doch wer ihn kennt, erkennt ihn im Bilde«. Von Mai 1765 bis Anfang April 1767 wohnte Lessing mit seinem jüngeren Bruder ⭢Karl in dem 1761 von Schleuen erworbenen Haus Am Königsgraben 10. Hier beendete er die in Breslau begonnene »Minna von Barnhelm« ebenso wie den »Laokoon«. Lessings Sinngedicht »Auf den Maler Klecks« schrieb er auf ein Exemplar des Kupferstichs mit seinem Bildnis, das von den Brüdern Schleuen hergestellt wurde und 1770 im 12. Bd. der Allgemeinen deutschen Bibliothek erschien. (DKV III, 1506) GND Wikipedia sonst. Link
Schleuen, Johann Friedrich geboren am: 29-03-1739 in: Berlin gestorben am: 22-02-1784 in: Berlin Beschreibung: Berliner Kupferstecher und Radierer, Sohn des ⭢Johann David Schleuen. In dessen Haus Am Königsgraben Nr. 10 wohnte Lessing zusammen mit seinem Bruder Karl vom Mai 1765 bis Anfang April 1767. Begegnungen mit den Familienangehörigen sind deshalb anzunehmen. Der gelegentlich Johann Friedrich Schleuen zugeschriebene 1770 entstandene Kupferstich mit dem Porträt Lessings ist aber eher dem Vater J.D. Schleuen zuzuschreiben. GND
Schmid, Konrad Arnold geboren am: 23-02-1716 in: Lüneburg gestorben am: 16-11-1789 in: Braunschweig Verhältnis zu Lessing: befreundet Beschreibung: Der klassische Philologe und bedeutende Gelehrte war Sohn des Rektors am Lüneburger Johanneum Christian Friedrich Schmid, Schwiegersohn von Georg Raphel und wurde Schwiegervater von ⭢J. J. Eschenburg. Schmid studierte Theologie und klassische Philologie in Kiel und Leipzig. 1746 folgte er seinem Vater im Amt als Rektor des Lüneburger Johanneums, seit 1761 war er Professor der Theologie und lateinischen Sprache am Braunschweiger Collegium Carolinum. Anfangs zum Kreis der Bremer Beiträger um ⭢Gärtner gehörend, von der Poesie, wie Erich Schmid bemerkt, nur selten besucht, war Schmid, bescheiden im Auftreten, gastfreundlich und hilfsbereit, von umfassender literarischer Bildung. 1777 wurde er Kanonikus des Stifts St. Cyriakus, was mit einer Pfründe verbunden war, 1786 Konsistorialrat. Schmid ist als Freund Lessings in Erinnerung; so problematisch der Begriff der Freundschaft bei Lessing ausfallen kann, hier trifft er im vollen Umfang zu, worüber die Korrespondenz ebenso wie von der engen wissenschaftlichen Zusammenarbeit Auskunft gibt. Schmid, einer der Wenigen, der Lessing im Lateinischen die Waage hielt, ließ Textabschriften für Lessing anfertigen und war mit zahlreichen Ergänzungen, Korrekturen und Hinweisen zu Lessings Schriften eine Art wissenschaftlicher Lektor für den Wolfenbütteler Bibliothekar: »Sie machen es gar zu gut, und hundert Dinge, die dazu nöthig sind, sind Ihnen geläufiger als mir« schreibt Lessing an Schmid. In dem als ausnehmend gastfreundlich geschilderten Hause Schmids war Lessing bei seinen Braunschweiger Aufenthalten oft zu Besuch. GND ADB/NDB-Link Wikipedia sonst. Link Porträt
Schmidt-Phiseldeck, Johann Heinrich Christoph von geboren am: 09-05-1740 in: Northeim gestorben am: 09-09-1801 in: Wolfenbüttel Verhältnis zu Lessing: Bekannter Beschreibung: Der Sohn des Stadtkämmerers von Northeim erhielt aufgrund des frühen Todes seines Vaters überwiegend Privatunterricht. 1757 studierte er Rechtswissenschaften in Göttingen. Auf Empfehlung von Anton Friedrich Büsching wurde er noch zu Zeiten des Studiums Hofmeister beim russischen Politiker Burkhard Christoph Graf von Münnich. In Göttingen schloss er das Studium 1764 mit einer Dissertation über verschiedene Arten der Auslegung positiven Rechts ab. Phiseldeck, wie er zumeist genannt wurde, unterrichtet zunächst mit bemerkenswerter Resonanz am Helmstedter Juleum und erhielt 1765 die Professur für Staatsrecht und Geschichte am Collegium Carolinum in Braunschweig. 1779 wechselt er als Archivar an das herzogliche Landeshauptarchiv in Wolfenbüttel. Schmidt-Phiseldeck, Vater von zehn Kindern, verfasste u.a. bedeutende, von eigener Anschauung diktierte Arbeiten über die Geschichte Russlands. Nach einer brieflichen Mitteilung ⭢Mendelssohns an ⭢Herder war Phiseldeck mit Lessing befreundet. Nach Lessings Tod (und während mehrerer Aufenthalte von Lessings Nachfolger als Bibliothekar ⭢Langer in Lausanne), war ihm auch die Aufsicht über die Herzogliche Bibliothek übertragen worden. GND Wikipedia
Schulz, Hartwig Johann Christian geboren am: 01-01-1746 in: Ratzeburg gestorben am: 30-05-1830 in: Braunschweig Verhältnis zu Lessing: Bekannter Beschreibung: Er besuchte bis zum 17. Lebensjahr die Schule in Ratzeburg, im Anschluss das Johanneum in Lüneburg und studierte drei Jahre lang bis 1769 Theologie in Göttingen. 1769 ging er nach Wolfenbüttel. S. war Hauslehrer der Kinder des Erbprinzen ⭢Carl Wilhelm Ferdinand, zunächst des ältesten Sohnes Carl Georg August, später auch der Töchter Auguste und Caroline. 1779 zum Hofprediger ernannt, war Schulz mit Lessing persönlich bekannt, traf unter anderem bei ⭢Eschenburg mit ihm zusammen und soll auch bei seiner Beerdigung anwesend gewesen sein. Dass er zuvor am Sterbebett Lessings gesessen haben soll, wurde indes von ⭢Elise Reimarus in einem Brief an ⭢A.A.F. Hennings dementiert.
Schulz, geb. Meinzner, Therese geboren am: 30-11-1737 in: unbekannt gestorben am: 30-11-1773 in: unbekannt Verhältnis zu Lessing: Bekannte Beschreibung: Schauspielerin, verheiratet mit einem Korrepetitor. Ihr Vater war Korrepetitor bei ⭢Franz Schuch, wie später auch ihr Ehemann; ihre Mutter eine Schwester von Schuchs Frau. Auf diese Weise wuchs sie in der Schauspieltruppe auf, erhielt zunächst aber nur Rollen als Tänzerin und war zeitweise auch bei der Truppe von ⭢Koch engagiert. Bald schon erzielte sie Erfolge als Soubrette und wirkte bei Schuch vor allem in der Commedia dell’arte-Rolle der Colombina; bekanntlich zeigte Lessing durchaus Sympathien für die von Schuch gewahrte Tradition improvisationsfreudiger Harlekinaden. Offenbar auf Empfehlung Lessings wurde Therese Meinzner 1767 während seines dortigen Engagements Mitglied des Hamburger Nationaltheaters. Zeitgenössische Urteile bekunden, dass sie als Soubrette mehr Ausstrahlung und Erfolg zeigte denn in tragischen Rollen. Ab 1768 war sie in Berlin bei ⭢Döbbelin und später am Nürnberger Nationaltheater. Zu Lessings Breslauer Zeit (wie auch später noch) geriet sie offenbar mit ⭢Charlotte Brandes in einen Eifersuchtsstreit, in dem Lessing vermitteln und letztlich eine Aussöhnung zustande bringen konnte. Quelle: Schmid, Christian: »Chronologie des Deutschen Theaters«. Leipzig 1775, S. 210.
