Personeneinträge (Braunschweig)

Abt Jerusalem, Johann Friedrich Wilhelm geboren am: 30-11-1649 in: nicht bekannt gestorben am: 30-11-1649 in: nicht bekannt Beschreibung: ⭢Jerusalem, Johann Friedrich Wilhelm
Angott, Johann Hermann geboren am: 30-11-1720 in: nicht bekannt gestorben am: 30-11-1799 in: nicht bekannt Verhältnis zu Lessing: Bekannter Beschreibung: Der Weinhändler und Besitzer des Gasthofes »Neue Schenke« in Braunschweig am Ägidienmarkt, war nicht nur Lessings Braunschweiger Vermieter, vielmehr befand sich in dem vom Hofbaumeister Georg Christoph Sturm erbauten Haus auch eine Apotheke sowie im Nebenhaus das Braunschweiger Lottokontor. In der Gastschänke war Lessing gelegentlich mit Freunden und Bekannten essen. Im zweiten Stock des Hauses hatte er spätestens nach dem Tod von ⭢Eva König, evtl. auch früher schon, zwei Zimmer gemietet, dort verstarb er im Februar 1781. Der Braunschweiger Chronist Carl Philipp Ribbentrop beschreibt das Haus 1796 so: »Das Gebäude Neuen Schenke stehet von drei Seiten her frei, ist 13 Fenster breit, hat auf einem Souterrain 2 Geschosse von Holz [= Fachwerk] gebauet, mit einem Mansarddache. Der mittelste Theil steht in gerader Linie gegen den Marktplatz, hat eine doppelte Freitreppe, auf deren Podest ein gewölbter Vorbau, worauf ein Altan mit eisernem Brustgeländer befindlich, von welchem man in den Saal des zweiten Geschosses gehet. Die beiden Flgel. jeder 4 Fenster breit ziehen sich an den Ecken etwas zurück, welches dem Gebäude viel Zierde giebt. Der jetzige Besitzer, Weinhändler Angott, hat es an verschiednenen Stellen verschönert, und vermalen lassen.« Das von starken Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg beschädigte Haus ist heute nicht mehr erhalten, 1976 wurde an seine Stelle das Sterbehaus von ⭢Leisewitz gesetzt, das ursprünglich in der Wallstraße in Braunschweig gestanden hatte. Der Braunschweiger Sammler und Forscher Carl Schiller (1807-1874) nennt Angott einen Lessing »befreundeten, reichen Weinhändler«; authentische Zeugnisse über eine freundschaftliche Verbindung sind allerdings nicht überliefert.
Aschersleben, Friedrich Carl Leopold geboren am: 30-11-1649 in: nicht bekannt gestorben am: 30-11-1649 in: nicht bekannt Verhältnis zu Lessing: Bekannter Beschreibung: Die Lebensdaten des Rittmeisters am Braunschweiger Hof sind nicht ermittelt. Er war 1759 für nur drei Monate mit Caroline Fredersdorff, der Großmutter Achim von Brentanos, verheiratet. Um 1780 avancierte er zum Hofmarschall in Braunschweig, war aber offenbar chronisch verschuldet und floh der Schulden wegen 1786 mit unbekanntem Ziel. Mit Lessing traf er vermutlich mehrfach zusammen, dokumentiert ist aber nur eine Begegnung im November 1780 im »Großen Club« im Hôtel d'Angleterre.
Augusta (Friederike Luise), von Hannover geboren am: 11-08-1737 in: London gestorben am: 23-03-1813 in: London Verhältnis zu Lessing: Bekannte Beschreibung: Prinzessin von Großbritannien, 1764 durch die aus dynastischen Interessen geschlossene Ehe mit ⭢Carl Wilhelm Ferdinand Herzogin zu Braunschweig-Lüneburg sowie von 1780 bis 1806 regierende Fürstin von Braunschweig-Wolfenbüttel. Dem Braunschweiger Hof gleichgültig, wenn nicht ablehnend gegenüberstehend, nutze sie als bevorzugte Residenz das im Süden Braunschweigs eigens für sie erbaute Schloss Richmond. Aus der Ehe stammten sieben Kinder, von denen die vier Söhne, bis auf den letzten, Friedrich Wilhelm, den sog. »Schwarzen Herzog« von Braunschweig, körperliche und geistige Abnormitäten aufwiesen, während sich die Töchter guter Gesundheit erfreuten. Nach dem Tod des Herzogs und der Besetzung Braunschweigs durch französische Truppen flüchtete sie Ende 1806 nach England und verbrachte ihre letzten Lebensjahre in London, in der Nähe ihrer jüngsten, auf Schloss Richmond geborenen Tochter Caroline Amalie Elisabeth von Braunschweig-Wolfenbüttel (seit 1795 verheiratet mit Georg IV.). Lessing erhielt bei seinen Besuchen in Braunschweig des Öfteren Einladungen bei Hofe, denen er nur widerstrebend folgte und an denen gelegentlich auch Herzogin Augusta teilnahm; ein letztes Essen fand noch vier Tage vor seinem Tod statt. GND Wikipedia Porträt
Auguste Caroline Friederike, von Württemberg Prinzessin geboren am: 03-12-1764 in: Braunschweig gestorben am: 27-09-1788 in: Koluvere [Estland] Verhältnis zu Lessing: Bekannte Beschreibung: Als geborene Prinzessin von Braunschweig und Lüneburg wurde die älteste Tochter ⭢Carl Wilhelm Ferdinands bereits im Alter von 16 Jahren aus dynastischen Gründen dem zehn Jahre älteren Friedrich Wilhelm Carl Prinz von Württemberg vermählt, der ihr nicht nur intellektuell überlegen war, sondern ihr auch selbstherrlich und abweisend gegenüber trat. Bis 1785 brachte sie vier Kinder zur Welt. Die Familie musste einer Anstellung Friedrichs wegen als Generalgouverneur nach Russisch-Finnland ziehen, wo Auguste mit der Kaiserin Katharina der Großen bekannt wurde. Als sie der Kaiserin in einer dramatischen Szene ihr ganzes Unglück vortrug, verwies Katharina Friedrich 1786 aus Russland; Auguste kam in die Obhut eines Hofjägermeisters, der Gerüchten zufolge das ihm gegebene Vertrauen indes schändlich missbrauchte. 1788 starb die Prinzessin aufgrund einer Fehlgeburt, die, um jene Gerüchte nicht zu erhärten, ohne jegliche ärztliche Hilfe stattfand. Als Tochter Carl Wilhelm Ferdinands war sie vermutlich mit Lessing persönlich bekannt. Wie Lessing selbst empfahl sie ⭢Ernst Theodor Langer als Lessings Nachfolger für die Bibliothekarsstelle in Wolfenbüttel. GND Wikipedia Porträt
Branconi, geb. von Elsener , Maria Antonia von geboren am: 27-10-1746 in: Genua gestorben am: 07-07-1793 in: Abano Verhältnis zu Lessing: Bekannte Beschreibung: Die Tochter deutsch-italienischer Eltern wurde als Zwölfjährige mit Francesco Pessina de Branconi, einem Beamten der königlich neapolitanischen Generalpachtungen, verheiratet. Als ihr Ehemann 1766 verstarb, hatte sie bereits einen Sohn und eine Tochter geboren. Einen Monat später lernte sie den Braunschweiger Erbprinzen ⭢Carl Wilhelm Ferdinand kennen, der nach seiner Heirat mit ⭢Augusta von Hannover eine ausgedehnte europäische Kavalierstour durch Europa unternahm. Mit ihm ging sie als offizielle Mätresse nach Braunschweig und brachte am 29. Dez. 1767 den gemeinsamen Sohn Karl Anton Ferdinand zur Welt. Da ⭢Herzog Carl I. sich dafür einsetzte, das Kind in den Reichsadelsstand zu erheben, wurde die Branconi mit beiden Kindern aus erster Ehe durch Kaiser ⭢Joseph II. geadelt. 1777 kam es zum Bruch mit Carl Wilhelm Ferdinand, der mit ⭢Luise von Hertefeld eine neue Mätresse wählte. In der Folgezeit lebte die Branconi, deren Schönheit legendär war, verschiedentlich in Langenstein und Paris und unternahm Reisen in die Schweiz und nach Frankreich. 1793 starb sie während einer Kur in Abano. Sie hatte Verbindung zu vielen geistigen Größen ihrer Zeit, z.B. zu ⭢Eschenburg, ⭢Ebert, ⭢Gleim, ⭢Sophie von La Roche, ⭢Lavater oder ⭢Goethe. Es ist sehr wahrscheinlich, dass sie während ihrer Braunschweiger Zeit auch Lessing begegnet ist, wofür etwa eine Notiz des Arztes ⭢Johann Georg Zimmermann spricht. Für die These, dass sie als Vorbild der Gräfin Orsina in EMILIA GALOTTI gedient haben soll, fehlen indes verbindliche Zeugnisse. GND Wikipedia Porträt
Brückmann, Urban Friedrich Benedikt geboren am: 23-04-1728 in: Wolfenbüttel gestorben am: 20-06-1812 in: Braunschweig Verhältnis zu Lessing: befreundet Beschreibung: 1728 als Sohn des Gelehrten Franz Ernst Brückmann in Wolfenbüttel geboren, promovierte Brückmann nach seinem Medizinstudium am Helmstedter Juleum. 1750/51 zog er nach Braunschweig, wurde 1755 zum Professor für Anatomie ernannt und trug den mit der Stelle des herzoglichen »Leibmedicus« verbundenen Titel eines Hofrats. Als sein Leibarzt gehörte er zu Lessings Braunschweiger Freunden und begleitete ihn auch in seinen letzten Stunden. Der enzyklopädisch orientierte Brückmann beschäftigte sich außer mit medizinischen Fragen vor allem mit mineralogischen Studien und besaß eine ebenso bedeutende mineralogische Sammlung wie eine Sammlung von Edelsteinen. Auf seine ABHANDLUNG VON EDELSTEINEN berief sich Lessing in den BRIEFEN ANTIQUARISCHEN INHALTS sowie in den COLLECTANEEN. Noch in den späteren Schriften wie ÜBER DEN SARDER, ONYX UND SARDONYX (1801, Nachtrag 1804) verteidigte Brückmann Lessing gegen Angriffe auf einzelne antiquarische Briefe. GND ADB/NDB-Link Wikipedia Bibl. Angabe
Campe, Joachim Heinrich geboren am: 29-06-1746 in: Deensen b. Holzminden gestorben am: 22-10-1818 in: Braunschweig Verhältnis zu Lessing: Bekannter Beschreibung: Der Sohn eines Kaufmanns sowie Land- u. Gastwirts besuchte ab 1760 die Amelungsbornsche Klosterschule zu Holzminden und erhielt Privatunterricht. 1765 nahm er ein Theologiestudium in Helmstedt auf, wo ⭢Wilhelm Abraham Teller sein wichtigster Lehrer wurde. Campe wechselte 1768 nach Halle, 1769 wurde er Lehrer und Erzieher im Haus der Humboldts in Berlin und traf in dieser Zeit bedeutende Vertreter der Aufklärung. Er wirkte zwischenzeitlich als Feldprediger, zeigte jedoch wachsendes Interesse an pädagogischen Fragen und kehrte 1775 als Lehrer der Söhne Wilhelm und Alexander ins Humboldtsche Haus zurück. 1776 wurde er »Edukationsrat« am Dessauer Philanthropinum und übernahm später faktisch dessen Leitung. Nach Streitigkeiten mit ⭢Basedow floh er 1777 nach Hamburg, wo er als Erzieher der Kinder angesehener Kaufleute wie ⭢Schuback wirkte, und sich als Autor vor allem des ungemein erfolgreichen Jugendbuches ROBINSON DER JÜNGERE hervortat. 1786 wurde er von ⭢Carl Wilhelm Ferdinand als Hochfürstlicher Schulrath nach Wolfenbüttel berufen und begründete im gleichen Jahr die Braunschweigische Schulbuchhandlung. Während seiner Hamburger Zeit verstärkte er die Kontakte zu den Berliner und Hamburger Aufklärern wie ⭢Klopstock, ⭢Claudius und Lessing. Er verkehrte regelmäßig in den Häusern der Familien Reimarus und Sieveking. Durch seinen ROBINSON-Roman und DIE ENTDECKUNG VON AMERIKA zum Begründer des Genres der Kinder- und Jugendliteratur geworden, gab Campe in seinen letzten Lebensjahren das ›Wörterbuch der deutschen Sprache‹ heraus, veröffentlichte darüber hinaus aber zahlreiche kleinere Schriften zur Pädagogik sowie zur deutschen Sprache. Im September 1778 trafen in Hamburg Campe und seine Frau ⭢Anna Dorothea Maria erstmals mit Lessing zusammen, zuletzt dort 1780, wenige Wochen vor Lessings Tod. Lessing, so berichtet ⭢Elise Reimarus, schien in Campe den »festen, unschwärmerischen Mann zu schätzen und zumindest sein Urteil über dessen 1773 erschienen PHILOSOPHISCHE GESPRÄCHE fällt ausgesprochen wohlwollend aus. Großes Interesse bekundete Campe an ERNST UND FALK, wie die einschlägige Korrespondenz bezeugt. Gleiches Interesse bewies Campe für NATHAN DER WEISE, dessen Subskription er unterstützte und zu dem er sich brieflich mit dem Autor austauschte. Nicht zuletzt hatten die Korrespondenten im Hamburger Hauptpastor ⭢Goeze eine Art gemeinsamen Gegner. Campes Schulbuchhandlung übernahm auch die Braunschweiger Waisenhaus-Buchhandlung und Druckerei, in der mehrere Schriften Lessings erschienen waren. GND ADB/NDB-Link Wikipedia Bibl. Angabe Porträt
Campe, geb. Hiller, Anna Dorothea Maria geboren am: 05-10-1741 in: nicht bekannt gestorben am: 29-01-1827 in: nicht bekannt Verhältnis zu Lessing: Bekannte Beschreibung: Seit 1773 Frau von ⭢Joachim Heinrich Campe. Bei Lessings Besuch in Hamburg im Herbst 1778 lernte sie gemeinsam mit ihrem Mann Lessing kennen, der ihre Schwärmerei für die Herrnhuter ironisch konterkarierte. Kopitzsch spricht von »der beiderseitigen Achtung Lessings und Dorothea Maria Campes«. Porträt Quelle: Franklin Kopitzsch: Joachim Heinrich Campe und Gotthold Ephraim Lessing. In: Biegel: Lessing in Braunschweig u. Wolfenbüttel, S. 96.
Carl I., von Braunschweig-Wolfenbüttel Herzog geboren am: 01-08-1713 in: Braunschweig gestorben am: 26-03-1780 in: Braunschweig Beschreibung: Der Sohn von Herzog Ferdinand Albrecht II. und Antoinette Amalie von Braunschweig-Wolfenbüttel war dem Preußenkönig Friedrich Wilhelm I. eng verbunden und heiratete 1733 dessen Schwester ⭢Philippine Charlotte. Carl I. verfolgte eine militärische Karriere, wurde aber nach dem unerwarteten Tod seines Vaters 1735 Fürst von Braunschweig-Wolfenbüttel. 1753 verlegte er die Residenz von Wolfenbüttel nach Braunschweig, beließ aber die Herzogliche Bibliothek in Wolfenbüttel und ernannte Lessing 1770 zum Bibliothekar. Lessings Verhältnis zu Carl war weit entspannter als zu dessen Sohn ⭢Carl Wilhelm Ferdinand, der seine Anstellung in Wolfenbüttel betrieben hatte. Carl war aufklärerisch gesinnt. Außenpolitisch eng an Preußen orientiert, setzte er dringend notwendige innenpolitische Reformen auf den Feldern der Verwaltung sowie des Finanz-, Sozial- und Unterrichtswesens in Gang; um die marode Wirtschaft zu befördern gründete er Betriebe zur Erzgewinnung und Glasherstellung und die Porzellanmanufaktur Fürstenberg. Auch die fortschrittliche Bildungsanstalt des Collegiums Carolinum, das Kunst- und Naturalienkabinett, Grundstock des heutigen Anton Ulrich-Museums, sowie die Einrichtung einer Brandkasse als frühe Form der Versicherung oder des Herzöglichen Leyhauses als Vorform eines Bankinstituts oder einer Witwen- und Waisenkasse gehen auf Carl zurück. Die beträchtliche Schuldenlast, die er übernommen hatte, hohe Militärausgaben sowie großzügige Ausgaben für Kultur und Hofhaltung verschärften das Problem, die Finanzen des Fürstentums in den Griff zu bekommen; 1773 übergab Carl als regierender Herzog die Staatsgeschäfte an seinen ältesten Sohn Carl Wilhelm Ferdinand, seine letzte Ruhestätte fand er in der Krypta des Braunschweiger Doms. GND ADB/NDB-Link Wikipedia sonst. Link Porträt
Carl Wilhelm Ferdinand, von Braunschweig-Wolfenbüttel Herzog geboren am: 09-10-1735 in: Wolfenbüttel gestorben am: 10-11-1806 in: Ottensen bei Hamburg Verhältnis zu Lessing: Dienstverhältnis Beschreibung: Der Sohn von ⭢Carl I. und ⭢Philippine Charlotte von Preußen, seit 1764 verheiratet mit ⭢Augusta von Hannover, trat offiziell 1780 als Fürst von Braunschweig-Wolfenbüttel die Nachfolge seines Vaters an. Tatsächlich hatte er als Erbprinz auch zuvor schon einen wesentlichen Teil der Amtsgeschäfte übernommen; noch während der Regierungszeit des Vaters gab er etwa den Anstoß zu Lessings Anstellung als Herzoglicher Bibliothekar. Erzogen von ⭢Friedrich Wilhelm Jerusalem und ⭢Joachim Heinrich Campe förderte der aufgeklärte Herrscher Kunst und Literatur. Unter seiner Regierung kam es zu zahlreichen, gerade anfangs oft erfolgreichen Reformen im Fürstentum Braunschweig. Karriere machte »CWF« als Militär, er wurde 1787 zum preußischen Feldmarschall ernannt und agierte, wenig glücklich, im ersten Koalitionskrieg als Befehlshaber über die preußischen und österreichischen Truppen gegen Frankreichs Revolutionsarmee. 1794 legte er den Oberbefehl nieder, erhielt aber 1806 im Zug des vierten Koalitionskrieges dank einer fragwürdigen Entscheidung erneut den Oberbefehl über die preußische Hauptarmee. In der Schlacht bei Auerstedt schwer verwundet, floh Carl Wilhelm Ferdinand nach Altona auf neutrales dänisches Gebiet und starb dort im November 1806 im Alter von 71 Jahren. Das Verhältnis zu Lessing, der alles andere als ein gewöhnlicher Untertan war, gestaltete sich komplex und schwierig. Eine dem Bibliothekar zugesagte, mit der Erhöhung des Gehalts verbundene Anstellung als Historiograph blieb lange uneingelöst und sorgte beim empfindlichen Lessing für eine über Jahre anhaltende Missstimmung. Ohne das Stück im mindesten zu erschöpfen, ist die oft behauptete biographische Nähe des Erbprinzen zum Prinzen Hettore Gonzaga in »Emilia Galotti« wohl nicht ganz von der Hand zu weisen. Im sog. Fragmentenstreit der Jahr Ende 1780 sorgte der Erbprinz zwar für die Aufhebung von Lessings Zensurfreiheit, bot aber auch Unterstützung an, als das Corpus evangelicorum den Bibliothekar seiner Herausgebertätigkeit wegen zur Rechenschaft ziehen wollte. Ein Angebot, das Lessing zwar mit »mürrischer Gleichgültigkeit« ablehnte, sein oft harsches Urteil über Carl Wilhelm Ferdinand wich am Ende dennoch einer versöhnlicheren Einschätzung. GND ADB/NDB-Link Wikipedia Bibl. Angabe Porträt