Schulze(-Kummerfeld), Caroline geboren am: 03-09-1745 in: Wien gestorben am: 15-04-1815 in: Weimar Beschreibung: Ihre Eltern, die Mutter aus adeliger Familie, der Vater Christian Schulze ein Studienabbrecher, wie man heute sagen würde, heirateten 1741 und verdingten sich beim Theater. Die junge Caroline hatte bereits mit drei Jahren erste Auftritte. Nachdem der Vater seine Anstellung in Wien verloren hatte, wechselte die Familie mehrfach Kompanie und Wohnsitz. Mit zwölf Jahren besetze Caroline erstmals größere Rollen. 1757 starb Christian Schulze, mit der Mutter wechselte Caroline weiterhin häufig Wohnort und Ensemble, bei ⭢Ackermann blieben sie mit beinahe zehn Jahre am längsten, die letzten Jahre davon in Hamburg. 1766 starb auch die Mutter, ein Jahr darauf wurde die Schulze von ⭢Sophie Friederike Hensel aus Hamburg verdrängt. Sie wechselte zur ⭢Kochschen Truppe in Leipzig, wo sie nicht zuletzt bei ⭢Goethe hohe Anerkennung fand; Ruhm erntete sie vor allem in der Rolle der »Sara Sampson«. Mit der Heirat des Bankangestellten Kummerfeld verließ sie die Bühne. Nach dessen Tod 1777, betrat sie erneut die Bühne, ohne an die Hamburger und Leipziger Erfolge anknüpfen zu können. Mit vierzig Jahren beendete sie ihre Bühnenkarriere und gründete eine Nähschule in Weimar, in der Nähe ihrer Gönnerin ⭢Anna Amalia; in Weimar verfasste sie auch ihre theatergeschichtlich aufschlussreichen Lebenserinnerungen. ⭢Karl Gotthelf Lessing, der die schauspielerischen Fähigkeiten der Caroline Schulz nicht sehr günstig beurteilt, schreibt seinem Bruder am 10. Februar 1768 aus Berlin mit einer Formulierung, deren Ironie auch von Lessing stammen könnte: »Madam Schulz und Mademoiselle Felbrig leiden freilich keinen Mangel an Beifall. Manche wollen gar sagen, die erstere hätte sich gebessert; zumal im Tragischen: denn hier muß sie sich auch darin zeigen. Aber ist es nicht im Ernst tragisch, daß sie tragische Rollen spielen muß?« Lessings Dramenentwurf »Der Galeerensklave« geht auf das Drama von Charles-George Fenouillot de Falbaire de Quingey, »L' honnête criminel ou l' innocence reconnue« (1767) zurück, das 1768 in deutscher Übersetzung erschienen und aufgeführt worden war. In ihren Lebenserinnerungen schreibt Caroline, sie habe Lessing mit ⭢Ebert und ⭢Zachariä Ende Febr. 1768 in Braunschweig bei einer französischen Aufführung des Stücks gesehen, das Datum allerdings ist zweifelhaft. GND ADB/NDB-Link Wikipedia
Schwanenberger, Johann Gottfried geboren am: 28-12-1737 in: Wolfenbüttel gestorben am: 05-04-1804 in: Braunschweig Verhältnis zu Lessing: Bekannter Beschreibung: Auch als Schwanberger und Schwanberg bekannt. Der Komponist und Klaviervirtuose, Sohn des Wolfenbütteler Hofmusikers Georg Ludwig Schwanberger, erhielt seine musikalische Ausbildung u.a. durch Johann Adolph Hasse, Gaetano Latilla und Giacomo Giuseppe Saratelli. 1756 hielt er sich, gefördert durch ⭢Herzog Carl I., sechs Jahre in Venedig auf. 1762 wurde er Hofkapellmeister am Braunschweiger Opernhaus, es ist der Beginn seiner bis 1768 währenden wichtigsten Schaffensphase, in der Schwanberger hauptsächlich Opern komponierte. Eine Berufung von ⭢Friedrich II. zum Nachfolger seines verstorbenen Hofkapellmeisters ⭢Agricola lehnte Schwanenberger aus Treue zum regierenden Herzog ab, um bei seinem Herzog zu bleiben. Wie viele italienische Opern jener Zeit, blieben viele Werke Schwanenbergers, der sie alle auswendig zu kennen meinte, ungedruckt. Neben der Opernliteratur schuf er Kantaten und Orchesterwerke. ⭢Zachariäs Lobgedicht auf Schwanenberger beklagt, dass außerhalb Braunschweigs die Werke Schwanenberger meist unbekannt seien. Mit Lessing und seinen Freunden und Bekannten wie ⭢Ebert, ⭢Leisewitz oder ⭢Warnstedt traf Schwanenberger in geselliger Runde zusammen, wie im Hôtel d'Angleterre (seit 1780 der »Große Club«), einem Treffpunkt für Adel, Militär, Gelehrte und Kaufleute. GND Wikipedia
Seyler, Abel geboren am: 23-08-1730 in: Liestal [Schweiz] gestorben am: 25-04-1800 in: Rellingen Verhältnis zu Lessing: Bekannter Beschreibung: Theaterprinzipal, Kaufmann und Bankier Schweizer Herkunft. Bis 1766 war Seyler in Hamburg als umstrittener Kaufmann und Bankier tätig, ging insolvent und widmete sich anschließend der Tätigkeit am Theater. In erster Ehe war er verheiratet mit Sophie Elisabeth Andreae, einzige Schwester des Hannoveraner Hofapothekers J.G.R. Andreae, die aber schon 1764 verstarb. Von 1767 – 69 war er Hauptunterstützer, Hauptaktionär und faktischer Leiter der »Hamburgischen Entreprise«. In dieser Rolle stellte er Lessing als ersten Dramaturgen der Welt an, der seine Tätigkeiten später in der »Hamburgischen Dramaturgie« veröffentlichte. Später gründete er die Seylersche Schauspiel-Gesellschaft, die 1771 am Hof von Herzogin ⭢Anna Amalia in Weimar aufgenommen wurde. Nach dem Schlossbrand im Jahr 1774 musste die Truppe Anna Amalias Hof verlassen und ging nach Gotha und Leipzig. Im Jahr 1775 erhielt Seyler das kursächsische Privileg und 1776 eröffnete er ein neuerbautes Sommertheater in Dresden. Ab 1779 war Seyler Direktor an verschiedenen Theatern, u.a. in Mannheim, Hamburg und Schleswig. Sein Verdienst ist die Förderung des Nationaltheaters sowie der Dramatiker des Sturm und Drang. Außerdem verschaffte er den Werken von Shakespeare größeren Bekanntheitsgrad. Seyler war seit 1753 Freimaurer und gründete zusammen mit anderen Mitgliedern in Gotha die erste Loge. Lessing gehörte zu seinen Befürwortern und empfahl ihn auch an das Theater nach Mannheim. GND ADB/NDB-Link Wikipedia Bibl. Angabe Porträt
Seyler, Friederike Sophie, geb. Sparmann, gesch. Hensel geboren am: 30-11-1737 in: Dresden gestorben am: 22-11-1789 in: Schleswig Verhältnis zu Lessing: Bekannte Beschreibung: Seit 1772 zweite Frau des ⭢Abel Seyler, Schauspielerin. Ab 1754 war sie Mitglied der Schuchschen Gesellschaft in Danzig und Breslau, wo sie Johann Gottlieb Hensel heiratete. Bereits 1759 trennte sie sich jedoch wieder von ihm. Sie wurde Mitglied der Ackermannschen Gesellschaft und beteiligte sich an der Gründung der »Hamburgischen Entreprise«. Nach dem Ende des Hamburger Nationaltheaters wurde sie Mitglied der Seylerschen Truppe. Nach zahlreichen Auftritten an deutschen Bühnen lies sie sich 1787 mit Abel Seyler in Schleswig nieder und stand bis zu ihrem Tod dort auf der Bühne. Neben ihrem Schauspielerberuf verfasste sie zahlreiche Bühnenstücke. Lessing lobte ihr schauspielerisches Talent und erwähnte sie mehrmals in seiner »Hamburgischen Dramaturgie«. Er nannte sie eine der besten deutschen Schauspielerinnen seiner Zeit, rühmte die Leichtigkeit und Präzision ihrer Deklamationen und war beeindruckt, wie sie die »Miß Sara Simpson« in der Sterbeszene verkörperte. Darüber hinaus galt sie jedoch auch als sehr schwierige Schauspielerin, die auf die kleineste Kritik beleidigt reagierte und wegen ihrer großen Eitelkeit und Rollensucht oft für Spannungen sorgte. GND Wikipedia Bibl. Angabe Porträt
Seyler, Sophie Marie Katharina geboren am: 30-11-1761 in: Hamburg gestorben am: 30-11-1832 in: Braunschweig Verhältnis zu Lessing: nicht bekannt Beschreibung: Tochter von ⭢Abel Seyler und seiner ersten Frau Sophie Elisabeth Andreae, seit 1781 verheiratet mit ⭢Leisewitz. Aufgewachsen in Hannover als Pflegetochter ihres Onkels, des Hofapothekers Johann Gerhard Reinhard Andreae. 1781 nach vierjähriger Verlobungszeit Heirat mit Schriftsteller Johann Anton Leisewitz. Nach dessen Tod 1806 lebt sie zurückgezogen in Braunschweig. Ob sie Lessing persönlich kennenlernte, ist nicht nachzuweisen, da sie bis zu ihrer Heirat in Hannover lebte. Aber aus ihrem Briefwechsel mit ihrem Verlobten geht hervor, dass letzterer häufig von seinem Zusammentreffen mit Freund Lessing berichtete. GND Bibl. Angabe