Daveson, Alexander Pseudonym: Carl Julius Lange geboren am: 30-11-1649 in: Braunschweig gestorben am: 30-11-1649 in: Minsk Verhältnis zu Lessing: befreundet Beschreibung: Pseudonym, eigentl. Simson Alexander David, auch Simon Alexander David, späteres Pseudonym: Carl Julius Lange. Zehnter und jüngster Sohn des 1765 verstorbenen Braunschweiger Schutzjuden, Kammeragenten, Hoflieferanten, Hofbankiers und Neubegründers der Jüdischen Gemeinde Alexander David. Beim Tod des Vaters ein noch zehnjähriger Knabe, dessen eingesetzter Vormund nicht vermochte, Verwöhntheit und Labilität ein größeres Verantwortungsbewusstsein entgegenzusetzen, vielmehr wurde die gesellschaftliche und finanzielle Unerfahrenheit der Kinder Davesons von Geschäftsleuten offenbar ohne Skrupel ausgenutzt. Als junger Mann eröffnete Daveson eine Kunst- und Galanteriewarenhandlung und übernahm die Kommission für das hessische Lotto in Braunschweig. Angebliche Beteiligung an einem größeren Lotteriebetrug sowie ein tiefgreifendes Zerwürfnis mit ⭢Carl Wilhelm Ferdinand veranlassten eine halbjährige Haftstrafe Davesons. Auch wenn ihm eine direkte persönliche Beteiligung am Lotterieskandal nicht nachgewiesen werden konnte, nahm der Braunschweiger Hof die Affäre zum Anlass, ihn aus der christlichen und jüdischen Gemeinde auszuschließen, ferner zwang er Daveson zum Verlassen seines Hauses. Lessing, der die Affäre aufmerksam verfolgt hatte, urteilte zwar, »ganz unschuldig« sei der »Unglückliche« nicht, nahm den nach einem halben Jahr Gefängnisaufenthalt gesellschaftlich Isolierten nebst seiner Frau Jette aber in seinem Wolfenbütteler Domizil auf. Für Daveson wurde er, mit dessen eigenen Worten, »mein Freund, mein Lehrer, mein Beschützer.« Nach Lessings Tod ging Daveson nach England, ließ sich dort taufen, nahm das Pseudonym Karl Julius Lange an, kehrte 1790 nach Deutschland zurück, wirkte als Redakteur in Hamburg, Altona, Bayreuth, wechselte häufig die Aufenthaltsorte, zog als Kenner der englischen Kultur durch Norddeutschland, legte sich den Titel Professor zu und zog 1804 nach Berlin, wo er die Tageszeitung Der Telegraph herausgab, aber auch für andere Zeitschriften schrieb, in denen er Erinnerungen an Lessings letzte Lebensjahre veröffentlichte. Sein Eintreten für die Menschen-rechte und sein Radikalismus brachten ihn mehrfach in Konflikt mit der Obrigkeit. Zuletzt ein Parteigänger der französischen Besatzungsmacht in Berlin, war er gezwungen, den 1808 abzie-henden Truppen zu folgen. Danach verliert sich seine Spur. Er starb angeblich im Winter 1812/13 in Minsk als Beobachter des Russlandfeldzuges von Napoleon. GND Wikipedia
Ebert, Johann Arnold geboren am: 08-02-1723 in: Hamburg gestorben am: 19-03-1795 in: Braunschweig Verhältnis zu Lessing: befreundet Beschreibung: Ebert, Spross eines Stadtsoldaten, zeigte früh Interesse an der Literatur, neben der deutschen auch der englischen, fand einen Förderer in ⭢Hagedorn, studierte ab 1743 Theologie in Leipzig, brach das Studium aber bald ab und wechselte zur Philologie. Er fand Aufnahme im Kreis der »Bremer Beiträger« und schloss Freundschaft u.a. mit ⭢Klopstock, der ihm eine Ode widmete. Seit 1748 war er Hofmeister am Braunschweiger Collegium Carolinum, wo er ein Jahr später auch den englischen Unterricht übernahm; auch den Erbprinzen ⭢Carl Wilhelm Ferdinand unterrichtete er im Englischen. 1753 wurde er zum Professor befördert, 1780 erfolgte die Ernennung zum Hofrat. Für die Geschichte der deutschen Dichtung wohl bedeutungsvoller als seine zwischen ⭢Hagedorn und Klopstock einzuordnenden eigenen Dichtungen, ist Eberts Tätigkeit als Übersetzer englischer Werke, besonders von Edward Youngs ›Nachtgedanken‹. In der Braunschweiger Zeit schloss er Freundschaften mit ⭢Zachariä, dem ⭢Abt Jerusalem und ⭢Konrad Arnold Schmid, später auch mit ⭢Eschenburg. Ebert war entscheidend an Lessings Berufung nach Wolfenbüttel beteiligt; im September 1769 übermittelte er dem noch in Hamburg lebenden Autor das Angebot des Braunschweiger Erbprinzen, die Leitung der Herzoglichen Bibliothek zu übernehmen. GND ADB/NDB-Link Wikipedia sonst. Link Porträt
Ebert, geb. Gräfe, Louise Antoinette Henriette geboren am: 30-11-1751 in: nicht bekannt gestorben am: 30-11-1825 in: nicht bekannt Verhältnis zu Lessing: befreundet Beschreibung: Seit 1773 Frau von ⭢Johann Arnold Ebert. Tochter des Post- und Kammerrats des Fürstentums Braunschweig-Wolfenbüttel ⭢Johann Friedrich Gräfe, durch den Lessing sie auch schon vor ihrer Heirat mit Ebert kannte. Womöglich war er sogar, wie im Fall von ⭢Zachariä, auch bei der Hochzeit zu Gast, im Haus der Familie Ebert jedenfalls hielt er sich verschiedentlich auf. Im Freundeskreis Lessings genoss sie auch die entschiedene Wertschätzung ⭢Gleims.
Eschenburg, Johann Joachim geboren am: 07-12-1743 in: Hamburg gestorben am: 29-02-1784 in: Braunschweig Verhältnis zu Lessing: befreundet Beschreibung: 1764 begann Eschenburg ein Studium der Theologie in Leipzig und setzte es 1767 in Göttingen fort. Im selben Jahr wechselte er auf Vorschlag des ⭢Abts Jerusalem an das Braunschweiger Collegium Carolinum, wo er seit 1770 über Literaturgeschichte las. Seit 1773 war er Erzieher des Grafen von Forstenberg, eines unehelichen Sohns ⭢Carl Wilhelm Ferdinands und der ⭢Branconi. Nach ⭢Zachariäs Tod 1777 wurde er Professor für schöne Literatur und Philosophie. Seit 1782 Bibliothekar des Collegiums, erfolgte 1786 die Ernennung zum Hofrat. Von 1777 bis 1820 gab Eschenburg die von ⭢Herzog Carl I. gegründeten BRAUNSCHWEIGISCHEN ANZEIGEN heraus. Eschenburg veröffentlichte Abhandlungen zur Literatur und den schönen Wissenschaften, war Herausgeber mehrerer Lehrbücher, übersetzte Opern- und Oratorientexte aus dem Italienischen, wurde aber vor allem als Shakespeare-Übersetzer bekannt, dessen Werk er erstmals vollständig ins Deutsche übertrug. Er war Mitherausgeber der ersten Werkausgabe Lessings (VERMISCHTE SCHRIFTEN), gab den sechsten und letzten Band seiner Bibliothekszeitschrift ZUR GESCHICHTE UND LITTERATUR heraus und zählte in den letzten Lebensjahren Lessings zu dessen besten Freuden, engsten Vertrauten und meistbedachten Korrespondenzpartnern. Prominentes Beispiel dafür sind die an ihn gerichteten, berühmt gewordenen Briefe, die Lessing 1777/78 nach dem Tod seines Sohnes und seiner Frau schrieb. GND ADB/NDB-Link Wikipedia sonst. Link Porträt
Eschenburg, geb. Schmid, Marie Dorothea geboren am: 30-11-1750 in: nicht bekannt gestorben am: 30-11-1798 in: nicht bekannt Verhältnis zu Lessing: befreundet Beschreibung: Tochter des Lehrers am Collegium Carolinum Konrad Arnold Schmid und seit 1777 Frau von ⭢Johann Joachim Eschenburgs. Im Haus Eschenburgs verkehrte Lessing in seinen letzten Lebensjahren häufig, war dort öfter zu Tisch und traf mit Bekannten und Freunden wie ⭢von Kuntzsch, ⭢Leisewitz, ⭢C. A. Schmid oder mit auswärtigen Gästen wie ⭢Bode oder ⭢Johann Georg Adam Foster zusammen.