Silberschlag, Georg Christoph geboren am: 14-07-1731 in: Aschersleben gestorben am: 11-07-1790 in: Stendal Beschreibung: Silberschlag verlor früh seine Eltern und wuchs bei seiner Stiefmutter auf, die der Vater kurz vor seinem Tod geheiratet hatte, er besuchte zunächst das Stephaneum in Aschersleben, ab 1747 im Kloster Berge zu Magdeburg. Von dort ging er 1751 nach Halle zum Studium der Theologie, Mathematik und Physik. 1753 berief ihn sein Förderer, Abt Steinmetz, als Lehrer an die Klosterschule zurück, 1762 wechselte er als Pfarrer nach Groß Engersen in der Altmark, 1763 nach Stendal an die dortige St. Petri-Kirche. 1771 wurde er als Prediger an der Dreifaltigkeitskirche sowie als Schulinspektor nach Berlin versetzt. Zum Ende seines Lebens kehrte er nach Stendal zurück. Bekannt ist Silberschlag vor allem durch seine Entdeckung der Venus-Atmosphäre 1761, anlässlich des sog. Venustransits, dem Durchgang des Planeten vor der Sonne. Neben naturwissenschaftlichen Schriften (»Neue Theorie der Erde«, 1764) veröffentlichte Silberschlag auch theologische. 1778 publizierte er im Kontext des Fragmentenstreits die Schrift »Antibarbarus oder Vertheidigung der christlichen Religion […] wider die Einwürfe neuerer Zeiten«. Der provokative Begriff der »Barbarei« sowie der Vorwurf, keine seriöseren Dokumente aus der Wolfenbütteler Bibliothek anzuführen, scheinen Lessing getroffen zu haben, doch seine fragmentarische Erwiderung gelangt kaum über ironische Anmerkungen zum Begriff des »Barbaren« hinaus. Da Lessing auf den Vorschlag seines Bruders ⭢Karl zu einem Treffen mit Silberschlag in Berlin (Briefe vom 7. Juni 1778aund 17. Jan. 1780) nicht eingeht und sich auch nicht mehr zu Silberschlags zweitem »Antibarbarus« (1779) äußert, ist eine persönliche Begegnung beider Autoren nicht anzunehmen. GND ADB/NDB-Link Wikipedia
Spalding, Johann Joachim geboren am: 01-11-1714 in: Tribsees gestorben am: 25-05-1804 in: Berlin Beschreibung: Der protestantische Theologe gilt als einer der führenden Repräsentanten der Neologie, also jener Aufklärungstheologie in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, die christliche Werte mit aufklärerischen Positionen versöhnen wollte. Nach Unterricht im vorpommerschen Tribsees und Stralsund studierte Spalding Philosophie und Theologie in Rostock und Greifswald, nach der Promotion 1736 arbeitete er als Hauslehrer, als Pfarrgehilfe seines Vaters und Sekretär des schwedischen Gesandten in Berlin. Dort pflegte er Umgang u.a. mit ⭢ Ewald v. Kleist und ⭢Gleim. Nach Pfarrstellen in Lassan und Barth folgte er 1764 dem Ruf ⭢Friedrichs II. als Probst an der Nicolai-Kirche nach Berlin und wurde zum Oberkonsistorialrat ernannt. Spaldings Aufklärungstheologie nimmt Anregungen und Motive bei Christian Wolff, Hume, Andreas Rüdiger, Siegmund Jacob Baumgarten, August Friedrich Wilhelm Sack und anderen Vertretern der Moral- und Religionsphilosophie auf, auch aus den von ihm übersetzten Autoren wie Shaftesbury oder Joseph Butler. Bekannt wurde er durch die 1748 erschienene Betrachtung »Die Bestimmung des Menschen«, einem frühen Zeugnis der philosophischen Anthropologie im 18. Jahrhundert, später aber auch als beliebter Prediger in Berlin. Sein homiletisches Konzept, das auf die religiöse Mündigkeit der Hörer abzielte, wirkte etwa auf ⭢F. Nicolai, J. M. R. Lenz oder ⭢ Goethe. Zweifelhaft, dass er Lessing persönlich kannte, aber als Autoren kannten sich beide genau (von einer Briefbemerkung Spaldings 1751 bis zu seiner Erwähnung im zehnten »Anti-Goeze«). 1754 spricht Lessing in einer Rezension der Spalding-Übersetzung von Gastrels »Richtige Vorstellung der Deistischen Grundsätze« vom Übersetzer als »berühmten Verfassers der Bestimmung des Menschen«. Nicht zuletzt Spaldings Nähe zu ⭢Lavater, den er 1763 für Monate bei sich aufnahm und dessen dreister Konvertierungsversuch gegen ⭢Mendelssohn Lessing übel aufstieß, wird angesichts von Lessings genereller und entschiedener Ablehnung neologischer Denkmuster das Interesse an einer persönlichen Begegnung mit Spalding geringgehalten haben. GND ADB/NDB-Link Wikipedia Bibl. Angabe Porträt
Steudel, Johann Gottlieb geboren am: 30-11-1742 in: Esslingen gestorben am: 31-01-1790 in: Esslingen Beschreibung: In Esslingen geboren absolvierte Steudel eine Lehre als Pharmazeut in Graben bei Karlsruhe. Später war er als Naturwissenschaftler und Astronom in Berlin und in Mannheim tätig. Allzu viel ist aus seinem Leben nicht bekannt. Er war Adressat eines oft zitierten Briefs von ⭢Hamann (4. Mai 1788), übersetzte Joseph Toaldos »Witterungslehre für den Feldbau« aus dem Italienischen (dt. 1777) und wurde als Mitglied der Accademia delle Scienze in Turin geführt. 1780 ist er als Begleiter des nach Italien reisenden ⭢Joseph Moses Isaak Fließ zu Gast in Wolfenbüttel. Am 24. Februar besuchten sie, wie die Besucherbücher zeigen, die Herzogliche Bibliothek. Über die beiden Besucher hatte Lessing geschrieben: »Er [Fließ] reiset mit seinem Gefährten, Herrn Steudel, nach Italien, will aber noch vorher in Göttingen ein Paar Monate zubringen. Der Mann hat mir gefallen; wäre es auch nur wegen des Gebrauchs, den er von seinem Vermögen macht. […] Aber wer ist dieser Herr Steudel?«
Stiller, Samuel Benjamin geboren am: 30-11-1736 in: Hirschberg gestorben am: 02-03-1775 in: Rastenburg Beschreibung: Stiller, über dessen Leben nur wenige Auskünfte vorliegen, war preußischer Hof-Postsekretär in Berlin und zwischen 1765 und 1770 Mitglied des Berliner »Montagsclubs«, in dem bekanntlich auch Lessing verkehrte. Er war ein Freund der ⭢Karschin wie auch ⭢Ramlers. In Stillers Wohnung feierte man im Februar 1766 Ramlers Geburtstag (vgl. den Eintrag zu A.L. Karsch), im Beisein u.a. der Karschin und Ramlers.
Straube, Gottlieb (od. Gottlob) Benjamin geboren am: 13-01-1715 in: Breslau gestorben am: 30-11-1766 in: Breslau Verhältnis zu Lessing: befreundet Beschreibung: Straube studierte 1737 in Leipzig und war zwischen 1741-1745 Mitarbeiter an J. J. Schwabes »Belustigungen des Verstandes und des Witzes«, seit 1772 war er bei den »Berlinischen Nachrichten« tätig; zudem war er Sekretär des preußischen Staatsministers im Generaldirektorium Franz Wilhelm von Happe. Nach einem Aufenthalt in Hamburg 1743 lehrte Straube seit etwa 1749 Lehrer am Elisabethanum in Breslau, ab 1751 als Lektor der französischen Sprache und ab 1757 auch am Magdalenen-Gymnasium. 1760 wurde er zum außerordentlichen Professor ernannt. Er war Mitglied der nachmittäglichen Rednergesellschaft, der Deutschen Gesellschaft und der Gesellschaft der freyen Künste in Leipzig. Er war Anhänger ⭢Gottscheds und von 1743-44 auch dessen Briefpartner. Bereits 1754 verteidigt Lessing zumindest in Teilen Straubes Übersetzung der Briefe der Marquisin von M ** an den Grafen von R** von Crébillon d.J. (1742.) gegen eine Besprechung Mauvillons. 1764, also noch zu Lessings Breslauer Zeit, gab Straube in einer verbesserten und erweiterten Fassung die Gedichte Johann Christian Günthers heraus. Mit Lessing scheint er verschiedentlich zusammengetroffen zu sein, so z.B. in der Rehdigerschen Büchersammlung. Aus einem Brief von ⭢S.B. Klose an Lessings Bruder ⭢Karl Gotthelf um 1790 geht hervor, dass Straube Lessing auch zu Hause besucht hat, K.G. Lessing bezeichnet Straube als Freund Lessings. An Chr. F. Weiße schreibt Lessing aus Breslau am 6. Mai 1764: »Herr Prof. Straube, der Ihnen diese Zeilen einzuhändigen das Vergnügen hat, ist einer von unsern alten Belustigern. Ihm ist es in Leipzig so wohl gegangen, daß er sich auch nach so vielen Jahren der Sehnsucht, es wieder einmal zu besuchen, nicht entschlagen kann. Er wird seine Schlegels , seine Kästners nicht mehr finden; aber seine Gottschede wird er noch finden. Liebster Freund, nehmen Sie sich also seiner an, wenn er die gute Idee von Leipzig wieder zurück bringen soll, die er mit hinnimmt. Machen Sie ihm seinen kurzen Aufenthalt allda so angenehm, als es ohne ihre Unbequemlichkeit geschehen kann, und glauben Sie mir auf mein Wort, daß Sie sich keinen ehrlichern Mann verbinden können, als ihn. Er hat von mir den Auftrag, mir die Teile von dem Journal etranger zu kaufen, in welchen, nach den Briefen über die neueste Litteratur, einige von meinen Geburten recensiert sind. Haben Sie die Gütigkeit, ihm solche nachzuweisen.«