Feddersen, Jakob Friedrich geboren am: 31-07-1736 in: Schleswig gestorben am: 31-12-1788 in: Altona Verhältnis zu Lessing: Bekannter Beschreibung: Feddersen studierte von 1755 bis 1758 in Jena Theologie und wurde Pfarrer der Gemeinden Ballenstedt, Bernburg und Harzgerode im Nordosten des Harzes sowie Hofprediger der Fürsten zu Anhalt-Bernburg. 1769 ging er nach Magdeburg, 1777 wurde er Domprediger in Braunschweig. Er galt als Vertrauter des ⭢Herzogs Ferdinand und war nach dessen Tod seit 1785 Hofprediger der verwitweten Herzogin ⭢Philippine Charlotte. In seinem letzten Lebensjahr 1788 nahm er eine Stelle als Konsistorialrat in Altona an. Aus einer pietistischen Haltung heraus verfasste Feddersen mehrere Schriften zur religiösen Unterweisung von Kindern, am bekanntesten darunter wohl DAS LEBEN JESU FÜR KINDER (1775), überaus erfolgreich auch seine LEHRREICHEN ERZÄHLUNGEN AUS DER BIBLISCHEN GESCHICHTE. Mit seinem CHRISTLICHEN SITTENBUCHE FÜR DEN BÜRGER UND LANDMANN (1783) gab er Anleitungen zur religiösen Praxis auch für weniger gebildete Stände. Lessing traf er offenbar verschiedentlich in dessen Braunschweiger Freundes- und Bekanntenkreis. GND ADB/NDB-Link Bibl. Angabe Porträt
Ferdinand, von Braunschweig und Lüneburg Herzog geboren am: 12-01-1721 in: Braunschweig gestorben am: 03-07-1792 in: Vechelde Verhältnis zu Lessing: Bekannter Beschreibung: Bruder von ⭢Carl I., Prinz von Braunschweig-Wolfenbüttel-Bevern und ab 1735 Prinz von Braunschweig-Wolfenbüttel. Ferdinand wurde seit seiner Jugendzeit im Militärwesen ausgebildet. Mit 19 Jahren wurde er von ⭢Friedrich II. zum Oberst der im Fürstentum Braunschweig stationierten preußischen Truppen, später zum Generalmajor befördert. Er galt als geschickter Militär und machte dort rasch Karriere. Er nahm an beiden Schlesischen Kriegen teil und zeichnete sich besonders im sog. Siebenjährigen Krieg aus, indem er die Franzosen zur Räumung der besetzten Gebiete zwang. 1766 zog er sich aus der preußischen Armee zurück, erwarb im Folgejahr das Schloss Vechelde nahe Braunschweig und ging dort seinen geistigen Interessen nach. Ferdinand war überzeugter Freimaurer seit 1740, wurde 1770 zum Provinzial-Großmeister für das Herzogtum Braunschweig und 1772 zum Großmeister aller schottischen Logen ernannt. Seit 1783 Mitglied des Illuminatenordens, erhielt er 1786 den Titel des General-Obermeisters der »Asiatischen Brüder«. Als im Juli 1778 in Wolfenbüttel die Nationalversammlung der Loge der »Strikten Observanz« tagte, übersandte Lessing deren Großmeister Ferdinand das Manuskript seiner Freimaurergespräche ERNST UND FALK, so dass es bereits während der Tagung zirkulierte. Den später veröffentlichten ersten drei Gesprächen stellte er, einmalig in seinem Werk, eine Widmung an den Herzog voran, ohne dessen vorherige Erlaubnis. Sie bezeugt die Hochachtung, die der Bibliothekar dem Förderer der Wissenschaft und Künste zollte; mit keinem anderen Vertreter der Braunschweiger Hofs pflegte Lessing ein vergleichbar vertrauliches Verhältnis, er traf verschiedentlich mit ihm zusammen uns besuchte ihn in seinem Jagd- und Lustschloss in Vechelde. Auf die erwähnte Widmung reagierte der Herzog wohlwollend, bat Lessing aber, von weiteren Veröffentlichungen in freimaurerischen Dingen abzusehen. Die beiden letzten Gespräche erschienen 1780 ohne Lessings Kenntnis. GND ADB/NDB-Link Wikipedia sonst. Link Porträt
Fiorillo, Johann Dominicus geboren am: 13-10-1748 in: Hamburg gestorben am: 10-09-1821 in: Göttingen Verhältnis zu Lessing: befreundet Beschreibung: Der in Hamburg geborene Sohn einer neapolitanischen Musikerfamilie studierte an der Kunstakademie in Bayreuth. Von 1761 bis 1769 widmete er sich Kunststudien in Italien und wurde Mitglied der Akademie von Bologna, bevor er als Historienmaler an den Braunschweiger Hof berufen und 1799 Professor für Philosophie in Göttingen wurde. Fiorillo, als Künstler von minderer Bedeutung, etablierte die Kunstgeschichte als Hochschulfach in Deutschland. Mit Lessing war er persönlich bekannt. Elisabeth Campe schreibt über die Verbindung zu Lessing: »Der als Practicer nicht bedeutende Maler Fiorillo ist der größte Theoretiker und der belesenste Kunstkenner, der mir jemals vorgekommen ist. Er war Lessing’s Freund und Rathgeber, der mehrmals in seinen Schriften über Kunst und Oelmalerei auf ihn hinweist und ihn bezeichnet, ohne ihn jedoch, so viel ich mich erinnere zu nennen.« Tatsächlich spielt Lessing in VOM ALTER DER OELMALEREY auf Fiorillo an, der Name des Künstlers fällt aber weder in dieser noch in einer seiner anderen Schriften. GND ADB/NDB-Link Wikipedia sonst. Link Porträt Quelle: Elisabeth Campe: Zur Erinnerung an F.L.W. Meyer, den Biographen Schröder’s. Bd. 2. Braunschweig 1847. S. 85-86.
Friedrich August, von Braunschweig-Lüneburg-Oels geboren am: 29-10-1740 in: Wolfenbüttel gestorben am: 08-10-1805 in: Verhältnis zu Lessing: Bekannter – sonstiges Beschreibung: Der Sohn von ⭢Carl I. und ⭢Philippine Charlotte; Prinz von Braunschweig-Wolfenbüttel, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg sowie (seit 1792) zu Oels und Bernstadt machte Karriere als Militär und wurde 1763 zum Generalleutnant ernannt. Wie sein Vater und seine Brüder ⭢Wilhelm Adolf und ⭢Leopold war er Freimaurer und seit 1771 Mitglied der strikten Observanz. Er soll mystische Neigungen und wie sein Onkel ⭢Ferdinand von Braunschweig Kontakte zum Grafen Saint Germain gepflegt haben, der aufgrund seiner okkultistischen Neigungen eine äußerst umstrittene Persönlichkeit war. Allerdings ließ Friedrich August angeblich den Okkultisten 1777 mit dem Ergebnis überprüfen, dieser sei in keine höheren freimaurerischen Grade eingeweiht. Er widmete sich auch schriftstellerischen Tätigkeiten und übersetzte 1767 Lessings Miss Sara Sampson ins Französische, nicht immer zur Zufriedenheit des Autors. Über die Zusammenkünfte mit Lessing (u.a. auch in Berlin) sind keine näheren Angaben überliefert. GND ADB/NDB-Link Porträt
Gärtner, Carl Christian geboren am: 24-11-1712 in: Freiberg gestorben am: 14-02-1791 in: Braunschweig Verhältnis zu Lessing: Bekannter Beschreibung: Wie Lessing besuchte Gärtner die Fürstenschule in Meißen und studierte in Leipzig. Im Versuch, sich von seinem Lehrer ⭢Gottsched abzusetzen, begründete Gärtner 1744 die BREMER BEITRÄGE, an denen sich Autoren wie ⭢Ebert, ⭢K. A. Schmidt, ⭢Zachariä oder ⭢Klopstock beteiligten, denen er, selbst eher ein poeta minor, seinen Nachruhm verdankt. 1745 verließ er Leipzig und ging als Hofmeister der beiden Grafen von Schönburg nach Braunschweig. Auf Vorschlag des ⭢Abts Jerusalem wurde Gärtner Lehrer am Braunschweiger Collegium Carolinum, wo er 1748 eine Professur der Moral und Beredsamkeit erhielt. 1780 ernannte ihn sein früherer Schüler ⭢Carl Wilhelm Ferdinand zum Hofrat. In Braunschweig gehörte Gärtner zu Lessings Bekanntenkreis, offensichtlich ohne enge freundschaftliche Bande. GND Wikipedia sonst. Link Porträt
Gasc, Anna Rosina de, geb. Lisiewska, verw. Matthieu geboren am: 10-07-1713 in: Berlin gestorben am: 26-03-1783 in: Dresden Verhältnis zu Lessing: befreundet Beschreibung: Die bedeutende Porträtmalerin wuchs in einer Berliner Künstlerfamilie mit polnischen Wurzeln auf und erhielt mit ihren Geschwistern ersten Unterricht beim Vater Georg Lisiewski. Später studierte sie bei Antoine Pesne, der als Franzose in ⭢ Friedrichs Diensten stand, und wurde 1757 für zehn Jahre als Hofmalerin in Zerbst tätig. An den Braunschweiger Hof berufen, erhielt sie eine großzügige Förderung von ⭢Herzogin Philippine Charlotte. 1769 wurde sie Ehrenmitglied der Dresdener Kunstakademie. Nach dem Tod ihres ersten Ehemannes heiratete sie 1760 ⭢Ludwig de Gasc, der bereits in Berlin zum Freundeskreis von Lessing gehört hatte und anlässlich der Heirat mit de Gasc nach Braunschweig ging. Das im Gleimhaus befindliche, um 1767 entstandene Lessing-Portrait wird seit 2008 de Gasc zugeschrieben. Lange, etwa 100 Jahre nach der Entstehung hatte man das Bild, dem Kunstgeschichtler Friedrich Gottfried Hermann Lucanus folgend, zunächst Georg Oswald May (1738–1816) zugeschrieben. In einem Brief an ⭢Ramler vom 6. Dez. 1760 aus Breslau berichtet Lessing von seinem freundschaftlichen Verhältnis zur Familie de Gasc. GND Wikipedia Porträt
Goebel, Johann Conrad Christoph geboren am: 30-11-1649 in: nicht bekannt gestorben am: 30-11-1649 in: nicht bekannt Verhältnis zu Lessing: sonstiges Beschreibung: G. war um 1770/80 Tabakfabrikant in Braunschweig, bei dem Lessing sieben Taler »rückständigen Fuhrlohn« Schulden hatte. Dies geht aus einer Aufstellung von Lessings Gläubigern hervor, die Friedrich Chrysander 1857 vorgenommen hat. Chrysander hebt die Forderung des Tabakfabrikanten besonders hervor, da sie die Frage berühre, ob Lessing geraucht habe. Während Freunde Lessings berichten, er habe das Tabakrauchen nicht ausstehen können, beziehen sich andere auf die offene Forderung von Goebel, um bestätigt zu sehen, dass Lessing Raucher war. Tatsächlich bezieht sich die Rechnung nicht auf Tabak, sondern auf Transportkosten.
Gräfe, Johann Friedrich geboren am: 08-02-1711 in: Braunschweig gestorben am: 05-02-1787 in: Braunschweig Verhältnis zu Lessing: befreundet Beschreibung: Der Pastorensohn studierte ab 1737 Jura in Halle und später in Leipzig, wo er mit ⭢Gottsched Umgang hatte und namentlich von dessen ⭢Frau gefördert wurde. Der spätere Kammersekretär in Braunschweig wurde 1764 zum Postrat und 1773 zum Kammerrat befördert. Seine Bedeutung als Komponist und Textdichter hat ein geteiltes Echo gefunden, seine Sammlung verschiedener und auserlesener Oden sind ein bedeutender Beitrag zur Entwicklung des deutschen Liedguts im 18. Jahrhundert. Gräfe zählte zum Kreis des geselligen Braunschweiger Lebens um Lessing, seine Tochter Luise, neben zwei Brüdern aus der Ehe mit Carolina Wedingen hervorgegangen, wurde die Frau ⭢Johann Arnold Eberts. GND ADB/NDB-Link Wikipedia sonst. Link
Hausmann, Johann Stephan geboren am: 30-11-1753 in: Braunschweig gestorben am: 24-10-1784 in: Braunschweig Verhältnis zu Lessing: Bekannter Beschreibung: Seit 1779 praktischer Arzt in Braunschweig, 1781 als Nachfolger von Christian Jeremias Rollin Professor der Anatomie am dortigen Anatomisch-chirurgischen Institut. Hausmann veröffentlichte medizinische Schriften und war Mitarbeiter der Allgemeinen deutschen Bibliothek. Die Bekanntschaft mit Lessing ist zwar wahrscheinlich, nähere Zeugnisse aber fehlen. sonst. Link
Höfer, Johann Gottfried geboren am: 23-05-1719 in: Altengesees gestorben am: 16-01-1796 in: Braunschweig Verhältnis zu Lessing: Bibliotheksbenutzer Beschreibung: Höfer studierte Theologie und Philosophie und wurde in Göttingen promoviert. Zunächst Hauslehrer in Halle und Magdeburg, fand er 1746 Anstellung als Hofmeister am Collegium Carolinum. Ab 1753 hatte er das Amt des Kanonikus am St. Cyriakusstift inne und wurde dort 1767 zum Rat sowie 1782 zum Dekan ernannt. Außerdem arbeitete er seit 1753/54 als Sekretär am Herzoglichen Kunst- und Naturalienkabinett. 1765 wurde er von ⭢Herzog Karl I. beauftragt, aus der Wolfenbütteler Bibliothek und dem Schloss Exponate für das Naturalienkabinett auszuwählen und erhielt bei dieser Tätigkeit Lessings Unterstützung; die Korrespondenz zwischen beiden (Lessings Briefe sind verschollen) behandelt einschlägige Themen. Bibl. Angabe
Jerusalem, Friederike Magdalene geboren am: 04-04-1750 in: Braunschweig gestorben am: 15-04-1836 in: Stift Wülfinghausen Verhältnis zu Lessing: Bekannte Beschreibung: Über das Geburtsjahr kursieren konkurrierende Angaben (1750, 1756, 1759). Die Tochter von ⭢Abt und ⭢Martha Christina Jerusalem lebte bis zum Tod des Vaters 1789 im Elternhaus, wo sie neben Lessing Zeitgenossen wie ⭢Lavater, ⭢J. G. Zimmermann oder dem ⭢Grafen Stolberg begegnete. Sie veröffentlichte Natur- und Liebesgedichte nach dem Vorbild des Göttinger Hains, insbesondere ⭢Ludwig Höltys, die u.a. 1783 und 1787 im GÖTTINGER MUSENALMANACH und im VOSSISCHEN MUSENALMANACH erschienen. Nach dem Tod des Vaters lebte sie bis zu ihrem Tod im Stift Wülfinghausen. GND Wikipedia Bibl. Angabe
Jerusalem, Johann Friedrich Wilhelm Pseudonym: Abt Jerusalem geboren am: 22-11-1709 in: Osnabrück gestorben am: 02-09-1789 in: Braunschweig Verhältnis zu Lessing: Bekannter Beschreibung: Der protestantische Theologe, oft auch Abt Jerusalem genannt, studierte in den Jahren 1727-1731 in Leipzig Theologie, orientalische Sprachen und Philosophie. Nach mehrjährigen Auslandsaufenthalten in Holland und England sowie Tätigkeiten als Hofmeister in Göttingen (1734) und Hauslehrer in Hannover kam er 1742 an den Braunschweiger Hof und wurde Erzieher des Erbprinzen ⭢Carl Wilhelm Ferdinand, später auch des Prinzen ⭢Leopold. In Braunschweig hatte er zudem das Amt des Hofpredigers inne. 1749 als Abt nach Marienthal berufen, wechselte Jerusalem 1752 an die Abtei Riddagshausen. Berufungen nach Bergen und Magdeburg durch ⭢Friedrich II. sowie nach Göttingen schlug er aus. Er hatte als Berater von Carl I. erheblichen Einfluss auf die Bildungspolitik des Herzogtums und war Anreger wie Mitbegründer des sogenanten Collegiums Carolinum, einer universitär ausgerichteten Bildungsanstalt und Frühform der Hochschule. Als Neologe zählt Jerusalem vor allem mit seinem unvollendet gebliebenen Hauptwerk »Betrachtungen über die vornehmsten Wahrheiten der Religion« zu den führenden Vertretern der Aufklärungstheologie, die er über fast vier Jahrzehnte im Herzogtum Braunschweig vermittelte. Lessing war gut mit ihm bekannt, mit dem Sohn ⭢Carl Wilhelm Jerusalem auch befreundet. Trotz ihrer unterschiedlichen Haltung in theologischen Fragen stand der tolerant gesinnte Abt dem Dichter wohlwollend gegenüber, so zählen beide, gemeinsam mit ⭢Christian Friedrich Krull, zu den Mitbegründern des »Großen Klubs« in Braunschweig. GND ADB/NDB-Link Wikipedia sonst. Link Porträt
Jerusalem, Martha Christina geb. Pfeiffer, verwitwete Albrecht geboren am: 30-11-1708 in: Erfurt gestorben am: 30-11-1777 in: nicht bekannt Verhältnis zu Lessing: Bekannte Beschreibung: Die Tochter des Seniors Johann Lorenz Pfeiffer zu Erfurt (1662-1743) und Witwe des Göttinger Professors der Anatomie und Botanik Johann Wilhelm Albrecht (1703-1736) heiratete 1742 den gleichaltrigen ⭢Abt Johann Friedrich Wilhelm Jerusalem. Die Ehe war, so wird berichtet, ausgesprochen glücklich, Martha Christina brachte vier Töchter und einen Sohn zur Welt. Durch ihren Mann war sie mit Lessing und seiner Frau vermutlich persönlich bekannt.
Knackstedt, Christoph Elias Heinrich geboren am: 12-12-1749 in: Braunschweig gestorben am: 27-03-1799 in: St. Petersburg Verhältnis zu Lessing: Bekannter Beschreibung: Nach dem Besuch des Braunschweiger Waisenhaus-Gymnasiums begann Knackstedt eine Ausbildung zum Wundarzt und setzte seine Studien 1771 in Bremen fort. Nach seiner Rückkehr wurde er 1776 geprüfter Stadtwundarzt, 1781 auch Waisenhauswundarzt. Er gründete eine anatomisch-chirurgische Schulanstalt und verfasste zahlreiche Lehrschriften und Abhandlungen. 1786 ging er nach St. Petersburg und lehrte an der medizinisch-chirurgischen Schule Osteologie. Eine Bekanntschaft mit Lessing ergibt sich aus der von Friedrich Chrysander aufgestellten Liste mit Gläubigern Lessings.