Sulzer, Johann Georg geboren am: 16-10-1720 in: Winterthur (CH) gestorben am: 27-02-1779 in: Berlin Beschreibung: Dem Sohn eines Kämmerers (»Säckelmeisters«) und Ratsherrn war eine theologische Laufbahn bestimmt. Nach dem frühen Tod der Eltern Mündel eines Predigers in Zürich, studierte er später Theologie am dortigen Carolinum, hörte mathematische wie literarische Vorlesungen (u.a. bei ⭢Bodmer und ⭢Breitinger), zudem nahm er Privatunterricht beim Naturforscher Johannes Gessner. Sulzer arbeitete zunächst als Vikar, 1743 als Hauslehrer in Magdeburg und seit 1747 in Berlin, wo er Bekanntschaft u.a. mit ⭢Leonard Euler, ⭢Gleim und ⭢Maupertuis machte, die seine Anstellung am Joachimsthalschen Gymnasium beförderten. Von ⭢Friedrich II. geschätzt, wurde er 1750 Mitglied der Königlichen Akademie der Wissenschaften. 1750 bereiste er in Gesellschaft von ⭢Klopstock die Schweiz; er heiratete im selben Jahr in Magdeburg Catherina Wilhelmina Keusenhoff. Ihre älteste Tochter Elisabeth Sophie Auguste wurde die Frau von ⭢Anton Graff, der Sulzer ebenso wie Lessing 1771 portraitierte. 1763 vollendete Sulzer in der Schweiz sein bekanntestes Werk »Allgemeine Theorie der schönen Künste«, das in rund 900 lexikalisch geordneten Artikeln Fragen aller Kunstarten behandelt, auch der Architektur, des Tanzes und der Schauspielkunst. Auf Wunsch Friedrich II. kehrte er im selben Jahr nach Berlin zurück und wurde Professor der neugegründeten Ritterakademie sowie Direktor der philosophischen Klasse der Akademie der Wissenschaften. Sulzer gab auch den Anstoß zur Gründung des sogenannten »Montagsclubs«. Dort befreundete er sich nicht nur 1755 mit Lessing, dessen kritische Karriere er früh wahrnahm, sondern u.a. auch mit ⭢Nicolai, ⭢Mendelssohn und ⭢Ramler. Sulzer selbst berichtet von mehreren Begegnungen mit Lessing im Jahr 1755, der ihn überdies mit Mendelssohns zusammenbringt. 1755 vermittelt er Lessing das Angebot, Reisebegleiter für einen jungen Schweizer durch Europa zu werden. Laut Ramler hat Lessing Sulzer bei terminologischen Arbeiten zu dessen Ästhetik unterstützt, konkret etwa 1759 zur Definition der Ode. »Eng war die Beziehung nie«, so Nisbet, »doch Sulzers Parteinahme für Wolff und gegen Maupertuis wie auch sein Interesse an der Ästhetik […] verbanden ihn mit Lessing und seinem engeren Kreis« (Nisbet 224), auch ohne Übereinstimmung in manchen Fragen, etwa zur Gattungsdiskussion der Fabel. ⭢Karl Gotthelf Lessing berichtet, dass Sulzer sich 1760 gegen Lessings Aufnahme in die Königliche Akademie der Wissenschaften ausgesprochen habe (zugunsten eines »gelehrten Schutzverwandten«), vielleicht, weil Bodmer, Sulzers Landsmann und zeitweiliger Gast in Berlin, Lessings Fabeln parodiert (»Lessingische unäsopische Fabeln«, Zürich 1760) und Lessing sich polemisch zur Wehr gesetzt hatte. Bei Sulzer in Berlin entstand 1771 das wohl berühmteste Lessing-Portrait durch Graff. Ebenfalls 1771 vermittelt Sulzer eine Anfrage des Wiener Hofes über Lessings mögliche Aufnahme in die geplante österreichische Akademie und noch 1775 trifft Lessing während seines Italienaufenthaltes den Schweizer Gelehrten in Turin. Zum Tod des 1779 Gestorbenen ist keine Äußerung Lessings überliefert. GND ADB/NDB-Link Wikipedia sonst. Link Porträt
Tauentzien, Friedrich Bogislav von geboren am: 18-04-1710 in: Tauentzien [Kreis Lauenburg/Pommern] gestorben am: 21-03-1791 in: Breslau Beschreibung: Tauentzien, 1710 in Hinterpommern geboren, kommt bereits mit 15 Jahren zum Kadettenkorps und tritt drei Jahre später in das Grenadier-Regiment Friedrich Wilhelms I. ein. 1740 avanciert er zum Adjutanten Friedrichs II. und erhält im selben Jahr den jüngst erst gestifteten Orden Pour le mérite. 1744 wird er Major, 1757 in der Schlacht von Kolin durch eine Kugel verwundet, die er bis zum Ende seines Lebens im Körper trägt. Er wird als hochgewachsener, knochiger Mann mit langem Gesicht und treuherzigen Augen beschrieben, der, so Erich Schmidt mit typischer Formulierung, »die ungeschminkte Meinung gern mit grobem pommerschen Humor aussprach«. Ein Mann der alten preußischen Schule, herrisch und derb, penibel und streng im Dienst, weniger gebildet als scharfsinnig, mit unerschütterliche Loyalität zur Krone. 1763, nach dem Frieden von Hubertusburg, wird er Gouverneur von Breslau, 1775 General der Infanterie, 1784 schließlich, drei Jahre nach Lessings Tod, amtsmüde geworden und in die Kritik geraten, beantragt er die Entlassung von der Generalinspektion. Tauentzien war Vater von vier Töchtern und zwei Söhnen. In Breslau war er, vermutlich auf Empfehlung ⭢Ewald von Kleists, Lessings Dienstherr, der als Sachse in Preußischen Diensten vor allem die Korrespondenz des Generals zu führen hatte. Lessing hatte offensichtlich ein recht gutes Verhältnis zu Tauentzien und charakterisiert ihn in einem Brief an Mendelssohn vom 7. Dezember 1760 so: »Meinen [General] halte ich noch bis jetzt für einen sehr guten Mann, vor dessen Heftigkeit, wenn sie anders sein Fehler ist, ich ganz gesichert zu sein glaube.« GND ADB/NDB-Link Wikipedia Porträt
Therbusch, Anna Dorothea, geb. Lisiewska geboren am: 23-07-1721 in: Berlin gestorben am: 09-11-1782 in: Berlin Beschreibung: Die bedeutende Rokoko-Malerin, Schwester der⭢Anna Rosina de Gasc stammt aus der polnischen Künstlerfamilie des Georg Lisiewski. Auch sie erhielt ihre künstlerische Ausbildung bei ihrem Vater. 1742 heiratete sie Ernst Friedrich Therbusch, den gut situierten Gastwirt und Besitzer des Lokals »Weiße Taube» in der Heiliggeiststraße, der selbst als Zeichner dilettierte. Die Geburt von sieben Kindern, von denen zwei überlebten, zwangen die Malerin zu einer Schaffenspause bis Mitte der fünfziger Jahre. 1761 wurde sie an den Stuttgarter, 1763 an den Mannheimer Hof berufen. Von 1765 bis 1768 lebte sie in Paris und fand Aufnahme in der Académie Royale, ebenso wie auf ihrer nächsten Lebensstation in Wien Aufnahme in der Akademie der bildenden Künste, als erste Frau. 1769 kehrte sie nach Berlin zurück. Nach dem Tod ihres Mannes unterhielt sie zusammen mit ihrem Bruder Christoph Lisiewsky ein Atelier in der Straße »Unter den Linden«. Berühmt ist ihr Porträt ⭢Friedrich II. und die Gemälde der preußischen Königsfamilie, die von Kaiserin Katharina II. in Auftrag gegeben wurden und heute in der Eremitage in S. Petersburg hängen. Ein Brief Lessings an ⭢Ramler vom 6. Dez. 1760 aus Breslau offenbart dessen früheren freundschaftlich-geselligen Umgang mit der Familie de Gasc. GND Wikipedia Bibl. Angabe Porträt
Thering [eigentlich Wille], geboren am: 30-11-1649 in: unbekannt gestorben am: 30-11-1814 in: unbekannt Beschreibung: Schauspieler, 1767-1775 bei ⭢Döbbelin, später in Dresden und Leipzig. Wenig ist über die Biographie des Schauspielers bekannt, nur fragmentarisch überliefert sind sowohl Name wie Lebensdaten. 1768 nennt Lessings Bruder ⭢Karl Gotthelf den damals noch unter dem Namen Wille agierenden Schauspieler im Kontext seiner Schilderung des mit Proben zur »Minna« beschäftigten Ensembles von Döbbelin. Er gehört ebenfalls zu dessen Ensemble, als Lessing 1772 bei Proben zur Braunschweiger Aufführung der »Emilia Galotti« über die Besetzung der Rollen mitentscheidet. Schließlich empfiehlt Lessing Thering als Mitglied der ⭢Seylerschen Truppe gegenüber dem Kurpfälzischen Finanzminister Freiherrn ⭢F.K.J. von Hompesch bei seinem Besuch in Mannheim im Januar 1777. Quelle: Elke Bauer: Emilia Galotti, Niemeyer Verlag (2004)
Titius, eigentlich Tietz , Johann Daniel geboren am: 02-02-1729 in: Konitz gestorben am: 11-12-1796 in: Wittenberg Beschreibung: Naturwissenschaftler und Mathematiker, Schriftsteller, Übersetzer, Herausgeber. Nach dem frühen Tod des Vaters wurde Tietz von seinem Onkel, einem Danziger Universitätslehrer, erzogen, er besuchte das dortige Gymnasium und ging zum Studium nach Leipzig. 1752 wurde Tietz Magister und arbeitete als Privatdozent, 1756 wechselte er in seine Geburtsstadt Wittenberg, wo er eine Professur in Mathematik, später auch in Physik erhielt. Tietz oder Titius (viele seiner Schriften sind lateinisch verfasst) bewegte sich auf vielen Wissensfeldern, publizierte theologische und philosophische Aufsätze, historische Werke und naturwissenschaftliche Studien. Sein Name ist durch seine Beobachtungen zum Abstand der Planeten von der Sonne als Titius-Bode-Gesetz noch heute bekannt. Auf Anregung ⭢Gottscheds übersetzte er Montaignes »Essais« sowie Rousseaus »Discours sur les sciences et les arts«, aber auch andere französische sowie englische Schriften. Er war Herausgeber der von 1753 bis 1762 erscheinenden »Neuen Erweiterungen der Erkenntnis und des Vergnügens«. Lessing rezensierte mehrere seiner Schriften von Tietz, der zum Umkreis Gottscheds zu zählen ist, die erwähnten »Erweiterungen« qualifiziert er 1753 in der BPZ spöttisch als Mittelmaß, die Montaigne-Übersetzung hingegen, die bis heute als einer der besten im deutschen Sprachraum gilt, lobt er uneingeschränkt. Umgekehrt hat auch Titius, wie er sich schon früh nannte, mehrere Schriften Lessings im Kontext der »Rettungen« rezensiert, seine Gegenpositionen sind nur knapp dargelegt, kommen aber ohne Polemik aus. Eine persönliche Begegnung beider ist nicht bezeugt. GND ADB/NDB-Link Wikipedia Porträt
Topp, Johann Friedrich Julius geboren am: 29-07-1735 in: Celle gestorben am: 30-03-1784 in: Wolfenbüttel Verhältnis zu Lessing: befreundet Beschreibung: Aufgewachsen in Celle, studierte Topp Medizin in Helmstedt und wurde 1758 am Braunschweiger Collegium Medicum promoviert. Er arbeitete als Garnisonsarzt und wurde 1761 zudem als Professor der Physiologie und Pathologie ans Anatomisch-Chirurgische Institut in Braunschweig berufen. Die zusätzliche Belastung als Militärarzt ließ Topp die akademische Lehre nur begrenzt wahrnehmen. 1772 wechselte er als Stadt- und Landphysikus sowie als Garnisonsarzt nach Wolfenbüttel. Seine erste Frau Christiane, geb. Kahle, starb 1773; ein halbes Jahr später heiratete er Ernestine Charlotte Eleonore Schmidt aus Hannover; aus beiden Ehen stammten drei Töchter und acht Söhne. Nur vier Kinder überleben den Vater, der drei Jahre nach Lessing im Alter von 49 Jahren stirbt. Über sein Leben gibt vor allem die im Archiv der Stadtbibliothek Braunschweig befindliche Korrespondenz mit seiner Schwester Hedwig Christine Charlotte Carpzov, Äbtissin in Helmstedt, Auskunft. [Quelle: Lessing in Braunschweig und Wolfenbüttel, Hg. v. Gerd Biegel, S. 27 ff.] Mit dem, wie ⭢Mendelssohn körperlich beeinträchtigten Arzt, einem klugen, witzigen, oft wohl auch sarkastischen Kopf, war Lessing wohl gut befreundet. Topp war der Wolfenbütteler Schachpartner des Dichters und auch Taufpate des Sohnes Traugott; beide Familien verkehrten vor allem während Lessings Ehe miteinander; ⭢Eva Lessing war am 20. Oktober 1777 Patin bei einem von Topps Kindern. In den Wochen ihrer tödlichen Krankheit war es Topp, der das Kind Traugott, am 27. Dez. 1777 über die Taufe hielt. Topp hat sich auch im Schreiben von Lustspielen versucht. In »Den gelehrten Beyträgen zu den Braunschweigischen Anzeigen« erschienen medizinische Abhandlungen von ihm; der plötzliche Tod Lessings hat ihn zu einem der vielen, allerdings auch einem der besseren poetischen Nachrufe bewegt. GND
Tüb(e)ner, Johann Conrad Samuel geboren am: 30-11-1649 in: Halberstadt gestorben am: 30-11-1649 in: unbekannt Verhältnis zu Lessing: nicht bekannt Beschreibung: Geboren in Halberstadt war Tübener seit 1756 als Goldschmiedemeister und seit 1784 als sog. Oberältester in Braunschweig tätig. Lessing fand bei ihm auf Vermittlung von ⭢Ebert bei seinem Besuch am 2. November 1769 Quartier.
Uz, Johann Peter geboren am: 03-10-1720 in: Ansbach gestorben am: 12-05-1796 in: Ansbach Verhältnis zu Lessing: Bekannter Beschreibung: Uz studierte von 1739 – 1743 Jura in Halle und versuchte gemeinsam mit seinen Freunden ⭢J.W.L. Gleim und Johann Nikolaus Götz als Vertreter der Halleschen Anakreontik eine deutsche Rokokodichtung zu begründen. 1743 kehrte er zunächst in seine Heimatstadt zurück und lebte einige Jahre mit seiner Mutter und seiner Schwester in ungesicherter finanzieller Lage zusammen. Er bekam eine Stelle als Referendar, arbeitete ab 1743 als Justizsekretär und zeitweise (1752-53) als Sekretär beim nach Römhild entsandten Hofrat Strebel. In dieser Zeit lernte er den ebenfalls literarisch tätigen Johann Peter Grötzner kennen, mit dem ihn eine tiefe Freundschaft verband und der ihn stark inspirierte. Erst 1763 erfolgte eine Ernennung zum Assessor am in Ansbach ansässigen Kaiserlichen Landgericht im Burggraftum Nürnberg, womit ein sorgenfreies finanzielles Auskommen gesichert war. Kulturell fühlte sich Uz in der mittelfränkischen Provinz jedoch isoliert. Für seine dichterische Tätigkeit blieb jedoch nur noch wenig Raum und ab 1765 gab er diese auf. Er betätigte sich lediglich noch als Herausgeber eigener Gedichtsammlungen, des Werkes von Johann Friedrich von Cronegk und eines Gesangbuches (zusammen mit Johann Zacharias Leonard Jungheim). Eine direkte Bekanntschaft mit Lessing ist nicht nachzuweisen, aber aus den zahlreichen Briefwechseln zwischen Uz und ⭢Gleim, ⭢Nicolai, ⭢Herder und ⭢Christian Felix Weiße geht hervor, dass die beiden voneinander wussten, Lessing ihn »früh schätzte und ihn gern schützte, als der friedfertige, wackere Mann sinnlicher Spiele wegen verfolgt wurde«. GND Wikipedia Bibl. Angabe Porträt
Voltaire, eigentlich François Marie Arouet geboren am: 21-11-1694 in: Paris gestorben am: 30-05-1778 in: Paris Beschreibung: Voltaire, Sohn eines wohlhabenden Notars, besuchte das Jesuitenkolleg »Louis-le-Grand« bis zum Jahre 1711. Mit 16 Jahren verließ er die Schule und wurde dank seines literarischen Talents und Esprits rasch eine Attraktion in den Salons der freigeistigen Pariser Aristokratie. Schon in dieser Zeit verfasste er Epigramme und Satiren. Als ihm eine nach dem Tod Ludwigs XIV. auf den Regenten Philipp II. von Orléans gemünzte Satire zugeschrieben wurde und Arouet den Vorwurf nicht entkräften konnte, geriet er erstmals in Konflikt mit der Monarchie mit der Folge einer fast einjährigen Inhaftierung. In dieser Zeit schrieb er die Tragödie »Ödipus«, mit deren Erfolg sein Ansehen bei Hof stieg. 1718 nahm er den Namen Voltaire an (anagrammatisch aus Arouet L[e] J[eune]). Die Beziehung zum Hof änderte sich 1726 erneut, als Voltaire nach einem Konflikt mit Guy Auguste de Rohan in Gewahrsam genommen bzw. ins Exil geschickt wurde. Von 1726 bis 1729 lebte er in England. Eine Bilanz seiner Erfahrungen und philosophischen Erwägungen gab er in seinen »Lettres philosophiques«, einer Programmschrift der europäischen Aufklärung, die 1733 in London, ein Jahr später auf Französisch erschienen; sie war so kritisch auf französische Missstände bezogen, dass sie in einem Autodafé endete, Voltaire Paris verlassen musste und sich auf das Schloss der Marquise du Châtelet in Cirey in der Champagne begab. Émilie du Châtelet, Geliebte und intellektuell ebenbürtige Gesprächspartnerin bis zu ihrem Tod 1749, beförderte Voltaires naturwissenschaftliche und historische Interessen, wovon mehrere essayistische, philosophische und literarische Werke zeugen. 