König, Anna Amalia Pseudonym: Malchen geboren am: 17-07-1761 in: Hamburg gestorben am: 20-04-1848 in: Braunschweig Verhältnis zu Lessing: verwandt Beschreibung: Die Tochter von ⭢Engelbert und ⭢Eva König, Lessings Stieftochter, führte nach dem frühen Tod der Mutter, damals 16jährig, Lessings Haushalt und war auch bei seinem Tod anwesend. Als einziges Kind der Königs hat sie die schwierigen Umstände ihrer Kindheit und Jugend offensichtlich unbeschadet überstanden. Ausführliche Berichte über Lessings häusliches Leben stützen sich vornehmlich auf ihre Erinnerungen, Gerüchte über ein Liebesverhältnis Lessings zu ›Malchen‹, wie sie genannt wurde, scheinen dem üblichen (in diesem Fall Hamburger) Klatsch- und Tratschbedürfnis entsprungen, Lessing hat sie in einem Brief an Elise Reimarus vom 7. Mai 1780 entschieden bestritten; als fürsorglichen und liebevollen Stiefvater zeigen ihn seine Briefe aber durchaus. Nach seinem Tod lebte Amalie bei Lessings Freunden ⭢Johann und ⭢Dorothea von Döring. 1782 heiratete sie den Braunschweiger Postrat Georg Conrad Albert Henneberg (1750-1820), mit dem sie fast 40 Jahre bis zu seinem Tod in ausgesprochen harmonischer Ehe zusammenlebte, wie berichtet wird. Der Mutter von fünf Kindern verdankt man wertvolle Erinnerungen an Lessing, aufgezeichnet vom Braunschweiger Literaturhistoriker und Privatgelehrten Carl Schiller. Das Grab Amalie Königs wurde nie aufgefunden, sie hat kein Ehrenbegräbnis erhalten, sondern wurde als Mitglied der Braunschweiger Gemeinde St. Martini in einer schlichten sogenannten »Rußkiste« beigesetzt. Bibl. Angabe
König, Friedrich Wilhelm geboren am: 16-10-1768 in: Hamburg gestorben am: 30-11-1854 in: Braunschweig Verhältnis zu Lessing: verwandt Beschreibung: Der Sohn von ⭢Engelbert und Eva ⭢König, Patenkind und später Stiefsohn des Dichters, blieb nach dem Tod Evas mit seiner älteren Schwester ⭢Maria Amalie und bis zu dessen Tod 1781 in Lessings Obhut. Die unglücklichen Ereignisse der Kindheit – der frühe Tod des Vaters, die jahrelange Trennung von der Mutter, schließlich auch deren früher Tod – blieb nicht folgenlos für ›Fritz‹, wie er gerufen wurde. Er galt als begabtes Kind, war aber nach einem Unfall mit Kopfverletzung in seiner Entwicklung nachhaltig beeinträchtigt, brach ein Jurastudium erfolglos ab und erhielt durch die Vermittlung seiner weit lebenstüchtigeren Schwester und gegen finanzielle Abgeltung eine Stellung als Vikar im Braunschweiger Stift St. Blasien. Friedrich König blieb ledig, er pflegte Liebhabereien wie das Violinspiel und Sammeln von Mineralien; die Unfallfolgen, vielleicht auch eine erbliche Disposition, ließen ihn allerdings geistig verkümmern, zum Ende seines ungewöhnlich langen Lebens war er stadtbekannt als Sonderling und schrulliger Eigenbrötler. Seine brieflich mitgeteilten Erinnerungen an Lessing komplettieren das dürftige Bild von Lessings privatem Dasein. Friedrich Wilhelm König ist auf dem Braunschweiger Magnifriedhof nah dem Grab Lessings bestattet.
Koppelow, Berthold Ernst August von geboren am: 30-11-1649 in: nicht bekannt gestorben am: 30-11-1786 in: nicht bekannt Verhältnis zu Lessing: Bekannter Beschreibung: Der Offizier im Braunschweigischen Leibregiment, zuletzt im Rang eines Obristleutnants, wird in den Tagebüchern von ⭢Leisewitz erwähnt. Koppelow traf als Besucher des »Großen Clubs« im Hotel d’Angleterre von ⭢Röttger Heinrich Rönckendorff, mindestens im Jahr 1780 und offenbar im Kreis größerer Gesellschaften, mit Lessing zusammen.
Krull, Christian Friedrich geboren am: 11-04-1748 in: Hessen am Fallstein bei Wolfenbüttel gestorben am: 23-02-1787 in: Braunschweig Verhältnis zu Lessing: Bekannter Beschreibung: Der Pfarrerssohn und spätere Bildhauer und Münzgraveur studierte am Helmstedter Juleum Jura, Mathematik und Naturwissenschaften, beschäftigte sich aber früh schon mit künstlerischen Arbeiten und brach das Studium ab. Er war Hauslehrer in Süpplingenburg und zog 1774 nach Braunschweig, wo er am Herzoglichen Hof Zeichenunterricht gab. Seit 1776 an der herzoglichen Münzstätte beschäftigt, prägte er sämtliche Stempel der Braunschweiger Münze von 1776 bis 1787, gelegentlich auch für benachbarte Münzstätten wie Hildesheim. 1782 wurde er zum Münzkommissar in Braunschweig ernannt, daneben schuf er Modelle für die Fürstenberger Porzellanmanufaktur. Gemeinsam mit Lessing, zu dessen Kreis er zählte, und dem ⭢Abt Jerusalem begründete er den »Großen Club« in Braunschweig als ein Forum gebildeter Braunschweiger Geselligkeit. Am Tag nach Lessings Tod nahm Krull die Totenmaske des Dichters ab, die danach von ihm gefertigte Büste fand rasche Verbreitung bei Lessings Freunden und soll große Ähnlichkeit mit dem Dichter bezeugen. GND Wikipedia
Leisewitz, Johann Anton geboren am: 09-05-1752 in: Hannover gestorben am: 10-09-1806 in: Braunschweig Verhältnis zu Lessing: befreundet Beschreibung: Der Schriftsteller, Jurist und Historiker verlebte Kindheit und Jugend in Celle. 1770 begann er das Jurastudium in Göttingen, 1774 trat er dem ›Göttinger Hainbund‹ bei. Für einen von ⭢Sophie Charlotte Ackermann und ihrem Sohn ⭢Friedrich Ludwig Schröder ausgeschriebenen Preis reichte Leisewitz das Stück ›Julius von Tarent‹ ein, das mit dem Einhalten der klassischen drei Einheiten ebenso konventionelle Züge wie Momente des Sturm und Drang trägt. Den Wettbewerb gewann zwar ⭢Klingers ›Die Zwillinge‹, doch nahm Lessing, der zunächst ⭢Goethe als Autor vermutete, das Stück aufmerksam wahr. Nach seinem Studium zog Leisewitz nach Braunschweig und trat mit ⭢Eschenburg, ⭢ Ebert, ⭢Zachariä, ⭢Jerusalem und Lessing in Verbindung. Später hielt er sich in Berlin auf, besuchte 1780 Goethe in Weimar und trat – vermutlich auf Goethes Empfehlung – eine Stelle als Hauslehrer des späteren Braunschweiger Herzogs ⭢ Ferdinand an. 1781 verheirate er sich mit ⭢Sophie Marie Katharina Seyler, der Tochter ⭢Abel Seylers. Leisewitz war seit 1800 Mitglied der Braunschweiger Regierung, wurde 1801 zum Geheimen Justizrat ernannt und leitete ab 1805 das Obersanitätskollegium. Während dieser Zeit setzte er sich vor allem für die Verbesserung des Armenwesens ein, in den letzten Lebensjahren traf er häufig mit Lessing zusammen, seine Tagebücher geben darüber hinaus zahlreiche Hinweise auf andere Bekannte Lessings . GND ADB/NDB-Link Wikipedia sonst. Link Porträt
Leopold, mit vollem Namen: Maximilian Julius Leopold von Braunschweig-Wolfenbüttel Prinz geboren am: 11-10-1752 in: Wolfenbüttel gestorben am: 27-04-1785 in: Frankfurt /O. Beschreibung: Der jüngste Sohn von⭢Herzog Carl I. und ⭢Philippine Charlotte erhielt durch ⭢Abt Jerusalem, ⭢Carl Christian Gärtner und ⭢Johann Arnold Ebert eine an christlichen wie aufklärerischen Idealen orientierte Erziehung. Leopold hat diese Haltung auch im späteren Leben vertreten und wurde durch eine mildtätige Haltung bekannt, die in seinem Stand sicher ungewöhnlich war, einer besonderen Menschenfreundlichkeit gegenüber Not leidenden Bürgern, Juden oder auch den ihm anbefohlenen Soldaten. Die Ideale der Brüderlichkeit und Wohltätigkeit fand er in der Braunschweiger Freimaurerloge »Carl zur gekrönten Säule« wieder, der Leopold seit 1770 angehörte, wie schon sein Onkel ⭢Ferdinand oder sein Bruder ⭢Friedrich August. Die militärische Karriere verfolgend, bemühte er sich 1775 um einen Offiziersposten am Wiener Hof. In der Wartezeit und in Ermangelung von Alternativen begab er sich auf Italienreise, bei der ihn der zufällig ebenfalls in Wien sich aufhaltende Lessing begleiten musste. In Neapel erfuhr Leopold vom Angebot Friedrichs II., Regimentschef in Frankfurt/O. zu werden, das er annahm. Auch als Militär agierte er außergewöhnlich menschlich, so setzte er etwa sein Regiment ohne Absprache mit dem Magistrat bei Hilfsmaßnahmen ein oder ließ, weitgehend auf eigene Kosten, ein Schulhaus für verwahrloste Kinder bauen. 1785 ertrank er in der großen Oderflut beim Versuch, die Habe einiger seiner Soldaten zu retten. Lessings karge Aufzeichnungen der gemeinsamen Italienreise geben kaum Auskunft über deren Details, noch weniger über sein persönliches Verhältnis zum Prinzen. Nur dessen Adjutanten ⭢Oberst von Warnstedt verdanken wir aufgrund eines penibel geführten Rechnungsbuchs Details der Reiseroute wie der besuchten Höfe, Persönlichkeiten und Sehenswürdigkeiten. GND ADB/NDB-Link Wikipedia Porträt
Lestwitz, Ernst Sigismund von Baron geboren am: 30-11-1709 in: gestorben am: 30-11-1778 in: Verhältnis zu Lessing: Bekannter Beschreibung: Der Offizier und Pagengouverneur war einflussreicher Kopf der Freimaurer in Braunschweig, wo er verschiedene Logen gründete und als Meister vom Stuhl der dortigen Schottenloge fungierte. Als Berater des ⭢Herzogs Ferdinand, seinerseits Großmeister der vereinten Logen Deutschlands der strikten Observanz, trat er auch mit Lessing in Verbindung, dessen Freimaurergespräche »Ernst und Falk« ohne zuvor erteilte Genehmigung eine Widmung an den Herzog enthielten. Lestwitz war eine ebenso schillernde wie einschlägig respektierte Gestalt und durch seinen Hang zu alchemistischen und kabbalistischen Inhalten umstritten. Ferdinand, auf den er auch in hermetischer Hinsicht Einfluss zu nehmen suchte, ließ ihm ein Grabmal auf dem Braunschweiger Martinifriedhof errichten.