1736 begann Voltaire die Korrespondenz mit ⭢Friedrich II. als preußischem Kronprinzen. 1746 wurde er Mitglied der Académie Francaise und erhielt das Privileg eines Königlichen Kammerherren und Historiographen. Nach dem Tod der Marquise folgte er der Einladung Friedrichs 1750 nach Potsdam. Mehrere Querelen, darunter der Prozess gegen den jüdischen Bankier Abraham Hirschel, an dem Lessing als Übersetzer beteiligt war, sowie Rivalitäten mit anderen Höflingen, allen voran ⭢Maupertuis, sorgten für beträchtliche Spannungen zu Friedrich. Nach Voltaires gegen Maupertuis gerichteter Satire »La Diatribe du Docteur Akakia« (1752) fiel er in Ungnade. Seine Erfahrungen mit dem preußischen Regenten beschrieb er 1759 in den (zu Lebzeiten unveröffentlichten) »Mémoires pour servir à la vie de M. de Voltaire«. Der Zwist kulminierte 1753, als er einen Privatdruck Friedrichs mit diplomatisch heiklen Passagen gegen europäische Monarchen und den Klerus bei sich führte und Voltaire gegen das Rechtsprinzip einer Freien Reichsstadt in Frankfurt/M. festgesetzt wurde. 1755 zog er nach Genf, er verweilte aber aufgrund neuerlicher Streitigkeiten, etwa im Theaterstreit mit Rousseau sowie mit den calvinistischen Genfer Stadtherren, auch hier nicht länger als zwei Jahre. 1758 und 1759 kaufte Voltaire im französischen Grenzgebiet nahe Genf die Landgüter Ferney und Tourney; hier entstanden die Hauptwerke seines literarischen Schaffens, darunter 1759 sein bekanntestes Werk »Candide«. Mit 64 Jahren sesshaft geworden, empfing Voltaire in Ferney Besucher aus ganz Europa, korrespondierte mit einer vergleichslosen Vielzahl von (meist) gelehrten und prominenten Personen und nutzte seine Autorität, um publizistisch immer wieder gegen staatliche und soziale Ungerechtigkeiten zu agieren. In Frankreich heißt die Epoche der Aufklärung bekanntlich das Zeitalter Voltaires. Im Jahr 1750 hat Lessing Voltaires gerichtliche Eingaben in einem Prozess gegen Abraham Hirsch(el) übersetzt, beide Kontrahenten hatten illegale Spekulationen mit sächsischen Wertpapieren betrieben. Voltaire bat Lessing, so jedenfalls ⭢Karl Gotthelf Lessing, in dieser Zeit regelmäßig zu Tisch. Von dessen Sekretär ⭢Richier de Louvain hatte Lessing ohne Voltaires Genehmigung einen aus Fehlexemplaren zusammengestellten Vorabdruck seiner Schrift »Le siècle de Louis XIV« erhalten. Lessing überließ die Bogen seinerseits fahrlässig einem Bekannten und dieser sie überdies seiner Dienstherrin. Während Lessing unbekümmert nach Wittenberg reiste, entließ Voltaire, streitbar und misstrauisch, seinen Sekretär, verdächtigte Lessing, die Schrift zum Zweck einer Übersetzung nutzen zu wollen und erwirkte ultimativ ihre – von Lessing dann aber ohnehin veranlasste – Rücksendung. In der Folge schrieb Lessing spöttische Epigramme auf Voltaires juristische »Schelmerei«, übersetzte bald darauf aber Voltaires »Kleinere historische Schriften«, 1751, und rezensierte die eigene (anonyme) Übersetzung noch im selben Herbst in der BPZ. Schon in den »Beiträgen zur Aufnahme und Historie des Theaters« (1750), waren theaterrelevante Passagen aus Voltaires englischen Briefen (»Lettres philosophiques«) erschienen. 1752 lobt Lessing in einer Rezension das Trauerspiel »Amelie ou le Duc de Fois« noch geradezu emphatisch, später fällt das Urteil über Voltaires durchweg klassizistische Dramen harscher aus, namentlich in den Mäandern der Hamburgische Dramaturgie immer häufiger verneinend, mit Shakespeare dem französischen Klassizismus insgesamt und Voltaire im Besonderen entgegensetzt. An Voltaires »genialer Publizistik« aber, »die den polemischen Stil der Journalistik für alle Zeiten standardisierte«, an seiner kritisch-weltbürgerlichen Haltung prinzipiell und lebenslang orientiert, bleibt Voltaire für Lessing eine nur wenig anderen vergleichbare zeitgenössische Bezugsgröße. Von einer »bewundernden Intimfeindschaft« spricht die Forschung (Wiedemann, Bd. 3, S. 899), vom »Kniefall« vor Voltaire wie von seiner Etikettierung als »unfähigem Dramatiker« (Nisbet 137, 514). Bei seiner Italienreise, als ⭢Prinz Leopold mit dem ⭢Obersten Warnstedt Voltaire in Ferney besuchte, zog Lessing es vor, endlich einmal, allein in Turin zu bleiben. Die »Grabschrift auf Voltairen« spiegelt ein Stück weit die Ambivalenz zum großen französischen Aufklärer: »Grabschrift auf Voltairen 1779.«// Hier liegt – wenn man euch glauben wollte,/ Ihr frommen Herr'n, – der längst hier liegen sollte./ Der liebe Gott verzeih aus Gnade/ Ihm seine Henriade,/ Und seine Trauerspiele,/ Und seiner Verschen viele:/ Denn was er sonst ans Licht gebracht,/ Das hat er ziemlich gut gemacht. GND Wikipedia sonst. Link Porträt Quelle: Werner Kraus: Voltaire, in: Kurt Fassmann u.a.: Die Großen, Zürich 1977, Bd. VI/1, S. 438-435, S. 439.
Voß, Christian Friedrich geboren am: 11-10-1724 in: Lübben gestorben am: 24-04-1795 in: Berlin Beschreibung: Sohn des gleichnamigen Buchhändlers und Verlegers, der aus Lübben in der Niederlausitz nach Potsdam gezogen war. Von 1740-46 absolvierte Voß eine Ausbildung beim Potsdamer Buchhändler und Zeitungsverleger ⭢Johann Andreas Rüdiger, später heiratete er dessen Tochter Dorothea Henrietta. 1748 verlegte Voß das Hauptgeschäft nach Berlin und wurde als Nachfolger des Schwiegervaters Herausgeber der »Berlinischen privilegirten Zeitung«, landläufig als »Vossische Zeitung« bekannt. Er verlegte neben Lessing auch ⭢Friedrichs II. »Poésies diverses«, ⭢Gleim, später auch ⭢Herder und Jean Paul. 1791 übertrug Voß das Unternehmen seinem ältesten Sohn Christian Friedrich, der nur vier Jahren danach verstarb, zwei Tage vor seinem Vater. Nach längerem Erbstreit ging die »Vossische Zeitung« an die Tochter Maria Friederike, die mit Lessings Bruder ⭢Karl Gotthelf verheiratet war; der Verlag hingegen an Johann Daniel Sander. Lessing und Voß lernten sich vermutlich 1749 im »Montagsclub« kennen. Zunächst nur Rezensent der BPZ, übernahm Lessing 1751 die Redaktion des »Gelehrten Artikels« und der monatlichen Beilage »Das Neuste aus dem Reich des Witzes«. Lessing und Lessing und Voß lernten sich vermutlich 1749 im »Montagsclub« kennen. Zunächst nur Rezensent der BPZ, übernahm Lessing 1751 die Redaktion des »Gelehrten Artikels« und der monatlichen Beilage »Das Neuste aus dem Reich des Witzes«. Lessing und ⭢Mylius sorgten für einen beachtlichen Aufschwung der BPZ, die zuvor nur eine bescheidene Rolle im Berliner Blätterwald gespielt hatte. Voß war der entscheidende Verleger des Autors Lessing, bei ihm erschienen im Lauf der Jahrzehnte zahlreiche Lessing-Werke, darunter ganz früh »Die alte Jungfer« (1749), »Schrifften« (sechs Bde., 1753-55), »Laokoon« (1766), der erste Band der »Vermischten Schriften« (dem zu Lessings Lebzeiten trotz mehrfacher Zusicherung kein weiterer folgen sollte), die drei großen Dramen und noch 1780 »Die Erziehung des Menschengeschlechts«. Voß ist einer der häufigsten Korrespondenten Lessings (leider sind in vielen Fällen die Briefe nur erschlossen), er unterstützt ihn moralisch und finanziell, durch seine Ermahnungen und Erinnerungen aber auch in produktiver Hinsicht, und beide verbindet ein weit über die Geschäftsbeziehung hinausgehendes freundschaftliches Verhältnis. GND ADB/NDB-Link Wikipedia Porträt
Voß, Maria Friederike geboren am: 26-12-1752 in: Berlin gestorben am: 24-10-1828 in: Berlin Beschreibung: Tochter von ⭢Christian Friedrich Voß, seit Dezember 1776 verheiratet mit Lessings Bruder ⭢Karl Gotthelf, Münzdirektor in Breslau. 1795 erbt sie durch den fast zeitgleichen Tod ihres Vaters und Bruders (beide Christian Friedrich Voß) die »Vossische Zeitung«.
Warnstedt, Friedrich Carl Bogislaus geboren am: 30-11-1726 in: unbekannt gestorben am: 12-03-1808 in: Braunschweig Verhältnis zu Lessing: befreundet Beschreibung: Seit 1740 im braunschweigischen Militärdienst war Warnstedt von 1770 (evtl. auch früher) bis 1776 Adjudant des Prinzen ⭢Leopold von Braunschweig. 1800 wurde er zum Generalleutnant ernannt und war zuletzt Kommandant von Braunschweig. Gemeinsam mit Lessing war er, noch im Stand eines Obersten, Reisebegleiter Leopolds in Italien 1775. Am 25. April brach man aus Wien auf und trennte sich am 16. Dezember in München, von dort reiste Lessing nach Wien. Man verdankt von Warnstedt dank eines sorgfältig geführten Rechnungsbuchs etliche Details über die Reiseroute, die besuchten Höfe und Personen, Theater, Monumente, Sehenswürdigkeiten aller Art. Lessing hingegen hatte zwar Notizen hinterlassen und eine Handvoll Briefe geschrieben, doch so fragmentatisch, dass man ohne Warnstedts Buchhaltung und Rechnungsführung weder viel über alle besuchten Orte noch über die Dauer der jeweiligen Aufenthalte wüsste. Der Oberst erscheint als angenehmer Reisegefährte, tüchtig, vielseitig interessiert und umsichtig, er ist der Organisator der Grand Tour, zudem großzügig: »die Mittel, die er als Herr der Riesekasse Lessing zum Bücherkauf überließ, überstiegen den Jahresetat für Neuerwerbungen der Wolfenbütteler »Bibliothek« (Petra Oelker). Wie Lessing hat er am Siebenjährigen Krieg teilgenommen, allerdings im Leibregiment ⭢Carl Wilhelm Ferdinands. Seine Bibliothek umfaßt eine bemerkenswerte Sammlung an Weltliteratur und Reisebeschreibungen, seine wahre Leidenschaft indes gilt der Numismatik, der er im Rahmen seiner mit preußischem Ernst befolgten Pflichten auch in Italien nachgeht. Bestes Zeugnis von Warnstedts persönlicher Integrität gibt die Tatsache, daß seine Verbindung zu Lessing auch in späteren Jahren bestehen bleibt und Warnstedt zu Lessings festen Tischgenossen im Großen Club von Braunschweig gehört.
Weiß, Mademoiselle aus Langensalza, (keine Lebensdaten ermittelt) geboren am: 30-11-1649 in: unbekannt gestorben am: 30-11-1649 in: unbekannt Beschreibung: »Mademoiselle Weiß« ist nur durch Briefbemerkungen ⭢Ewald von Kleists an ⭢Gleim bekannt. Die offenbar wohlhabende Verwandte einer Cousine ⭢Klopstocks hatte sich Ostern 1757 in Leipzig aufgehalten und dort auch Gleim kennengelernt. Nach dessen Abreise macht sie durch ihre Liebenswürdigkeit, durch »Lebhaftigkeit und Verstand« so viel Eindruck auf Kleist und Lessing, dass Kleist sie Gleim als mögliche Ehefrau anempfiehlt, auch Lessings teile, so Kleist, seinen Eindruck. Sehr nachhaltig war der Eindruck aber nicht, es bleibt bei flüchtigen Erwähnungen.
Weiße, Christian Felix geboren am: 28-01-1726 in: Annaberg gestorben am: 16-12-1804 in: Stötteritz Beschreibung: Weiße stammt aus einer Pastoren- und Gelehrtenfamilie. Sein früh verstorbener Vater war Rektor der Annaberger Lateinschule sowie des Friedrichsgymnasiums in Altenburg, das Christian Felix mit dem zehnten Lebensjahr besuchte und an dem er bald erste lyrische Versuche unternahm. Während des Studiums der Philologie und Theologie in Leipzig (1745-1750) freundete er sich mit ⭢Gellert, ⭢E. C. von Kleist, der ⭢Neuberin und besonders mit Lessing an. Beide verband die Leidenschaft für das Theater und sie begannen, nicht ohne Wettbewerbsaspekt, eigene Stücke zu verfassen, noch nach den Regeln der Sächsischen Typenkomödie, die Lessing leichter überwand. Zudem übersetzten sie für die Neuberin Schauspiele und natürlich schrieb man anakreontische Gedichte, im Falle Weißes ohne wirklich eigenen Ton. Nach dem Studium war Weiße lange als Hauslehrer tätig. Nachdem er im Januar 1759 auf Wunsch ⭢F. Nicolais die Redaktion der »Bibliothek der schönen Wissenschaften« übernommen hatte, begleitete er seinen Zögling Johann Heinrich v. Geyersberg auf dessen »Grand Tour« nach Frankreich, wo er verschiedene Anregungen, v.a. der »opera comique«, für eines seiner bevorzugten Genres, das Singspiel, erhielt. Anfang 1762 erhielt er, vermittelt durch ⭢Rabener, in Leipzig das Amt eines Steuereinnehmers, das ihm Zeit zum Schreiben ließ und seine Aufnahme in die bessere Leipziger Gesellschaft ermöglichte. 1763 heiratete er Christiana Platner, die Schwester ⭢Ernst Platners, mit der er fünf Kinder hatte. Aus den Erfahrungen des Familienlebens heraus hat Weiße zahlreiche, auch vielfach vertonte (u.a. von Mozart), didaktisch gehaltene Kinderlieder geschrieben. Seine Kinderzeitschrift »Der Kinderfreund« erschien von 1775 bis 1782, es war ein ausgesprochen erfolgreiches Unternehmen. Neben Gellert war der zwar viel, aber nie anders als bieder-konventionell schreibende Weiße seinerzeit einer der gefragtesten, beliebtesten deutschen Autoren, das gilt für die Bühnenwerke, die Kinder- und Jugendliteratur und das durch ihn populär in die Wege geleitete Singspiel. Weißes »Selbstbiographie« gibt wertvolle Hinweise auf Lessing, v.a. auf frühe Stücke und Übersetzungen. Dem Wettbewerb mit Lessing verdanken sich dessen Dramenfragmente »Der Leichtgläubige«, »Die Matrone von Ephesos« sowie »Giangir. Oder der verschmähte Thron«, der gemeinsamen Übersetzungsarbeit die Stücke »Hannibal« und »Catilina« sowie Jean-François Régnard erfolgreichstes, leider nicht erhaltenes Schauspiel »Der Spieler«. Die Übersetzung von William Laws Erbauungsschrift »Eine ernsthafte Ermunterung an alle Christen […]« soll auf Lessings Initiative zurückgehen, Weiße indes den Löwenanteil daran geleistet haben. Lessings Briefwechsel mit Christian Felix Weiße ist fast vollständig verschollen, im April 1765 sehen sich die Jugendfreunde in Leipzig wieder. Anlass, sich mit Weißes Dramen zu beschäftigen, bot die »Hamburgische Dramaturgie«, deren Kritik allerdings weder die Komödie »Amalia« noch die Tragödie »Richard III.« allzu schonend behandelt. Weiße überlebt Lessing um mehr als 20 Jahre, blieb hinter dem drei Jahre jüngeren Freund an Originalität und poetischer Kraft allerdings durchgehend zurück. GND ADB/NDB-Link Wikipedia sonst. Link Porträt
Wendler, Johann geboren am: 23-10-1713 in: Nürnberg gestorben am: 14-10-1799 in: Leipzig Beschreibung: Wendlers Jugend liegt weitgehend im Dunkeln. Die unverheirateten Eltern stammten aus Röthenbach an der Pegnitz, das deshalb auch als eigentlicher Geburtsort vermutet wird. 1743 setzte die Witwe des Leipziger Buchhändlers Moritz Georg Weidmann Johann Wendler als Geschäftsführer der Weidmannschen Buchhandlung ein, 1745 gründete er einen eigenen Verlag. Er gewann ⭢Gellert als Autor, der dank eines für Wendler profitablen, nie zugunsten des Autors korrigierten Vertrags beachtlich prosperierte. Lessing kritisiert das einseitige Geschäftsmodell Wendlers noch in seiner späten, Autor und Buchhandelspraxis gewidmeten Schrift »Leben und leben lassen« (gegen 1774/75). Zudem war Wendler der wohl erste Verlag mit einem breiten Angebot englischer Titel, darunter etwa Richardsons »Grandison«, Miltons »Paradise Lost« und die Werke Alexander Popes, daneben aber auch naturwissenschaftliche Titel sowie das Rezensionsorgan »Brittische Bibliothek«. Bereits 1766 verkaufte Wendler die Verlags- und Sortimentsbuchhandlung und führte ein Leben als wohlhabender, unverheirateter und kinderloser Privatier. Lessing kannte den Leipziger Verleger mindestens dem Namen nach bereits aus seiner Rezensentenzeit in den frühen 50er Jahren. Vermutlich stammt die zur Ostermesse 1756 in zwei Bänden bei Wendler erschienene Übersetzung von Franz Hutchesons »Sittenlehre der Vernunft« von Lessing, allerdings stützt sich die Annahme vor allem auf eine Bemerkung seines Bruders ⭢Karl Gotthelf und bleibt ohne definitiven Beleg. GND Wikipedia