Lüderwald, Johann Balthasar geboren am: 27-09-1722 in: Fahrland bei Potsdam gestorben am: 25-08-1796 in: Vorsfelde Verhältnis zu Lessing: sonstiges Beschreibung: Protestantischer, eher orthodox als neologisch ausgerichteter Theologe und Verfasser meist apologetischer Schriften. 1747 Prediger in Glentorf bei Königslutter, später in Vorsfelde beim heutigen Wolfsburg, wurde Lüderwald 1762 Herzoglich Braunschweigischer Superintendent und trat als Gegner Lessings im Fragmentenstreit in Erscheinung. Seiner Verteidigungsschrift ›Die Wahrheit und Gewisheit der Auferstehung Jesu Christi‹ (Helmstedt 1778), war das Reimarus-Fragment ›Über Die Auferstehungsgeschichte‹ beigegeben, ⭢Goeze übernahm sie als ersten Abschnitt der programmatischen Schriftenfolge ›Leßings Schwächen‹. 1780 erschien, programmatisch hier schon im Titel, ›Freye Anmerkungen über einige die Heilige Schrift deren Würde und Nothwendigkeit betreffende so genannte Axiomata‹. GND ADB/NDB-Link
Mackwitz, Johann Christian geboren am: 30-11-1649 in: gestorben am: 30-11-1649 in: Verhältnis zu Lessing: Dienstverhältnis Beschreibung: Mackwitz, Lohndiener in Braunschweig, war Lessings Bediensteter vor Ort und soll auch an dessen Sterbebett gesessen haben. ⭢Johann Heinrich Campe berichtet in seiner ›Reise von Hamburg bis in die Schweiz im Jahre 1785‹ ausführlich von einem Gespräch mit Mackwitz, aus dem er von dessen Anstellung bei Lessing erfahren habe. Mackwitz berichtet darin von der auch andernorts kolportierten Großzügigkeit Lessing gegenüber Bedürftigen. Die Unterredung bewog Campe, den als wenig redegewandt, ehrlich und bereits betagt Geschilderten gleichfalls in Dienst zu nehmen. Lessing seinerseits soll seinen Bediensteten mit dem spöttischen Wort »Sein Name ist der einzige Witz an ihm« bedacht haben.
Marschall, August Dietrich Graf von geboren am: 19-06-1750 in: nicht bekannt gestorben am: 31-01-1824 in: Weimar Verhältnis zu Lessing: befreundet Beschreibung: Der Sohn des kaiserlichen Generalfeldmarschalls Ernst Dietrich Marschall studierte von 1766 bis 1768 Mathematik, Geschichte und Staatswissenschaften in Straßburg sowie 1768 bis 1771 Rechtswissenschaften in Leipzig. Dort lernte er u.a. ⭢Gellert oder den späteren Kanzler Karl August von Hardenberg kennen. Nach dem Studium wurde Marschall Assessor am Hofgericht Wolfenbüttel. Er war freimaurerisch aktiv, wurde 1771 in die Leipziger Freimaurerloge Minerva zu den drei Palmen, 1775 in die Braunschweiger Loge Zu den drei Säulen und später in weiteren Freimaurervereinigungen aufgenommen. In Braunschweig wurde er als Kammerherr auch mit der Leitung des französischen Theaters betraut, wodurch er mit Lessing und ⭢J.F.W. Jerusalem in Verbindung trat. Als Freimaurer lernte er ⭢Herzog Ferdinand kennen, mit dem er in verschiedenen diplomatischen Missionen in Dänemark und Russland unterwegs war. In Lessings Todesjahr 1781 bereiste er für zwei Jahre Frankreich und Italien, spätere Lebensjahre führten den kulturell interessierten Mann nach Weimar, wo er zum Bekanntenkreis ⭢Herders zählte. In Braunschweig war er leitendes Mitglied des »Großen Clubs«, in dem Lessing häufig verkehrte, Marschall zählte offenbar zum engeren Kreis von Lessings Braunschweiger Geselligkeit, traf u.a. bei ⭢Eschenburg oder ⭢K.A. Schmidt mit ihm zusammen und war auch bei Lessings Begräbnis zugegen. GND Wikipedia
Philippine Charlotte, Herzogin von Braunschweig und Lüneburg, geb. Prinzessin von Preußen geboren am: 13-03-1716 in: Berlin gestorben am: 17-02-1801 in: Braunschweig Beschreibung: Seit 1733 Frau des regierenden Herzogs ⭢Carl I. und Schwester ⭢Friedrichs II. Feinsinnig und belesen verfolgte Philippine Charlotte das deutsche Geistesleben aufmerksam, nicht zuletzt durch den Einfluss des Herzoglichen Beraters ⭢J. F. W. Jerusalem, der auf ihr Geheiß auch eine Entgegnung auf Friedrichs kritische Betrachtung der deutschen Literatur (DE LA LITTÉRATURE ALLEMANDE, 1780) verfasste. Eine persönliche Beziehung unterhielt sie auch zu ⭢Klopstock. Der Wolfenbütteler Bibliothek hinterließ die Herzogin eine Sammlung von rund 4000 Bänden. Mit Lessing war sie gut bekannt und drängte ihn, wie ⭢Ebert, zum Verfassen weiterer Schauspiele. Ihr im Wesentlichen ist der Auftrag zur ›Emilia Galotti‹ zu verdanken, die Philippine Charlotte zu Ehren am Tag ihres Geburtstags 1772 im herzoglichen Opernhaus in Braunschweig von der ⭢Döbbelinschen Kompanie uraufgeführt wurde. Lessing wohnte der Aufführung des bekanntlich hofkritischen Stückes wegen Zahnschmerz zwar nicht bei und besuchte auch keine weiteren Aufführungen, aber das Verhältnis zur Herzogin blieb von Verwerfungen frei; nach ⭢Eschenburg speiste er noch drei Tage vor seinem Tod an ihrer Tafel. Obwohl dreizehn Jahre älter, hat Philippine Charlotte den Verfasser der ›Emilia Galotti‹ um zwanzig Jahre überlebt; bestattet ist sie im Braunschweiger Dom. GND Wikipedia Porträt
Rautenberg, Christian Günther geboren am: 30-11-1727 in: nicht bekannt gestorben am: 02-02-1776 in: Braunschweig Verhältnis zu Lessing: sonstiges Beschreibung: Der protestantische Theologe war seit 1762 Pastor an der Braunschweiger Martinikirche. Rautenberg wurde bekannt für seine Übersetzungen aus dem Englischen, zu denen Henry Home Lord Kames‘ ›Essays on the principles of morality and natural religon‹ (Versuche über die ersten Gründe der Sittlichkeit und der natürlichen Religion, 1768) oder Adam Smith’ ›The Theory of Moral Sentiments‹ (Theorie der moralischen Empfindungen, 1770) zählen. Er gehörte schon früh zum Braunschweiger Bekanntenkreis Lessings; eine enge Verbindung ist nicht dokumentiert, spekulativ aber fiel auch Rautenbergs Name als Verfasser der von Lessing herausgegebenen ›Fragmente eines Ungenannten‹. Bibl. Angabe
Remer, Julius August Pseudonym: Wieland, der Ältere geboren am: 30-11-1738 in: Braunschweig gestorben am: 26-08-1803 in: Helmstedt Verhältnis zu Lessing: Bekannter Beschreibung: Der Historiker und Universitätslehrer wuchs als Sohn des Predigers Johann Heinrich Remer in Braunschweig auf und besuchte das dortige Martineum (heute: Martino-Katharineum). Ab 1757 studierte er Theologie in Helmstedt und Göttingen. Am Braunschweiger Collegium Carolinum, wo er seit 1763 als Hofmeister angestellt war, hielt Remer Vorlesungen über allgemeine Geschichte, 1774 wurde er zum Professor für Universal- und Staatengeschichte ernannt. Er war zugleich Direktor des Waisenhausverlages in der Nachfolge ⭢F. W. Zachariäs und für die Herausgabe der ›Gelehrten Beyträge zu den Braunschweigischen Anzeigen‹ und der ›Neuen Braunschweigischen Zeitung‹ zuständig. 1787 wechselte er als Professor für Geschichte und Statistik an die Universität Helmstedt und wurde 1796 zum Hofrat ernannt. 1803 starb er dort an den Folgen eines Nervenfiebers. Remer führte ein unspektakuläres Gelehrtenleben, ohne Ortswechsel oder größere Reisen. Seine Lehrtätigkeit wird als redlich und gründlich geschildert, so wie seine wissenschaftlichen Veröffentlichungen, namentlich die als Kompendien angelegten Lehrbücher zur europäischen Geschichte und Statistik, die bis weit ins 19. Jahrhundert Anerkennung fanden. Zudem übersetzte er englische und französische Geschichtswerke, auch zum Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg. Remer und Lessing waren miteinander bekannt, beim Waisenhausverlag erschienen Lessings in der Bibliothekszeitschrift ›Zur Geschichte und Literatur‹ veröffentlichte Schriften zum Fragmentenstreit. Aufgrund der herzoglichen Aufhebung der Zensurfreiheit 1778 wurden, gegen Remers Überzeugung (wie Erich Schmidt bemerkt), die Exemplare des dritten und vierten Bandes mit den sechs ersten Fragmenten freilich ebenso beschlagnahmt wie das zuvor als Einzeldruck erschienene Fragment ›Von dem Zwecke Jesu und seiner Jünger‹. GND ADB/NDB-Link Wikipedia Porträt
Rönckendorff, Röttger Heinrich geboren am: 30-11-1733 in: nicht bekannt gestorben am: 30-11-1817 in: nicht bekannt Verhältnis zu Lessing: Bekannter Beschreibung: Besitzer der 1778 eröffneten »großen auberge unter dem Namen Hôtel d'Angleterre« (Erich Schmidt, II, 597) in der Breiten Straße in Braunschweig. Das Hotel war regelmäßiger Treffpunkt des »Großen Clubs«, zu dessen frühen Mitgliedern ⭢Krull, ⭢Leisewitz und Lessing zählten. Dem Konkurrenten ⭢Franz Heinrich Wegener und seinem »Großen Kaffeehaus«, ebenfalls in der Breiten Straße, hatte Rönckendorffs Etablissement rasch den Rang abgelaufen. Oft verkehrte Lessing vor allem wohl im dortigen Weinkeller mit Freunden und Bekannten des besagten »Großen Clubs« wie ⭢Eschenburg, ⭢Leisewitz, ⭢Warnstedt sowie zahlreichen anderen, er aß und trank im Hôtel d'Angleterre, pflegte der geselligen Konversation, saß am Schachtisch oder beteiligte sich an anderen Spielen. Von Rönckendorff selbst ist wenig überliefert, selbst die genauen Lebensdaten konnten nicht ermittelt werden.