Wezel, Johann Karl Pseudonym: auch Carl, bzw. Wetzel geschrieben geboren am: 31-10-1747 in: Sondershausen gestorben am: 28-01-1819 in: Sondershausen Verhältnis zu Lessing: Bibliotheksbenutzer Beschreibung: Schriftsteller und Kritiker der späten Aufklärung. Studium der Theologie, Jura, Philosophie und Philologie in Leipzig. Hofmeister bei dem Freiherrn von Schönberg in Bautzen bis 1775, anschließend Kritiker für die Neue Bibliothek der schönen Wissenschaften und freien Künste. Von 1782 bis 1784 Theaterdichter in Wien. Wezel war einer der ersten Autoren, die allein durch ihr Schreiben leben konnten, war aber in den letzten beiden Lebensjahrzehnten in psychiatrischer Behandlung und starb in seiner Geburtsstadt in geistiger Umnachtung. Zusammen mit August Gottlieb Meißner aus Dresden war er in Braunschweig und Wolfenbüttel, s. Besucherbuch der Bibliothek Wolfenbüttel v. 8. Juni 1779. GND Wikipedia Porträt
Winckler [auch: Winkler], Christian Gottfried geboren am: 30-11-1733 in: Leipzig gestorben am: 30-11-1783 in: Kesselshain Beschreibung: Als Spross einer angesehenen Leipziger Kaufmannsfamilie hatte Winckler Vermögen genug, um Mitte der 50er Jahre eine mehrjährige Europareise zu planen, für die er Ende 1755 Lessing als Begleiter und Cicerone mit einem jährlichen Honorar von 200 Talern sowie freier Kost und Logis engagierte. Gemeinsam ging man am 10. Mai 1756 auf Reisen, scheint sich aber schon über die Reiseroute nur zögernd geeinigt zu haben. Sie führte über Halberstadt, Braunschweig, Wolfenbüttel, mit Besuch der Herzoglichen Bibliothek am 17. Mai, Hildesheim, Hannover, Celle, Lüneburg, Hamburg, Bremen, Oldenburg und Groningen an die Zuyder See und nach Amsterdam, von wo aus man England, später Frankreich und Italien besuchen wollte. Der Beginn des Siebenjährigen Krieges machte die Reisepläne rasch zunichte, da Winckler im besetzten Sachsen um Besitz und Vermögen fürchten musste und mit Lessing Ende August die Rückreise nach Leipzig antrat, wo man Ende September eintraf. Lessing wohnte vor und nach der Reise in Wincklers Gasthof »Zur Feuerkugel«. Herzlich unbekümmert um die Kriegsgegnerschaft traf er auch mit preußischen Offizieren wie ⭢E. v. Kleist zusammen und machte sich so in Leipzigs Bürgerkreisen nur wenig beliebt. Winkler kündigte ihm das freie Logis, worauf Lessing einen Entschädigungsprozess gegen ihn anstrengte, bis zu dessen Ende 1764 gut sieben Jahre vergingen. Lessing gewann den Prozess zwar, durfte aber die Hälfte des ihm zugesprochenen Betrags als Anwaltskosten an den auch dichterisch tätigen ⭢C.W. Müller entrichten. Winckler war in erster Ehe mit einer geborenen von Einsiedel, geschiedenen von Görne, in zweiter Ehe mit einer geborenen von Griesheim verheiratet. Weder persönliche Aufzeichnungen noch Korrespondenzen oder Porträts von ihm sind erhalten. Die Kamenzer Arbeitsstelle zur Lessing-Rezeption gibt im Rahmen einer Ausstellung und Publikation zu »Lessings großer Reise« die ausführlichsten Auskünfte zu Christian Gottfried Winckler. GND Wikipedia sonst. Link
Wolff [auch Wolf oder Wulff] Metz, Abraham Joseph ben Simon geboren am: 30-11-1709 in: Frankfurt / M. gestorben am: 04-11-1795 in: Berlin Beschreibung: Jüdischer Mathematiker in Berlin. Wulff arbeitete seit 1770 als Rechnungsbeamter in der Gold- und Silbermanufaktur ⭢Veitel Heine Ephraims (bzw. seines Schwiegersohns ⭢Aaron Moses Meyer) in Berlin. Er gehörte zum engeren Freundeskreis ⭢Mendelssohns, bewohnte ein Zimmer in dessen Haus und war Lehrer seiner Kinder. ⭢Leonhard Euler schätzte den als exzentrischen Sonderling geltenden Wolff sehr. Ephraims Enkeltochter ⭢Sara Grotthuis schreibt an ⭢Goethe, Wulff sei »nach Eulers Aussage das größte geometrische Genie […] der aber von der Welt und ihren Verhältnissen gar keine Ahnung hatte, sein Höchstes war Schachspiel und Romanenlectüre.« (D 195). Durchaus glaubhaft und plausibel erscheint also, dass Lessing mit seinem Faible für Außenseiter der Figur des Al Hafi in »Nathan der Weise« Züge des Mathematikers und Schachspielers verliehen hat. GND Wikipedia Porträt
Woltereck, Siegmund Ludwig geboren am: 01-07-1724 in: Wolfenbüttel gestorben am: 11-06-1796 in: Wolfenbüttel Verhältnis zu Lessing: Bekannter Beschreibung: Der Jurist und Autor war als Archivar an der Hauptkirche Beatae Mariae Virginis und Oberamtmann in Wolfenbüttel tätig. Woltereck, Sohn des gelehrten und poetisch ambitionierten Christoph Woltereck studierte ab 1741 in Helmstedt, seit 1743 in Leipzig. Im Juni 1750 wurde er als Kanzleiregistrator der Fürstlichen Justizkanzlei in Wolfenbüttel beeidigt, später zum »Secretär« und »wirklichen Kanzleisecretär« und zwei Jahrzehnte später zum Konsistorialrat und Geheimen Justizrat ernannt. Er war für das Landeshauptarchiv zuständig, dilettierte als Autor und Verfasser »Einiger ernsthafter und geistlicher Gedichte«, die anonym bei ⭢Bindseil in Wolfenbüttel erschienen. Zwar ist die Bekanntschaft mit Lessing sehr wahrscheinlich, aber nicht nachzuweisen, nur eine nach Lessings Tod im Protokoll über den Nachlass des Dichters zu findende Erwähnung dokumentiert die Verbindung. ADB/NDB-Link
Zachariä, Justus Friedrich Wilhelm geboren am: 01-05-1726 in: Frankenhausen[Kyffhäuser] gestorben am: 30-01-1777 in: Braunschweig Verhältnis zu Lessing: befreundet Beschreibung: Der spätere Schriftsteller, Übersetzer, Hausgeber und Komponist begann nach dem Besuch der fürstlichen Landesschule 1743 das Studium der Rechtswissenschaften in Leipzig, wechselte jedoch 1747 nach Göttingen. Seit 1744 zählte er zum Kreis der »Bremer Beiträger«. Nach dem Studium wurde Zachariä Hofmeister am Collegium Carolinum. Aufgrund seiner Kenntnisse über das Druck-und Papiergewerbe bereiste er im Auftrag des Hofes inländische Papierfabriken. 1762-1774 war er Leiter der Buchhandlung und Druckerei des Braunschweiger Waisenhauses, wozu auch die Aufsicht über Druckerei, Buchhandlung und Verlag der Einrichtung gehörte. 1761 erfolgte Zachariäs Ernennung zum Professor für Dichtkunst. Mit seinem schon 1744 veröffentlichten »komischen Heldengedichte« und Studentenepos »Der Renommiste«, das das studentische Leben Leipzigs und Jenas einander gegenüberstellt, hatte Zachariä früh beachtlichen literarischen Erfolg. Kein späteres Werk reicht an Originalität und Witz der Erfindung an diesen Erstling heran. Literarisch trat er in verschiedenen Genres, etwa als Bearbeiter deutscher Volksmärchen oder als Übersetzer von Miltons »Lost Paradise«, in Erscheinung. Neben seiner literarischen Tätigkeit komponierte der zum engeren Freundeskreis Lessings zählende, den geselligen Freuden des Lebens zugeneigte Autor. Lessing bedachte ihn gelegentlich mit freundschaftlichem Spott; er war auch Gast der noch in späten Jahren vollzogenen Heirat Zachariäs mit der 37jährigen Henriette Sophie Elisabeth Wegener, Tochter des Gasthofsbesitzers »Zum großen Weghause« in Stöckheim, einem beliebten Treffpunkt des Kreises um Lessing zwischen Wolfenbüttel und Braunschweig. Vergleichsweise jung starb der ob seiner »Walfischgesundheit« eigentlich bewunderte Zachariä im Alter von 51 Jahren in Braunschweig. GND ADB/NDB-Link Wikipedia Porträt