Schmid, Konrad Arnold geboren am: 23-02-1716 in: Lüneburg gestorben am: 16-11-1789 in: Braunschweig Verhältnis zu Lessing: befreundet Beschreibung: Der klassische Philologe und bedeutende Gelehrte war Sohn des Rektors am Lüneburger Johanneum Christian Friedrich Schmid, Schwiegersohn von Georg Raphel und wurde Schwiegervater von ⭢J. J. Eschenburg. Schmid studierte Theologie und klassische Philologie in Kiel und Leipzig. 1746 folgte er seinem Vater im Amt als Rektor des Lüneburger Johanneums, seit 1761 war er Professor der Theologie und lateinischen Sprache am Braunschweiger Collegium Carolinum. Anfangs zum Kreis der Bremer Beiträger um ⭢Gärtner gehörend, von der Poesie, wie Erich Schmid bemerkt, nur selten besucht, war Schmid, bescheiden im Auftreten, gastfreundlich und hilfsbereit, von umfassender literarischer Bildung. 1777 wurde er Kanonikus des Stifts St. Cyriakus, was mit einer Pfründe verbunden war, 1786 Konsistorialrat. Schmid ist als Freund Lessings in Erinnerung; so problematisch der Begriff der Freundschaft bei Lessing ausfallen kann, hier trifft er im vollen Umfang zu, worüber die Korrespondenz ebenso wie von der engen wissenschaftlichen Zusammenarbeit Auskunft gibt. Schmid, einer der Wenigen, der Lessing im Lateinischen die Waage hielt, ließ Textabschriften für Lessing anfertigen und war mit zahlreichen Ergänzungen, Korrekturen und Hinweisen zu Lessings Schriften eine Art wissenschaftlicher Lektor für den Wolfenbütteler Bibliothekar: »Sie machen es gar zu gut, und hundert Dinge, die dazu nöthig sind, sind Ihnen geläufiger als mir« schreibt Lessing an Schmid. In dem als ausnehmend gastfreundlich geschilderten Hause Schmids war Lessing bei seinen Braunschweiger Aufenthalten oft zu Besuch. GND ADB/NDB-Link Wikipedia Bibl. Angabe Porträt
Schulz, Hartwig Johann Christian geboren am: 01-01-1746 in: Ratzeburg gestorben am: 30-05-1830 in: Braunschweig Verhältnis zu Lessing: Bekannter Beschreibung: Er besuchte bis zum 17. Lebensjahr die Schule in Ratzeburg, im Anschluss das Johanneum in Lüneburg und studierte drei Jahre lang bis 1769 Theologie in Göttingen. 1769 ging er nach Wolfenbüttel. S. war Hauslehrer der Kinder des Erbprinzen ⭢Carl Wilhelm Ferdinand, zunächst des ältesten Sohnes Carl Georg August, später auch der Töchter Auguste und Caroline. 1779 zum Hofprediger ernannt, war Schulz mit Lessing persönlich bekannt, traf unter anderem bei ⭢Eschenburg mit ihm zusammen und soll auch bei seiner Beerdigung anwesend gewesen sein. Dass er zuvor am Sterbebett Lessings gesessen haben soll, wurde indes von ⭢Elise Reimarus in einem Brief an ⭢A.A.F. Hennings dementiert.
Tüb(e)ner, Johann Conrad Samuel geboren am: 30-11-1649 in: Halberstadt gestorben am: 30-11-1649 in: nicht bekannt Verhältnis zu Lessing: nicht bekannt Beschreibung: Geboren in Halberstadt war Tübener seit 1756 als Goldschmiedemeister und seit 1784 als sog. Oberältester in Braunschweig tätig. Lessing fand bei ihm auf Vermittlung von ⭢Ebert bei seinem Besuch am 2. November 1769 Quartier.
Warnstedt, Friedrich Carl Bogislaus geboren am: 30-11-1726 in: nicht bekannt gestorben am: 12-03-1808 in: Braunschweig Verhältnis zu Lessing: befreundet Beschreibung: Seit 1740 im braunschweigischen Militärdienst war Warnstedt von 1770 (evtl. auch früher) bis 1776 Adjudant des Prinzen ⭢Leopold von Braunschweig. 1800 wurde er zum Generalleutnant ernannt und war zuletzt Kommandant von Braunschweig. Gemeinsam mit Lessing war er, noch im Stand eines Obersten, Reisebegleiter Leopolds in Italien 1775. Am 25. April brach man aus Wien auf und trennte sich am 16. Dezember in München, von dort reiste Lessing nach Wien. Man verdankt von Warnstedt dank eines sorgfältig geführten Rechnungsbuchs etliche Details über die Reiseroute, die besuchten Höfe und Personen, Theater, Monumente, Sehenswürdigkeiten aller Art. Lessing hingegen hatte zwar Notizen hinterlassen und eine Handvoll Briefe geschrieben, doch so fragmentatisch, dass man ohne Warnstedts Buchhaltung und Rechnungsführung weder viel über alle besuchten Orte noch über die Dauer der jeweiligen Aufenthalte wüsste. Der Oberst erscheint als angenehmer Reisegefährte, tüchtig, vielseitig interessiert und umsichtig, er ist der Organisator der Grand Tour, zudem großzügig: »die Mittel, die er als Herr der Riesekasse Lessing zum Bücherkauf überließ, überstiegen den Jahresetat für Neuerwerbungen der Wolfenbütteler »Bibliothek« (Petra Oelker). Wie Lessing hat er am Siebenjährigen Krieg teilgenommen, allerdings im Leibregiment ⭢Carl Wilhelm Ferdinands. Seine Bibliothek umfaßt eine bemerkenswerte Sammlung an Weltliteratur und Reisebeschreibungen, seine wahre Leidenschaft indes gilt der Numismatik, der er im Rahmen seiner mit preußischem Ernst befolgten Pflichten auch in Italien nachgeht. Bestes Zeugnis von Warnstedts persönlicher Integrität gibt die Tatsache, daß seine Verbindung zu Lessing auch in späteren Jahren bestehen bleibt und Warnstedt zu Lessings festen Tischgenossen im Großen Club von Braunschweig gehört.
Zachariä, Justus Friedrich Wilhelm geboren am: 01-05-1726 in: Frankenhausen[Kyffhäuser] gestorben am: 30-01-1777 in: Braunschweig Verhältnis zu Lessing: befreundet Beschreibung: Der spätere Schriftsteller, Übersetzer, Hausgeber und Komponist begann nach dem Besuch der fürstlichen Landesschule 1743 das Studium der Rechtswissenschaften in Leipzig, wechselte jedoch 1747 nach Göttingen. Seit 1744 zählte er zum Kreis der ›Bremer Beiträger‹. Nach dem Studium wurde Zachariä Hofmeister am Collegium Carolinum. Aufgrund seiner Kenntnisse über das Druck-und Papiergewerbe bereiste er im Auftrag des Hofes inländische Papierfabriken. 1762-1774 war er Leiter der Buchhandlung und Druckerei des Braunschweiger Waisenhauses, wozu auch die Aufsicht über Druckerei, Buchhandlung und Verlag der Einrichtung gehörte. 1761 erfolgte Zachariäs Ernennung zum Professor für Dichtkunst. Mit seinem schon 1744 veröffentlichten »komischen Heldengedichte« und Studentenepos DER RENOMMISTE, das das studentische Leben Leipzigs und Jenas einander gegenüberstellt, hatte Zachariä früh beachtlichen literarischen Erfolg. Kein späteres Werk reicht an Originalität und Witz der Erfindung an diesen Erstling heran. Literarisch trat er in verschiedenen Genres, etwa als Bearbeiter deutscher Volksmärchen oder als Übersetzer von Miltons »Lost Paradise«, in Erscheinung. Neben seiner literarischen Tätigkeit komponierte der zum engeren Freundeskreis Lessings zählende, den geselligen Freuden des Lebens zugeneigte Autor. Lessing bedachte ihn gelegentlich mit freundschaftlichem Spott; er war auch Gast der noch in späten Jahren vollzogenen Heirat Zachariäs mit der 37jährigen Henriette Sophie Elisabeth Wegener, Tochter des Gasthofsbesitzers »Zum großen Weghause« in Stöckheim, einem beliebten Treffpunkt des Kreises um Lessing zwischen Wolfenbüttel und Braunschweig. Vergleichsweise jung starb der ob seiner »Walfischgesundheit« eigentlich bewunderte Zachariä im Alter von 51 Jahren in Braunschweig. GND ADB/NDB-Link Wikipedia Porträt